Dafür stehe ich!

Dafür stehe ich! – Von der Lust, Verantwortung zu übernehmen

 

„Wer ist hierfür verantwortlich?“ Diese Frage verwenden wir gerne, wenn etwas schief gelaufen ist. Wer hat die Leiter nicht gesichert und es ist zu dem Absturz gekommen? Wie konnte das passieren, dass der Stapel Material umgestürzt ist? Verantwortung heißt, ich kann zur Rechenschaft gezogen werden. Die Verantwortungsbereitschaft in unserer Gesellschaft und auch in den christlichen Gemeinden nimmt gerade ab.
Viele Vereine finden niemanden, der als Vorsitzender Verantwortung tragen will. Auch in Kirchen, Freikirchen oder Vereinen wie dem Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) gibt es landauf landab Klagen, dass sich niemand findet, der sich in Verantwortung nehmen lässt.

Aber auch die Verantwortung für sich selbst zu tragen, nimmt ab. Oft machen wir die Umstände oder konkrete Personen verantwortlich für unsere derzeitige Situation. Es braucht in unserer Gesellschaft aber Menschen, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und für sich und für andere einstehen. Wie aber wäre es, wenn wir beim Thema Verantwortung weniger nach Schuld, sondern nach den Möglichkeiten fragten, etwas zu gestalten und einen Weg zu weisen?

 

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Achte auf deine Erwartungen!

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Der Micha-Beruf und ich

Stefanie Linner setzt sich mit der Micha-Initiative Deutschland für Gerechtigkeit ein.


 


Verantwortung übernehmen –  für sich selbst

Du hast immer eine Wahl – Vom Heimkind zum Geschäftsmann

Wie oft hadern wir mit unserem Leben. Schieben die momentane Situation auf die Eltern, auf die Schule, den Ausbilder im Beruf. Sehen die verkorkste Kindheit als Ursache für unsere Misere. Der Amerikaner Rob Mitchell hatte einen denkbar schlechten Start ins Leben. Doch aus dem Heimkind Robby wurde ein erfolgreicher Geschäftsmann. Dazu sagt Mitchell: 

„Ich würde nicht sagen, dass ich Glück hatte. Ich habe Entscheidungen getroffen. Wir können uns nicht immer aussuchen, was uns wiederfährt. Ich habe mir nicht ausgesucht, verlassen zu werden. Ich wollte nie in einem Kinderheim groß werden. Aber ich habe erkannt, dass ich selbst entscheiden kann, wie ich auf die Umstände reagiere. Und das kann mir keiner wegnehmen! Es war kein Glück – es waren Entscheidungen! Ich entschied mich, manch schlechte Einflüsse hinter mir zu lassen und gute Einflüsse zuzulassen. Ich hörte auf zu trinken und entschied mich, anders mit Frauen umzugehen. Es waren kleine Schritte – aber sie haben alles verändert.“

 

Ich war wütend. Ich habe gesoffen und Hasch geraucht, weil ich so verbittert über meine Kindheit war. Ich war nicht gerade das, was man unter einem ‚netten Jungen‘ versteht. – Rob Mitchell

 

Als Teenager sah er das Leben ganz anders. „Ich war wütend. Ich habe gesoffen und Hasch geraucht, weil ich so verbittert über meine Kindheit war. Ich war nicht gerade das, was man unter einem ‚netten Jungen‘ versteht“. Grund war sein schreckliches Erleben in der Familie „Als ich drei Jahre alt war, hat mein Vater uns verlassen. Er hat sich eine Waffe an den Kopf gehalten und sein Gehirn weggepustet. Drei Monate später hat meine Mutter mich in einem Kinderheim abgeliefert – Dort habe ich die nächsten 14 Jahre meines Lebens verbracht, bis man mir mit 17 ein Zugticket in die Hand drückte und sagte: ‚Viel Glück, Junge.‘ Damit war ich praktisch obdachlos“.

Als Jugendlicher musste sich Mitchell neu finden. „Ich war 17 und wusste nicht, was ich mit meinem Leben anfangen sollte. Dann fragte man mich, ob ich über den Sommer bei einem christlichen Freizeitcamp als Rettungsschwimmer einspringen könne. Ich fand das großartig, denn dort konnte ich einfach Rob sein – nicht Robby aus dem Kinderheim.


