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© Maria Ilves / unsplash.com

29.09.2021 / Zum Schwerpunktthema / Lesezeit: ~ 3 min

Autor: Susanne Ospelkaus

Einfach ist nicht einfach

Das Leben in schöner Schlichtheit und reicher Einfachheit gestalten.


Wir leben in einer ambivalenten Zeit: Massenartikel sind billig. Verzicht auf Produktvielfalt ist teuer. Ständig gaukelt man uns vor, dass wir dies und jenes bräuchten. 2020 war ein wirtschaftlich schwieriges Jahr, weil wir während der Coronapandemie sparten und nur das kauften, was wir brauchten. Der Wirtschaft geht es schlecht, wenn wir nur unsere Bedürfnisse stillen. Dabei wissen wir, dass die Menschheit schon längst über ihre Verhältnisse lebt.
 

Nach Ernüchterung folgt Hoffnung

Die Erde stöhnt unter Artensterben, Abholzung, Plastikmüll, Katastrophen, Flüchtlingsströmen und Pandemien. Die Ernüchterung ist groß, denn was könnte ein Einzelner ausrichten? Es bleibt ein Glaube, der lebensbejahend ist und der eine Perspektive aufzeigt (nicht nur in der Ewigkeit), sondern betont, dass Menschlichkeit und Zugewandtheit nicht vergebens sind. Im Gegenteil: Wertschätzung für das Leben bedeuten Neuanfang, Chancen und Wachstum.
 

Sei ehrlich!

Bevor man sich im großen Gefüge des Weltgeschehens verheddert, muss man sich fragen: Was kann ich unmittelbar tun? Was lässt sich im Kleinen verändern? Wie gehe ich mit Konsum, Wegwerfmentalität und meinen Bedürfnissen um? Gewiss, es kostet Zeit und Anstrengung, nach Alternativen zu suchen, wenn man z. B. ein defektes Gerät reparieren oder sich statt des Neukaufes eins ausleiht. Es gibt Tauschbörsen nicht nur für Geräte, Kleidung und Spielzeug, sondern auch für Talente. Nähen gegen Streichen, Reparieren gegen Kinderbetreuung – warum nicht?

Brauche ich ein eigenes Auto oder genügt mir Carsharing oder der ÖPNV? Was möchte ich mir gönnen und was kann ich wirklich genießen? Manchmal meinen wir, etwas zu brauchen oder zu tun, weil es alle so machen oder weil es vermeintlich für Erfolg steht.
 

Von Lasten befreien

Die meisten von uns kennen das leichte Gefühl, wenn man sich von dem Zuviel befreit hat – dem Kram aus Keller, Dachboden oder aus verklemmten Schubkästen von dem man immer dachte, dass man es irgendwann noch gebrauchen könnte. Weniger ist mehr … auch auf dem Speiseplan.

In Deutschland werden viel zu viele Lebensmittel weggeschmissen. Reicht vielleicht eine Marmeladensorte statt drei? Muss jeden Tag die Vielfalt auf dem Essenstisch sein? Die Wertschätzung für das Handwerk eines Bäckers oder Metzgers und seines Produktes spiegeln sich im Umgang damit wider. Sei dir bewusst, wie viel Zeit und Ressourcen es braucht, um aus Getreide ein Brot zu backen?

Hochwertige Lebensmittel sind nur auf dem ersten Blick teuer, denn sie halten länger, sind schmackhafter und lassen sich weiterverarbeiten. Aus einem alten Brot kann man Brotchips herstellen oder Brotsuppe kochen.
 

Einfachheit als Lebensgefühl

In der Einfachheit steckt die Essenz von dem, was das Leben wertvoll und einmalig macht.

 

Wir bewundern Aussteiger, die mit dem Nötigsten zurechtkommen und im Einklang mit sich und der Schöpfung sind. Es scheint, als leben sie echter und intensiver. Verzicht gehört zur schwersten Übung. Raus aus den Gewohnheiten! Verzichte ich auf Produktvielfalt und leiste mir stattdessen hochwertiges Essen? Verzichte ich auf die neuste technische Spielerei und leiste mir stattdessen Geräte, die sich reparieren lassen? Verzichte ich auf jeden Modetrend und leiste mir einen Kleidungsstil, der mir tatsächlich steht? Verzichte ich mal auf mediale Unterhaltung und leiste mir echte Begegnungen?

In der Einfachheit steckt die Essenz von dem, was das Leben wertvoll und einmalig macht. Häufig zeigt sich, dass aus dem Verzicht Gewinn entsteht für uns und für unsere Mitmenschen, für Natur und Zukunft.

 

 Susanne Ospelkaus

Susanne Ospelkaus

  |  Freie Mitarbeiterin

Susanne Ospelkaus, Jahrgang 1976, zwei Kinder, verheiratet mit ihrem zweiten Mann Alexander. Sie ist gelernte Ergotherapeutin, arbeitet jetzt als Künstlerin, Autorin und Lektorin.

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