/ Das Gespräch
Depression ist keine Schuldfrage
Prof. Dr. Markus Steffens: Depression kann jeden treffen, mit Therapie ist sie aber heilbar.
„Die gute Nachricht ist, Depression ist gut behandelbar, und es gibt eine gute Chance, aus ihr wieder aufzutauchen.“ Das sagt Prof. Dr. Markus Steffens. Er ist Chefarzt der DGD-Klinik Hohe Mark, ein Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Suchtmedizin in Oberursel und Frankfurt am Main mit 259 Betten und mehreren Ambulanzen.
16 Millionen haben Depression
Ein Fünftel aller Deutschen hat früher oder später mit einer Depression zu kämpfen, das sind rund 16 Millionen Menschen. Doch viele denken: Depression – das passiert nur mir, und ich bin selbst daran schuld. „Das stimmt so auf keinen Fall“, sagt Markus Steffens, „Schuldgefühle gehören fatalerweise sogar zum Krankheitsbild Depression.“
Hilfe suchen wichtig
Leistungsdruck, Selbstüberforderung, Dauerstress, aber auch Hormone und Botenstoffe im Körper, die wir nicht selbst beeinflussen können – all das kann zu einer Depression führen, sagt der Mediziner. Falsch sei es, sich dafür zu schämen. Wichtig sei es viel mehr, dass Betroffene sich Hilfe suchen – in der Familie, bei Freunden, in einer Klinik oder direkt beim eigenen Hausarzt. Diese seien inzwischen gut darin geschult, Depressionen zu diagnostizieren, und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.
Nach 14 Tagen liegt Depression vor
Erkennen lässt sich eine Depression von außen etwa daran, dass ein dunkler Stimmungszustand nicht wieder verschwindet, sondern zum Dauergast wird, dass Betroffene bei starker Ausprägung kaum mehr aus dem Bett finden und einfachste Verrichtungen wie der tägliche Einkauf zu einer unüberwindbaren Hürde werden. Freunde oder Familienmitglieder sollten hierbei nicht den Therapeuten ersetzen. Aber diese einfache Frage könnte der erste Schritt in die richtige Richtung sein:
„Ich habe den Eindruck, dass es dir nicht gut geht, gerne möchte ich dich unterstützen, dass du geeignete Hilfe bekommst.“
Glaube kann echter Resilienzfaktor sein
Neben einer fachgerechten Behandlung, die, je nach Diagnose ambulant oder stationär erfolgt, kann der christliche Glaube eine hilfreiche Unterstützung im Krankheitsverlauf für die Betroffenen sein, sofern er den liebenden heilenden Gott in den Mittelpunkt stellt. Das Bild eines strafenden Gottes hingegen, der den Betroffenen den Glauben als Leistung abverlangt, ist kontraproduktiv, so Prof. Steffens. Die Verabreichung von Medikamenten und der gelebte Glaube sollten aber nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Von Betroffenen lernen
„Ich wünsche niemandem eine Depression“, sagt Markus Steffens. „Aber von Betroffenen habe ich gelernt, dass sie, wenn sie eine schwere Depression überstanden haben, häufig eine tiefere Ernsthaftigkeit, einen tieferen Humor, eine geringere Gefahr, sich selbst etwas vorzumachen und eine tiefere Wahrnehmung von dem, was andere oberflächlich ausblenden, beschreiben; dass auch aufgrund der therapeutischen Maßnahmen für sie deutlicher geworden ist, was im Leben wirklich zählt.“
Hinweis: Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie selbst unter Depressionen leiden könnten, oder jemand in der Familie oder im Freundeskreis, suchen Sie sich Beratung und Hilfe bei Fachleuten. Das können die Hausärztin oder der Hausarzt sein, im akuten Fall aber auch der Ärztliche Bereitschaftsdienst oder eine Fachklinik.
Ihr Kommentar
Kommentare (2)
Hallo zusammen, vielen Dank für das Gespräch mit Professor Dr. Steffens. Hatte schonmal die Klinik Hohe Mark im Fokus. Bin selbst Christ. Auf der Suche nach einer passenden Klinik bin ich auf dieses … mehrGespräch gekommen und wusste in dem Moment das es der Weg Gottes für mich ist und ich keine Klinik mehr suchen muss...
Die Psychiatrie in Deutschland sollte sich darauf besinnen, dass Psychopharmaka nur 1. Hilfe sein kann, aber keine Therapie für die Seele.
Wenn die Psychiater das beherzigen würden, wären sie nicht die Pillenverschreiber der Pschychotherapeuten, zum großen Teil fachlich nicht genug gebildet sind.