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Glaube in der Krise: Hoffnung finden
Der Bibeltext Hebräer 11,1-7 – ausgelegt von Karin Weishaupt.
Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht* dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem*, was man nicht sieht. In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen. Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist, dass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist.[...]
Was bedeutet Glaube?
Der Glaube spielt in der gesamten Bibel eine zentrale Rolle. Er stellt die Antwort des Menschen auf Gottes Liebe und Gnade dar: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." (Johannes 3, 16) Aber was es bedeutet, an Gott bzw. an Jesus Christus zu glauben, wird in der Regel nicht weiter erläutert.
Dagegen widmet sich der Schreiber des Hebräerbriefs dieser Frage sehr ausführlich. Er beginnt mit einer Definition und fügt verschiedene Beispiele aus dem Alten Testament an, beginnend mit der Ur- und Frühgeschichte.
Die Definition am Anfang klingt in den verschiedenen Bibelübersetzungen etwas unterschiedlich. Allen gemeinsam ist, dass Glaube etwas mit Hoffnung zu tun hat. Außerdem ist der Gegenstand des Glaubens etwas, was man nicht sieht. In der Tat: Gott lässt sich nicht mit unseren fünf Sinnen wahrnehmen oder beweisen, trotzdem ist er für Christinnen und Christen Realität.
Glaube und Schöpfung
Zur Schöpfung sagt der Schreiber des Hebräerbriefs, dass die Welt durch Gottes Wort aus dem Nichts heraus geschaffen ist (Vers 3). Gott schafft etwas komplett Neues. Die Erforschung, wie die Welt entstanden ist, überlasse ich getrost den Naturwissenschaften, die heute einen völlig anderen Kenntnisstand haben als die Menschen zurzeit der Entstehung der biblischen Berichte. Entscheidend ist, dass Gott der Schöpfer der Welt ist und sie durch sein bewusstes Handeln entstanden ist. Wie Gott das gemacht hat, ist für meinen Glauben unerheblich.
Glaubensbeispiele aus dem Alten Testament
Nach diesen allgemeinen Überlegungen wird das Beispiel von Kain und Abel angeführt. Beide Brüder bringen Gott ein Opfer, aber nur das von Abel nimmt Gott an. Darüber wird Kain so zornig, dass er seinen Bruder erschlägt; das ist der erste Mord der Menschheit. Im Bericht im 1. Buch Mose 4 wird nicht der Unterschied zwischen beiden Opfern erklärt, das tut erst der Schreiber des Hebräerbriefs: Beide Brüder bringen ihre Opfer mit einer unterschiedlichen Haltung, nur bei Abel sieht er dahinter wirklichen Glauben. Das ist wichtig für die Übertragung in die Gegenwart: Auch Menschen ohne Glauben können Gutes tun, freundlich und hilfsbereit sein, Bedürftige unterstützen, Geld spenden und so weiter. Am Verhalten lässt sich nicht unbedingt erkennen, ob ein Mensch Christ ist oder nicht. Entscheidend ist nicht die Tat an sich, sondern die dahinter stehende Haltung: Ein Christ tut etwas aus Liebe zu Gott oder zum Nächsten, damit geschieht es aus dem Glauben heraus.
Henoch wird im Geschlechtsregister von Adam bis Noah im 1. Buch Mose 5 erwähnt und zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Wie auch der Prophet Elia ist er nicht gestorben, sondern er ist entrückt, also in den Himmel aufgenommen worden. Nun beschäftigt sich das Alte Testament weitgehend mit Gottes Handeln an seinem auserwählten Volk Israel im diesseitigen Leben. Die Hoffnung auf ein Weiterleben nach dem Tod blitzt an einigen wenigen Stellen kurz auf, aber sie bekommt erst im Neuen Testament eine hohe Bedeutung: Durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung hat Jesus Christus den Tod überwunden und für alle, die an ihn glauben, den Weg ins ewige Leben eröffnet. Henoch kann als frühes Beispiel dafür angesehen werden, dass der Tod keinen endgültigen Schlussstrich bedeutet, sondern dass für Glaubende die Hoffnung auf ein Weiterleben in Gottes Gegenwart besteht.
Das nächste Beispiel gehört wieder zu den bekannteren: Noah baut auf Gottes Anweisung hin eine Arche, um sich und seine Familie sowie die Tiere zu retten, obwohl die große Flut noch längst nicht abzusehen ist. Noah steht für einen Menschen, dessen Glaube Folgen hat, der Gottes Wort befolgt, obwohl dies kaum mit dem Verstand zu begründen ist. Mehr noch: sein Glaube an Gott stellt die Voraussetzung dafür dar, dass Gott ihn und seine Familie vor dem Ertrinken in der Sintflut bewahren will. Noah lässt sich auf Gottes Rettungsplan ein, obwohl er dafür die Notwendigkeit noch gar nicht sehen kann.
Als Zwischenbilanz, bevor weitere Beispiele für Menschen, die aus dem Glauben heraus lebten, angeführt werden, lässt sich ziehen: Wer glaubt, versteht die Welt als Gottes bewusste Schöpfung. Der Glaube liefert die Motivation für Opfer und andere gute Taten; ohne Glauben sind sie zwar auch möglich, aber sie haben vor Gott einen völlig anderen Stellenwert. Glaube ist mit Hoffnung verbunden, einer Hoffnung, die über den Tod hinausgeht. Glaube befähigt zum Handeln und kann Gutes bewirken.
Glaube macht den unsichtbaren Gott sichtbar
Daraus folgt, dass Gott, der nicht unmittelbar zu sehen ist, durch den Glauben von Menschen sichtbar wird. Menschen werden fähig, von ihrem Besitz etwas abzugeben, Opfer zu bringen wie Abel, und ihren Beitrag zu leisten, um Krisen zu überwinden, so wie es Noah vor der Sintflut tat. Menschen bringen Hoffnung in diese Welt – für das diesseitige Leben, indem sie Menschen und Tiere retten wie Noah, oder über den Tod hinaus, wie es das Beispiel von Henoch zeigt. Von Abel wird gesagt: „Durch den Glauben redet er noch, obwohl er gestorben ist" (Vers 4). Ja, der Glaube von Menschen sagt etwas aus, er hat praktische Auswirkungen und weist damit auf Gott hin. Im Glauben geht es nie ausschließlich darum, etwas für wahr zu halten, sondern es geht um eine Beziehung zu Gott.
Ist es nicht ein großes Vorrecht, dass Christinnen und Christen durch ihren Glauben auf den unsichtbaren Gott hinweisen können? Durch das, was er in ihnen bewirkt, wird er selbst sichtbar. Ist es nicht ein Vorrecht, Hoffnung vermitteln zu können, während es in der Welt sonst dunkel aussieht?
Kennen Sie Menschen, die Gottes Wirklichkeit in diese Welt hineintragen? Oder sind Sie selbst so ein Mensch, möchten Sie vielleicht einer werden? Gott lädt Sie ein, an ihn zu glauben und damit selbst Hoffnung zu haben und Hoffnung zu vermitteln. Nehmen Sie sein Angebot an?
© Ruth Schneider / ERF
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