Ellen Hörder-Knop ist bei ERF Plus für die Gottesdienst-Redaktion verantwortlich. Sie schätzt die Vielfalt der Kirchen und Gemeinden, die alle eins vereint: die Botschaft von Gottes Liebe und Frieden. In Haiger zu Hause, ist sie gemeinsam mit ihrem Mann Michael gerne mit dem Wohnmobil oder Fahrrad unterwegs.
Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als in Frieden leben zu können. Da, wo ich herkomme und wo ich hingehöre.“ Worte einer jungen Frau aus der Ukraine, gefüllt mit Bangen, Hoffen und Warten. „Frieden“ – ein Sehnsuchtswort und Sehnsuchtsort.
Unendlich weit entfernt erscheint dieser Friede, wenn die Nachrichten Bilder von Krieg, Leid und Zerstörung präsentieren. Anhaltende Krisen im Nahen Osten, der unermüdliche Krieg in der Ukraine, die Gewalt im Sudan, das Leid in Syrien – all diese Orte sind Zeugnisse, dass Frieden nur eine ferne Hoffnung zu sein scheint.
Fauler Frieden
Der Wunsch nach Frieden ist zum sorgenvollen Tagesthema geworden. Jesus kennt diese menschliche Sehnsucht. Deshalb macht er sie zum Gesprächsthema mit seinen Freunden: „Frieden lasse ich euch. Meinen Frieden gebe ich euch“, sagt Jesus. „Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht!“ (Johannes 14,27).
Jesus warnt davor, seinen Frieden mit dem zu verwechseln, was Menschen anbieten: Nicht ein Friede, wie ihn die Politik verhandelt, wie Dichter oder Musiker ihn beschwören oder ein schöner Sonnenuntergang, der für eine friedliche Stimmung sorgt. „Nicht nach der Art der Welt ist mein Friede“, sagt Jesus.
Positiv heißt das: Auch „die Welt“ gibt Frieden. Aber so teuer er sie auch zu stehen kommt, er ist verglichen mit dem Frieden, den Christus gibt, nicht mehr als ein „fauler Frieden“. Ein Frieden, dem nicht zu trauen ist! Das gilt nicht nur in politischen, sondern leider auch in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Vielleicht wird dort ein „Krieg unter Kontrolle“ gebracht, eine Waffenruhe erwirkt. Konfliktmanagement betrieben – zwischen Völkern, unter Kollegen, Nachbarn, in der Familie und in meinem eigenen Herzen.
Ich denke an die jahrzehntelangen Bemühungen, Frieden in Afghanistan zu schaffen. Kaum zogen die westlichen Truppen ab, übernahmen die Taliban gewaltsam die Macht. Jetzt herrscht dort zwar Ruhe, aber der Preis dafür ist die Freiheit vieler Menschen, denn am Ende hat ein fanatisches Regime die Oberhand gewonnen. Deshalb horche ich auf, wenn Jesus sagt: „Ich gebe euch Frieden!“
Authentischer Friede
Jesus nimmt mit diesen Worten Abschied von seinen Jüngern. Zur Krönung seines Lebens als Friedensstifter erwartet ihn kein Friedensnobelpreis, sondern eine Dornenkrone. Sein Tod am Kreuz steht bevor.
Aber Jesus wird seine Freunde nicht einfach verlassen. Er hinterlässt ihnen etwas: Frieden – „meinen Frieden“, sagt Jesus ausdrücklich – „gebe ich euch.“ Um Missverständnissen und falschen Hoffnungen vorzubeugen, schiebt er nach: „Ich gebe euch einen Frieden, wie die Welt ihn nicht geben kann” (Johannes 14,27).
Den Frieden Gottes kann ich nicht selbst erschaffen; er wird mir von Gott geschenkt. Dieser Frieden durchbricht den Teufelskreis von Schuld, Vergeltung und Rache. Der lässt sich nicht mit ein bisschen gutem Willen überwinden. Schuld hält Menschen gefangen, und aus eigener Kraft können wir uns ihr nicht entziehen.
Deshalb nennt die Bibel einen Ort, an dem Schuld und Sünde überwunden wurden: Das Kreuz, an dem Jesus starb. „Die Strafe liegt auf ihm, damit wir Frieden hätten!“, formuliert es der Prophet Jesaja (Jesaja 53,5). Und der Apostel Paulus stimmt einige Jahrhunderte später in diese Botschaft ein und erklärt: Das, wonach die Menschheit sich sehnt, bekommt durch Jesus Blut und Leben, Profil und Charakter, denn „Er ist unser Friede!“ (Epheser 2,14).
Wenn ich Gottes Friedensangebot durch Jesus Christus annehme, betrete ich mitten in einer Welt des Unfriedens den Weg des Friedens.
