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© Agnivesh Jayadeep / unsplash.com

12.09.2021 / Andacht / Lesezeit: ~ 3 min

Autor: Markus Baum

Muss man sich Einfachheit leisten können?

„Haben als hätte man nicht“ – eine frag-würdige Formel.


Das Leben ist kompliziert. War es vermutlich schon immer, nur fällt es in einer modernen Wohlstandsgesellschaft wie der unseren hier im deutschsprachigen Mitteleuropa häufiger auf. Und manchmal wird das auch ausdrücklich zum Thema. Wie hat die Gruppe Silbermond 2015 gesungen: „Ab heut nur noch die wichtigen Dinge, ab heut nur noch leichtes Gepäck.“ Ein guter Vorsatz für Leute, die bisher mit schwerem Gepäck unterwegs waren und buchstäblich abspecken müssen. Und deren Zeit von jeder Menge unwichtiger Dinge aufgefressen wird.

Es ist zwar richtig, dass es normalerweise nicht schadet, wenn man das eigene Leben und den eigenen Hausstand in gewissen Abständen entrümpelt. Aber es ist genauso wahr, dass sich das Leben nicht beliebig vereinfachen lässt. Vor dem Problem stehen vor allem Leute, die auf staatliche Hilfen angewiesen sind. Wer nichts hat, muss das erst einmal umständlich nachweisen, muss sich buchstäblich nackig machen. Und das fordert schon wieder erheblichen Aufwand.

Am anderen Ende der sozialen Leiter sieht es anders aus. Beispiel Medienkonsum: Gar nicht so wenige Menschen in dieser Gesellschaft betreiben strikte Mediendiät, und es handelt sich dabei zumeist um gebildete, wohlhabende Leute. Sie beziehen keine Tageszeitung, sie schauen wenig bis gar nicht fern, sie daddeln nicht stundenlang am Smartphone, sondern benutzen das Gerät hauptsächlich zum Telefonieren.

Sie konsumieren Musik nicht per Streamingdienst oder YouTube, sondern sie gehen doch tatsächlich ins Konzert! Sie verzichten dankend auf die Homestories von Prominenten aller Art, sind von ihrer eigenen Prominenz eher gelangweilt und versuchen ihr Leben von der Öffentlichkeit abzuschirmen. Sie machen sich das Leben einfach, denn sie haben die nötigen Mittel dazu.
 

Vorsicht Falle!

Muss man sich Einfachheit leisten können? Der Eindruck könnte mitunter schon aufkommen, aber den Apostel Paulus darf man dazu nicht als Kronzeugen heranziehen. Die Formel „Haben, als hätte man nicht“ geht zwar auf ihn zurück, aber sie ist nicht gleichbedeutend mit „Gib dich bescheidener und stell dich ärmer, als du bist.“

Wie hat Paulus im 1. Korintherbrief geschrieben?

Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechte. […] Die, die Frauen haben, sollen sein, als hätten sie keine, und die weinen, als weinten sie nicht, und die sich freuten, als freuten sie sich nicht, und die kaufen, als behielten sie es nicht, und die diese Welt gebrauchen, als brauchten sie sie nicht. Denn das Wesen dieser Welt vergeht. Ich möchte aber, dass ihr ohne Sorgen seid (1. Kor. 7,23.29-32).

 

Mit dem zuletzt zitierten Satz hat sich Paulus in eine Reihe mit Jesus gestellt. „Sorgt euch nicht“ – das ist der Tenor eines zentralen Abschnitts der Bergpredigt (Matthäus 6,19ff). Steht dort in engem Zusammenhang mit der Warnung vor dem Horten von irdischen Gütern und vor der Anhäufung von vergänglichen Schätzen.
 

Keine falsche Alternative, sondern die richtige

Jesus und in seiner Linie Paulus haben nicht in erster Linie Verzicht gepredigt, aber garantiert auch nicht das Gegenteil, sondern was haben sie empfohlen: Unbedingtes Gottvertrauen anstelle von Materialismus – den gab es in der Antike durchaus auch schon; von Luft und Liebe allein wurde auch damals niemand satt.

Jesus hat versprochen: Kindliches Vertrauen Gott gegenüber wird belohnt und nicht enttäuscht. Und Paulus als Jesus-Schüler hat den Christen in Korinth folgerichtig empfohlen: Macht euch nicht abhängig von dem, was ihr habt. An Gütern, an Beziehungen. Insofern „Haben als hätte man nicht.“

Wer das Loslassen übt, bekommt den Kopf und die Hände frei für andere Dinge und höhere Ziele, wie sie in Gottes neuer, kommender Welt wichtig sind. Dazu hat Jesus seine Anhängerinnen und Anhänger befreit – „teuer erkauft.“  Damit Sie und ich einfach (!) auf Gott und seine guten Absichten vertrauen können.

 Markus Baum

Markus Baum

  |  Programmreferent
Exilschwabe, seit 1982 in Diensten des ERF. Leidenschaftlicher Radiomacher, Liebhaber der deutschen Sprache und Kenner der christlichen Musiklandschaft. Übersetzt Bücher ins Deutsche und schreibt gelegentlich selber welche. Singt gern mit Menschen. Verheiratet, drei erwachsene Kinder.

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