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© Caleb Jones / unsplash.com

16.02.2024 / Serviceartikel / Lesezeit: ~ 10 min

Autor/-in: Kai Rinsland

Entscheide dich fürs Glücklichsein!

Das Glück fällt selten vom Himmel. Eher sind es Entscheidungen, die uns dahin führen. Ein Wegweiser.

Das Leben könnte so schön sein – ohne Entscheidungen. Ich könnte so glücklich und zufrieden sein, wenn ich nicht in Situationen geraten würde, in denen ich eine Wahl zu treffen habe. Schon geht die Unruhe los und die Fluchttendenzen nehmen zu.

Zum Beispiel damals, als ich mich entscheiden musste, welche Ausbildung oder beruflichen Werdegang ich einschlage. Ich interessierte mich für ein paar Jahre Studium an einer Bibelschule, ein theologischer Einstiegshappen gewissermaßen. Aber welche Schule war die richtige?

Verschiedene Institute und Ausbildungsstätten kamen in die engere Wahl, aber je länger es dauerte, desto unglücklicher wurde ich. Was will Gott für mein Leben? Wo soll es hingehen? Das fragte ich mich, doch es fiel kein Zettel vom Himmel. Das Warten auf Antwort wurde zur Qual.

Der letzte Packen Infomaterial war eingetroffen, aber die Lösung meines Problems war nicht in Sicht. Bis ich auf das P.S. stieß. Das Postskriptum am Ende eines Begleitschreibens einer der Schulen wurde für mich zum Augenöffner: „P.S.: Gott segne Ihre Entscheidung!“

Überraschend… Ich durfte also entscheiden, nicht Gott würde das für mich übernehmen und mir einen Zettel mit Anweisungen schicken. – Für mich ein ganz klares Reden Gottes, das erbetene Zeichen vom Himmel, auch wenn es anders aussah als gedacht.

1. Die richtige Entscheidung treffen?

Welcher Beruf ist der richtige? Wen soll ich heiraten? Soll ich kündigen, umziehen und woanders ganz neu anfangen? Fragen der Lebensplanung dieser Gewichtsklasse gehen uns nicht leicht von der Hand. Auch ich neige dazu, da sehr vorsichtig zu sein und würde mir wünschen, dass mir jemand anderes die Entscheidung abnimmt. Gott…? Aber würde mich das am Ende glücklich machen?

Wie kann ich in meiner Situation die richtige Entscheidung treffen? Ist das überhaupt die richtige Frage? Nein, die Frage ist komplett falsch gestellt – großes Stoppschild! Ich behaupte, für die allermeisten Fälle gibt es keine richtigen Entscheidungen, im Sinne von richtig oder falsch, Null oder Eins. Es bleibt immer ganz neutral einfach nur: eine Entscheidung.

Und so sorgfältig ich sie zu treffen versuche, ich kann auch nicht in die Zukunft sehen. Es geht einfach nicht. Vielleicht ärgere ich mich morgen über die Entscheidung von gestern, weil sich irgendein Detail meiner Überlegungen „entscheidend“ (!) verändert hat. Was sich heute noch richtig anfühlt, kann morgen schon falsch sein. – Besser muss es heißen:

2. Die Entscheidung richtig treffen!

Wer denkt, es könne immer nur die eine richtige Entscheidung geben, macht sich unglücklich. Viel hilfreicher ist es, die Entscheidungssituation positiv zu sehen: Ich darf eine Entscheidung treffen. Und es geht nicht darum, jetzt die richtige Entscheidung zu treffen, sondern meine Entscheidung richtig zu treffen. Nicht leichtfertig, nicht vorschnell, nicht rücksichtslos.

Es geht nicht darum, die richtige Entscheidung zu treffen, sondern die Entscheidung richtig zu treffen.

Es könnte also hilfreich sein, in Zukunft nicht mehr über „die richtige Entscheidung“ zu sprechen, sondern von „einer guten Entscheidung“. Darin schwingt die Erkenntnis mit, dass es womöglich nicht nur eine einzige Option gibt, sondern mehrere, die allesamt gut sein können – oder zumindest brauchbar und nachdenkenswert.

Für manch einen mag das aber auch wieder eine Belastung sein: So viele Möglichkeiten!! Wie soll ich mich da nur entscheiden? – Eben. Genau darum geht es: um das Betrachten, Gewichten und Aussortieren, bis nur noch eine Option übrig bleibt. Hier kommen sechs Wegweiser, um eine gute Entscheidung zu treffen.

