Im Zweifel für den Glauben

 

 

„Wer glaubt, der zweifelt nicht“. Lange war diese Meinung Standard in christlichen Kreisen. „Gib dich nicht mit diesem Zweifler ab. Der vermiest dir noch den Glauben“, war so manchmal zu hören. Schnell gingen die scheinbar Glaubensfesten auf Distanz zu dem, der den Glauben in Frage stellte.

Zweifel aber gehört zum Glauben. Er ist geradezu notwendig, um im Glauben zu wachsen. Auf den folgenden Seiten wollen wir Ihnen aufzeigen, wie hilfreich der Zweifel für den Christen sind. „Im Zweifel für den Glauben - Wie uns das Fragen in Bewegung hält“ – so ist das Schwerpunktthema für die Monate Januar und Februar überschrieben. Damit greifen wir die kirchliche Jahreslosung für 2020 auf: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben (Markus 9, 24).“

Zweifel, das sind nach WikipediaBedenken; schwankende Ungewissheit darüber, ob man etwas glauben soll oder ob etwas richtig ist.

 

Aktuellste Beiträge zum Thema

Der größte Zweifler in der Bibel

Wer in der Bibel nach dem größten Zweifler sucht, wird bei dem Apostel Thomas landen, der aus der Mitte des engeren Kreises um Jesus stammt. Als man ihm die Botschaft von der Auferstehung Jesu überbrachte, zweifelte er an den Aussagen. „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ Thomas durfte Jesus sehen und glauben.

 

 

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“

In der Bibel wird auch erzählt, wie Jesus einen Jungen heilt. Der Junge wird von dämonischen Mächten geplagt und zu Boden geworfen. Niemand kann den Jungen heilen. Dann wendet sich der Vater des Jungen an Jesus und bittet diesen um Hilfe. Er hat wenig Hoffnung und sagt: „Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!" (Markus 9, 22). Jesus erklärt, dass „alle Dinge dem möglich sind, der da glaubt". Daraufhin gesteht der Vater seine Zweifel und sagt eben jenen Satz: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" Jesus handelt und befreit den Jungen von seinem Leiden.

In unseren Glaubens-FAQs finden Sie praktische Tipps vom Zweifeln zum Glauben zu finden:

 

Am Zweifel ist nichts Anrüchiges

Nicht nur vor 2000 Jahren, zu allen Zeiten haben Menschen nicht nur geglaubt, sondern auch gezweifelt. Der Zweifel gehört fast wie zwei Seiten einer Münze zum Glauben.
Dabei ist am Zweifel nichts Anrüchiges. Wer zweifelt, hinterfragt und hat die Chance, mit festerem Glauben seinen Weg zu gehen.

 

Unter Zweifel werden viele Bedenken zusammen gefasst. Da gibt es zunächst den Zweifel, ob es Gott tatsächlich gibt. Die gesamte Glaubensgeschichte ist von Anfang an auch eine Geschichte des Unglaubens: Adam und Eva zweifelten bereits auf den ersten Seiten der Bibel daran, dass es das Beste für sie ist, von einen bestimmten Baum nicht zu essen (1. Mose 3,1-24). Die Israeliten zweifelten daran, dass sie das von Gott versprochene Land tatsächlich erobern können würden (4. Mose 13,1- 14,4). Der Apostel Petrus zweifelte daran, dass das Wasser ihn trotz des starken Windes tragen würde und das, obwohl er schon ein paar Schritte auf der Oberfläche des Sees getan hatte (Matthäus 14,22-33). Einige der Jünger zweifelten bei Jesu' Himmelfahrt, obwohl sie ihn nach seiner Auferstehung mehrere Male gesehen, ihn berührt und mit ihm zusammen gegessen hatten (Matthäus 28,16-20).

Es gibt Zweifel an der Wahrheit einzelner Glaubensinhalte wie der Jungfrauengeburt Jesu, ebenso wie an ihm zugeordneten Aussagen. An der Kirche und ihren Institutionen wie auch dem göttlichen Bodenpersonal. Aber Menschen zweifeln auch an ihrer eigenen Berufung, an ihrem Glauben, an ihrer persönlichen Wegführung. Mancher kann an einen liebenden Gott nicht glauben angesichts der Kriege und des Leids auf dieser Welt. Sie zweifeln an dem Gott der Liebe.
 

