/ Bibel heute
„Darum auch wir …“
Der Bibeltext Hebräer 12,1-11 – ausgelegt von Jens Kreisel.
Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.[...]
„Darum auch wir" – Mut zum Durchhalten
„Darum auch wir" – so beginnt der eben gehörte Text. Im Hebräerbrief finde ich dieses Wörtchen „darum" häufiger im Zusammenhang mit ermutigenden Worten, z. B.: Darum werft euer Vertrauen nicht weg! (Hebräer 10,35) Darum stärkt die müden Hände und die wankenden Knie! (Hebräer 12,12)
Das vorherige Kapitel endete mit den Worten (V.39–40): Diese alle … sollten nicht ohne uns vollendet werden. Und heute die Fortsetzung: „Darum auch wir" …
Doch können und wollen Sie sich mit den dort genannten Vorbildern des Glaubens auf eine Stufe stellen? Es werden ja auch zweifelhafte Leute aufgezählt, wie der Lügner Jakob, der Totschläger Mose, die Prostituierte Rahab, der Ehebrecher David. Wollen Sie dort überhaupt dazugehören?
Sie alle hatten keine weiße Weste. Aber trotz ihres Versagens haben die Genannten dennoch Gott vertraut. Sie wurden zurechtgebracht. Gottes Geschichte kam mit ihnen ans Ziel, allein durch den Glauben.
Die Empfänger des Hebräerbriefes konnten sich mit den Worten aus Vers 37 identifizieren: sie alle haben Mangel, Bedrängnis, Misshandlung erduldet. Für sie gehörte Verfolgung um ihres Glaubens willen zum Alltag. Einige hatten sogar ihr Hab und Gut verloren. (10,34) Doch noch ist ihnen der Märtyrertod erspart geblieben: In Vers 4 heißt es: Bisher habt ihr in dem Kampf gegen die Sünde, ‚den wir alle zu führen haben und' in dem auch ihr steht, noch nicht das Leben lassen müssen. [NeÜ]
Erschöpfung und die Einladung Jesu
Dennoch sind die Christen müde und mutlos geworden. Der ständige Druck von außen hat ihre Kräfte aufgezehrt. Sie fragen sich: Warum hilft uns Gott nicht aus dieser Situation heraus? Warum erspart er uns das alles hier nicht? Wann hört das auf?
Christen sind nicht immun gegen geistliche Schlaffheit, gegen Mutlosigkeit oder Resignation. Auch sie kommen an ihre Grenzen, sind erschöpft, mit ihren Kräften am Ende. Sie brauchen immer neu die Einladung von Jesus: Kommt zu mir! Alle, die ihr am Ende seid, abgearbeitet und mutlos: Ich will euch Erholung und neue Kraft schenken. (Matthäus 11,28) [DB]
Darum auch wir. Beim Thema Ermutigung können wir andocken. Möglicherweise kennen Sie solche Fragen auch: Warum tue ich mir das an? Hat das überhaupt noch Sinn? Wie lange soll das so weitergehen?
Was uns müde und mutlos macht, das sind häufig nicht zu viel Arbeit oder zu wenig Schlaf. Eher rauben vergebliche Bemühungen und Frustrationen, Reibungsverluste oder Enttäuschungen unsere Kräfte. Unser Bibeltext heute richtet sich gerade an müde Menschen, mutlose Herzen, verzagte Gemüter, hoffnungslose Gehirne.
Das Bild des Wettkampfs: Laufen mit Blick auf Jesus
Unser Abschnitt möchte Mut machen. Auswege aufzeigen aus der negativen Gedankenspirale. Gegen Selbstmitleid helfen. Dazu versetzt uns der Text gedanklich in ein volles Sportstadion. Die Menge der Zuschauer ist unzählbar groß. Und es sind nicht irgendwelche Zuschauer. Es sind die alten erprobten Wettkämpfer früherer Zeiten. Das ist so ähnlich wie bei besonderen Länderspielen, wo verdiente ehemalige Nationalspieler auf der Ehrentribüne Platz nehmen.
So laufen die Läufer hier in diesem Wettkampf vor einer vollen Arena, gefüllt mit „einer solch großen Menge von Menschen, die durch ihr Leben die Wahrheit der Worte Gottes bestätigt haben." V.1 [DB]
Die Zuschauer und ihr Vorbild motivieren, geben Kraft zum Durchhalten, um dem Ziel entgegenzulaufen. Deshalb wollen auch wir den Wettkampf bis zum Ende durchhalten und jede Last ablegen. (NeÜ) – so der Text.