Und außerdem konnte ich meiner Lieblingssportart frönen: das Jagen und Fangen von albernen Mädchen! Ich liebte es! Dann tauchte diese süße, blauäugige, blonde Pastorentochter auf und ich dachte nur: die Jagd ist eröffnet! Also versuchte ich, sie zu beeindrucken. Doch sie fragte mich nach drei Tagen: ‚Wie sieht eigentlich deine Beziehung zu Jesus aus?‘ Ich erklärte ihr, dass ich ihm diese ganze liebender-himmlischer-Vater-Nummer einfach nicht abkaufte. Worauf sie mich anlächelte und meinte, ich hätte wohl die Beweise nicht hinreichend geprüft. Da ich immer noch vorhatte, sie zu beeindrucken, war ich bereit, jegliche Dummheit zu begehen – sogar die Bibel zu lesen. Und in diesen Texten begegnete mir ein Jesus, der völlig anders war als den, von dem ich bisher gehört hatte.

Ich dachte vorher, Jesus würde drei Fuß über dem Boden schweben und sich niemals dreckig machen. Doch dieser Jesus wurde dreckig, hungrig, durstig. Er wurde verraten. Er war vor allem frustriert, weil die Menschen zu dickköpfig und herzlos waren, um die Liebe Gottes zu erkennen, die er ihnen zeigen wollte. Ich habe mit diesem Jesus gekämpft, bis ich bei einer zentralen Frage landete: Warum? Wenn Gott heilig ist, warum würde er einen Jungen wie mich wollen? Er wusste, was ich alles gesagt und getan habe, vor allem, was ich anderen angetan hatte – und was mir angetan wurde.

Ich hätte mich nie von alldem reinwaschen können, um einem heiligen Gott zu genügen. Und dann wurde mir klar, dass Gott mich adoptieren wollte – den Heimjungen. Ihm war meine Vergangenheit egal. Und da entschied ich mich und sagte ihm: ‚Jesus, wenn du real bist und mich verändern kannst, dann gehöre ich dir.‘ In dem Moment habe ich zwar keine Engelschöre gehört oder bin in spirituelle Extase verfallen, aber für mich war es so, als ob Gott selbst aus dem Himmel herabkam und das Herz eines wütenden, bitteren Chaoten aus einem amerikanischen Kinderheim berührte. Es ist nicht einfach, Kinder wie uns zu lieben – mit unserer Vergangenheit, dem Missbrauch, den Alpträumen, der Wut. Dann war da dieser Mann, Jim, der mir beibrachte, Gewichte zu stemmen. Oder Bob, der mir zeigte, wie man durch den Wald laufen kann, ohne sich zu verirren. Ein anderer brachte mir Autofahren bei. Ich glaube, ein anderes Wort für Liebe ist Zeit.

Für mich war es so, als ob Gott selbst aus dem Himmel herabkam und das Herz eines wütenden, bitteren Chaoten aus einem amerikanischen Kinderheim berührte – Rob Mitchell

 

Diese Menschen sind einfach regelmäßig in meinem Leben aufgetaucht, selbst als ich mich von ihnen zurückziehen wollte. Das waren die Menschen, die die Veränderung bewirkt haben – die Leute, die einfach immer wieder da waren.“  Die Lebenwende führte dazu, dass Robert Mitchell sein Leben in die Hand nahm und es veränderte. 


 


ERF Mitarbeiter zum Thema „Verantwortung“

 


 


Die ÜberlebensHelferin zum Thema Verantwortung

Die ÜberLebensHelferin hat Tipps, wie man den inneren Schweinehund überwinden und Verantwortung übernehmen kann.

Die ÜberLebensHelferin zeigt, was dabei helfen kann, Entscheidungen zu treffen und Unentschlossenheit zu überwinden.

Die ÜberLebenshelferin zeigt, wie wir uns oft mit unbewussten Ängsten und inneren Widerständen selbst im Weg stehen.  

