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16.09.2022 / Wochenrückblick / Lesezeit: ~ 5 min

Autor/-in: Andreas Odrich

Netzwerk der Wärme ohne Kirchen?

Der Freitagstalk des ERF Aktuell-Teams.

 

 

Nicht gezahlte Corona-Prämien für Pflegekräfte sorgen für Empörung, der Sozialverband VdK sieht Frührentnerinnen und -rentner durch Energiekosten besonders belastet. Der Marsch für das Leben am Sonnabend in Berlin setzt sich gegen Abtreibungen und assistierten Suizid bei Schwerstkranken ein.

Das Netzwerk der Wärme soll dabei helfen, dass sich Menschen in herausfordernden Zeiten unterhaken und der Gospelkirchentag will mit 3.000 Sängerinnen und Sängern an diesem Wochenende kühle Hannoveraner in Wallung bringen.

Das sind die Themen dieses Freitagstalks der ERF Aktuell-Redaktion, die Themen hat Andreas Odrich zusammengestellt.

ERF: Andreas, der Bundesrechnungshof schlägt Alarm. Er behauptet, dass die Coronaprämien für Pflegekräfte im Jahr 2020 zwar versprochen aber oftmals nicht ausgezahlt wurden.

Andreas Odrich: Ja. Und wenn das stimmt, dann wäre das ein Skandal. Der Bundesrechnungshof hat dazu einen Prüfbericht angefertigt. Dessen Ergebnisse wurden am Donnerstag von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung veröffentlicht.

Ergebnis: Zahlreiche Einrichtungen hätten dem Prüfbericht zufolge überhaupt keine Auszahlung der Bundesmittel beantragt, die sie dann an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten weiterleiten können. Und es kommt noch schlimmer: manche Firmeninhaber hätten die staatliche Prämie nicht nur für ihre Angestellten geltend gemacht, sondern auch noch für sich selbst.

ERF: Inwieweit sind die Vorwürfe denn schon belegt?  

Andreas Odrich: Der Bericht soll offiziell erst im November beraten werden. Zuständig dafür ist der Haushalts- beziehungsweise Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestags. Der berät das Ergebnis und veröffentlicht es dann. Durch die investigative Vorabveröffentlichung durch WDR, NDR und Süddeutscher dürften die Vorwürfe aber wesentlich mehr Brisanz bekommen und ordentlich Wirbel in der Öffentlichkeit machen.
 

Caritas, Diakonie: Alles gezahlt?

ERF: Die christlichen Großorganisationen Diakonie und Caritas betreiben eine hohe Zahl von Pflegeeinrichtungen und zählen zu den größten Arbeitgebern Deutschlands. Wie haben die denn reagiert?

Andreas Odrich: Beide sagen von sich, dass es in ihren Organisationen bislang keinerlei Anzeichen von etwaigen Unregelmäßigkeiten gegeben hat. Die Diakonie weist aber auch darauf hin, dass sie von Anfang bemängelt hat, dass das Auszahlungssystem bürokratisch und unübersichtlich gewesen sei. Deshalb habe man den eigenen Einrichtungen für 2020 und 2021 Hilfestellungen zur Beantragung und Auszahlung der Gelder an die Hand gegeben.

Deutschlandweit sind es übrigens rund 1,2 Millionen Menschen, denen die Coronasonderzahlungen zustehen – Menschen, auf die wir alle angewiesen sind, wenn wir Pflege im Krankenhaus oder in einer Pflegeeinrichtung brauchen.


Frührentner hart getroffen

ERF: Ums liebe Geld geht es auch, wenn wir an die explodierenden Energiepreise denken.

Andreas Odrich: Deshalb fordert der Städte- und Gemeindebund auch einen sogenannten Gas- und Energiepreisdeckel. Er will damit die mittelständischen Unternehmen vor explodierenden Kosten schützen.

So will der Städte- und Gemeindebund offenbar eine Insolvenzwelle verhindern. Denn die Kommunen vor Ort sind auf die Gewerbesteuer angewiesen, und wissen daher nur zu gut, was passieren würde, wenn ihre Steuerzahler nicht mehr steuerzahlungsfähig wären.

ERF: Der Sozialverband VdK denkt aber auch an die Rentnerinnen und Rentner in unserem Land.

Andreas Odrich: Der VdK kritisiert, dass die Rücklagen bei Menschen mit kleinen Renten längst aufgebraucht sind. Dessen Präsidentin Verena Bentele warnt daher: „Es muss verhindert werden, dass es zu weiteren Kaufkraftverlusten für die Rentner kommt.»

Bentele prognostiziert daher ein düsteres Bild: „Das heißt, es wird am Essen, an warmer Winterkleidung und anderen notwendigen Dingen gespart.“ Sie denkt dabei vor allem an die sogenannten Frührentner, also Menschen, die nicht mehr voll erwerbsfähig sind. Für sie soll es erst 2024 zu Entlastungen kommen. Viel zu spät, sagt Bentele.
 

