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© Lidya Nada / unsplash.com

26.01.2024 / Serviceartikel / Lesezeit: ~ 10 min

Autor/-in: Sarah-Melissa Loewen

Die Vermessung des Glücks

Was uns die Glücksforschung über die größte Sehnsucht des Menschen verrät.


Das neue Jahr ist noch jung und vielleicht steht auf deiner Fensterbank ein Bubikopf. Die kleinen grünen Pflanzen verziert mit Glücksschweinchen, Schornsteinfegern oder Hufeisen sind ein beliebtes Mitbringsel zum Jahreswechsel. Eine Zimmerpflanze als Glück-Wunsch, als Glücks-Bringer.

Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich: Auch Pflanzen können glücklich machen. Aber wie werden wir glücklich? Reichen gute Wünsche, passiert uns das Glück einfach oder gilt am Ende doch die Redewendung „Jeder ist seines Glückes Schmied“? Was können wir tun, um unserem Glück auf die Sprünge zu helfen? Und was bedeutet es ganz konkret glücklich zu sein?

Der Duden definiert Glück als eine „angenehme und freudige Gemütsverfassung“ und als „Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung“. Welche Punkte hier auf der persönlichen Wunschliste stehen, ist vermutlich so verschieden wie jeder Mensch. Glück ist eine zutiefst individuelle Angelegenheit. Denn beim Streben nach Glück geht es um die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse.

Gleichzeitig ist die Sehnsucht nach einem von Glück erfüllten Leben ein universelles und existenzielles Bedürfnis. Wir alle wollen glücklich sein. Das hat schon der französische Mathematiker und Physiker Blaise Pascal gesagt: „Alle Menschen suchen nach Glück. Das ist ohne Ausnahme“.
 

Glück in Zahlen

Glück ist ein Thema, mit dem sich auch die Wissenschaft beschäftigt. So gibt es zahlreiche Studien und Umfragen, anhand derer gemessen werden soll, wie glücklich die Menschen sind und was für ein gutes Leben wichtig ist.

Aber die Erforschung von individuellem Glück ist sehr vielschichtig und kompliziert. Ein glückliches Leben lässt sich nicht an einem einzigen Faktor festmachen. Vielmehr muss eine Reihe von Rahmenbedingungen stimmen. Neben sozialen Faktoren spielen dabei Frieden, Wohlstand und Sicherheit eine wichtige Rolle.

Doch was ist das Minimum, das jeder Mensch braucht, um glücklich zu sein? Die UN hat fünf Glücks-Grundbedingungen aufgestellt:

  1. mindestens 2.500 Kalorien pro Tag
  2. einen Wasserverbrauch von 100 Litern am Tag
  3. mindestens sechs Quadratmeter Wohnraum
  4. einen Platz zum Kochen,
  5. eine sechsjährige Schulbildung

Doch diese Grundbedingungen sind nicht für jeden Menschen auf der Welt eine Selbstverständlichkeit.
 

Glücksbarometer

Der interaktive Better Life Index des OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) vergleicht länderübergreifend das gesellschaftliche Wohlergehen der OECD-Mitgliedsstaaten. Dafür wurden elf essenzielle Aspekte identifiziert, die sowohl materielle Lebensbedingungen umfassen wie Wohnverhältnisse, Einkommen und Beschäftigung, als auch die Lebensqualität insgesamt betreffen. Zu nennen wären hier Gemeinsinn, Bildung, Umwelt, politischer Rahmen, Gesundheit, Lebenszufriedenheit, Sicherheit und Work-Life-Balance.

Seit nunmehr zehn Jahren veröffentlichen die Vereinten Nationen den World Happiness Report, den Weltglücksbericht. Dieser jährlich erscheinende Report spiegelt den Zustand der Lebenszufriedenheit der Menschen aus bis zu 150 Ländern und analysiert Faktoren und Ursachen für Glück und Unglück.

Für diese Studien werden riesige Umfrage-Daten erhoben. Die Teilnehmerländer werden ermutigt, diese Daten zu nutzen, um ihre politischen Ziele besser auf das Glück ihrer Bevölkerung auszurichten und Glück als Entwicklungsindikator zu verwenden. Um die internationale Staatengemeinschaft daran zu erinnern, hat die UN im Sommer 2012 den 20. März zum Weltglückstag bestimmt.
 

Wie glücklich sind die Deutschen?