 

 


Verantwortung übernehmen – gegenüber Gott

In Verantwortung vor Gott und den Menschen

 

Wenn in Berlin die Bundeskanzlerin eine Regierungserklärung abgibt, dann würdigt sie in aller Regel die  Leistungen und Errungenschaften ihres Kabinetts. Das ist ganz normal. Schließlich will sie bzw. ihre Partei ja wiedergewählt werden. Das  meint unser Hauptstadt-Korrespondent Oliver Jeske, und schreibt:

„Doch wie wäre es, wenn eine Regierungserklärung einmal ganz anders aussehen würde? Wenn Minister und Kanzlerin sich nicht selbst auf die Schulter klopfen, sondern es so machen wie der König David. Er war Staatschef von Israel vor rund 3.000 Jahren. Und er nahm sich Folgendes fest vor:

Ich werde dir (Gott) danken vor der ganzen Gemeinde, vor versammeltem Volk will ich dich preisen. (Psalm 35,18).

 

David wusste, dass er ohne Gott aufgeschmissen ist. Er wusste: Ich bin Regierender aus Gottes Gnaden. Um in meinem Amt bestehen zu können, brauche ich Gottes Beistand, seine Hilfe in allen Bereichen meiner Amtsführung – und vor allem seinen Schutz. Darauf hat David vertraut, und das wollte er öffentlich machen. Nicht, dass unsere Volksvertreter und Regierenden nicht auch mal einen Gottesdienst besuchen. Ja, aber das geschieht eher im privaten Raum.  Dabei soll Politik in unserem Land geschehen „in Verantwortung vor Gott und den Menschen“ – so steht‘s im Vorwort unserer Verfassung.

Ich fände es schön, wenn davon viel mehr im Deutschen Bundestag zu hören wäre. Ein frommer Wunsch? Vielleicht! Falsch muss er deshalb aber nicht lange nicht sein.“

 


Mehr Beiträge und Artikel zum Schwerpunktthema finden Sie außerdem in unserem Magazin ERF ANTENNE.


 


Verantwortung übernehmen – gegenüber Mitmenschen

Interview: Verantwortung ist Antwort auf ein Geschenk 

Robert Foede ist Teamleiter der Audioproduktion bei ERF Medien und leitet die Arbeit der Mitarbeitervertretung des Hauses, die MAV. Für ihn ist Verantwortung ein geschenktes Gut. Eine Lust ist sie deshalb noch lange nicht. Mit Tonmeister Robert Föde sprach Joachim Bär.
 

Tonmeister Robert Föde (Foto: Carsten Meier)

Viele Menschen haben heute Schwierigkeiten, sich festzulegen. So manches Engagement wird deshalb nur unter Vorbehalt zugesagt. – Tonmeister Robert Foede

 

Joachim Bär: Robert, wann hast du das letzte Mal Verantwortung übernommen?

Robert Foede: Das war im Straßenverkehr heute Morgen, als ich hierher gefahren bin. Da gibt es viele Situationen, in denen ich Verantwortung übernehmen muss für mich und andere, bei jedem Abbiegen oder Überholen.
 

Joachim Bär: Das zeigt, dass verantwortliches Handeln unser ganzes Leben durchdringt. Was verstehst du generell darunter, Verantwortung zu übernehmen?

Robert Foede: Ich weiß nicht, ob man das unter einem großen Begriff zusammenfassen kann. Aber es heißt für mich zum Beispiel, dass ich die Sachen, die ich mache, so gut mache, wie ich kann – und den Rest Gott überlasse. Es ist übrigens selten, dass ich sage „Ich übernehme diese Verantwortung“, sondern ich fülle die Verantwortung aus, die ich bekommen habe.

Joachim Bär: Wie meinst du das – von wem bekommst du diese Verantwortung?

Robert Foede: Die wird von ganz verschiedenen Stellen an mich herangetragen. Zum Beispiel habe ich mir die Arbeit in der Mitarbeitervertretung und ihren Vorsitz nicht ausgesucht. In diesem Fall kam jemand auf mich zu und hat gefragt: Kannst du dir das vorstellen? Ich habe überlegt und dann zugesagt. Natürlich übernehme ich auch bewusst Verantwortung. Zum Beispiel, als ich meine Frau geheiratet habe, später für meine Familie. Aber an vielen anderen Stellen ist es so, dass ich die Verantwortung schlicht habe. Wenn ich zum Beispiel etwas besitze. Wie heute Morgen: Wenn ich ein Auto habe und damit fahre, habe ich die Verantwortung, gut mit mir und den anderen Verkehrsteilnehmern umzugehen.


Joachim Bär: Wenn du dir Verantwortung in einigen Bereiche nicht selbst aussuchst, warum trägst du sie trotzdem?

