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29.11.2024 / Serviceartikel / Lesezeit: ~ 7 min

Autor/-in: Theresa Folger

Leben mit angezogener Handbremse

6 Blockaden, die dein Potenzial hemmen und wie du sie überwinden kannst.

Stell dir vor, du sitzt im Auto, aber egal, wie sehr du das Gaspedal durchdrückst, es fährt einfach nicht vorwärts. Du denkst über alle möglichen Ursachen nach – einen Motorschaden, einen platten Reifen oder ein Problem mit dem Gaspedal, bis dir klar wird, dass du vergessen hast, die Handbremse zu lösen.

Vielleicht fühlt sich dein Leben genauso an: Es ist, als wärst du mit angezogener Handbremse unterwegs. Du siehst andere, die scheinbar mühelos vorankommen, während du dich ständig abmühst. 

In zwei Artikeln identifizieren wir gemeinsam die häufigsten Blockaden, die dein Potenzial hemmen können. Außerdem bekommst du für jede Blockade einen praktischen Lösungsansatz.

1. Angst vor Veränderung

Veränderungen, auch wenn sie grundsätzlich positiv sind, bringen zunächst einmal Unsicherheiten mit sich. Der Gedanke, etwas Gewohntes zu verlieren, kann lähmend wirken, selbst wenn du grundsätzlich bereit für etwas Neues bist. Diese Angst kann dazu führen, dass du in deiner Komfortzone verharrst, obwohl du weißt, dass ein Schritt nach vorne sinnvoll und notwendig wäre.

Bin ich betroffen?

Zögerst du oft, neue Dinge auszuprobieren oder Entscheidungen zu treffen, die Veränderungen nach sich ziehen? Fühlst du dich unwohl, wenn es darum geht, gewohnte Routinen zu verlassen? Wenn ja, deutet das darauf hin, dass diese Angst dich hemmen könnte.

Lösungsansatz

Beginne mit kleinen Veränderungen in deinem Alltag und gewöhne dich so daran, Neues zu wagen. Stelle dich bewusst Herausforderungen, die außerhalb deiner Komfortzone liegen. Jeder kleine Schritt stärkt dich, sodass du nach und nach Vertrauen entwickelst, größere Schritte zu gehen.

Mehr dazu im Artikel „Willkommen, Veränderung!“

Bibelvers für meine Situation

Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. (2. Timotheus 1,7)

2. Versagensangst

Jeder kennt die Angst zu versagen. Versagensangst per se ist nicht unnormal oder schlimm, aber im schlimmsten Fall kann sie dazu führen, dass du dich selbst kleinredest und greifbare Möglichkeiten nicht wahrnimmst. Oft steckt hinter dieser Angst die Sorge, die Erwartungen anderer nicht erfüllen zu können und grandios zu scheitern.

Wer aber nicht wagt, kann auch nicht wachsen.

Oft ist diese Angst auch mit negativen Glaubenssätzen verbunden, zum Beispiel mit den Glaubenssätzen: „Ich bin nicht gut genug" oder „Ich schaffe das nie".

Bin ich betroffen?

Gehst du häufig auf Nummer sicher, selbst wenn du dadurch spannende Chancen verpasst? Vermeidest du Herausforderungen, weil du Angst vor dem Scheitern hast? Überlege dir auch, welcher Glaubenssatz dir sofort in den Sinn kommt, wenn du vor einer neuen Herausforderung stehst.

Lösungsansatz

Frage dich: Was kann schlimmstenfalls passieren, wenn ich nicht erfolgreich bin? Vielleicht ist es peinlich, vielleicht kostet es Geld, aber meistens geht die Welt davon nicht unter.

Denke daran: Versagen ist ein natürlicher Teil des Lernprozesses und zeigt dir, wo du noch wachsen kannst. Trotzdem ist Scheitern nur eine Option, es kann genauso gut sein, dass dir dein Vorhaben gelingt.

Wenn diese Angst durch einen Glaubenssatz ausgelöst wird, dann prüfe für dich, woher dieser Gedanke kommt. Überlege dir: „Was spricht gegen diese Gedanken?“ Suche aktiv nach Beispielen in deinem Leben, die diesen Glaubenssatz widerlegen.

