Wenn ein neues Haus entsteht, liegt etwas Besonderes in der Luft: Frischer Putz, ein Hauch Farbe, vielleicht der warme Geruch von Holz. Es riecht nach Zukunft. Alles ist neu und voller Möglichkeiten. Ich erinnere mich noch gut an unseren Einzug. Der Schlüssel zu unserem neuen Zuhause lag in meiner Hand. Ein kurzer Dreh und die Tür ging auf – und mit ihr ein neues Kapitel unseres Lebens. Unser Sohn lief in sein neues Zimmer, blieb stehen, schaute sich um. Seine Augen leuchteten. Dann sagte er: „So schön hatte ich es mir nicht vorgestellt.“
Mit dem Einzug mussten wir auch Entscheidungen treffen: Was aus unserem alten Zuhause darf bleiben, was kann gehen? Der alte Sessel – durchgesessen. Weg damit! Die Kommode – voller Kratzer und Macken. Ab in den Keller! Der Teppich abgetreten, die Vorhänge zu schwer. Also tschüss. Nicht alles Alte passt ins Neue. Und genau das ist das Gute: Beim Aussortieren entsteht Raum für Neues.
Jesus klopft an
Wenn Jesus ins Leben tritt, bleibt nichts einfach beim Alten. So erging es zum Beispiel Zachäus. Er hatte das, wovon viele träumen: Geld, Einfluss, Macht. Doch als Zöllner war er auf Kosten anderer reich geworden. Deshalb wurde er verachtet und gemieden. Nach außen hin war er reich – innen leer.
Dann hört er: Jesus kommt in die Stadt. Zachäus will ihn unbedingt sehen. Aus Neugier oder aus Sehnsucht nach Veränderung? Vielleicht beides. Doch Zachäus ist klein und die Menge groß. Aber er gibt nicht auf, sondern klettert auf einen Baum. Wer Neues sehen will, muss manchmal die gewohnte Perspektive verlassen.
Und dann geschieht das Unerwartete: Jesus bleibt stehen, blickt hinauf, schaut ihn an und ruft: „Zachäus, komm schnell herunter! Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein“ (Lukas 19,5). Jesus macht Zachäus keinen Vorwurf und stellt keine Forderungen. Er sagt einfach nur: „Ich komme in dein Haus – jetzt gleich, genau so, wie’s gerade ist.“
Zachäus zögert nicht. Er klettert hinunter, öffnet die Tür – und sein Herz gleich mit. Als Jesus über seine Türschwelle tritt, kommt etwas in ihm in Bewegung. Zachäus beginnt, sein Leben in Ordnung zu bringen, gibt zurück, was er sich von anderen erschwindelt hat, fängt neu an. Nicht, weil er muss, sondern weil er will. Denn die Begegnung mit Jesus verändert alles.
Sanieren statt renovieren
Unser Haus war einmal neu. Heute, nach zwanzig Jahren sieht man die Spuren unseres Lebens: Macken im Parkett, kleine Risse in den Wänden, die Heizung müsste ausgetauscht werden und der nächste Anstrich ist fällig. Nichts bleibt ewig frisch und makellos.
So ist es auch im Leben. Unsere Erfahrungen hinterlassen Spuren, Überzeugungen bröckeln und in manchen Beziehungen zeigen sich Risse. Vieles funktioniert nicht ganz einwandfrei. Die Versuchung ist groß, einfach drüberzupinseln. Ein bisschen Spachtelmasse, ein bisschen Farbe und schon wirkt die Fassade wieder glatt.
Aber Jesus macht keine Schönheitsreparaturen. Er erneuert. Er saniert mein Lebenshaus von Grund auf. Er will nicht, dass ich nur nach außen hin glänze, sondern dass ich innen drin heil werde.