Robert Foede: Ich denke, dass Gott es mir geschenkt hat, verschiedene Aufgaben zu füllen. Und im Wort Verantwortung steckt ja auch der Begriff Antwort drin. Das ist meine Antwort: Ich habe etwas anvertraut bekommen und fülle das, so gut ich kann, aus mit dem, was ich kann. Verantwortung hat für mich also viel mit dem zu tun, was mir von Gott gegeben wurde und für das ich dann Sorge trage.


Joachim Bär: Verantwortung zu übernehmen scheint aber nicht überall im Trend zu liegen: Freiwillige Feuerwehren klagen über Nachwuchsprobleme, auch in christlichen Gemeinden verpflichten sich Mitarbeiter nicht mehr so leicht dauerhaft. Fällt es dir heute auch schwerer als früher, Verantwortung zu übernehmen?

Robert Foede: Da hat sich nicht viel für mich verändert. Und es bleibt für mich eine Frage der jeweiligen Situation. Manchmal ist es mir direkt klar, dass ich die Verantwortung übernehmen soll. Das war bei der Anfrage für die MAV-Arbeit so. Auf der anderen Seite wurde ich auch einmal für den Leitungskreis meiner Gemeinde angefragt. Ich habe lange mit der Frage gerungen und am Ende war mir recht klar, das ist jetzt nicht dran.
 

Joachim Bär: Denkst du, das verlässliche Tragen von Verantwortung fällt jüngeren Menschen generell schwerer?

Robert Foede: Ich beobachte, dass unsere Gesellschaft durch die Fülle von Information insgesamt immer kurzlebiger wird. Mein Sohn studiert gerade, und er hat mich letztens ein neues Wort gelehrt: FOMO, fear of missing out, also die Angst, etwas zu verpassen. Er und seine Kommilitonen haben sehr viele Möglichkeiten, sich zu betätigen in Sport und Kultur und sonst was. Aber man hat nur ein Leben und 24 Stunden am Tag. Viele Menschen haben heute Schwierigkeiten, sich festzulegen. Denn das bedeutet, dass ich andere Dinge nicht tun kann. So manches Engagement wird deshalb nur unter Vorbehalt zugesagt.
 

Joachim Bär: Verantwortung für etwas zu übernehmen und es gut zu machen – das kann ja auch schnell zu viel werden. Wie tarierst du das Tragen von Verantwortung aus mit der  Verantwortung für dich selbst?

Robert Foede: Das gilt ja nicht nur für mich selbst, sondern auch für meine Familie. Meine Kinder sind aus dem Haus, aber meine Frau und ich diskutieren das immer wieder. Sie achtet eher auf mich oder auf uns als ich. Wenn es nach mir ginge, würde ich deutlich mehr arbeiten, zum Beispiel für Musikaufnahmen als freiberuflicher Tonmeister. Das kann mich begeistern. Aber das ist Aufwand, der zu meiner vollen Stelle bei ERF Medien dazukommt. Meine Frau ist hier ein gutes Korrektiv für mich.
 

Joachim Bär: Ist das Tragen von Verantwortung für dich insgesamt eher Last oder Lust?

Robert Foede: Lust ist für mich ein Wort, das zu Verantwortung nicht gut passt. Hatte Jesus Lust, ans Kreuz zu gehen? Nein, er hat gebetet: „Lass den Kelch an mir vorübergehen.“ Aber ich mache mir darüber nicht so viele Gedanken. Ich mache einfach, was dran ist. Protokolle und Tagesordnungen für die nächste Teamsitzung machen keinen Spaß. Ich mache es, weil es getan werden muss. Die Verantwortung ist auch keine Lust, wenn dir dabei einzelne Aufgaben Spaß machen? Es ist für mich auch dann weniger die Verantwortung selbst, die Spaß macht. Es ist die konkrete Aufgabe.
 

Joachim Bär: Wann fällt es dir besonders schwer, in deinen Aufgaben die Verantwortung zu tragen?

Robert Foede: Wenn ich meine Komfortzone verlassen muss. Also zum Beispiel als MAV-Vorsitzender vor der gesamten Mitarbeiterschaft zu stehen, das ist überhaupt nicht meins. Das sind Momente, in denen ich mich selbst frage, warum ich das mache. Aber es gehört zur Aufgabe, da muss ich wohl durch.
 

