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21.09.2021 / Bericht / Lesezeit: ~ 5 min

Autor/-in: Andreas Odrich

Zugespitzt, eigenwillig und manche extrem

ERF-Parteiencheck: die kleinen Parteien.

 

 

53 Parteien werben um die Stimmen der Wählerinnen und Wähler für die Bundestagswahl am Sonntag, den 26.09.2021. Sieben Parteien davon sind derzeit im Bundestag vertreten. Alle anderen werden zu den sogenannten kleinen Parteien gezählt, weil sie bisher an der 5%-Hürde gescheitert sind oder erstmalig kandidieren.

Die sogenannten kleinen Parteien setzen oftmals besondere Akzente, sind thematisch manches Mal zugespitzter, politisch aber auch extremer als die etablierten Parteien. Andreas Odrich von der ERF Aktuell-Redaktion nennt einige Aspekte, unter denen diese Parteien betrachtet werden können.

 

ERF: Andreas, was kannst du generell über die sogenannten kleinen Parteien sagen?

Andreas Odrich: Manche der kleinen Parteien versuchen, ähnlich allumfassende Wahlprogramme vorzulegen wie die sogenannten großen Parteien.

Andere wiederum fokussieren sich auf bestimmte Aspekte. Man könnte auch sagen: Sie suchen ganz bewusst eine Zuspitzung, die thematisch radikaler ausfällt als bei den großen Parteien. Das hätte den Effekt, dass man nach der Wahl bei genauerer Analyse der Ergebnisse schauen könnte, ob sich bestimmte Wahlergebnisse häufen und ob sich daraus vielleicht Tendenzen ablesen lassen, dass bestimmte Wählergruppen ein ganz bestimmtes Thema herausgestellt sehen wollen.
 

ERF: Kann man daraus schließen, dass die kleinen Parteien automatisch radikaler sind als die bislang im Bundestag vertretenen Parteien?

Andreas Odrich: Ja und Nein, hier muss ich als Wähler sauber unterscheiden. Da sind auf der einen Seite tatsächlich die politisch radikalen Parteien. Nur zwei Beispiele: Da ist am linken Rand etwa die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD), der man ihre Ausrichtung schon am Namen ansieht. Da ist auf der anderen Seite am rechten Rand die Partei der III. Weg, sie wird von allen Beobachtern als rechtsradikal eingestuft, was man aber nicht unbedingt am Namen erkennt. Schlussfolgerung: Ich muss also genau hinschauen. Einfach mein Kreuz bei einem Namen machen, der mir halbwegs unverfänglich scheint, kann zum Eigentor werden.
 

Weltanschauung bestimmt Sachfragen

ERF: Wie sieht es denn bei den Parteien aus, die eher Lösungswege in den Vordergrund stellen, und nicht so sehr eine Ideologie?

Andreas Odrich: Auch wenn eine Partei ein inhaltlich fokussiertes Programm präsentiert, ist sie nicht frei von einer bestimmten Weltanschauung oder gar einer Ideologie. Das geht praktisch auch nicht, weil hinter jedem Konzept, sei es auch noch so pragmatisch, eine politische Auffassung steht. Denn die ist praktisch der Nährboden, aus dem die Partei ihre Existenz bezieht.

ERF: Welche Themen hast du denn gefunden bei den kleinen Parteien?

Andreas Odrich: Auch thematisch sind die kleinen Parteien breit aufgestellt: Abtreibungsverbot, Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa, radikale Gesundheitsreform, radikaler ökologischer Wandel, stärkere Berücksichtigung der älteren Generationen und von Menschen mit Behinderung bis hin zur Frage des Tierwohls. Es ist vieles vertreten.

Das muss ich durchforsten und ich muss mich reinarbeiten. Und wie gesagt fragen: Was steht wirklich hinter dem Namen und was will die Partei. Tipp: Wer sich nur ein bisschen für Politik interessiert – das ist spannender als mancher Fernsehkrimi; es lohnt sich also noch die nächsten Tage, schließlich geht es um meine/deine/Ihre Stimme.
 

100% Übereinstimmung gibt es nicht

ERF: Es gibt wohl keine Partei, mit der ich in sämtlichen Punkten übereinstimme. Wie ist das für dich, wie gehst du damit um?

Andreas Odrich: Ich muss mir vergegenwärtigen, dass das normal ist. Dass man immer und grundsätzlich einer Meinung ist, das gibt es nicht mal in der eigenen Ehe und schon gar nicht in der Familie. Und so ist das auch in der Politik. Das ist menschlich. Politik wird von Menschen gemacht und nicht von Heiligen.