Schützender Friede
Jesus beschreibt diesen Weg mit der Ermutigung: „Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht!“
Doch leider gibt es Situationen im eigenen Leben und bei anderen, die das Herz in Angst und Schrecken versetzen; die nicht nur meine Existenz, sondern auch meinen Glauben an Gott erschüttern. Sicher geglaubte Wege führen in eine Sackgasse. Zukunftspläne zerbrechen. Träume platzen und Fragen bleiben unbeantwortet.
Der plötzliche Tod, der mir den Ehemann und meinen noch so jungen Kindern den Vater genommen hat. Die Krebsdiagnose in der Familie, die das Leben aus der Bahn wirft – all das sind Momente tiefster Erschütterung.
Dennoch habe ich gerade in solchen Zeiten erlebt: Gottes Frieden ist wie ein schützender Raum, der mein verzagtes Herz bewahrt und zur Ruhe bringt.
Dort bin ich sicher, ohne stark sein zu müssen; geliebt, ohne mich beweisen zu müssen. Angesehen, ohne mich präsentieren zu müssen. In diesem Schutzraum Gottesraum erlebe ich Frieden, ohne dafür kämpfen zu müssen. Selbst der Tod kann mich von diesem Frieden nicht trennen. Er besteht unabhängig von äußeren Umständen und allen Widrigkeiten zum Trotz. Ich kann diesen Frieden Gottes nicht erklären, aber ich kann ihn erfahren (vgl. Philipper 4,7).
Wenn es in meinem Leben stürmisch wird, finde ich Halt, indem ich mich immer wieder bei Gott verankere: in seinen Zusagen, im Gebet, in den Worten der Psalmen – im Klagen, aber auch im Loben. Denn wenn ich Gottes Größe und seine Möglichkeiten im Blick habe, beeinflusst und stärkt das mein Herz. Auch wenn ich Gott nicht spüre, weiß ich: Er ist da. Zu glauben, dass immer alles gut wird, wäre zu einfach. Aber zu wissen, Gott bleibt an meiner Seite, gibt mir Sicherheit, auch in schwierigen Zeiten.
Gelebter Friede
In diesem Frieden mit Gott möchte ich mein Leben gestalten. Friede ist kein passiver Zustand, sondern etwas, das aktiv gelebt und gefördert werden muss. „Suche Frieden und jage ihm nach“ (Psalm 34,15) und „Selig sind, die Friedfertigen“ (Matthäus 5,9) sind nur zwei von vielen Bibelstellen, die verdeutlichen: Frieden ist kein Selbstläufer. Er entsteht nicht von selbst.
Diese Verse erinnern mich daran, bewusst danach zu streben, im Frieden mit mir selbst und mit anderen zu leben. In Konflikten nicht nachtragend, sondern vergebungsbereit zu sein. In Zeiten innerer Unruhe loszulassen, anstatt Verbitterung und Groll Raum zu geben.
Ich möchte mich nicht von äußeren Umständen bestimmen lassen, sondern von meiner inneren Verbindung zu Gott. Diese Verbindung will ich aktiv durch das Hören auf sein Wort und im Gespräch mit ihm gestalten. Das hilft mir, sowohl mit den täglichen Nachrichten und Schreckensmeldungen, als auch mit meinen persönlichen Herausforderungen anders umzugehen.
Gott hat alles unter Kontrolle, er hat das letzte Wort – in dieser Welt und in meinem Leben. Diese Hoffnung erfüllt mich mit Frieden, den der Apostel Paulus so beschreibt: „Der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, soll eure Herzen und Gedanken behüten. Er soll sie bewahren in der Gemeinschaft mit Jesus Christus“ (Philipper 4,7).
Der Friede Gottes zeigt mir, wo ich herkomme, hingehöre und wohin ich gehe: Bei Gott bin ich zu Hause. Da bin ich geborgen. Da bleibt Frieden nicht nur ein Sehnsuchtswort oder ein Sehnsuchtsort. „Ich gebe dir meinen Frieden“, sagt Jesus. „Schon heute! Das ist mein Ehrenwort.“
In diesem Frieden will ich mich nicht von Liebe und Gerechtigkeit abbringen lassen. Ich möchte ihn weitergeben, ihm vertrauen und in ihm beten, klagen und hoffen.
Ihr Kommentar
Kommentare (2)
Danke,! Ja, gut durchdacht und dargelegt - Dem Kontext der Hl. Schrift (AT/NT) ist aber auch zu entnehmen, dass "der Friede von der Erde genommen worden ist." - Eben bis zum Anbruch des Reiches Gottes bzw. bis zu seiner Wiederkunft oder Wiederherstellung usw. .
Sehr, sehr schön.
Christina M.