/ Bibel heute
Ein Mysterium
Der Bibeltext 1. Johannes 5,1-5 – ausgelegt von Daniela Dombrowski.
Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist aus Gott geboren; und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der aus ihm geboren ist. Daran erkennen wir, dass wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer.[...]
Der Apostel der Liebe
Für mich sticht das Thema Liebe hervor! Liebt – lieben – Liebe. Kein Wunder eigentlich, ist dieser Brief doch von Johannes geschrieben, der oft auch „der Apostel der Liebe“ genannt wird.
Wiedergeburt: Mehr als Fürwahrhalten
Das 5. Kapitel startet aber erst einmal mit dem Thema der Wiedergeburt. Johannes schreibt hier: Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren. Und bevor irgendein Zweifel aufkommen kann, ob ein bloßes Fürwahrhalten ausreicht, um ein Kind Gottes zu sein, spricht er von Liebe.
Im Jakobusbrief, Kapitel 2,19 steht: „Du glaubst, dass es nur einen Gott gibt? Schön und gut! Aber auch die Dämonen glauben das – und zittern!“
So nüchtern und klar muss man es schon sagen: Zu glauben, dass es Gott gibt, führt nicht zur Wiedergeburt, führt nicht zum ewigen Leben und macht auch nicht zum Kind Gottes. Entscheidend ist Jesus! Und an ihm scheiden sich bekanntlich die Meinungen. Nur wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, dass er Mensch geworden ist, ans Kreuz gegangen ist, um für die Schuld aller Menschen zu bezahlen, und dass er auferstanden ist und lebt, nur der ist von Gott geboren. Der Glaube, um den es hier geht, entsteht in der Beziehung zu Jesus Christus und führt zur Wiedergeburt. Zur Geburt ins ewige Leben als Kind Gottes. Es ist ein Wunder, ein Geheimnis, und kein Mensch kann das machen. Und doch ist es wiederum so einfach! Gott lässt sich gerne finden. Ich behaupte, so wie ich die Bibel verstehe, dass er sich Ihnen zeigen wird, wenn Sie Gott ernsthaft suchen. Er wird Ihnen antworten. Nicht unbedingt akustisch, aber so, dass Sie es begreifen. Versuchen Sie es, es lohnt sich so sehr!
Ich frage mich: „Warum dieser Satz, Johannes? Das ist doch keine neue Erkenntnis für die Christen, denen du schreibst.“
Aber vielleicht gibt es damals – vielleicht 85–90 Jahre nach Christus – auch schon eine Irrlehre, die behauptet, man könne nicht wissen, ob man wiedergeboren, also Kind Gottes ist. Wie tragisch.
Hier zeigt Johannes auf, woran ich das erkennen kann: an dem Bekenntnis zu Jesus, dem Retter, und der Liebe zu Gott, zu Jesus und zu den Glaubensgeschwistern. Er sagt nicht: „So sollte es sein“, sondern er sagt: „So ist es.“ Und: „Daran kann ich es erkennen.“
Woran ich echte Liebe erkenne
Wer ein Kind Gottes geworden ist, hat auf einmal eine große Familie, eine Menge Geschwister. Der für mich zuerst seltsame Satz mit der Bemerkung, dass wir die Echtheit unserer Liebe zu den Geschwistern an der Liebe zu Gott erkennen, ergibt für mich nach einigem Nachdenken auf einmal Sinn.
Und zwar, wenn ich – mit Schrecken vielleicht? – darüber nachdenke, dass es nicht immer leicht ist, jeden Bruder und jede Schwester mit allen Macken und Fehlern – die ich natürlich genauso habe – zu lieben. Dann könnte ich ja Zweifel bekommen, ob ich wirklich wiedergeboren bin. Dann aber kommt Johannes mit diesem Satz daher und eröffnet mir die Möglichkeit zu checken, ob meine Liebe echt ist. Liebe heißt ja nicht, dass man immer einer Meinung sein muss oder sich immer so fühlt. Wenn ich ehrlich bin, fühle ich auch nicht immer Liebe zu oder von Gott. Trotzdem halte ich an ihm fest und vertraue seiner Liebe. Also, woran kann ich jetzt die Echtheit meiner Liebe zu den Geschwistern überprüfen? Johannes sagt, das erkenne ich daran, dass ich Gott liebe. Das wiederum erkenne ich an meinen Gefühlen? Nein! Eben nicht. Das erkenne ich daran, dass ich seine Gebote halte. Echt jetzt? Es wird noch besser. Johannes behauptet, dass es nicht schwer ist, seine Gebote zu halten. Steile These, würde ich mal sagen.
