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19.11.2021 / Wochenrückblick / Lesezeit: ~ 5 min

Autor/-in: Andreas Odrich

Geschenke für Ahrtal, Flüchtlingspetition, Bußtagsbilanz

Der Freitagstalk des ERF Aktuell-Teams.

 

 

Tu etwas für andere, verlier das Leid der anderen nicht aus dem Blick, so könnte man die Themen zusammenfassen, die sich in dieser Woche in der ERF Aktuell-Redaktion gesammelt haben. Regina König hat darüber mit Andreas Odrich gesprochen, der die Themen aufbereitet hat.


ERF: Andreas, die Europäische Evangelische Allianz setzt sich ein für die Flüchtlinge, die in Belarus gestrandet sind, und hat eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie das Verhalten der belarussischen Regierung als Geiselnahme bezeichnet.

Andreas Odrich: Zunächst einmal zur Situation der betroffenen Menschen: Insgesamt sind es nach Angaben des belarussischen Regimes mit Stand Donnerstagabend 7000 Menschen. 2000 von ihnen befinden sich noch an der Grenze zu Polen in sogenannten Spontanunterkünften, wie immer diese im Einzelnen aussehen mögen. Weitere 500 seien an der Grenze verstreut, weitere wurden in einer großen Halle versammelt.

Ein Bild, das Tagesschau.de veröffentlicht hat, zeigt: unter den Geflüchteten befinden sich ganze Familien auch mit kleinen Kindern. Die Europäische Evangelische Allianz nennt dies eine humanitäre Katastrophe. Sie fordert alle beteiligten Regierungen dazu auf, „an die Menschen zu denken, die im Mittelpunkt dieser Angelegenheiten stehen“. Wörtlich heißt es weiter:

Diese Menschen verdienen Mitgefühl. Sie dürfen nicht ignoriert oder dämonisiert werden. Wenn Menschen leiden, reicht es nicht, sich nur auf Schuldzuweisungen einzulassen, mehr Sanktionen zu verhängen, oder Zäune zu bauen.

 

ERF: Das ist zunächst einmal die Basis, auf der die Erklärung der Europäischen Allianz ansetzt. Stellt sie auch konkrete Forderungen auf?

Andreas Odrich: Ja. Humanitäre Hilfe, für alle, die auf beiden Seiten der Grenzen festsitzen. Dann einen fairen, transparenten Prozess, für die Geflüchteten – was wohl so viel heißen soll wie ein faires Asylverfahren. Dann: Hilfe für Lettland, Litauen und Polen, mit der Bitte an diese Länder, diese Hilfe auch anzunehmen, was sich wohl vor allem auf Polen bezieht.

Weiter: Solidarität zwischen allen europäischen Nationen, auch für die Mittelmeerländer, die „Millionen von Migranten und Flüchtlingen aufgenommen haben“. Und zum guten Schluss: die Europäische Evangelische Allianz ruft alle Christinnen und Christen auf, für ein Europa zu beten, „das die jüdisch-christlichen Werte der Menschenwürde, der Gerechtigkeit und des Mitgefühls und der Solidarität hochhält.“
 

Kein assistierter Suizid

ERF: Leider hast du noch andere Themen, die sehr unter die Haut gehen.

Andreas Odrich: Da ist zum Beispiel die Frage nach einem assistierten Suizid in Pflegeeinrichtungen. Sie wird in der Evangelischen Kirche schon seit Anfang des Jahres 2021 diskutiert. Der sächsische Landesbischof Tobias Bilz (Dresden), hat sich am vergangenen Wochenende dazu auf der sächsischen Landessynode seiner Kirche geäußert.

Er kann sich nicht vorstellen, dass assistierter Suizid in diakonischen Einrichtungen praktiziert wird und spricht sich gegen assistierten Suizid in kirchlichen Pflegeeinrichtungen aus. Das Bundesverfassungsgericht hat im Jahr 2020 das Recht auf selbstbestimmtes Sterben betont – verbunden mit dem Recht, sich dabei von anderen helfen zu lassen.
 

ERF: Bilz geht davon aus, dass die Diskussion über gesetzliche Regelungen nach der Regierungsbildung Fahrt aufnehmen werde.

Andreas Odrich: Er sagt selbst, es sei ihm bewusst, „dass es sich hierbei um ein komplexes Thema handelt, das differenzierter Antworten bedarf“. Aber er kritisiert: Diejenigen, die das „Medikament zum Tode“ reichten, brächten damit gewollt oder ungewollt zum Ausdruck: „Dein Leben ist es nicht mehr wert, gelebt zu werden!“ Daher ist der sächsische Landesbischof gegen assistierten Suizid in diakonischen, also kirchlichen Einrichtungen.
 

Auf Kinder achten

ERF: Auch beim Thema Kinder und Jugendliche muss man diese Woche genau hinschauen.