Joachim Bär: Was sind die Momente, in denen du sagst, genau deshalb lohnt es sich, Verantwortung zu tragen?

Robert Foede: Wenn ich etwas bewegen kann oder für andere einstehen kann oder in einem Konflikt schlichten kann. Das sind schöne Momente. Und natürlich wird man durch eine Verantwortung auch eher ernst genommen. In diesen Momenten merke ich, ich habe durch meine Verantwortung auch mehr Raum zu gestalten. Das finde ich gut.
 

Joachim Bär: Sind diese Momente eine Motivation, weiter in Verantwortung zu stehen?

Robert Foede: Natürlich. Wenn ich etwas bewegen konnte, dann ist das ein Erfolgserlebnis. Und ich mag es, wenn ich dann sehe: Es sind zwar kleine Schritte, die wir hier gehen. Aber es bewegt sich in eine gute Richtung.


Joachim Bär: Vielen Dank für das Gespräch.

 


 


Der Preis der Verantwortung
 

Der Theologe Roland Werner hat bei einer ZDF-Sendereihe Gedanken zum Thema Verantwortung entwickelt:

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern. (Lukas 12,48).

 

„Rettet die Million!“ Bei dieser beliebten Quizsendung im ZDF Fernsehspiel ging es 2010 bis 2013 darum, möglichst wenig Geld zu verlieren. Die ursprünglich eine Million Euro mussten bei insgesamt zehn Fragen jeweils auf das richtige Antwortfeld gesetzt werden. Die falschen Felder öffneten sich dann wie eine Falltür und das liebe Geld verschwand. Durch geschicktes Aufteilen des Geldes versuchten manche Mitspieler, zumindest etwas von dem Geld zu retten. Dennoch verloren manche alles, schon lange vor der letzten Frage. Anderen gelang es, zumindest ein paar zehntausend Euro bis zum Ende zu sichern.
Und was macht man dann mit dem „geretteten“ Geld? Vor dieser Frage stand vor einiger Zeit ein Freund von mir. Er und sein Mitspieler hatten sich schon vorher überlegt, welchen guten Zwecken sie das gewonnene Geld zukommen lassen wollten.


Jetzt werden die wenigsten von uns bei „Rettet die Million!“ mitmachen. Aber es scheint mir, dass es in unserem wirklichen Leben nicht viel anders zugeht. Wir alle haben von Gott viel anvertraut bekommen. Da ist zunächst einmal unsere Lebenszeit, da sind Körperkraft und Intelligenz, da sind besondere Begabungen und Fähigkeiten, da sind Ausbildung und unser soziales Umfeld, und manches mehr.

Wofür setzen wir uns ein? Wo investieren wir unsere Zeit, unsere Kraft, unser Geld? All das sind wichtige Fragen, die wir in der Verantwortung vor Gott bedenken und beantworten sollten. Unsere kleinen und großen Lebensentscheidungen haben Auswirkungen auf unsere Nächsten, auf die Gesellschaft und auf die Zukunft.

Die Frage ist, was wir mit dem machen, was uns anvertraut ist. In seinen Gleichnissen betont Jesus immer wieder die Bedeutung unseres Handelns. Was wir tun oder lassen, hat Auswirkungen nicht nur auf unser Leben, sondern auch auf das anderer Menschen.

 

Das Prinzip Verantwortung gilt in allen Bereichen, im gesellschaftlichen Umfeld wie auch im Einsatz für die Gemeinde. Vor Gott ist unser Leben immer ein Ganzes. Alles, was wir haben, kommt von ihm. Und alles, was wir haben, kann so oder so eingesetzt werden. Leben in Verantwortung – das kann sich wie eine schwere Bürde anhören. Sicher hat Verantwortung ihren Preis. Doch die Chance überwiegt: Dass unser Leben Segensspuren hinterlässt. Dass Menschen auch durch uns gesegnet werden. Das ist jeden Einsatz wert.  


 


Faith Hacks – Verantwortung praktisch im Alltag leben


 


Eine Schule der Verantwortung

 

Die letzte Gaststätte hat geschlossen, es gibt keinen Dorfgemeinschaftsraum: Das Dorfleben in Krumhermersdorf im Erzgebirge hat schon bessere Zeiten gesehen. Matthias Rochlitzer stellt sich der Verantwortung und startet mit viel Engagement das Projekt „de Schul“, ein Begegnungszentrum im Ort. Regina König hat es besucht.