Und genau deshalb lebt Demokratie von Kompromissen. Menschen mit verschiedenen Ansichten müssen sich zusammenraufen. Das ist der Unterschied zur Diktatur. Dort gibt es nur eine Meinung und nur eine Richtung, und die wird mir dann im wahrsten Sinne des Wortes gegebenenfalls um die Ohren gehauen oder eingeprügelt, wenn ich eine abweichende Auffassung habe.

ERF: Wie gehe ich denn aber nun damit um, wenn keine Partei meine Meinung abdeckt?

Andreas Odrich: Mir hat als Orientierung der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung geholfen. Wir haben ihn schon vorgestellt. Selbstverständlich gibt es auch andere Wahlentscheidungshilfen, stöbern lohnt sich auch hier. Es war schon spannend, was da als Ergebnis rauskam. Wir haben das quer durch die Familie und die Generationen ausprobiert und diskutiert. Wir sind da durchaus nicht immer alle einer Meinung, aber trotzdem gemeinsam unterwegs, und das ist das Entscheidende, wie in der „großen“ Politik auch.
 

Es gibt auch parteilose Einzelkandidaten

ERF: Nun kann es ja wirklich sein, dass eine bestimmte Partei bei mir ganz oben ansteht beim Wahl-O-Maten. Dennoch kann ich sie in meinem Bundesland gar nicht wählen. Woran liegt das?

Andreas Odrich: Die kleinen Parteien sind eben zum Teil so klein, dass sie nur in bestimmten Bundesländern vertreten sind. Das schaue ich mir am besten vorher im Internet bei den jeweiligen Parteien an. Die einzelnen Parteien führen ihre Listen und Kandidaten dort ja auf, so dass ich mir schon vorher Gewissheit verschaffen kann, ob meine Partei am Sonntag auf dem Wahlzettel zu finden ist.

Wikipedia z.B. gibt darüber Auskunft, auch wenn ich natürlich wissen muss, dass Wikipedia keine neutrale, übergesellschaftliche Organisation ist, die Liste der zur Wahl stehenden Parteien im unteren Teil des Wahlartikels auf Wikipedia ist aber komplett.
 

ERF: Du hast auch noch parteilose Einzelkandidaten ausfindig gemacht.

Andreas Odrich: Bis auf Bremen gibt es sie überall. Wenn nicht mit ihnen, mit wem dann, kann man sehr direkt ins Gespräch kommen, was sie im Bundestag erreichen wollen. Das gilt auch für die Direktkandidaten, für die meine Erststimme gefragt ist. Jetzt noch Kontakt aufnehmen und das Gespräch suchen, das kann echt noch bei meiner Entscheidungsfindung für die Bundestagswahl 2021 helfen – und für Christen natürlich das Gebet.

ERF: Danke für das Gespräch.

ERF-Parteiencheck im Detail zu Bündnis C, Freie Wähler, Volt, ÖDP.

 

Alle weiteren Parteienchecks

 

Weitere Informationen

Die hier aufgeführten Wahlprogramme entsprechen nicht der Meinung oder politischen Auffassung der Redaktion. Wir wollen Sie mit den Beiträgen zu den Parteiprogrammen lediglich dazu einladen, sich jenseits von oberflächlicher Berichterstattung intensiv mit den Inhalten der Parteien zu beschäftigen.

Unsere Liste soll zeigen, dass es neben den großen, derzeit im Bundestag vertretenen Parteien weitere Parteien gibt, die sich mit unterschiedlichen Ansätzen und Gesellschaftskonzepten zur Wahl stellen. Ihnen fehlt eine Partei in dieser Liste – bitteschön, die Liste mit allen 53 Parteien, die zur Bundestagswahl 2021 antreten, finden Sie u.a. in der hier verlinkten Aufstellung von Wikipedia, grundsätzliche Informationen zur Bundestagswahl und ihrem Verfahren finden Sie u.a. auf der offiziellen Homepage des Bundeswahlleiters:

Liste aller Parteien, die zur Bundestagswahl 2021 antreten

Informationen zur Bundestagswahl 2021 beim Bundeswahlleiter

Zum Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2021

 

 Andreas Odrich

Andreas Odrich

  |  Leiter Redaktion Aktuell

Er leitet die Redaktion Aktuelles und Gesellschaft. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und ist begeisterter Opa von drei Enkeln. Der Glaube ist für ihn festes Fundament und weiter Horizont zugleich.

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