Andreas Odrich: Das Beratungstelefon für Kinder und Jugendliche Nummer gegen Kummer hat mitgeteilt: Es habe während der Corona-Pandemie mehr Gespräche rund um das Thema Gewalt und Missbrauch verzeichnet. 2020 konnten etwa 13 Prozent aller Beratungen am Kinder- und Jugendtelefon und in der Online-Beratung diesem Themenkomplex zugeordnet werden. Das seien 2,1 Prozentpunkte mehr gewesen als im Jahr zuvor.

Die bisherigen Zahlen von 2021 ließen einen weiteren Anstieg vermuten. Außerdem hat der Geschäftsführer des Trägervereins der Nummer gegen Kummer davor gewarnt: durch die vermehrte Internetnutzung in Pandemiezeiten könnten die Kinder dem wachsenden Risiko von sexuellen Übergriffen ausgesetzt werden.
 

ERF: Der beste Schutz davor ist sicherlich: Eltern sollten und dürfen ihre Kinder mit dem Internet nicht allein lassen und entsprechende Sicherungsvorkehrungen treffen. Aber es gab diese Woche zum Thema Kinder und Jugendliche auch noch eine erfreuliche Zahl.

Andreas Odrich: Jugendliche weltweit blicken einer UNICEF-Umfrage zufolge trotz aktueller Krisen positiver auf die Welt als die ältere Generation. Im Durchschnitt stimmten 57 Prozent der Menschen zwischen 15 und 24 Jahren der Aussage zu, dass die Welt mit jeder Generation ein besserer Ort wird, wie die am Donnerstag veröffentliche Umfrage des UN-Kinderhilfswerks gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Gallup ergab. In Deutschland stimmten dem sogar 61 Prozent der Jugendlichen zu.
 

Bußtag aktiv gestaltet

ERF: Am Mittwoch war Buß- und Bettag. Du hast in einem Kommentar dazu aufgerufen, den Buß und Bettag wieder als gesetzlichen Feiertag einzuführen. Wie sind die Reaktionen ausgefallen?

Andreas Odrich: Ein Bekannter aus der freien Wirtschaft hat sich bei mir gemeldet und meinte, wir hätten dieses Jahr corona-bedingt schon genug Ausfälle und ungewollte Einkehr gehabt, da bräuchte man jetzt keinen zusätzlichen Feiertag. Ein Hörer wiederum hat uns per WhatsApp geschrieben: „Ich habe noch an jedem Buß- und Bettag frei gemacht, auch immer dazu gesagt, dass es für mich ein Feiertag ist.

Früher gab es Sternmärsche von Kirche zu Kirche, seit etlichen Jahren bin ich im Dom in Schleswig, wo um 11 Uhr ein großer Gottesdienst stattfindet, an dem fast so viele Menschen teilnehmen wie an Weihnachten, einige Schulklassen führen dann auch etwas auf.“ Ich fand das ermutigend: Buß- und Bettag, den kann man festlich und als richtiges Ereignis gestalten.
 

Tu was im Ahrtal

ERF: Schauen wir mal, ob dies deinen Bekannten überzeugen kann. Ein gutes Beispiel, wie man Jugendliche positiv motivieren und einbinden kann zum guten Schluss aus dem Ahrtal, das von der Flutkatastrophe bis heute nachhaltig betroffen ist.

Andreas Odrich: Die christliche Hilfsorganisation Samaritans Purse verteilt dort am morgigen Samstag vorweihnachtliche Geschenke an die Flutopfer. Viele Freiwillige beteiligen sich daran, sagt Samaritans Purse. Auch die Real-Life-Guys sind dabei, bekannt als Influencer und Youtuber. Sie wollen vor allem Jugendliche motivieren, nicht nur über dem Smartphone zu hängen, sondern durch aktives Handeln ihr Leben zu gestalten – ihr Motto: „Do something“, „Tu was“, für dich und für andere.
 

ERF: Das haben die Real-Life-Guys ja auch schon im Sommer im Ahrtal gezeigt. Wer auf Instagram nachschaut, der findet dort Fotos von einem Sommereinsatz, wo eine beträchtliche Anzahl junger Leute in orangefarbenen T-Shirts im Ahrtal im Einsatz ist.

Andreas Odrich: Glaube, Liebe, Hoffnung werden so ganz handfest umgesetzt. Liebe Kinder, bitte unbedingt nachmachen. „Do something“, „Tu was für andere“ – ein schönes Motto auch für das Wochenende.
 

ERF: Und das gilt auch für Erwachsene. Schauen wir uns also um, wo Hilfe gebraucht wird. In diesem Sinne wünschen wir allen ein schönes, ereignisreiches und einsatzfreudiges Wochenende.
 

 Andreas Odrich

Andreas Odrich

  |  Leiter Redaktion Aktuell

Er leitet die Redaktion Aktuelles und Gesellschaft. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und ist begeisterter Opa von drei Enkeln. Der Glaube ist für ihn festes Fundament und weiter Horizont zugleich.

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