Das Blau der Fassade ist fleckig, an den Fensterrahmen bröckelt die Farbe und die Glasbausteine im Treppenaufgang erzählen vom spröden Charme der 70er Jahre: Die ehemalige Polytechnische Oberschule in Krumhermersdorf wirkt wie ein trauriges Relikt aus DDR-Zeiten. Vor fast zwanzig Jahren läutete die Schulglocke zum letzten Mal, schließlich leben nicht einmal 2000 Menschen in dem kleinen Erzgebirgsdorf in der Nähe von Zschopau. Aber Tischlermeister Matthias Rochlitzer will seine alte Schule nicht in Ruhe lassen und hat Verantwortung übernommen. Ein Begegnungszentrum soll aus der DDR-Ruine werden, „de Schul“ heißt sein Projekt. Angeschoben hat er es gemeinsam mit Christen aus der Landeskirchlichen Gemeinschaft, doch auch viele andere sind dabei. Denn in Krumhermersdorf fehlt ein Dorfgemeinschaftshaus, auch die letzte Gaststätte hat dicht gemacht. Und so soll „de Schul“ das Dorfleben wieder in Schwung bringen.

 

Wie können wir unserem Dorf etwas Gutes tun?

Das Projekt „de Schul“ (Foto: privat)
Das Projekt „de Schul“ (Foto: privat)

Der Einsatz ist hoch. Als die Kommune 2015 erwog, den Plattenbau abzureißen, kaufte Matthias Rochlitzer mit dem neugegründeten Verein „de Schul“ das Gebäude. Betriebswirtschaftlich gesehen glatter Unsinn, erzählt der Tischlermeister, laut Gutachten wird die Sanierung 2,1 Millionen Euro kosten. Unterstützung kommt zwar von der Kommune, auch die EU hilft. Doch ohne Eigenanteil fließen keine Fördergelder. Und so sammelt „de Schul“ Spenden und alle packen an. Ein Klempner aus der Nachbarschaft kümmert sich ehrenamtlich um die sanitären Anlagen, die Jugendgruppe der landeskirchlichen Gemeinschaft baut neue Fenster ein, ein Unternehmer spendet Fitnessgeräte für den Muckiraum. 

 

Obwohl Matthias Rochlitzer beruflich sehr eingespannt ist als Chef eines mittelständischen Unternehmens, hat er in den vergangenen drei Jahren viel Zeit auf der Baustelle investiert gemeinsam mit Familie, Freunden und Nachbarn: Müll entsorgt, Wände durchbrochen, gemauert und tapeziert. „Am anstrengendsten ist der Kampf mit der Bürokratie“, sagt Rochlitzer. Doch die Motivation ist größer als die Schwierigkeiten.
Entspannung braucht auch Tischlermeister Matthias Rochlitzer aus Krumhermersdorf zwischendurch: „Wenn die Gedanken nicht zur Ruhe kommen, gehe ich in den Raum der Stille.“ Der wartet frisch renoviert in der alten Schule auf Besucher. „Denn das Gebet ist unsere Kraftquelle“, so Rochlitzer.

Zusammen mit unserem Hauskreis haben meine Frau und ich lange um eine Aufgabe gebetet, mit der wir unserem Dorf etwas Gutes tun können. Dieses Projekt sehen wir als den Weg Gottes mit uns. – Matthias Rochlitzer

 

Das Team des Projektes „de Schul“ (Foto: privat)
Das Team des Projektes „de Schul“ (Foto: Regina König/ERF Medien)

Viel hat der Verein in der Zwischenzeit geschafft. Immer mehr Klassenräume sind renoviert: Im Keller trainiert der Karateclub, die Modelleisenbahner richten sich ein, im Fitnessraum wird geschwitzt. Der ehemalige Physiksaal dient als Mehrgenerationentreff, im Erdgeschoss hat der Ortsvorsteher sein Büro, und eine Tür weiter feiert die Landeskirchliche Gemeinschaft Gottesdienst. Nach dreijähriger Wartezeit ist auch der EU-Förderbescheid eingetroffen für den Umbau der Kantine zum Dorfgemeinschaftsfestsaal. Der Haken an der Sache: Die Fördergelder werden nur ausbezahlt, wenn der Verein in Vorleistung geht. Das bedeutet: weiter Werbetrommel rühren und Spenden sammeln.

