Manchmal kriege ich einen Rappel. Dann brauche ich einen Tapetenwechsel in meiner Wohnung. Mein Mann muss dann nicht gleich den Tapeziertisch aus dem Keller holen, meist reichen schon kleine Veränderungen: Ich wechsle die Kissenbezüge, tausche die Bilder in den Rahmen aus, stelle ein Möbelstück um. Aber manchmal muss es doch etwas ganz Neues sein.
Blöd nur: Irgendwann nutzt sich auch das Neue ab und verliert an Glanz. Am Pullover löst sich eine Naht, das Sofa wetzt sich ab, über das Handydisplay zieht sich ein Riss. Auch die neue Wohnung, die neue Stadt, der neue Job, vielleicht sogar die neue Liebe – alles Neue wird irgendwann zur Gewohnheit und bekommt Macken. So fühle ich mich manchmal gefangen in einem Kreislauf von Neuem und Abnutzung.
Genau das nutzt die Werbung unserer Konsumgesellschaft aus. Sie feuert uns an, immer Neues zu kaufen. Ganz gezielt bespielt sie unsere Sehnsucht nach makelloser Schönheit und ewiger Frische.
Auch ich spüre diese Sehnsucht nach Vollkommenheit. Die Sehnsucht nach einem Happy End. Dass irgendwann, irgendwo endlich alles gut wird – und bleibt.
Diese Sehnsucht drückt den Wunsch nach einem Leben aus, das vollständig und ganz ist. Kennst du das auch?
Vertröstung auf die Zukunft?
Die Jahreslosung verspricht genau das: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5) In dieser Zukunft wird alles neu sein, niemals altern oder sich abnutzen. Es wird schöner, besser und glanzvoller werden, als wir uns das jemals vorstellen können. Eine neue und heile Welt. Was für eine Hoffnung!
Klingt wie im Märchen? Wahre Vollkommenheit und ungetrübtes Glück werden wir wohl erst am Ende der Zeiten in dieser neuen Welt bei Gott erleben. Da, wo es keinen Tod, kein Leid, kein Geschrei mehr geben wird. Ist die Jahreslosung dann nur eine Vertröstung auf eine ferne Zukunft?
Ich denke nein, wie ein kleiner Ausflug in die Grammatik zeigt. Gott spricht hier nicht im Futur „Ich werde alles neu machen“, sondern im Präsens „Ich mache alles neu“. Also schon in der Gegenwart, heute, jetzt dürfen wir etwas von dieser Erneuerung erwarten. An anderer Stelle sagt er: „Ich schaffe jetzt etwas Neues! Es kündigt sich schon an, merkt ihr das nicht? Ich werde eine Straße durch die Wüste legen und lasse dort Ströme fließen“ (Jesaja 43,19).
Erneuerung kündigt sich an
Gott ist unermüdlich am Werk. Besonders eindrücklich zeigt sich das in der Natur. Jedes Jahr folgt auf den Winter der Frühling. Die schlafende, triste Landschaft blüht wieder auf. Heute noch kaum vorstellbar, aber in nur wenigen Monaten werden die kahlen Bäume wieder in dichtem, sattgrünem Laub stehen.
Wer genau hinschaut, kann schon im Winter die zarten Ansätze der Knospen entdecken. Gott hat bereits alles vorbereitet, sodass im Frühling das frische Grün, die neuen Blüten hervorsprießen werden.
Auch wir können schon heute Erneuerung in unserem Leben erleben. Auch in uns hat Gott diese Fähigkeiten bereits angelegt: Selbsterkenntnis und den Willen zur Veränderung, Mut, den ersten Schritt zu wagen oder andere Menschen dabei um Unterstützung zu bitten.
Mit Gottes Kraft und seiner Hilfe sind Neuanfänge möglich!
Ein suchtkranker Mensch findet einen Weg aus seiner Abhängigkeit. Ein Paar, deren Ehe am Ende scheint, findet wieder zusammen. Jemand, der tiefe Verletzungen und Enttäuschung erlebt hat, kann vergeben und erlebt wieder Leichtigkeit.
Alles ist möglich!
Neben dem Wörtchen „neu“ ist mir in diesem Vers auch das Wort „alles“ aufgefallen. Gott macht nicht nur ein bisschen was neu – nein, alles wird neu sein. Hier wird deutlich, dass für Gott alles möglich ist – weit mehr, als wir uns überhaupt vorstellen können.
In welchem Bereich deines Lebens wünschst du dir Veränderung oder einen Neuanfang? Vertraust du darauf, dass Gott schon heute tun kann, was für dich unmöglich oder gar unvorstellbar ist?
In dieser Jahreslosung steckt so viel Hoffnung und Zuversicht – für die ferne Zukunft in Gottes neuer Welt, aber auch für unser Leben im Hier und Heute. Ich wünsche dir, dass der Vers in diesem Jahr zu einer wahren Ermutigung für dich wird. Dass du Veränderung und Durchbrüche erlebst, wo du sie dir wünschst. Vielleicht entdeckst du schon die ersten, zarten Knospen eines Neuanfangs.
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