Laut den Daten des OECD-Index schneidet Deutschland aktuell in folgenden Bereichen überdurchschnittlich gut ab: Bildung, Work-Life-Balance, Beschäftigung, Umweltqualität, Zivilengagement, Sicherheit und Lebenszufriedenheit.

Im Allgemeinen sind die Menschen in Deutschland mit ihrem Leben zufriedener als der Durchschnitt der OECD-Bürger. Auf einer Skala von 0 (überhaupt nicht zufrieden) bis 10 (völlig zufrieden) bewerten sie ihre Lebenszufriedenheit mit 7,3 Punkten. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 6,7.

Der Glücksatlas, den die SKL (Süddeutsche Kassenlotterie) in Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg jährlich veröffentlicht, wertet umfassende Umfragedaten zum Lebensglück der Deutschen aus. Demnach liegt die Lebenszufriedenheit der Deutschen insgesamt auf einer Skala von 0 bis 10 bei aktuell 6,92 Punkten.

Gab es vor Corona ein Allzeithoch (7,14 Punkte), so sorgte die Pandemie in der Langzeitbefragung für ein Allzeittief im Jahr 2021 (6,58 Punkte). Die Aufholjagd zu den Vor-Corona-Werten schreitet nur langsam voran.

Verantwortlich dafür sind die vielfältigen Krisen, die die Menschen gegenwärtig spüren wie den Ukraine-Krieg oder die Inflation. Entsprechend hat auch das emotionale Wohlbefinden abgenommen, Ängste dafür aber zugenommen. Die Zahl der Menschen ohne Ängste sei deutlich zurückgegangen.
 

Glückspilze: Wo leben die glücklichsten Menschen der Welt?

Im World Happiness Report 2023 rangiert Deutschland auf Platz 16. Damit ist es im Vergleich zu den Vorjahren weiter abgestiegen: Im Jahr 2022 lag Deutschland auf Platz 14 und 2021 noch auf Platz 7.

Die Rangliste des World Happiness Reports wird regelmäßig von den skandinavischen Ländern angeführt. Finnland steht im Jahr 2023 zum sechsten Mal in Folge auf Platz 1. Aber was macht die Finnen zu den Glückspilzen der Welt? Laut Experten ist ein auffälliges Merkmal der finnischen Kultur, dass ihnen zwischenmenschliche Beziehungen besonders wichtig sind.

Gesunde Beziehungen fördern das Grundvertrauen, führen zu mehr Hilfsbereitschaft und helfen dabei, einen gesamtgesellschaftlichen Konsens zu finden. Dies steigert das subjektive Wohlbefinden und führt wiederum zu einer erhöhten Produktivität und besserer Gesundheit.


Insgesamt wirkt sich so ein glücklicher Gesamtzustand des Einzelnen auch positiv auf das Gemeinwohl aus.
 

Glück für alle?

Das individuelle Glück und das Gemeinwohl bedingen sich demnach gegenseitig. Zu diesem Schluss kommt auch der World Happiness Report 2023: Eine glückliche Gesellschaft erreiche man nur, wenn Menschen sich gegenseitig – und nicht nur sich selbst – glücklich machen.

Doch die UN weist darauf hin, dass die Art und Weise, wie Menschen Glück und Wohlbefinden verstehen, von Kultur zu Kultur verschieden ist und sich sehr unterschiedlich manifestiert. Während in kollektivistischen Gesellschaften das Glück der Gemeinschaft zählt, steht in westlichen individualistischen Gesellschaften das Glück des Einzelnen im Vordergrund.

In einer individualistischen Leistungsgesellschaft besteht dadurch die Gefahr, das persönliche Glück wie einen Preis zu sehen, den man sich erarbeiten oder gewinnen kann und dann sein Leben lang behält.

Laut der Kulturwissenschaftlerin Annegret Braun ist Glück aber ein Kontrasterlebnis: Man kann Glück nur erleben, wenn man auch den Normalzustand und negative Gefühle zulässt.

Dauerhaftes Glück gibt es nicht und auch der Anspruch auf Glück ist unrealistisch.


Dennoch erleben Coaches, Kurse und Ratgeber, die einen Weg zum individuellen Glück versprechen, seit geraumer Zeit einen Boom. Doch durch die Annahme, jeder könne wohlhabend, erfolgreich und glücklich werden, wenn er sich nur genug anstrengt, entsteht der fatale Umkehrschluss, dass man für seine Armut, seinen Misserfolg und sein Unglück auch selbst verantwortlich ist. Diese verzerrte Vorstellung von Glück kann im schlimmsten Fall toxisch wirken.
 