Die Herausforderungen halten also an, doch das schüchtert Tischlermeister Rochlitzer nicht ein: „Viele kirchlichen Institutionen drehen sich nur noch um sich selbst. Aber mein Gewissen sagt mir: Jesus hat uns das Gebot der Nächstenliebe als ein Hauptgebot gegeben. Unsere Mitmenschen müssen diese Liebe spüren. Und wenn nur ein einziger durch ‚de Schul‘ zum Glauben an Jesus findet, dann hat sich das alles hier gelohnt.“

Im Foyer gehen die Besucher an einem mannshohen, vom Tischlermeister selbstgezimmerten Kreuz vorbei. Für Matthias Rochlitzer ist dieses Kreuz auch eine Erinnerung daran, dass die Verantwortung nicht allein auf den Schultern des Vereins ruht: „Wir vertrauen auf Gott, dass er uns sieht. Letztendlich ist er verantwortlich für das Gelingen dieses Projektes. Denn was Gott in Auftrag gibt, wird er auch durchführen.“

Jesus hat uns das Gebot der Nächstenliebe als ein Hauptgebot gegeben. Unsere Mitmenschen müssen diese Liebe spüren. – Matthias Rochlitzer

 

 


Eintreten gegen die Sklaverei

 

Man schätzt, dass heutzutage etwa 45 Millionen Menschen als Sklaven leben. Das entspricht mehr als der Hälfte der deutschen Bevölkerung. Sie arbeiten als Zwangsarbeiter in großen Fabriken, oft sind es Kinder oder Jugendliche. Viele Mädchen werden von Menschenhändlern durch Gewalt gezwungen, als Prostituierte zu arbeiten.

Das sind heute mehr als jemals Sklaven von Afrika nach Amerika verschifft wurden. In der Hochphase, zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert, wurden zwölf Millionen Menschen aus ihrer afrikanischen Heimat verschleppt. Seine Verantwortung zum Thema Menschenhandel nimmt das Hilfswerk „International Justice Mission“  (IJM) wahr.

 

Sklaverei gibt es auch in Indien (Foto: IJM).
Sklaverei gibt es auch in Indien (Foto: IJM).

Bislang konnte IJM 40.000 Menschen aus Sklaverei befreien. In zehn Staaten setzt sich die Organisation für Rechtsschutz ein und hat bislang dazu verholfen, dass 1.400 Täter verurteilt wurden.  IJM hat seinen internationalen Hauptsitz in den USA in Washington, D. C. und wurde dort 1997 von dem Menschenrechtsanwalt und ehemaligen UN-Chefermittler Gary A. Haugen gegründet. Inzwischen arbeiten über 1000 festangestellte Mitarbeiter in 16 Ländern, um mit lokalen Partnern Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika umzusetzen.

Der Leiter des deutschen Zweiges der Organisation „International Justice Mission“, Dietmar Roller, sagt, jeder Christ sollte seine Verantwortung wahrnehmen. 

 


Verantwortung übernehmen – gegenüber der Umwelt

Fair leben – Fünf Tipps, wie Sie sich im Alltag für eine gerechtere Welt einsetzen können

Artikel Fair leben
Artikel „Fair leben“:
Fünf Tipps, wie Sie sich im Alltag für eine gerechtere Welt einsetzen können.

Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit leben am Rande des Existenzminimums. Etwa 30.000 Menschen sterben täglich an Ursachen, die mit Armut und Hunger in Verbindung stehen. Auch deshalb wollen die Vereinten Nationen bis 2030 alle Armut vollständig überwinden. Zu diesem Zweck haben sie Nachhaltigkeitsziele formuliert: Ein Unterfangen, das im ersten Moment utopisch klingt. Die Initiative Micha Deutschland möchte Menschen zum Engagement gegen extreme Armut und für globale Gerechtigkeit begeistern. Sie setzt sich dafür ein, dass die Nachhaltigkeitsziele umgesetzt werden.

Wer sich im Alltag für mehr Gerechtigkeit in der Welt einsetzen und fair leben möchte, muss nicht von heute auf morgen sein gesamtes Konsumverhalten ändern. Es sind die kleinen alltäglichen Veränderungen, die längerfristig einen Unterschied machen. Dafür müssen bewusste Entscheidungen für einen nachhaltigen Lebensstil getroffen werden.