Überhaupt. Gebote??? Leben wir nicht im Neuen Testament? Stimmt, aber Jesus selbst sagt in Matthäus 5,17:
„Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz oder die Propheten außer Kraft zu setzen. Ich bin nicht gekommen, um außer Kraft zu setzen, sondern um zu erfüllen.“
Um es uns sozusagen einfacher zu machen, finde ich im Matthäusevangelium, Kapitel 22,37–40, die Zusammenfassung der Gebote, im sogenannten Doppelgebot der Liebe:
Jesus antwortete: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand! Dies ist das größte und wichtigste Gebot. Ein zweites ist ebenso wichtig: Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst! Mit diesen beiden Geboten ist alles gesagt, was das Gesetz und die Propheten fordern.“
Da ist sie ja wieder, die Liebe. Und darum ist es eigentlich auch nicht schwer, die Gebote zu halten. Denn wenn ich Gott von ganzem Herzen liebe, dann kann ich auch andere lieben. Dann möchte ich alles für meinen Gott tun, dann möchte ich ihm Freude machen. Dann halte ich gerne seine Gebote, und dafür wiederum brauche ich ja „nur“ lieben. Haben Sie schon einmal erlebt, dass Sie, aus welchem Grund auch immer, so überglücklich waren, dass Sie die ganze Welt hätten umarmen können? Keiner kann mir dann die Laune verderben; Dinge, über die ich mich sonst vielleicht aufrege, tue ich mit einem Lächeln und Verständnis ab. Das als Dauerzustand, das wäre es doch, stimmt’s?
Ja, die Liebe ist der Schlüssel! Und wenn ich nicht so fühle? Die Liebe nicht überfließt? Da hilft nur eins: zur Quelle der Liebe gehen und mich neu lieben lassen, mich neu füllen lassen. Ich kann nur weitergeben, was ich habe. Und Gott gibt gerne! Wenn ich also voller Liebe bin, ist es tatsächlich einfach, die Gebote zu halten. Dann kann ich keinen anderen Gott anbeten, dann kann ich nicht stehlen, dann kann ich nicht die Ehe brechen, und so kann ich die Zehn Gebote durchgehen.
In dem Ganzen kann ich ein weiteres Lieblingsthema des Johannes erkennen: Glaube ohne Werke ist tot. Das eine bedingt das andere. Liebe ich, dann zeigt sich das automatisch an meinem Verhalten, meinem Reden und meinem Handeln.
Die Welt überwinden – eine neue Identität
Aber warum schreibt Johannes, dass die Kinder Gottes die Welt überwinden? Was ist hier mit Welt eigentlich gemeint? Die Welt meint hier das System, welches sich gegen Gott stellt, das ohne Gott leben will. Es ist geprägt von Selbstsucht, Begierde, Habsucht, Stolz und dem Prahlen mit Macht und Besitz. Es zieht Menschen von Gott weg. In dieser Welt, die so tickt, lebe ich immer noch, aber weil ich vom Geist Gottes wiedergeboren bin, habe ich eine neue Heimat, eine ganz neue Identität. Und der Glaube an Jesus als Sohn Gottes, der mich zu seinem Kind gemacht hat, hat die Welt überwunden. Mich sozusagen daraus gerettet. Ich gehöre jetzt nicht mehr zu diesem System und brauche nicht mehr auf die Lügen des Teufels hereinzufallen. Ich glaube nicht mehr, dass ich es alleine schaffe oder dass ich wertlos bin, dass ich nur glücklich werde, wenn ich dies oder jenes besitze. Ich glaube nicht mehr, dass ich von mir aus gut bin oder dass ich mir den Himmel durch Gutestun verdienen kann.
Wer, wenn nicht die Kinder Gottes, die, die Gott lieben und sich geliebt wissen, sollte all das überwinden? Ich für mich kann nur sagen: Nie wieder möchte ich ohne Gott leben. Und beides geht nicht. Ich kann nicht Gott und das eben beschriebene System der Welt lieben. Das wäre paradox! Entweder – oder. Und da fällt mir die Wahl nun wirklich leicht! Ich habe mich gegen Schuld und Scham, gegen Angst und Furcht entschieden. Und weil ich ein Kind Gottes bin, der die Liebe ist, ja, weil er selbst durch seinen Geist in mir lebt, lerne ich immer mehr, all das abzulegen, zu überwinden und immer mehr in meine neue Identität hineinzuwachsen.
Ich denke, Johannes will die Christen hier ermutigen, sie erinnern: Vergesst das nicht, auch wenn ihr mal auf die Nase fallt. Ihr seid Sieger, weil Jesus, der Sieger, in euch lebt.
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