#1 Hol dir Informationen!

Stichwort Recherche: Was für den guten Journalisten zum Handwerkszeug gehört, ist auch in der Entscheidungsfindung unabdingbar: Du musst genau wissen, worum es geht, wenn du dich entscheiden willst. Und da ist es egal, ob es um den nächsten Fernseher geht, die Landtagswahl oder deinen Berufsweg. Informier dich gründlich und gewichte ganz persönlich Pro und Contra. Was für den einen den Ausschlag gibt, ist für die andere recht unbedeutend.

#2 Such dir Ratgeber!

Im Prinzip geht es darum, die Fülle von Informationen in deiner persönlichen Gewichtung zu ergänzen, ein externer Faktencheck durch ein zweites und drittes Paar Augen. Einfacher gesagt: Sprich über deine bevorstehende Entscheidung! Ihr Männer, fragt nach dem Weg! Gehen müsst ihr selbst, aber mal links und rechts eine Meinung einholen, das sollte machbar sein, für Mann und Frau. – Ein ganz besonderer Ratgeber steht dir in jedem Fall immer zur Verfügung:

#3 Nimm es mit ins Gebet!

Moment mal, hatten wir Gott nicht weiter oben ausgeschlossen, weil er so gerne schweigt und sich raushält? Warum mit Gott über alles reden? Klarer Fall: Einen besseren Ratgeber gibt es nicht. Gott gibt mir neue Impulse, sorgt mit einem Gedankenblitz für frischen Wind. Er hilft, meine Gefühle zu sortieren. Er steht fest an meiner Seite und schärft mir den Blick. Gott hat den kompletten Überblick. Er kennt sogar meine Zukunft und hat alle Macht der Welt. Ganz ehrlich: Diese Ressource solltest du nicht außer Acht lassen.

#4 Mach dir einen Plan!

Einen Zeitplan. Auch das gehört zu einer guten Entscheidungsfindung dazu. Manches muss sofort in die Tat umgesetzt werden, bei anderem kannst du es gemütlicher angehen lassen, d. h. du hast Zeit für Gründlichkeit. Das sollte helfen. Setz dir selbst Fixpunkte, bis wann du welchen Schritt abgearbeitet haben solltest auf dem Weg zu deiner Entscheidung. Erinnere dich daran und fordere auch von anderen Beteiligten dieses Zeitfenster ein.

#5 Hab Geduld!

Wenn die Infos stimmen, die Ratgeber an Bord sind, der Zeitplan realistisch und das Gebet heiß und innig ist, dann stress dich nicht! Du tust gerade alles Menschenmögliche, um wirklich gut zu einer Entscheidung zu kommen. Ganz wichtig: Sollte es jetzt noch die Stimme aus dem Off geben, die sich dauernd einzumischen versucht, das könnte dein Bauchgefühl sein. Lass es mitsprechen! Vielleicht hat sich deine Intuition schon längst entschieden? Dem solltest du nachgehen! Zurück zu #1, vielleicht weiß dein Bauchgefühl mehr. – Und wenn es dann soweit ist:

#6 „Seid mutig und stark …

… alles, was ihr tut, soll in Liebe geschehen“ (1. Korinther 16,13-14). Mach es, triff deine Entscheidung! Und trau dir selbst über den Weg! Du hast tapfer vorgearbeitet, darum steh zu dir und vertraue deiner Vorbereitung! Es war die Mühe wert. Klar, es bleibt ein Risiko und ja, vielleicht geht es schief, aber das wirst du im Lauf der Zeit sehen. Für heute gilt: Well done!

3. Exzellenz statt Perfektion

Nachdem wir also geklärt haben, wie du deine Entscheidung richtig triffst, sprechen wir noch über einen beliebten Glückskiller in dieser Sache. Er heißt Perfektionismus.

Wer sich zum Beispiel mit einer Reihe von Ratgebern umgibt, der läuft Gefahr, zu gar keinem Ende zu kommen. Denn es gibt immer noch eine Meinung mehr, die gehört werden könnte oder den einen Fakt mehr, der gestern noch nicht bekannt war.