„Mein Haus, mein Auto, mein Boot“?

Menschen, die in Ländern leben, die einen sehr hohen Wohlstand erreicht haben und in Überfluss und Sicherheit leben, stellen sich mit der Frage nach dem Glück auch die Frage: Was ist der Sinn des Lebens? Wenn alle Grundbedürfnisse halbwegs gestillt sind, was ist das eigentliche, das übergeordnete Ziel?

In unserer westlichen Zivilisation ist der Materialismus das vorherrschende Sinnsystem. Von allen Seiten werden wir mit hoffnungsvollen Versprechen bombardiert: Wenn du dieses oder jenes erreicht hast, dieses oder jenes gekauft hast, dann wirst du glücklich sein. Ganz nach dem Motto: Du bist, was du hast.

Viele Menschen suchen ihren Lebenssinn in dem, was sie haben, besitzen oder konsumieren. Diese Haltung hat der Sparkassen-Werbespot „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ aus dem Jahr 1995 so eindrücklich wie erschreckend auf den Punkt gebracht. Aber wann ist es genug?

Die Antwort lautet: 75.000. Eine einflussreiche Studie aus dem Jahr 2010 von Daniel Kahneman und Angus Deaton kam zu dem Schluss, dass Geld nur bis zu einem Jahresverdienst von etwa 75.000 US-Dollar das persönliche Glück steigern kann. Diese Zahl markiert den Glückszenit. Ab dieser Summe macht mehr Geld nicht mehr glücklicher.

Auch sonst verhilft mehr Geld nicht automatisch zu mehr Glück. Geld ist zwar ein Glücksfaktor, allerdings ein überschätzter.
 

Zufriedenheit lernen

Ein wichtiger, erster Schritt hin zu einem glücklichen Leben ist es, zufrieden zu sein. Sowohl unabhängig von dem, was wir haben, als auch unabhängig von dem, was uns fehlt. Das bedeutet nicht, den Mangel klein zu reden. Aber wer den Blick nur auf das richtet, was ihm fehlt, lässt zu, dass unerfüllte Wünsche sein Glück dauerhaft einschränken.

Mit der Zeit kann sich das Gefühl verfestigen, dass die Dinge, die wir für ein gutes Leben brauchen, sich immer außerhalb unserer Reichweite oder in der Zukunft befinden. Das nährt Unzufriedenheit, die wiederum Neid und Missgunst weckt und schleichend unsere Seele vergiftet.

Um dem entgegenzuwirken, ist es einerseits hilfreich, achtsam und dankbar zu werden für das, was wir haben. Andererseits ist es wichtig, Umstände, die wir nicht ändern können, zu akzeptieren und zu lernen, das Beste daraus zu machen. Am Ende bedeutet zufrieden zu sein, Frieden mit den unabänderlichen Umständen des Lebens zu schließen.
 

Eine sinnvolle Aufgabe finden

Gleichzeitig gibt es vieles in unserem Leben, das wir sehr wohl beeinflussen und ändern können, um glücklicher zu werden. Das fängt schon an bei einer ausgewogenen Ernährung, regelmäßigem Freizeitsport und einer guten Schlafroutine.

Grundsätzlich liegt in der Gestaltung unseres persönlichen Alltags das größte Potenzial zum Glücklichsein. Wenn wir einen abwechslungsreichen Alltag haben, werden Glücksbotenstoffe ausgeschüttet. Denn Freude, Lust, Aufmerksamkeit, Neugier und Lernen sind untrennbar miteinander verbunden.

Wer sein Leben selbstwirksam gestaltet und mit Aktivitäten füllt, die er mag, ist glücklicher. Ähnlich ist es bei körperlicher Bewegung: Sie hebt die Laune, weil das Gehirn dann vermehrt Serotonin und Endorphin ausschüttet.

Grundsätzlich liegt in der Gestaltung unseres persönlichen Alltags das größte Potenzial zum Glücklichsein. 


Ebenso wichtig ist es, eine Aufgabe zu finden, die uns Freude macht und die wir als sinnvoll erleben. Das kann sowohl der Beruf als auch eine ehrenamtliche Tätigkeit sein. Wenn wir das Gefühl haben, etwas zu tun, das nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere von Bedeutung ist und positive Auswirkungen hat, steigert das unsere Motivation. Es gibt uns Selbstvertrauen und hilft uns, die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und unser Potenzial auszuschöpfen.

