Navigation überspringen

/ Bibel heute

Glaube prägt

Der Bibeltext Hebräer 11,8-22 – ausgelegt von Dirk Cehak.

Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, an einen Ort zu ziehen, den er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme. Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen im Land der Verheißung wie in einem fremden Land und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung. Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.[...]

Hebräer 11,8–22

Der rote Faden: Der Glaube

Manchmal suche ich in Bibeltexten nach einem roten Faden. Ich lese etwas und versuche zu verstehen, was der zentrale Gedanke sein könnte. Oder ich überlege, welche Überschrift dazu passt. Wahrscheinlich ist das als Hauptamtlicher auch eine kleine Berufskrankheit, wer weiß. Vielleicht geht es ihnen aber manchmal auch so wie mir.  Hier aber scheint mir der Fall recht schnell klar zu sein. Der rote Faden scheint sich förmlich aufzudrängen. Es geht um den Glauben. Genauer gesagt um Menschen, die durch den Glauben an Gott geprägt sind und dadurch ganz bestimmte Herausforderungen und Aufgaben im Leben meistern.

„Glückwunsch", denke ich mir. Was man alles durch den Glauben bewältigen und aushalten kann, das ist schon stark. Wenn sie mögen, gehen Sie mal mit mir kurz diese Liste durch. Und wer weiß, vielleicht bleiben sie gedanklich an der einen oder anderen Stelle hängen. Weil es Sie anspricht oder trifft.

Glaubensbeispiele aus der Bibel: Abraham, Sara und Josef

Ich starte mit Abraham, der durch den Glauben imstande ist, noch mal umzuziehen, sein Zuhause loszulassen und sich auf etwas Neues einzulassen. Und das trotz seines Alters. Dieser Mann erlebt aber auch, dass er zu einem Fremdkörper in der neuen Umgebung wird. Dieses Fremdheitsgefühl gehört also dazu. Durch den Glauben kann Sara, Abrahams Ehefrau, noch ein Kind bekommen. Und das trotz ihres Alters. Sie kann durch den Glauben, auch wenn sie es selbst anfangs kaum so recht glauben kann, noch Mutter werden. Ihr Sohn ist Isaak, auf dem die Verheißungen Gottes liegen.

Durch den Glauben ist Abraham bereit, das größte Opfer zu bringen, das ein Mensch wohl bringen kann. Die als Opferung Isaaks bekannte Geschichte erregt bis heute die Gemüter. Ob Gott das wirklich will, dass ein Vater seinen eigenen Sohn tötet? Soweit kommt es aber nicht. Bei ihm geht es darum, Gott zuzutrauen, aus Toten wieder Lebende zu machen. Jesus Christus lässt grüßen. Durch den Glauben kann ich in der Welt unterwegs sein, so ein anderes Thema dieses Abschnittes. Ich weiß oder ahne es manchmal: Hier gehöre ich nicht hin, ich bin ein Fremdling und ein Gast auf Erden. Aber dieses Gefühl, ein Stück heimatlos zu sein, gehört zum Unterwegssein im Glauben dazu.

Wenn ich weiter durch die Liste gehe, entdecke ich, dass ich durch den Glauben den Segen Gottes zusprechen kann. Und zwar auf Vorschuss, auch wenn ich noch nichts sehe. Ich kann also meine Kinder und Enkel segnen und hoffen, dass sich der Segen in Zukunft zeigt. Ob ich den Segen noch persönlich erlebe und sehe, das steht auf einem anderen Blatt. Durch den Glauben kann ich auch meine letzten Dinge regeln. Meine eigene Beerdigung planen und mitbestimmen. Mein letzter Wille ist durch den Glauben von Belang. Dazu ist von Josef hier die Rede, der mit seinem Lebensende vor Augen einen letzten Wunsch äußert, was mit ihm geschehen soll, wenn es so weit ist.