Solch ein umfassender Neuanfang lädt dazu ein, innezuhalten und Bilanz zu ziehen: Will ich weitermachen wie bisher oder mutig Platz schaffen für Neues? Wie beim Umzug in ein neues Haus gilt: Was nicht mehr passt, darf aussortiert werden. Alte Verletzungen wie die zerkratzte Kommode. Wackelige Sicherheiten wie der durchgesessene Sessel. Festgefahrene Gedanken wie der abgetretene Teppich. Lebensmuster, die das Licht verschlucken, wie schwere Vorhänge. Wenn ich loslasse, fällt Licht durch die Fenster. Es entsteht Raum für Neues, für das, was Jesus mir schenken will.
So geht es auch Zachäus. Er beschließt, sein Leben neu auszurichten. Jesus sagt dazu: „Heute ist diesem Haus Heil widerfahren.“ Nicht morgen. Nicht erst, wenn alles perfekt ist. Sondern heute, mitten im Umbruch.
Mit Jesus den Neuanfang meistern
Für Zachäus war dieser Neuanfang das Beste, was ihm im Leben passieren konnte. Es gibt aber auch Veränderungen, die wir gar nicht haben wollen. Wie ungebetene Gäste klopfen sie an unsere Tür. Manche schleichen sich fast unbemerkt durch die Hintertür rein. Andere treffen uns frontal mit voller Wucht und wirbeln alles durcheinander.
Der Arbeitsplatz fällt weg. Eine Beziehung zerbricht. Eine Diagnose erschüttert. Oder ein nahestehender Mensch stirbt. Plötzlich gerät alles ins Wanken, was eben noch so selbstverständlich schien. Veränderungen gehören unweigerlich zum Leben dazu – große und kleine, schöne und schmerzliche, willkommene und ungebetene. Die Welt dreht sich weiter, ob wir dafür bereit sind oder nicht. Leben geht nur nach vorn.
Doch in allem Wandel bleibt einer treu: Jesus Christus.
Er geht mit, wenn Wege holprig werden. Er hält mich, wenn mir der Boden unter den Füßen wegzurutschen droht. Und er lässt mich nicht allein – auch dann nicht, wenn sich alles verändert.
Er sagt nicht: Reiß dich zusammen. Sondern: „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen“ (Matthäus 11,28). Das sagt er nicht zu denen, die ihr Leben scheinbar mühelos meistern. Nicht zu denen, die sich selbst optimieren wollen, sondern zu denen, die zugeben: Ich schaffe es nicht allein.
Bei Jesus kann ich alles ablegen, was mich belastet: Schuld und Scham, Angst und Sorgen, Trauer und Schmerz. Sein Kreuz ist der Ort, wo alles seinen Platz findet, was ich selbst nicht tragen kann. Jesus lädt mich ein: Komm mit ehrlichem Herzen, bei mir darfst du durchatmen.
Die Geschichte von Zachäus ist kein Einzelfall. Die Bibel ist voll von Menschen, die Altes zurücklassen, aufbrechen, neu anfangen. Abraham macht sich ohne Navi auf den Weg – im Vertrauen, dass Gott den Weg kennt. Petrus verlässt sein Fischerboot und folgt Jesus – ins Ungewisse, aber nicht ins Leere.
Das macht auch mir Mut, Jesus zu folgen und trotz aller Umbrüche mit Gottvertrauen in die Zukunft zu gehen.
Bauprojekt Zukunft
Wer Jesus vertraut, für den endet die Zukunft nicht am Grab – sie führt weit über den Tod hinaus. Jesus selbst sagt: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich dann etwa zu euch gesagt, dass ich dorthin gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?“ (Johannes 14,2)
Am Ende der Bibel wird diese Zusage Gewissheit: Uns erwartet ein wahres Zuhause. Kein menschlicher Plan, kein „Do-it-yourself-Projekt“, keine Erfindung künstlicher Intelligenz, sondern Gottes Entwurf einer perfekten Welt: liebevoll durchdacht und erfüllt von seiner göttlichen Weisheit. Er selbst ist der Architekt und Baumeister (vgl. Hebräer 11,10). An diese Hoffnung auf eine neue Welt erinnert mich die Jahreslosung 2026 aus Offenbarung 21,5: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“
Was diesen neuen Ort besonders macht? Nicht Gold und Glanz, sondern Gottes Nähe – Gott selbst zum Greifen nah. Er wird bei uns wohnen (vgl. Offenbarung 21,3). Diese Zukunft ist kein flüchtiger „Alles neu macht der Mai“-Moment, der verblüht, bevor man ihn richtig genießen konnte.