Mehr dazu in „Jenseits von Selbstoptimierung und Versagensangst“.

Bibelvers für meine Situation

Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus. (Philipper 4,13)

3. Perfektionismus

Perfektionismus kann einer der größten Bremsklötze im Leben sein und dazu führen, dass du dich ständig selbst unter Druck setzt. Das macht es schwer, Projekte oder Aufgaben abzuschließen, weil du immer das Gefühl hast, du könntest es „noch besser“ machen.

Dieser Perfektionsanspruch führt jedoch zu Selbstzweifeln und Unzufriedenheit – selbst dann, wenn du objektiv betrachtet gute Arbeit leistest. Statt sich über Fortschritte oder erreichte Ziele zu freuen, konzentrieren sich Perfektionisten auf vermeintliche Mängel. Wenn du in diese Falle tappst, verdammst du dich so zu ständiger Unzufriedenheit, selbst im Erfolgsfall.

Bin ich betroffen?

Zögerst du oft Aufgaben oder Projekte hinaus, weil du glaubst, sie seien noch nicht gut genug? Bist du mit deiner eigenen Arbeit meistens unzufrieden, auch wenn du von anderen positives Feedback bekommst? Und vergleichst du dich ständig mit den allerbesten auf deinem Gebiet und fühlst dich unzulänglich? Dann lähmt dich möglicherweise dein Perfektionismus.

Lösungsansatz

Überprüfe, ob deine Ansprüche an dich selbst machbar und gesund sind. Frage dich, welche Erwartungen du an andere in dieser Situation hättest – denn oft gestehen wir anderen viel realistischere Ziele zu als uns selbst.

Übe dich darin, Dinge zu Ende zu bringen, auch wenn sie nicht perfekt sind. Und:

Versuche, dich selbst so freundlich zu behandeln, wie du es einem guten Freund gegenüber tun würdest.

Mehr dazu im Artikel „Fehlerlos unglücklich“.

Bibelvers für meine Situation

Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit. (2. Korinther 12,9)

4. Mangelnde Selbstkenntnis

Manchmal kommen Menschen nicht weiter, weil sie noch nicht wissen, was sie ausmacht und welche Umgebung oder Tätigkeit wirklich zu ihnen passt. So wie sich ein Eichhörnchen auf dem Baum und ein Fisch im Wasser wohlfühlt, so gibt es auch für jeden Menschen eine bestimmte Umgebung, in der er sich am besten entfalten kann.

Sobald du diese gefunden hat, kannst du seine Stärken viel besser ausspielen. Wenn du aber als Eichhörnchen zu schwimmen versuchst oder als Fisch zu klettern, wirst du dich vergeblich abmühen und doch auf keinen grünen Zweig kommen.

Bin ich betroffen?

Achte darauf, ob du dich im Alltag oft unwohl oder überfordert fühlst, während andere keine Probleme in dieser Situation haben. Dann könnte es sein, dass dein Umfeld oder deine Tätigkeiten nicht zu deinen Begabungen passen.

Lösungsansatz

Frage dich, in welchen Bereichen du dich wirklich entfalten kannst und wo du dagegen schnell gestresst bist. Hilfreich können dabei Persönlichkeitstests sein, zum Beispiel der Big Five, der seit den 30er Jahren stetig weiterentwickelt wurde.

Auch Gespräche mit Freunden und Familie können helfen, herauszufinden, in welchem Umfeld du dich am wohlsten fühlst, welche Begabungen du weiter ausbauen kannst und wo deine Schwächen liegen.

Mehr dazu im Dossier „Gewollt, geschaffen, geliebt“.

Bibelvers für meine Situation

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich es meine. (Psalm 139,23)

5. Übermäßige Angst vor Ablehnung

Das Bedürfnis nach Anerkennung ist menschlich, doch wenn die Angst vor Ablehnung überhandnimmt, kann sie dich daran hindern, authentisch zu leben. Anstatt für deine eigenen Überzeugungen einzustehen, passt du dich an, um akzeptiert zu werden.