Netzwerk der Wärme

ERF: Das klingt danach, als müssten wir recht bald näher zusammenrücken.

Andreas Odrich: Und dazu gibt es einen Vorschlag, nach dem ich auf kirchlicher Seite noch suche. Ein „Netzwerk der Wärme“ soll nämlich vereinsamte oder wegen der Energiekrise in Not geratene Berlinerinnen und Berliner im Winter auffangen. Das hat die Sozialsenatorin von Berlin Katja Kipping (Linke) am Dienstag ins Spiel gebracht.

Verschiedene Organisationen sollen sich daran beteiligen. Die Organisationen sollen Beratung anbieten, aber auch Orte des Austauschs und Anlaufstellen gegen Vereinsamung sein. Die Menschen sollen dort gemeinsam kochen und essen und sich, Zitat, „unterhaken, um gemeinsam durch die schweren Zeiten zu kommen“. Starten will man damit in den schon vorhandenen Stadtteilzentren, aber auch Firmen sollen mitmachen und andere Institutionen.
 

Machen Sie mit?

ERF: Vielleicht fühlen sich da ja auch die christlichen Kirchen und Werke angesprochen. Vielleicht machen einige davon ja auch schon längst mit. Deshalb unsere Frage an die Freundinnen und Freunde des ERF:

Was haben Sie diesbezüglich mit Ihrer Gemeinde oder Ihrem Verein geplant. Wie wollen Sie mit den Menschen durch den Winter kommen. Schreiben Sie an [email protected] oder posten sie eine Notiz unter unserem Freitagstalk auf ERF.de oder ERF Plus / Aktuelles vom Tag.

Andreas Odrich: Die Dinge beim Namen nennen aber auch helfen und handeln, immer eine gute Idee.
 

Demo für Lebensschutz

ERF: Morgen machen verschiedene Lebensrechtsorganisationen traditionell in Berlin beim Marsch für das Leben auf den Schutz Lebens aufmerksam.

Andreas Odrich: Wir haben wiederholt über den Marsch für das Leben berichtet. Die Demonstrantinnen und Demonstranten setzen sich dafür ein, dass das Leben von Beginn an bis zum Schluss besonders schützenswürdig ist.

Deshalb wenden sie sich gegen Abtreibungen und sprechen sich auch gegen einen assistierten Suizid bei Schwerstkranken aus. „Leben begrüßen, Leben behüten, Leben begleiten“, heißt es deshalb auf ihrer Homepage. Demonstranten mit Bussen aus ganz Deutschland erwartet der Bundesverband Lebensrecht morgen um 13 Uhr vor dem Brandenburger Tor.

ERF: In den letzten Jahren gab es immer wieder auch eine oftmals lautstarke Gegendemonstration.

Andreas Odrich: Die Demonstranten und Demonstrantinnen sehen in einer möglichen Verschärfung des Abtreibungsrechts einen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Frau.

Leider war das zum Teil aggressive Auftreten der Gegendemonstranten und Gegendemonstrantinnen bislang nie auf Dialog angelegt, was bei diesem sensiblen Thema eigentlich wünschenswert wäre.
 

Hannover in Wallung

ERF: Schauen wir zum Abschluss noch auf ein großes Ereignis in Hannover, den internationalen Gospelkirchentag.

Andreas Odrich: Er startet am heutigen Freitagnachmittag und endet mit einem feierlichen Festgottesdienst am Sonntag auf dem Opernplatz in Hannover. Rund 3.000 Sängerinnen und Sänger aus Deutschland, Europa und darüber hinaus, werden sich laut Veranstalter in der Innenstadt von Hannover tummeln.

Alle zwei Jahre findet dieses Großereignis statt. Dazu gehören neben den zentralen Veranstaltungen Auftritte auf dezentralen Bühnen aber auch Workshops.

ERF: Also genau das richtige, damit der gepflegte Hannoveraner mal so richtig aus sich herausgehen kann.

Andreas Odrich: Genau, unser Kollege Oliver Jeske, der ja selbst gebürtiger Hannoveraner ist, wird sich für uns ins Getümmel stürzen, und für uns vom Gospelkirchtag aus der Hochburg des Hochdeutschen am Montag danach berichten.

ERF: Vielleicht sind Sie ja aber auch selbst in der Nähe und wollen aus voller Kehle mit dabei sein. Der Gospelkirchentag ist sicher in diesen Tagen bei allen Herausforderungen ein schönes Hoffnungszeichen. Ein gutes Wochenende in diesem Sinne wünscht die ERF Aktuell-Redaktion.

 Andreas Odrich

Andreas Odrich

  |  Leiter Redaktion Aktuell

Er leitet die Redaktion Aktuelles und Gesellschaft. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und ist begeisterter Opa von drei Enkeln. Der Glaube ist für ihn festes Fundament und weiter Horizont zugleich.

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