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© Nicole Michalou / pexels.com

09.12.2024 / Andacht / Lesezeit: ~ 3 min

Autor/-in: Rebecca Schneebeli

Stille Nacht, friedvolle Nacht?

Wohin mit schwelenden Konflikten unterm Weihnachtsbaum? Eine Andacht.

Adventszeit, Weihnachtszeit, Friedens- und Familienzeit. So malen wir uns das zumindest gerne aus. Doch letztlich gleicht manche Weihnachtsfeier im Kreis von Freunden und Familie eher einem Spießrutenlauf. Tante Berta möchte wissen, warum man immer noch keine Kinder hat. Onkel Rudi reißt die gleichen frauenfeindlichen Witze wie jedes Jahr. Und wenn dann erst die Politik auf den Tisch kommt …

Selbst wenn diese klischeehafte Darstellung eher einer Weihnachtskomödie entspringen mag, ist vielleicht auch dein Weihnachtsfest selten harmonisch. So ist es jedenfalls bei mir. Im Grunde habe ich eine tolle Familie, aber doch gibt es immer wieder Reibungspunkte, die gerade um die Weihnachtstage herum noch klarer zutage treten.

Doch wie mit solchen Konflikten umgehen? Gerade zum Fest neigen wir schnell dazu, negative Emotionen unter den Tisch zu kehren und auf heile Welt zu machen. Mir geht es oft so. Aber ist das sinnvoll?

Alte Schuld unterm Weihnachtsbaum

Zunächst einmal ist klar: Niemand möchte an Heiligabend neben Geschenken Vorwürfe, alten Groll oder überzogene Erwartungen auspacken. Das heißt aber leider nicht, dass diese nicht unsichtbar sowieso mit unter dem Baum liegen. Was also mit ihnen machen?

Für den Moment kann liegenlassen die beste Option sein. Wenn es etwas zwischen dir und einem anderen Menschen zu klären gibt, ist das Weihnachtsfest, wo ihr im Kreise eurer Liebsten beieinandersitzt, selten der passende Ort, um offene Streitpunkte oder Verletzungen zu klären.

Jesus empfiehlt folgendes im Umgang mit Konflikten: „Wenn dein Bruder oder deine Schwester Schuld auf sich geladen hat, dann geh zu dieser Person hin und stell sie unter vier Augen zur Rede. Wenn sie auf dich hört, hast du deinen Bruder oder deine Schwester zurückgewonnen“ (Matthäus 18,15).

Das heißt zum einen: Konflikte im Beisein anderer auszutragen, ist etwas, was du nach Möglichkeit vermeiden solltest.

Selbst dann, wenn zum hundertsten Mal dein Lebensstil, dein Beziehungsstatus oder deine berufliche Situation in Frage gestellt wird und du am liebsten platzen würdest. Atme in dieser Situation kurz durch und erinnere dich an diese Worte Jesu.

Riskiere ich einen Flächenbrand?

Zum anderen gibt Jesus dir und mir in dem Vers aber auch eine klare Anweisung. Konflikte gehören aus der Welt geräumt, nicht unter den Teppich gekehrt oder in ein Päckchen weihnachtlicher Harmonie gepackt.

Wenn es also mit einem Menschen etwas zu klären gibt, den du an den Weihnachtstagen sehen wirst, wäre jetzt der passende Moment, diese Person anzurufen und dich vorher noch auszusprechen.

Eventuell zögerst du jetzt. Ich tue es auch. Denn ist die Kerbe, in die der andere bei jedem Fest aufs Neue schlägt, wirklich Schuld, die bereinigt werden muss, oder nur eine nervige Marotte? Ist der eine Punkt, der dich mit Unbehagen an die kommenden Festtage denken lässt, so groß, dass du ihn wirklich ansprechen musst?

Letztlich musst du das selbst entscheiden. Denn ich will ehrlich mit dir sein: Einen schwelenden Konflikt offen anzusprechen, birgt immer die Gefahr eines Flächenbrandes in sich. Den möchtest du vor den Weihnachtstagen ungern entzünden.

Aber gleichzeitig steht auch fest: Solange du nicht ausräumst, was zwischen dir und dem anderen steht, wird euer Konflikt weiter schwelen. An diesem Weihnachtsfest und wahrscheinlich auch an jedem kommenden.

Kritik unter den Tisch kehren ist nicht empathisch

Vielleicht zögerst du eine ehrliche Aussprache auch hinaus, weil ihr sowieso nur an den Weihnachtstagen beisammen seid und du den anderen mit deiner Kritik nicht verletzen willst. Du redest dir jedes Jahr neu ein, sein Verhalten sei nicht so schlimm, und du könntest es die paar Tage aushalten.

Dann mache dir bitte eines klar: Was du beim anderen wahrnimmst, könnten auch andere wahrnehmen.

Wenn du in Liebe und unter vier Augen ansprichst, was gegebenenfalls die ganze Familie seit Jahren stört, ist das liebevoller, als weiter darüber hinwegzusehen.

Sogar wenn du die Beweggründe des anderen auf menschlicher Ebene nachvollziehen kannst, ist es wenig empathisch, sein Verhalten deshalb zu akzeptieren. Damit schadest du ihm mehr, als du ihm nützt. Denn du nimmst ihm die Möglichkeit, sein Fehlverhalten einzusehen und zu ändern.

Jesus hat immer wieder – oft ganz direkt – Kritik am Verhalten anderer geübt, ohne dabei verletzend zu werden. Nimm dir ihn als Beispiel und trau dich vor oder nach den Feiertagen mal an ein ehrliches Gespräch. Unter vier Augen, vielleicht bei einer Tasse Tee und Plätzchen.

Du wirst sehen: Wenn ihr bereinigt habt, was zwischen euch steht, wird das gemeinsame Weihnachtsfest umso schöner werden.
 

Autor/-in

Rebecca Schneebeli

  |  Redakteurin

Rebecca Schneebeli ist Literaturwissenschaftlerin und arbeitet nebenberuflich als freie Lektorin und Autorin. Die Arbeit mit Büchern ist auch im ERF ihr Steckenpferd. Ihr Interesse gilt hier vor allem dem Bereich Lebenshilfe, Persönlichkeitsentwicklung und Beziehungspflege. Mit Artikeln zu relevanten Lebensthemen möchte sie Menschen ermutigen.

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Kommentare (2)

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Ulla /

Ja, vielen Dank für diesen guten Text. Es macht mir mir immer wieder Mut, doch die Dinge anzusprechen, aber in Liebe, wie Jesus es tat. Das möchte ich behalten. Es ist für mich ein mutmachender Text.

Dieter P. /

Sehr hilfreich

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