Das kann so weit gehen, dass du deine Wünsche und Träume aufgibst, aus Angst, andere zu enttäuschen oder verurteilt zu werden. Unzufriedenheit ist dann vorprogrammiert.

Bin ich betroffen?

Sagst du oft „Ja“, obwohl du eigentlich „Nein“ sagen möchtest? Machst du Dinge, nur um anderen zu gefallen, und fühlst dich unsicher dabei, deinen eigenen Weg zu gehen? Dann könnte diese Blockade dir im Wege stehen.

Lösungsansatz

Mach dir bewusst, dass dein Wert nicht davon abhängt, was andere über dich denken.

Tatsächlich ist es sogar so, dass du von anderen mehr Respekt bekommst, wenn du zu deinen Entscheidungen stehst, als wenn du dich ständig für sie verbiegst.

Wenn du dich nicht traust, direkt Nein zu sagen, sag: „Ich werde darüber nachdenken.“ Beim nächsten Mal heißt es vielleicht schon: „Im Moment geht das leider nicht.“ Feiere diese kleinen Schritte zur Selbstbestimmung.

Mehr dazu im Artikel „Nein ist auch eine gute Antwort“.

Bibelvers für meine Situation

Rede ich denn jetzt Menschen oder Gott zuliebe? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefiele, so wäre ich kein Knecht Christi. (Galater 1,10)

6. Unverarbeitete Schuldgefühle

Schuldgefühle können eine schwere Last sein und Menschen daran hindern, im Leben voranzukommen. Oft sind es nicht die offensichtlichen, sondern die unterschwelligen Vorwürfe, die du dir selbst machst.

Solche Gefühle entstehen, wenn du glaubst, in der Vergangenheit etwas falsch gemacht zu haben, und dir nicht erlaubst, diese Fehler loszulassen. Statt daraus zu lernen, hältst du an der Schuld fest und glaubst vielleicht, Glück oder Erfolg nicht verdient zu haben.

Bin ich betroffen?

Denkst du immer wieder an bestimmte Situationen aus deiner Vergangenheit und empfindest dabei Scham oder Bedauern? Hast du das Gefühl, anderen durch dein Verhalten geschadet zu haben, und fällt es dir schwer, das dir selbst zu vergeben?

Wenn du diese Gedanken bei dir feststellst, und sie dich davon abhalten, neue Schritte zu wagen oder das Gute in deinem Leben anzunehmen, könnte diese Blockade dich betreffen.

Lösungsansatz

Mach dir bewusst, dass Vergebung ein Geschenk ist – für dich selbst und andere. Beginne mit der Frage: „Habe ich mir selbst vergeben?“ Wenn nicht, sprich mit Gott darüber und vertraue darauf, dass er dich von deiner Schuld befreit hat. Manchmal hilft es auch, das Gespräch mit einer vertrauten Person zu suchen und dir Gottes Vergebung laut zusprechen zu lassen.

Wenn du die damalige Situation noch nicht mit der betroffenen Person geklärt hast, kannst du auch mit ihr Kontakt aufnehmen, wenn das möglich ist und dir sinnvoll erscheint.

Mehr dazu im Artikel „Wie kann ich mit Schuld umgehen?“

Bibelvers für meine Situation

Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt. (1. Johannes 1,9)

Im zweiten Teil „Im Schneckentempo unterwegs?“ behandeln wir noch sechs weitere mögliche Blockaden, unter anderem schlechtes Zeitmanagement, fehlender Fokus und die Vergleichsfalle.

Autor/-in

Theresa Folger

  |  Produktmanagerin

Theresa Folger ist Produktmanagerin und Redakteurin mit Schwerpunkt mentale Gesundheit. Sie schreibt über Glaube, Psychologie und Alltag. Ihr Herzensthema ist innere Freiheit – im Glauben wie im Leben.

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Kommentare (2)

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Ulrich H. /

Super, vielen Dank für diesen wertvollen Artikel!

Anonym /

Der letzte Punkt hat mich sehr getroffen. Ich habe bezüglich einer Person die mir sehr wichtig ist in der Vergangenheit einen großen Fehler gemacht. Ich habe einiges unternommen um diesen Fehler mehr

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