Akribisch arbeiten heißt nicht, dass am Ende alles hundertprozentig sein muss. Übertreibe es nicht. Bleib kritisch mit deiner Menge an Pro und Kontra und auch bei der absoluten Länge deines Zeitplanes. Denn es gibt ein „zu gründlich“ im Leben – das ist der kleine Bruder von „zu spät“. Eine letzte Grauzone hier und da ist am Ende vertretbar und keine Katastrophe.

Es gibt ein ‚zu gründlich‘ im Leben – das ist der kleine Bruder von ‚zu spät‘.

Was aber durchaus die Stelle von Perfektion einnehmen darf, ist das Streben nach Exzellenz: Sei in deinem Prozess des Nachdenkens sauber und aufmerksam. Gib dich nicht ohne Grund mit halbgaren Optionen zufrieden, köchle sie wirklich zu Ende. Und wenn dein Zeitplan es zulässt, dreh die Argumente ruhig noch mal auf den Kopf und hinterfrage sie im zweiten Durchlauf.

100 Prozent Perfektion anzustreben ist Gift und setzt dich unter Druck. Exzellenz hingegen ist der strahlende Glanz auf deinen Bemühungen. Am Ende darfst du stolz auf dich sein und wirst in der Wahl deiner Entscheidung umso mehr Sicherheit erlangen – und glücklich damit sein.

4. Du bist nicht deine Entscheidung!

An der Pinwand in meinem Büro hing lange Zeit ein Satz, den ich selbst gebastelt habe, wie ich bekenne. Vielleicht ist das Englisch nicht brillant, aber als Merksatz fand ich die Wort-Konstruktion ganz hilfreich: „Be a part of it – apart from it.“

Damit ist gemeint: Wenn du Verantwortung trägst oder vor einer Entscheidung stehst, dann knie dich ganz rein. Mach es gründlich! (Wir sprachen schon davon.) Mach dein Ding und zieh es durch! Sei dir aber immer bewusst: Du bist nicht deine Entscheidung. Genauso wenig, wie du nicht dein Job bist oder deine Familie, dein Sportverein, deine Nachbarschaft.

In allem gibt es eine vernünftige Grenze zu deinem Schutz. Wenn du eine Entscheidung getroffen hast, bleib also nicht an der inneren Kreuzung stehen, sondern gestalte die Entscheidung. Hadere nicht mit dem Weg, der hinter dir liegt. Weiter geht’s – nach vorne. Jetzt kommt die Ausführung. Alles andere kann dich sehr unglücklich machen.

Eine Entscheidung zu treffen, kostet Kraft, aber danach wirst du deine ganze Aufmerksamkeit für die Umsetzung brauchen. Klebenbleiben wie die Aktivisten im Kreisverkehr hilft nicht weiter, sondern führt nur zu noch mehr Stau. Löse dich von der Weggabelung und schreite voran!

Be a part of it – apart from it.

5. Mit den schlechten Entscheidungen leben – aber wie?

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ Die Kehrseite davon ist (leider) auch wahr: Wer es wagt, der rennt auch mal offenen Auges volle Kanne direkt vor die Wand. Das gibt’s. Mustergültig hast du alle Punkte aus diesem Ratgeber befolgt, kannst mit Stolz behaupten, dass deine Entscheidung vortrefflich geplant und durchgezogen war. Trotzdem ist es schief gegangen und tut weh.

Dann lautet die gute Nachricht an dieser Stelle: Gott vergibt, und zwar gerne. Wo du Schuld auf dich geladen hast mit deiner vermeintlich guten Entscheidung, da kannst du auf die Hilfe Gottes zählen, auf Gnade und Vergebung. Du bist von Gott geliebt und das bleibt auch in Zukunft so. Du bist wertvoll und begabt. Lass dir nichts anderes einreden. Tu es auch selbst nicht.

Du darfst aufstehen, das Krönchen richten und weiter geht’s zurück zu Punkt Nr. 2 und damit nochmal alles auf Anfang. Wenn dir klar geworden ist, warum du schlecht abgebogen bist, und dir das weiterhin dunkel und drohend vor Augen schwebt, dann lass dir gesagt sein: Gott macht dir keine Vorhaltungen oder Vorwürfe. Er tritt nicht nach und nimmt auch keine Rache.

Die gruselige Erinnerung, die dich verfolgt, könnte aber auch einen guten Grund haben. Vielleicht liegt da noch ein wichtiger Hinweis versteckt, auf den Gott dich aufmerksam machen will. Nicht, um dich anzuklagen, sondern damit du es nächstes Mal besser machen kannst. Und wenn Gott dir einen Rat gibt, der ist Gold wert.