Fazit: Glaube als Kraftquelle – mit Licht- und Schattenseiten

Wenn ich nun ein kleines Fazit dieses kleinen Durchgangs ziehe: Ich habe hier sicher ein paar Sonderfälle vor Augen, aber auch einen kleinen Strauß von Möglichkeiten und Herausforderungen, was ich durch den Glauben alles anstoßen, aushalten oder gestalten kann. Langeweile im Glaubensleben sieht sicher anders aus. Der rote Faden hier, der Glaube, ist also eine Art Kraftquelle oder Richtschnur, aus der die Personen in der Bibel und auch ich heute noch schöpfe oder mich entlanghangle. Und was diese Geschichte auch zeigt: Ich bin damit nicht allein unterwegs. Denn diese Wolke von Glaubenszeugen zieht sich wie ein roter Faden durchs gesamte 11. Kapitel dieses Hebräerbriefes, von dem ich heute nur einen Teil mit Ihnen betrachte.

Persönlich finde ich es interessant, dass die Kehrseiten des Glaubens hier nicht erwähnt werden. Die Zweifel der Sara, die vermutete Angst und Unsicherheit Abrahams, die Anfechtungen, die Hoffnung, die noch unerfüllt ist. Die Enttäuschung, wenn sich Verheißenes nicht so bald einstellt wie gedacht. Auch heute machen Menschen solche und solche Erfahrungen in ihrem Glaubensleben. Diese Kehrseiten rauben dem Glauben, menschlich gesprochen, oft etwas von seiner Kraft und Lebendigkeit. Aber ohne sie wäre der Glaube auch kein Wagnis mehr, kein Risiko, kein Vertrauen in die Wege Gottes. Der Glaube an Gott und das Vertrauen auf Jesus lebt sich nur in einer Beziehung. In einem Verhältnis. Ein lebendiger Gott lässt sich nicht anders fassen, als dass ich mich auf ihn einlasse. Und das geht manchmal nur mit Haut und Haaren und auf Wegen, die den Segen und die Bestätigung erst im Nachhinein sichtbar werden lassen. Daher heißt es an einer Stelle: Sie haben geglaubt, aber das Verheißene nicht gesehen. Sie haben die Zukunft gesehen, aber in der Gegenwart noch nicht erlebt. Auch ich habe schon jetzt die Zusage Gottes in der Tasche, aber das Ergebnis noch nicht in der Hand. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Bus oder Zug und Sie kennen Ihr Ziel. Sie wissen, dass Sie an Ihrem Ziel sicher ankommen. Aber dann erleben Sie, dass es sich doch noch zieht. Dass noch viele Haltestellen vor Ihnen liegen und manchmal geraten Fahr- und Lebenspläne auch durcheinander. Dennoch bleiben Sie an Bord. Sie steigen nicht aus, weil Sie glauben, dass Sie hier sicher sind – und ankommen werden.

Glaube als Geschenk – getragen und entzündet durch Gottes Geist

„Glaube ist der Vogel, der singt, wenn noch Nacht ist", sagte und schrieb der indische Dichter und Nobelpreisträger Rabindranath Tagore. Ein Mensch kann glauben, auch wenn er noch nichts sieht. Ein Mensch, der im Takt mit Gott lebt, der kommt sicher ans Ziel. Sein Glaube ist dabei immer ein Geschenk und keine Leistung. Das ist mir noch mal wichtig zu betonen, nicht dass einer oder eine denkt oder glaubt, solch ein Glaube sei eine fromme Leistung. Von wegen. Gerade habe ich Pfingsten gefeiert, wo mein Glaube durch Gottes Geist neu angezündet und entfacht wird. Möge das so immer wieder geschehen: Ein Glaube, der sich wie ein roter Faden durch Ihr und mein Leben zieht, getragen durch Gottes Wort und entzündet durch Gottes Geist.

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht. Bitte beachten Sie beim Schreiben Ihres Kommentars unsere Netiquette.