/ Bibel heute
Gott hört unsere Gebete
Der Bibeltext 1. Johannes 5,13-21 – ausgelegt von Udo Zimmermann.
Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes. Und das ist die Zuversicht, mit der wir vor ihm reden: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns. Und wenn wir wissen, dass er uns hört, worum wir auch bitten, so wissen wir, dass wir erhalten, was wir von ihm erbeten haben.[...]
Die Superkraft des Gebets
Ich kenne die eben gehörte Bibelstelle schon recht lange und habe sie auch schon oft gelesen. Und ich denke: Wow, welch Riesenpotenzial darin steckt! Dort steht unter anderem: „Wenn wir bitten nach seinem Willen, so hört er uns.“ Und auch: „Und wenn wir wissen, dass er uns hört, worum wir auch bitten – so wissen wir, dass wir erhalten, was wir von ihm erbeten haben.“ Ich liebe es, solch verheißungsvolle Bibelstellen zu lesen. Sie auch? Ich müsste jetzt nicht unbedingt den Text danach lesen. Einfach nur diese eine Stelle aus dem Kontext nehmen und mich daran freuen, dass sie mir so unglaubliches verspricht. Das ist wie so eine Superkraft-Stelle – wie aus einem Superman-Film. Wünschen Sie sich manchmal nicht auch solche Superkräfte? Superkräfte, wie sie in so manchen Fantasyfilmen auf einmal ganz normale Menschen bekommen oder diese plötzlich an sich entdecken? Ich gebe zu: Manchmal würde ich mir sehr gerne Superkräfte wünschen. Zumindest eine besondere Kraft haben, mit der ich z. B. in der Zeit nach Belieben vor und zurückgehen könnte. Oder eine, mit der ich fliegen könnte – natürlich in Überschallgeschwindigkeit, um dadurch in Nullkommanix an einem anderen Ort zu sein. Oder … okay, an dieser Stelle dürfen Sie Ihre eigene Wunsch-Superkraft einsetzen. Es wäre interessant, alle Superkräfte aufzuschreiben, die Ihnen jetzt durch den Kopf gehen. Doch lassen Sie uns wieder im Hier und Jetzt landen und uns weiter der Superkraft in dieser Bibelstelle widmen. Ja, ich glaube wirklich daran, dass wir Gott um so vieles bitten können und er unsere Gebete erhört. Das Gebet ist DIE Superkraft überhaupt! Gott hört unsere Gebete, die seinem Willen entsprechen. Gebete, die seinen Charakter und seine Werte auf dieser Welt sichtbar machen. Gebete, in denen es darum geht, dass wir sein Reich mitbauen. Ja, auch um Gebete, die ganz alltägliche Anliegen im Blick haben. Die sind für Gott kein Hindernis und im Bereich seiner unbegrenzten Möglichkeiten.
Gott sorgt auch für das Kleine
Wir können voller Mut und Zuversicht um unsere Bedürfnisse im Hier und Jetzt bitten. Okay, man könnte nun fragen: Wo bitte steht sowas, dass wir darum bitten dürfen? Geht es nicht darum, um große und heilige Dinge zu bitten? Eine solche Unterhaltung führte ich mal mit einem guten Freund. Er war der Meinung, dass er Gott nicht mit seinen kleinen alltäglichen Sorgen belästigen dürfe. Dafür sei Gott doch viel zu groß und hätte genügend andere wichtige Dinge zu tun. Ich habe versucht, ihm meine Sicht zu vermitteln, nämlich die, dass Gott sich sehr wohl auch um die kleinen Dinge unseres Lebens kümmern möchte. Ein kleiner Exkurs in das biblische Buch „Prediger“ zeigt das sehr gut. So sagt der Prediger an einer Stelle: „So kam ich zu dem Schluss, dass es für den Menschen nichts Besseres gibt, als fröhlich zu sein und das Leben zu genießen. Wenn er zu essen und zu trinken hat und sich über die Früchte seiner Arbeit freuen kann, ist das Gottes Geschenk.“ Auch im Brief des Evangelisten Paulus an seinen Mitarbeiter Timotheus lesen wir im Neuen Testament: „Setzt eure Hoffnung auf Gott, den lebendigen Gott. Er gibt uns alles reichlich, damit wir es genießen können.“ Oder auch im Brief an die Philipper lesen wir: „Freut euch im Herrn allezeit! Und noch einmal sage ich: Freut euch!“
Schutzschild und Sünde zum Tod