Bei einem Sportwettkampf, insbesondere bei einem Langstreckenlauf, gilt es, allen unnötigen Ballast abzulegen. Kein Sportler würde mit Rucksack oder Gummistiefeln antreten. Deshalb der dringende Rat: Lasst uns jede unnötige Belastung von uns abwerfen und auch die Schuldverstrickung, die uns so leicht umgarnt. [DB]
Ein Wettkämpfer konzentriert sich auf das Ziel. Niemand würde nebenher noch am Wegesrand Blumen pflücken. Als Behinderung wird hier die „leicht umschlingende Sünde" genannt. Sünde ist deutlich mehr als nur eine einschränkende Belastung, die uns langsamer laufen lässt. Von der Wortbedeutung her als Zielverfehlung kann sie sogar verhindern, überhaupt am richtigen Ziel anzukommen.
Doch es gibt nicht nur die Zuschauer, die anfeuern und jubeln. Es gibt einen zweiten Mutmacher. Es ist der Wegbereiter und derjenige, der die Wettläufer am Ziel erwartet.
V. 2a Lasst uns den Blick erheben zu Jesus. Er hat den Grundstein für unser Vertrauen gelegt und steht auch schon als Sieger an der Ziellinie. [DB]
Sein Vorbild lässt alles Jammern verstummen, schenkt Motivation. Gerade durch das Aufsehen auf Jesus ändert sich die Perspektive auf die eigenen Schwierigkeiten. [Unklar: „Aufsehen oder Wegsehen auf Jesus" – „Wegsehen auf" ist widersprüchlich; gemeint ist wohl „Aufsehen zu Jesus" bzw. „Nicht-Wegsehen von Jesus"] Sie bekommen einen anderen Stellenwert: Denn er hat das Kreuz und die Schande dieses Todes auf sich genommen. …
Wenn ihr also in der Gefahr steht, müde zu werden, dann denkt an Jesus! Wie sehr wurde er von sündigen Menschen angefeindet, und wie geduldig hat er alles ertragen! Wenn ihr euch das vor Augen haltet, werdet ihr nicht den Mut verlieren. V.2b–3 [NeÜ]
Das geduldige Ausharren von Jesus und seine jetzige Unterstützung gibt den Läufern Kraft und Durchhaltevermögen, dem Ziel entgegen.
Gott als himmlischer Trainervater
Doch wir alle wissen: Leistungssportler laufen nicht nur einmal im Wettkampf. Sie haben zuvor schon monatelang hart trainiert. Ihr Trainer hat mit ihnen bei jedem Wetter bis zur Schmerzgrenze schweißtreibend geübt. Auf manche schönen Dinge wurde verzichtet. Alles war dem erhofften Erfolg untergeordnet.
Viele bekannte Sportler sind von ihren eigenen Vätern trainiert worden und haben gemeinsam Erfolge gefeiert. Über solche Trainerväter schreiben die folgenden Verse.
Der Briefschreiber lädt zu einem Perspektivwechsel ein: Seht die Schwierigkeiten eures Lebens als notwendige Trainings- und Erziehungsmaßnahmen eures himmlischen Trainers an. Denn Gott erzieht seine Kinder mit Liebe (V.6), nicht aus Willkür.
Menschliche Erziehung will die eigenen Kinder für ein gelingendes Leben vorbereiten. Dafür brauchen die Kinder respektvollen Umgang, die Einhaltung von Regeln, Durchhaltevermögen und auch Frustrationstoleranz.
Nachfolger von Jesus sind eben nicht den Zufälligkeiten ausgeliefert. Sie durchlaufen einen Erziehungsprozess, lernen Vertrauen und Gehorsam.
Darum auch wir. Uns heute gelten drei Mutmacher im heutigen Bibeltext:
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Die anfeuernden Glaubenszeugen.
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Jesus selbst und sein Vorbild.
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Die Perspektive: durch die Schwierigkeiten und Lasten meines Lebens erzieht mich der himmlische Trainervater zu meinem Besten.
Und Durchhalten lohnt sich! Laufen Sie mit?
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