Andacht Lesezeit: ~ 6 min

In Schubladen gesteckt: Vorurteile über Gott

Warum es sich lohnt, die vertrauten Vorbehalte zu hinterfragen.


Jeder hat sie. Obwohl keiner sie haben will: Vorurteile. Und selbst Gott ist nicht davor gefeit. Auch er wird von uns in Schubladen einsortiert. Und die Vorbehalte Gott gegenüber sind zahlreich.


Jeder hat sie: Vorurteile

Eigentlich sind sie total verpönt. Aber jeder hat welche: Vorurteile. Jene altvertrauten Vorbehalte, mit denen wir anderen begegnen. Vorurteile gibt es im Prinzip gegen alles und jeden. Gegen Männer, gegen Frauen, gegen Jugendliche, gegen Alte. Nichts und niemand ist wohl davor gefeit. Noch nicht einmal Gott. Auch gegen ihn gibt es Vorurteile. Beispiele gefällig? „Gott ist ein verwirrter Tattergreis“, „Er ist bloß eine Wunschvorstellung religiöser Menschen“, „Gott kann kein liebender Gott sein, wenn er so viel Leid zulässt“, „alle Religionen meinen denselben Gott“, „Gott existiert überhaupt nicht.“

Ich glaube, Gott hält das aus. Immer wieder wird er in Schubladen gesteckt. Von Vielen. Vielleicht sogar von jedem von uns. Doch das hindert Gott offenbar nicht daran, auf uns zuzugehen. Und zwar ganz ohne Vorurteile. Jesus demonstriert das eindrücklich. Da begegnet er dem Nathanael. Einem Mann, von dem es in der Bibel heißt: „Später begegnete Philippus dem Nathanael und erzählte ihm: »Wir haben den gefunden, von dem Mose geschrieben hat und den die Propheten angekündigt haben. Es ist Jesus aus Nazareth, der Sohn Josefs.« »Nazareth?«, entgegnete Nathanael. »Was kann von da schon Gutes kommen!« Doch Philippus antwortete ihm: »Komm mit und überzeuge dich selbst!«“ (Johannes 1,45-46).
 

Aus dem verschlafenem Nest?

Offensichtlich ist Nathanael ein Kenner der hebräischen Bibel, des Alten Testaments. Denn das Gespräch zwischen Philippus und ihm dreht sich darum. Genaugenommen um eine ihrer zentralsten Aussagen. Um die prophetische Ankündigung des Messias. Gott würde ihn senden. Um sein Volk Israel zu erretten aus der Fremdherrschaft. Ja mehr noch: der Messias würde alles heil machen. Die ganze Welt. Alles und jeden erretten vor dem Untergang, aus dem Elend, aus dem Leid. Und sogar vor dem Tod (5. Mose 18,15-20; Jesaja 49,2.6).

Bis heute ist von einer Messiasgestalt die Rede, wenn jemand eine allumfassende Erlösung verspricht. Philippus jedenfalls berichtet: „Nathanael. Wir haben ihn gefunden. Er ist da. Der Messias. Es ist Jesus aus Nazareth“. „Bitte was?“, platzt Nathanael heraus. „Aus Nazareth? Der Retter der ganzen Welt kommt doch niemals aus Nazareth. Aus dem verschlafenem Nest.“ Vordergründig scheint Nathanael sogar Recht zu behalten. In der jüdischen Bibel wird der Messias nicht mit Nazareth in Verbindung gebracht. Nein, aus Bethlehem soll er kommen (Micha 5,1). Zwar ebenfalls ein winziges Dörfchen. Aber wenigstens eins mit großer Geschichte. Kam doch Israels größter König von dort: David (1. Samuel 16,1.12f).
 

Die eigenen Vorurteile hinterfragen – weil es sich lohnt

Und doch geht Nathanael einem Vorurteil auf den Leim. Auch, wenn es damals ziemlich weit verbreitet ist. Und auch noch ganz fromm daherkommt. Sicher: der Erretter Israels und der ganzen Welt soll aus Bethlehem stammen. Aber das ist bei Jesus auch tatsächlich der Fall. Er ist dort geboren. Aber in dem unbedeutenden Dörfchen Nazareth aufgewachsen. Deshalb ist es völlig korrekt, wenn Philippus von ihm sagt: Der die ganze Welt heilmachen wird, das ist Jesus aus Nazareth.

Doch nun geschieht etwas ganz entscheidendes in dieser Begegnung. Philippus diskutiert nicht lange. Vermutlich ist ihm zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht klar, dass Jesus in Davids Heimatdorf geboren wurde. Deshalb fordert er den Nathanael einfach auf: „Komm mit und überzeuge dich selbst!“ Etwas Besseres hätte Philippus wohl nicht tun können. Und Nathanael ist tatsächlich bereit, sich darauf einzulassen. Seine Bedenken hat er sicherlich noch gegenüber dem Mann aus Nazareth. Aber Nathanael gibt der Begegnung mit Jesus eine Chance. Trotz seiner Vorbehalte. Er ist in der Lage, sein Vorurteil zunächst einmal beiseite zu lassen. Zudem scheint sich Philippus völlig sicher zu sein, dass Jesus selbst den Nathanael überzeugen kann. Deshalb seine schlichte, aber wirkungsvolle Einladung: „Komm mit zu Jesus und sieh selbst!“

Nathanael gibt der Begegnung mit Jesus eine Chance. Trotz seiner Vorbehalte. Er ist in der Lage, sein Vorurteil zunächst einmal beiseite zu lassen.