Wir haben fünf Alltagstipps von Micha Deutschland für Sie zusammengestellt:

1. Fair gehandelte oder regionale Produkte kaufen

  • Entscheiden Sie sich für Lebensmittel, die in Ihrer Region und in der jeweils aktuellen Jahreszeit erzeugt werden. Sie tun der Umwelt etwas Gutes und stärken außerdem die regionale Wirtschaft.  
  • Achten Sie beim Einkauf auf fair gehandelte Produkte. Faire Lebensmittel sind durch spezielle Logos und Siegel, wie etwa GEPA oder Fairtrade gekennzeichnet.
  • Machen Sie Schritt für Schritt einen Unterschied, ohne sich dabei in finanzielle Unkosten zu stürzen.

 

2. Kleidung fair kaufen oder tauschen

  • Spenden oder verschenken Sie Kleidung, die Sie nicht mehr anziehen oder gebrauchen können.
  • Organisieren Sie eine Kleidertauschparty. Dazu laden Sie Freunde und Nachbarn ein und jeder bringt etwa drei abgelegte, aber noch gut erhaltene Kleidungsstücke mit. Dann wird fleißig untereinander getauscht.
  • Kaufen Sie vermehrt in Secondhandläden Ihre Kleidung. Darüber hinaus können Sie in Geschäften oder Internetportalen stöbern, die sich auf ökologische und fair gehandelte Kleidung spezialisiert haben. 

 

3. Tausch- und Verschenkbörsen nutzen

  • Nutzen Sie die Angebote an Tausch- und Verschenkbörsen. Dort können Sie Güter, die sonst weggeworfen werden, kostenlos oder kostengünstig anbieten, abholen oder tauschen (zum Beispiel „Die Tauschbörse“).
  • Nutzen oder unterstützen Sie Foodsharing-Angebote, um Essen mit anderen zu teilen, statt es wegzuwerfen oder schlecht werden zu lassen. Erkundigen Sie sich hierfür, ob es in Ihrer Nähe einen „Fairteiler“ gibt. 
  • Nutzen Sie das Angebot von „Repair Cafés“: Unter dem Motto „Reparieren statt wegwerfen“ bieten engagierte Menschen in der Regel kostenlos Räume und Werkzeug an und helfen anderen bei der Reparatur ihrer Kaffeemaschine oder ihres Fahrrads.

4. Ressourcen im Haushalt schützen

  • Nicht länger als notwendig duschen
  • Plastiktüten vermeiden oder wiederverwenden (zum Beispiel als Müllbeutel)
  • Thermostate für Heizungen einbauen, um Heizkosten zu sparen
  • Computer abschalten statt den Standby-Modus einzustellen, denn dieser kostet nur unnötig Strom
  • Ladegeräte nach Gebrauch wieder aus der Steckdose ziehen
  • Energiesparlampen im gesamten Haus verwenden
  • Wasser im elektrischen Wasserkocher statt auf dem Herd erhitzen
  • Wäsche im Schongang und Sparprogramm waschen
  • Den Wäschetrockner nur im Winter verwenden, im Sommer die Wäsche besser lufttrocknen

 

5. Politisch aktiv werden

  • Suchen Sie sich in Ihrem Umfeld Menschen, die sich ebenfalls für eine gerechtere Welt einsetzen möchten. Gründen Sie eine eigene Gruppe und nehmen Sie Kontakt zu politischen Vertretern auf.
  • In einigen Städten gibt es bereits Lokalgruppen von Micha Deutschland, denen Sie sich anschließen können.
  • Unterstützen Sie andere Kampagnen und Petitionen, die sich für eine gerechtere Welt einsetzen.

       

      Neben den genannten Tipps ist es für Christen wichtig, regelmäßig für Gerechtigkeit zu beten. Christen sind überzeugt, dass Gott diese Welt liebt und zum Guten hin verändern möchte. Deshalb ist es sinnvoll, ihn darum zu bitten, im eigenen Leben damit anzufangen.

      Jesus nachzufolgen bedeutet auch, verantwortlich mit den Ressourcen der Schöpfung umzugehen. Darüber hinaus können Sie dafür beten, dass Sie in Ihren unterschiedlichen Lebensumständen befähigt werden, das zu tun, was Gott von Ihnen möchte: Gerecht und fair leben! 

       

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