Kurzum: Eine sinnvolle Aufgabe verbessert die Lebensqualität und wir können daraus eine reale und tiefgreifende Zufriedenheit schöpfen.
 

Beziehungen sind der Schlüssel zu einem glücklichen Leben

Auch wenn die Bedürfnisse eines jeden Menschen individuell sind, hat die Forschung den wichtigsten Faktor für ein glückliches Leben ausgemacht: Gute soziale Beziehungen. Es sind vor allem Beziehungen zu anderen Menschen, die unser Leben wertvoll machen. Stabile Beziehungen vermitteln das Gefühl von Verbindung und Zugehörigkeit und damit auch von Glück.

Zu diesem Schluss kommt auch eine Langzeitstudie der Harvard-University: die „Harvard Study of Adult Development“. Seit mehr als 80 Jahren begleiten die Wissenschaftler knapp 2000 Menschen aus drei Generationen, um herauszufinden, was das Wohlbefinden des Menschen positiv beeinflusst. Alle bisher veröffentlichten und die aktuellen Ergebnisse der Studie, haben die Studienleiter Robert Waldinger und Marc Schulz in ihrem Buch The Good Life zusammengefasst.

Demnach sind materielle Dinge, Geld und Erfolg für die Lebenszufriedenheit zwar nicht unerheblich, aber entscheidend sind letztlich gute Beziehungen zu Freunden, der Familie, dem Partner, Nachbarn und Kollegen. Die Verbindung zu anderen Menschen wirkt sich nicht nur positiv auf unser mentales Wohlbefinden, sondern auch auf unsere körperliche Gesundheit aus.

Doch ausgerechnet zwischenmenschliche Beziehungen gehören zu den am meisten unterschätzten Faktoren bei der Glückssuche.


Warum? Weil es anstrengend ist, Beziehungen zu entwickeln und aufrecht zu erhalten. Im Alltag machen wir oft zuerst an dieser Stelle Abstriche. Beim Blick auf den überfüllten Terminkalender lassen wir das Kaffeetrinken mit der Freundin ausfallen, den Spieleabend mit den Nachbarn platzen oder verschieben die Einladung zum Essen bei den Eltern. Dabei liegt hier das größte Glückspotenzial verborgen.
 

Vom Suchen und Finden des Glücks

Neben der Gemeinschaft mit anderen Menschen ist auch die Beziehung zu Gott ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Grundpfeiler für ein glückliches Leben. Die Glücksforschung hat bestätigt, dass Religion ein Sinnstifter im Leben ist.

Die Verbindung mit etwas Höherem, mit jemandem, der uns durch alle Widrigkeiten des Lebens begleitet, und das Eingebettet-Sein in einen größeren Zusammenhang, das alles stiftet Sinn und Glück.

Auch in der Bibel beschäftigen sich die Autoren mit dem Thema Glück. Die Bibel enthält viele Beschreibungen, in denen es um eine dauerhafte Freude, das Lebensglück, geht. Dieses steht in direkter Verbindung zu Gott: Nämlich das Glück, mit ihm verbunden zu sein.

So schreibt es zum Beispiel David in Psalm 16. Zu Beginn in Vers 2 heißt es: „Du bist mein Herr, mein Glück finde ich allein bei dir“. Und am Ende in Vers 11: „Du wirst mir den Weg zum Leben zeigen und mir die Freude deiner Gegenwart schenken. Aus deiner Hand kommt mir ewiges Glück“. Luther übersetzt hier: „Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich“.

Der Psalmschreiber David hat erlebt, dass die Nähe zu Gott seine tiefsten Bedürfnisse stillt. In der innigen Verbundenheit mit Gott findet er Erfüllung, Freude und Lebensglück  – unabhängig von den äußeren Umständen. David fügt dieser Aussage kein „aber“ oder „wenn“ hinzu. Seine Suche nach dem Glück endet bei Gott.

Wo suchst du dein Glück? Was brauchst du, um glücklich zu sein? Schreib uns gern unten in den Kommentaren.
 

 Sarah-Melissa Loewen

Sarah-Melissa Loewen

  |  Redakteurin

Sie hat Literatur- und Kulturwissenschaften studiert und war schon immer von guten Geschichten in Buch und Film begeistert. Doch sie findet, die besten Geschichten schreibt Gott im Leben von Menschen. Als Redakteurin erzählt sie diese inspirierenden Lebens- und Glaubensgeschichten. Sie lebt mit ihrem Mann in der schönsten Stadt am Rhein.

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