Nein, das Neue, das Gott schafft, bleibt. Alle Ungerechtigkeit, alles Zerstörerische hat dann ausgedient. Aber Gott übertüncht das Vergangene nicht einfach, er verwandelt es. Er überwindet Schmerz, Schuld und Tod und wischt jede Träne ab, keine geht verloren, keine wird vergessen.
Seine Zusage ist kein Schlusskapitel, sondern der Beginn von etwas Vollkommenem. Ein Leben, das nicht auf Verschleiß läuft, sondern auf Vollendung zielt.
Wer diese Zukunft im Blick hat, kann jetzt schon anders leben: nicht getrieben von Sorge und Angst, sondern getragen und beflügelt von Hoffnung. Eine Zukunft, für die es sich schon heute zu leben lohnt.
Der Himmel blitzt auf
Bis dahin lebe ich im Dazwischen. Zwischen Umbrüchen und Neuanfängen, zwischen „noch nicht fertig“ und „schon verwandelt“. Schmerz und Tränen gibt es noch. Aber wer sich nach Gottes neuer Welt sehnt, beginnt heute schon, sie zu leben und zu gestalten. Der wartet nicht einfach auf der Baustelle, rührt im Kaffee und hofft, dass sich die Wände von selbst hochziehen. Er packt mit an – mitten im Unfertigen: trocknet Tränen, sät Frieden, wagt Schritte der Versöhnung.
Und dann – mitten im Alltag – blitzt der Himmel auf. Kein Donner, kein Feuerwerk. Nur dieses leise Aufleuchten, das zeigt: Da tut sich was. Stück für Stück wächst etwas Neues. Gottes Reich entfaltet sich – still, unaufhaltsam, ohne Zäune, ohne Grenzen. Man kann es nicht vermessen oder verorten, aber man kann es entdecken. Überall dort, wo Menschen Jesus Raum geben in ihrem Denken, Reden und Handeln, beginnt Gottes Zukunft zu keimen.
Wo Jesus herrscht, bricht Licht hervor – noch verborgen, aber kraftvoll. Der Tag wird kommen, an dem seine Herrschaft für alle sichtbar wird. Dann wird die Welt erkennen, wer er ist: Herr über alles Leben. Und jede Zunge wird bekennen: Jesus Christus ist der Herr (vgl. Philipper 2,11). Was heute still wächst, hält ewig: Ein Reich ohne Ende. Kein Lichtblitz, sondern ein ewiges Strahlen.
Endlich ankommen
An Gottes Zukunft glauben heißt, mit Jesus unterwegs zu sein: Über manche Kreuzungen und Umwege. An klaren Tagen und solchen, an denen alles im Nebel liegt. Jesus geht mit, auch wenn ich zweifle, falle oder einfach mal ratlos stehenbleibe. Ich muss nicht alles verstehen – vertrauen reicht. Jesus stützt mich, fängt mich auf, trägt meine Lasten. Er trägt mich durch.
An Gottes Zukunft glauben heißt, mit Jesus unterwegs zu sein: Über manche Kreuzungen und Umwege.
Und wenn ich eines Tages ankomme – nicht im Nirgendwo, sondern zu Hause – steht Jesus schon an der Tür. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit offenen Armen. Nicht als Fremder, sondern als Freund. Dann sagt er: „Willkommen daheim.“ Und ich? Vielleicht sage ich nur ehrfürchtig, staunend, dankbar: „So schön hatte ich’s mir nicht vorgestellt.“
Ihr Kommentar
Kommentare (2)
Liebe Frau Hörder-Knop,
ein sehr schöner, mutmachender, tröstlicher und hilfreicher Artikel!
Vielen Dank! Bei mir stehen im neuen Jahr auch Veränderungen an, das fühlt sich sehr beschwerlich an. Aber Jesus geht tatsächlich mit - nein, ER geht sogar voran und trägt die Hauptlast!
Danke für diese Mut machenden Worte!