/ Bibel heute
Ich brauche dich!
Der Bibeltext Psalm 119,81-88 – ausgelegt von Timna Schütz.
Meine Seele verlangt nach deinem Heil; ich hoffe auf dein Wort. Meine Augen sehnen sich nach deinem Wort und sagen: Wann tröstest du mich? Ich bin wie ein Weinschlauch im Rauch; doch deine Gebote vergesse ich nicht.[...]
Die Not des Beters
Die acht Verse erzählen eine Geschichte vom Beter. Er wird von einer Gruppe arroganter Menschen verfolgt, die sich nicht an Gottes Gebote halten. Sie sprechen falsche Anschuldigungen über ihn aus, stellen ihm Fallen, verfolgen ihn und bringen ihn fast um. Deshalb ist der Psalmbeter am Ende. Er ist traurig, fühlt sich verloren und wie ausgetrocknet. Es wirkt, als befände er sich auf einer Durststrecke und warte auf Gottes Eingreifen.
Er beginnt damit, seine Sehnsucht und Herzenshaltung zu beschreiben. Ihn verlangt es nach Gottes Heil, nach seiner Rettung für seine Verlorenheit und Sünde:
Ein Gebet aus der Tiefe
Er bekennt Gott: „Ich brauche dich, Herr. Alles in mir schreit nach dir. Ich weiß, dass ich ohne dich nicht kann, aber Herr, sieh doch, was alles um mich passiert, was mir angetan wird und worin ich stecke. Nur du allein kannst helfen. Deswegen denke ich an dich, rufe zu dir, lese dein Wort und vergesse nicht, was du für mich getan hast. Tröste mich. Tröste mich, mein Gott. Wann nur nimmst du mich in den Arm und sagst mir, dass alles gut wird? Wann nur wischst du meine Tränen von meinem Gesicht? Ich fühl mich wie ein Weinschlauch im Rauch. Ich trockne aus. Die Beschichtung wird Stück für Stück zerfressen, und bald bin ich nicht mehr in der Lage, das zu tun, wofür ich gemacht bin. Die Hitze steigt zu mir auf und meine Augen brennen. Der Rauch verklebt meine Lunge und ich kann nicht mehr atmen. Doch trotzdem denke ich weiter an dein Wort. Ich vergesse nicht, was du versprochen hast. Ich vergesse nicht, wer du bist und wie du dich offenbart hast. Aber wie lange soll ich noch warten? Wie lange sitze ich schon hier und warte, dass du deine Gerechtigkeit über diese Arroganten bringst? Wann kommt dein Gericht für sie? Es ist nicht meine Aufgabe, das zu tun. Denn dein ist die Rache. Du bist gerecht. Jeder wird das erhalten, was er verdient hat. Ich will mich nicht erheben und über andere richten. So tu du es, Herr. Aber wirke doch. Wie lange tun sie schon Unrecht? Wie lange verleugnen sie dich und missachten dein Wort? Sie, die mir Gruben graben und Fallen stellen. Sie, die Lügen verbreiten. Die zerstören und nur Böses bringen. Sie, die dein Wort missachten. Stört es dich nicht? Sie wandeln auf dem Weg der Gottlosen. Sie versuchen, mich umzubringen, und haben es fast auch geschafft. Nur knapp bin ich mit meinem Leben davongekommen. Aber Herr, trotzdem halte ich mich an deine Gebote. Trotzdem vergesse ich nicht, was du Gutes getan hast. Siehst du nicht, wie ich weiter an dir festhalte, auch wenn alles danach schreit, selber Rache zu üben? Aber ich will mein Leben lang bei dir bleiben. Egal, was passiert, ich will für immer in deinem Haus wohnen. Du weißt alles, was ist kennst die Ungerechtigkeit und das Böse: Deshalb erquicke mich. Belebe mich neu. Nimm mich aus dem Rauch, damit ich nicht weiter vertrockne. Gib mir neue Kraft und Lebensmut. Erneuere mich und forme mein Herz, dass ich dir immer ähnlicher werde. Ich komme zu dir, mühselig und beladen. Nimm mir meine Last. Erfrische mich, wie im Sommer kühles Wasser erfrischt. Ich möchte meine Gedanken völlig auf dich ausrichten. Lass das Böse, das um mich herum passiert, keinen Raum in meinem Herzen finden. Hilf mir, dass ich dir weiter nachfolgen kann und dein Wort mich immer umgibt. Amen.“
Geduld und Hoffnung
So oder so ähnlich kann der Beter gedacht haben. Was bleibt, sind acht Verse. Gott trainiert uns oft in Geduld. Das sehe ich schon im Alten Testament. Wie lange müssen die Menschen auf das Erfüllen einer Verheißung warten und haben sie manchmal nicht miterlebt. Aber ich weiß: Gott kümmert sich. Er sieht alles und er kennt die Ungerechtigkeit, die mir angetan wird, und er kümmert sich darum. Er wird Gerechtigkeit bringen. Darauf vertraue ich und halte mich an die Hoffnung, die in Jesus Christus verkörpert ist. Er hat schon alles für mich getan. Er hat die Schuld auf sich genommen und mir Anteil an seinem Königreich geschenkt. In ihm finde ich Trost, Weisheit und lebendiges Wasser, das wirklich erfrischt. Jesus schreibt mein Herz neu und sein Wort hinein.
Erquicke mich nach deiner Gnade
Immer wieder spricht der Beter davon, dass er sich weiter an Gottes Wort halten möchte, egal, was passiert. Der letzte Vers ist aber etwas anders. „Erquicke mich nach deiner Gnade, dass ich halte die Mahnung deines Mundes.“ Anders gesagt: Belebe mich neu, damit ich dir weiter nachfolgen kann. Er sagt nicht, dass er sich einfach an die Gebote hält; nach allem, was er erlebt hat, muss es unfassbar schwer sein. Nein, er braucht Gottes Hilfe, seine Erneuerung, damit er die Kraft dazu hat. Er möchte sich an Gott halten, und ich spüre in jedem Vers, dass es ihm sehr wichtig ist. Aber er braucht Hilfe. Er braucht Trost. Auch ich stecke immer wieder in Ungerechtem oder in schmerzhaften Situationen oder erlebe eine trockene Phase, in der ich Gott kaum erlebe. Die Verse ermutigen mich dazu, weiter an Gott und an seinem Wort festzuhalten und dadurch weiter hoffen zu können. Weiter nach Trost zu fragen. Weiter sich an Gott zu richten, mit dem Wissen, dass er da ist und ich bei ihm ehrlich klagen darf.
© Ruth Schneider / ERF
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