 

Jesus kennt jeden von uns – und das tut gut

Und tatsächlich: als Nathanael Jesus begegnet, ist er bald überzeugt. Zwei Umstände tragen dazu bei. Kaum hat Jesus den Nathanael erblickt, der auf ihn zukommt, sagt er auch schon über ihn: „Hier kommt ein wahrer Israelit, ein ganz und gar aufrichtiger Mensch!“ (Johannes 1,47). Natürlich ist Nathanael verblüfft. Woher kennt ihn der Mann aus Nazareth? Sie sind sich noch nie begegnet. Aber der Rabbi mit dem Namen Jesus kennt seine innerste Sehnsucht: aufrichtig und von ganzem Herzen zum lebendigen Gott gehören. Das kann ein Fremder nicht wissen. Aber Jesus kennt Nathanael. Und er kennt Sie und mich ebenso. Er weiß, was uns umtreibt, wonach sich unser Herz sehnt. Und das beste: Jesus treibt mit diesem Wissen keinen Schindluder. Im Gegenteil.

Jesus blickt in unsere Seele, um uns heil zu machen. Von innen heraus.

 

Doch das ist noch nicht alles. Kaum hat Nathanael das alles erstaunt zur Kenntnis genommen, setzt Jesus noch einen drauf: „Noch bevor Philippus dich rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.“ (Johannes 1,48). Dort hat Philippus den Nathanael wohl angetroffen, als er ihm von Jesus erzählte. Und offensichtlich wird Nathanael klar: ich stehe hier nicht vor einem normalen Menschen. „»Lehrer, du bist wirklich Gottes Sohn!«, rief Nathanael.“ (Johannes 1,49).

Der Sohn Gottes. Das bedeutet, Jesus steht mit Gott auf einer Stufe. Wie Gott der Vater, so ist auch Gott der Sohn ganz und gar Gott. Jesus selbst hat es so verstanden (Matthäus 26,63f; Johannes 10,33.36). Und seine Anhänger folgen ihm darin. Es ist ein zentrales Wesensmerkmal des christlichen Glaubens (Apostelgeschichte 9,20). Nathanael weiß: endlich habe ich den gefunden, durch den Gott alles zum Guten wenden wird. Für mich selbst. Und für die ganze Welt.
 

So war’s bei mir – meine eigene Begegnung mit Jesus

Und bis heute hat sich daran nichts geändert. Noch nicht einmal die Art, wie Menschen zum Glauben kommen. Zum Glauben an den lebendigen Gott. Und zum Glauben an Jesus Christus. Bei mir war es so. Mein Bruder erzählte mir: ich glaube jetzt an Jesus. Er wird alles heil machen. Ich erfahre es jetzt selbst in meinem eigenen Leben. Immer wieder einmal sprachen wir darüber. Das ging vielleicht ein oder zwei Jahre lang so. Dann hat mein Bruder mich eingeladen. Zu ein paar Abenden, bei denen ein guter Referent gesprochen hat. Zu verschiedenen Themen über Gott.

Dabei wurde ich allmählich bereit, meine Vorurteile über Gott zu hinterfragen. Eines war klar: über Gott kann niemand etwas Genaues wissen. Doch der Redner vermittelte mir unaufhörlich den Eindruck: der kennt Gott ganz persönlich. Ich meine nicht, er wusste alles über Gott, sondern: er kennt ihn wirklich selbst. Dabei hat er Gott niemals leibhaftig gesehen. Und Jesus auch nicht.

Aber durch die vielen Berichte in der Bibel – und durch Menschen, die einem helfen, sie zu verstehen – dadurch ist es möglich, Jesus wirklich zu begegnen.

 

Ausdrücklich hat Jesus darauf hingewiesen: die Schriften der Bibel bezeugen zuverlässig, wer ich bin. Durch sie könnt ihr mich finden und kennenlernen (Johannes 5,39; Lukas 16,31). Und die schriftlichen Berichte über Jesus verfolgen genau diesen Zweck: damit Sie und ich durch den Inhalt zum Glauben an Jesus kommen. Und durch Jesus das ewige Leben haben (Johannes 20,31). So ist der Referent jener Abende Jesus begegnet. Und ich habe mich die ganze Woche hindurch jeden Abend mit ihm unterhalten. Ich hatte sehr viele Fragen. Und er ging darauf ein. Und so kam ich schließlich dazu, mich mit meinem ganzen Leben Jesus anzuvertrauen.


Mehr als 30 Jahre ist das jetzt her. Und ich kann nur sagen: Jesus ist real. Nicht sichtbar, aber wirklich da in meinem Leben. Ich kenne ihn jetzt auch. Und doch bin ich immer wieder überrascht, wenn ich feststelle: so habe ich Jesus bisher noch gar nicht gesehen. Auch nach 30 Jahren habe ich das ein oder andere Vorurteil über ihn. Aber Jesus ist geduldig. Mit mir. Und mit jedem, der ihn aufrichtig sucht. Ich mache Ihnen viel Mut: Jesus kann auch Ihnen begegnen.


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Kommentare

Von Steffen Brack am .

Gerne.

Von Dorena am .

Gut geschrieben. Danke.


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