Mehr Beiträge und Artikel zum Schwerpunktthema finden Sie außerdem in unserem Magazin ERF ANTENNE.

Zweifeln ist ehrlich

„Oft ärgere ich mich über Mitchristen, die den Glauben als einfachste Sache der Welt darstellen. Dass man sich nur drauf „einlassen“ müsse. Auf manche Menschen mag das zutreffen“, meint Katrin Faludi, die im Februar ein Buch zum Thema Zweifel herausbringt. Sie schreibt weiter: „Für viele aber ist das alles andere als einfach. Wer ein materielles Weltbild gewöhnt ist, tut sich schwer damit, sein Leben einer unsichtbaren Macht anzuvertrauen. Es ist ein Wagnis, das nicht automatisch und sofort belohnt wird. In meinem Fall hat es viele Jahre gedauert, bis in mir die Überzeugung wachsen konnte, dass es Gott gibt und ich nicht nur sehnsüchtigem Wunschdenken ohne realem Fundament nachhing. Ich musste etliche Male mit dem Kopf gegen die Wand rennen, bis endlich ein Loch darin klaffte (in der Wand, nicht im Kopf) und ich eine Ahnung davon bekam, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als rational erklärbar ist. Wer am Glauben zweifelt oder gar nicht glauben kann, tut das in der Regel nicht leichtfertig. Vielmehr beweist er Mut und Ehrlichkeit. Es wäre mitunter leichter, Zweifel zu verdrängen und „seine Ruhe“ zu haben. Aber was wäre das für ein Glaube? Heute bin ich überzeugt, dass Gott unsere Ehrlichkeit mehr schätzt als blinden Gehorsam. Wer aufrichtig an ihm zweifelt und sein Unvermögen zu glauben eingesteht, ist ihm vielleicht sogar näher als derjenige, der seine Zweifel wegsperrt, weil sie sich scheinbar nicht gehören. Weil er in der Bibel gelesen oder von anderen eingeredet bekommen hat, dass Zweifel etwas Schlechtes seien“, Den ganzen Beitrag können Sie hier nachlesen.


Wenn mit 15 Jahren das Herz still steht

Durch eine seltene Erbkrankheit wird aus dem fröhlichen Teenager Daniela Häbel plötzlich eine schwerstkranke Herzpatientin. Daniela beginnt, ihren kranken Körper zu hassen und tut alles, um ihn endgültig zu zerstören: Sie ritzt sich, spuckt Medikamente aus, erbricht das Essen. Mit Gott will sie in dieser Zeit nichts mehr zu tun haben. Doch Gott begegnet ihr mitten im Zweifel.

 


Wer sich intensiv mit seinen Fragen an den Glauben auseinander setzt, kann gestärkt daraus hervorgehen. Schon die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916) sagte: „Der Gläubige, der nie gezweifelt hat, wird schwerlich einen Zweifler bekehren“. Kurzum: Wer seinem Glauben Argumente zur Seite stellt, die er im Zweifeln gewonnen hat, kann ihn auch anderen gegenüber besser vertreten.


Zweifel steht vor der Gewissheit

„Ich finde es nicht selbstverständlich, dass Menschen vom Zweifel zum Glauben kommen wollen“, meinst Pfarrer Ulrich Parzany, viele Jahre Hauptredner der Aktion „ProChrist“. Er fragt, gibt es überhaupt Gewissheit hinter dem Zweifel?. Der Kern aller Fragen ist nach Ulrich Parzany die Frage nach Jesus. „Sie können nicht zur Gewissheit kommen, wenn Sie Zuschauer bleiben wollen“, meint der Theologe in der Aufzeichnung einer öffentlichen Ansprache.

 

„Tiefe Glaubens- und Lebenserfahrung passiert meist nicht auf der geraden Strecke. Der Glaubensweg ist keine Autobahn, auf der wir möglichst schnell von A nach B kommen. Wie jeder Reiseführer, empfiehlt auch das Leben gerne die Nebenstrecke. Zweifel bremsen uns aus, lassen uns den direkten Weg verlassen und führen uns auf unbekanntes Terrain“, schreibt Katrin Faludi in einem Beitrag für die Januar/Februar-Ausgabe der Zeitschrift ERF ANTENNE, die das Thema Zweifel zum Schwerpunkt hat.

 

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