Andacht Lesezeit: ~ 3 min

Zweifel kommen in den besten Familien vor

Mancher Zweifel kommt getarnt um die Ecke. Ich lade Sie zur Spurensuche ein.


Ganz normaler Alltag vor 2.000 Jahren in Israel. Zacharias übt seinen Beruf als Priester aus. In Israel werden Menschen zum Priester geboren. Ein Stammbaum der Familie Aaron ist gefragt. Zacharias kann so einen Stammbaum nachweisen.

Der Dienst eines Priesters ist genau geregelt. Zacharias ist an der Reihe. Im Tempel, von dem es nur einen in der Hauptstadt Jerusalem gibt, wird eine Weihrauchmischung verbrannt. Üblicherweise morgens und abends.

Mitten in seiner Berufsroutine traut Zacharias seinen Augen nicht. Neben dem Altar steht ein Engel. Keine Einbildung, keine übersehene Schutzengelskulptur – nein, ein realer Engel. Zacharias haut es um. Deshalb sagt der Engel als erstes: „Keine Panik, Angst ist unangebracht. Freu dich. Gott schickt mich. Hier – eine himmlische WhatsApp“: „Gebet erhört. Du und deine Frau – ihr bekommt einen Sohn. Name: Johannes. Typ: Freudeverbreiter. Ein kleiner Elia – du weißt schon.“ (2. Könige 1-8).

Solange hatten Zacharias und seine Frau ein Kind erbeten. Nun ist eine Schwangerschaft in Aussicht. Auch noch ein Junge! Eine bedeutende Persönlichkeit soll der Kleine werden. Und Zacharias, der Priester, kann es nicht glauben. Geschweige denn, sich über die Gebetserhörung freuen.
 

Zweifel – der Freudekiller

Mir geht das auch manchmal so: Jahre bete ich z. B., dass zwei Menschen wieder zueinander finden. Dann passiert es. Ich glaube es zwar, aber ich kann mich nicht freuen. Die jahrelange Warterei hat mich zermürbt. Froh streich ich nur noch das Gebetsanliegen von meiner Liste. Ein Gebet weniger. Ein merkwürdiges Gesicht des Zweifels schaut mich an: Mein jahrelanges Gebetspaket scheint wichtiger zu sein, als das, was Gott zu seiner Zeit schenkt!

So ähnlich geht es wohl auch Zacharias. In jungen Jahren war der Kinderwunsch groß gewesen. Doch jetzt, in ihrem Alter? Was sollen sie da noch Eltern werden! Solange wurden sie hingehalten. Sie haben sich längst damit abgefunden, kinderlos zu sein. Jetzt brauchen sie kein Kind mehr.
 

Zeichen - eine Medizin gegen Zweifel?

Zacharias lenkt ein wenig ein und fragt nach einem Zeichen. Ist der Engel nicht bereits ein deutliches Zeichen? Der Engel weiß um das Gebet von Zacharias und seiner Frau – reicht das nicht? Gab es nicht schon genug solcher Geschichten in Israel, die sie sich erzählten: Abraham und Sara, die auch erst im hohen Alter ihren Isaak bekamen (1. Mose 18,1-15). Hanna, die solange um ein Kind gerungen hatte, bis sie endlich Samuel versprochen bekam? (1. Samuel 1).

Kannte er, Zacharias, mit seinem Stammbaum, diese Geschichten – geschrieben von Gott persönlich – nicht in und auswendig? Doch wenn es um ihn und seine Frau ging, war das wohl etwas anderes als damals bei ihren Ahnen.

Der Engel zeigt seinen Ausweis vor. „Schau, ich bin Gabriel. Nicht irgendein Engel. Mein Platz ist in Thronnähe. Von Gottes Thron versteht sich. Gott persönlich hat mich zu dir geschickt. Mit dieser Himmelsbotschaft.“

Damit nicht genug. Ein weiteres Zeichen folgt: Zacharias verstummt. So sehr er sich auch bemühen wird, zu reden, es wird kein Ton über seine Lippen kommen. Bis Johannes, der angekündigte Sohn, das Licht der Welt erblickt hat.

Nun hat Zacharias Zeit, viel Zeit. Neun Monate kann er über alles nachdenken. Still sein, wenn andere reden. Auch wenn Gott redet und handelt. Aus einer anderen, stummen Perspektive kann er das Erlebte mit den alten Geschichten zusammenbringen. Weitere Zeichen kann er nicht mehr laut einfordern.
 

Schadensbegrenzung durch Gott?

Ein stummer Priester. Ein Priester, der keinen Segen mehr sprechen kann – das geht gar nicht. Doch. Bei Gott schon. Gott erhört auch diese Bitte nach einem Zeichen von Zacharias, wie die um ein Kind. Gott wählt das Zeichen aus. Vertrauen ist erneut gefragt. Ob das Stummsein die Zweifel vertreibt?

Sollte Gottvertrauen für einen Priester nicht selbstverständlich sein? Eigentlich schon. Doch Gott nimmt die Bitte ernst, die sich aus Zacharias Bedenken speist. Gott gibt Zacharias Zeit, in dem konkreten Punkt Gott zu vertrauen. Gott alles zuzutrauen. Auch dass er sich im Alter noch über ein Kind freuen kann. Erst Recht über einen Sohn, der die Planierraupe Jesu, des Sohnes Gottes, sein wird.

Sollte es für eine Pfarrerin nicht auch selbstverständlich sein, Gott zu vertrauen? Schon, aber, wenn die Jahre vergehen und Gott ein Gebet nicht erhört? Hat es Sinn, weiter zu beten? Ich habe keine Lust und keinen Atem mehr. Doch, was löscht die Zweifel aus? Gott selbst. Manchmal schenkt Gott ein Zeichen – sogar ungefragt. Ich treffe eine von den zwei Personen, für die ich bete und weiß, wie es gerade bei ihr aussieht. Die persönliche Begegnung motiviert mich, weiter zu beten.

Die Gewissheit stellt sich in der Stille vor Gott ein. Gott kann. Gott wird handeln. Gott wird sich zeigen – wann und wo er will. Vertrauen kann warten! Auch mehr als neun Monate.


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