Ich bin davon überzeugt, dass Gott sich dennoch auch mutigere und größere Gebete von uns wünscht, denn mit unserem Vertrauen in seine übernatürlichen Möglichkeiten ehren wir ihn. In Vers 18 hören wir von einer weiteren Superkraft: Es heißt dort, dass Gott uns vor dem Bösen beschützt. Ja, dass Böses uns nicht antasten kann. Das ist wieder so eine Superkraft-Stelle. Nicht, dass Sie denken, dass ich nur Fantasy- oder Science-Fiction-Filme anschaue. Aber ich habe mir manches aus der Serie „Raumschiff Enterprise“ gemerkt. Die Enterprise hatte einen Deflektorschild, einen Schutzschild gegen alle möglichen Gefahren von außen. Damit war das Raumschiff bestens geschützt. So ähnlich stelle ich es mir vor, wenn wir zu Gott gehören: Er schützt uns mit einem besonderen Schutzschild, sodass wir Angriffen von außen nicht schutzlos ausgeliefert sind. Wer sich im Star-Trek-Universum etwas auskennt, weiß, dass es trotz Schutzschild zu manchen Einschlägen in die Außenhülle kam. Wichtige Bauteile wurden beschädigt – und in der Serie natürlich immer wieder auch repariert. Ja, auch wir werden trotz des übernatürlichen Schutzschildes manchmal bis in unser Innerstes verletzt. Wenn das passiert, haben wir aber einen, der sich sehr gut mit uns auskennt und uns auf seine besondere Art mit Liebe und Hingabe wiederherstellen kann. Ich gehe zu Vers 16 zurück: „Wenn jemand seinen Bruder sündigen sieht, eine Sünde nicht zum Tode, so mag er bitten, und Gott wird ihm das Leben geben – denen, die nicht sündigen zum Tode. Es gibt aber eine Sünde zum Tode; bei der sage ich nicht, dass jemand bitten soll.“
Das ist für mich schon eine recht seltsame Stelle in diesem Text. Ich verstehe es so: Es gibt also Sünden, die Gott uns vergibt, wenn wir ihn darum bitten. Oder wenn wir für jemanden beten, dass Gott ihm oder ihr die Schuld vergibt.
Was ist aber nun die Sünde, die zum Tod führt? Das ist ein großes Rätsel für mich, und unter den Theologen gibt es ganz unterschiedliche Annahmen hierzu. Ich tendiere zu der Annahme, dass mit dieser Sünde die Leibhaftigkeit Jesu Christi gemeint ist. Also, dass jemand Jesu Herkunft, sein Wirken auf der Erde, seinen Tod und seine Auferstehung leugnet oder verneint. Oder dass jemand das Wirken des Heiligen Geistes und seine Existenz ablehnt. Dass diese Sünde zum Tod führt, damit ist nicht gemeint, dass der- oder diejenige dann gleich körperlich stirbt. Es meint das Getrenntsein von Jesus – der Quelle des Lebens.
Die Obersuperkräfte-Stelle und das Dreamteam
Bevor Jesus die Erde verließ, hat er versprochen, den Heiligen Geist bei uns zu lassen. Er soll uns helfen, Jesus und seinen Auftrag zu verstehen und sein Wirken hier auf der Erde fortzusetzen. Und dann gibt es – um noch eins obendrauf zu setzen – DIE Obersuperkräfte-Stelle. Die finden wir weiter hinten im Johannesevangelium, Kapitel 14. Dort sagt Jesus: „Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun; denn ich gehe zum Vater.“
Das ist kaum zu glauben, oder? Aber: Jesus hatte recht! Er wusste wahrscheinlich schon damals, welche Reichweite wir heute durch Bücher, Magazine und Social Media erreichen können. Oder für mich als Musiker und Produzent: Welche Kraft und Power in einer riesigen Festival-PA, also der Lautsprecheranlage, steckt. Diese kann heutzutage locker ein Publikum mit über 100.000 Menschen und mehr mit allerbestem Sound beschallen. Davon hätte Jesus zu seiner Zeit nur träumen können! Zum Schluss möchte ich versuchen, für Sie und für mich nochmals zusammenzufassen, um was es aus meiner Sicht beim heute gehörten Text geht: Gerade, wenn ich mich klein fühle, soll ich nicht vergessen und kann fest daran glauben, welche Superkräfte Jesus denen schenkt, die an ihn und seine Möglichkeiten glauben. Und dass wir niemals alleine sind – immer umgeben vom Heiligen Geist, Jesu Stellvertreter hier auf Erden. Umgeben von einer besonders heiligen Schutzhülle, mit der uns das Böse nicht antasten darf. Und schließlich: Niemand soll uns einreden, dass Jesus nur ein Hirngespinst ist. Denn davor warnt uns zum Abschluss des heutigen Textes Vers 21: „Hütet euch vor den Götzen“, also davor, dass wir unseren Schutz und unser Glück in materiellen Dingen anstatt in Jesus suchen. Das Materielle und das Schöne gibt uns Gott zu unserer Freude einfach so mit dazu. Das zeigt uns schon ein Blick in die wunderschöne Schöpfung. Materielles ist okay und wichtig, auch Lebensfreude, Gemeinschaft, Essen, Trinken und so vieles mehr, das wir von Herzen genießen dürfen. Aber in all dem sollen wir uns nicht verlieren und versuchen, unser Glück nur darin zu finden. Unser Glück finden wir, wenn wir unser Leben dem anvertrauen, der das Leben und all das Schöne in dieser Welt erfunden hat: dem dreieinigen Gott – dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Dem Superkräfte-Dreamteam.
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