6. Wenn sich Fehlentscheidungen häufen

Ein weiterer Gedanke. Du hast den Artikel bis hierhin gelesen und stimmst mir in allem zu. Trotzdem liegen unzählige Weggabelungen hinter dir, an die du lieber nie mehr denken würdest. Es scheint wie verhext: Egal, worum es geht, immer und immer wieder steigst du treffsicher von einem Fettnäpfchen ins nächste. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass vielleicht ein paar Teile aus deinem Werkzeugkoffer ausgetauscht werden müssen.

Denk an die Stichwort von Punkt 2, hier nur ein paar Beispiele dazu: Wie steht’s um deine Selbsteinschätzung? Gibt es etwas, das den Blick trübt? Suchst du zwar fleißig viele Ratgeber, die aber alle nur in eine Richtung weisen, nämlich die du haben willst? Wie gehst du also mit Kritik um?

Oder bist du ein fleißiger Beter, der sich aber angewöhnt hat, nicht hinzuhören, wenn Gott redet? Darf Gott dich stören? Ist dein Timing schlecht, bist du von Haus aus ungeduldig? Oder hast du zur Vermeidung deiner Entscheidung eher akribisch die Nebenschauplätze bespielt, anstatt dich auf das Wesentliche zu konzentrieren?

Wie steht es um das grundlegende Handwerk der Sammlung von Informationen? Nicht jeder, der weiß, wo er die Suchmaschine im Internet findet, stößt auch genau auf die Fakten, die ihn weiterbringen. Die Fülle von Daten muss gesichtet und bewertet werden. Überlass diese Aufgabe nicht den Algorithmen von Google. Du hast deinen eigenen Katalog, deine Werte, deine Sehnsucht, deinen Stil.

Überlass die Entscheidung nicht den Algorithmen von Google. Du hast deinen eigenen Katalog, deine Werte, deine Sehnsucht, deinen Stil.

Es könnte den einen oder anderen grundlegenden Hebel geben, der dir immer wieder einen Strich durch deine Entscheidungsrechnung macht. Deshalb: Überprüfe rechtzeitig dein Werkzeug, bevor das nächste Mal eine Wahl ansteht und du zur Tat schreitest.

7. Entschieden wird immer

Auch das gehört zum Thema dazu: Bist du ein Entscheidungsvermeider? Mogelst du dich an der Deadline vorbei? Bist du ein Großmeister der Schummelei? Wenn es um die Souveränität in deinem Leben geht, sollten Unentschlossenheit oder Inkonsequenz keinen Raum haben.

Denn was passiert, wenn du dich vor der Auswahl drückst? Entschieden wird trotzdem. Und wenn du es nicht tust, tun es andere. Im schlimmsten Fall ist der Zug dann für dich abgefahren, so wie bei eBay der Auktionszeitraum: 3, 2, 1… Keins.

Deshalb: Übernimm Verantwortung für deine Optionen! Geh zur Wahl! Sei ein mündiger und damit glücklicher Bürger deines Lebensraumes. Wenn du dich dann allen Widrigkeiten zum Trotz gut durchgerungen hast zu einer glücklichen Entscheidung, dann fehlt am Ende nur noch der Zuspruch aus dem P.S. – nicht vergessen: Gott segnet deine Entscheidung.

Strebe nach Exzellenz – nicht nach Perfektion!

 Kai Rinsland

Kai Rinsland

  |  Redakteur und Programmplaner

Der gebürtige Gießener schreibt für ERF.de und koordiniert die Produktion der ERF Antenne. Daneben ist er aktuell die Stationvoice von ERF Plus. Er lebt mit seiner Frau in einem Holzhaus, geht wandern, klettern und e-biken. Er isst gerne Fisch und genießt kräftigen Espresso.

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Kommentare (2)

G.W. /

Herzlichen Dank! Sehr bedenkenswert, praktische Hilfe, sehr differenziert und realistisch. Vermutlich auch für noch nicht Gläubige eine wichtige Lebenshilfe.

Sabine F. /

Von Herzen danke - trifft den Nagel auf den Kopf! Bin sehr ermutigt vor meiner nächsten (teuren) Entscheidung. Willkommen, neues Glück!

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