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© Bexar Arms / unsplash.com

21.02.2023 / Aktuelles / Lesezeit: ~ 3 min

Autor/-in: Katja Völkl

Das unlösbare Dilemma der EKD

Ringen um eine Haltung zu den Waffenlieferungen an die Ukraine.

Margot Käßmann unterzeichnet Manifest für Frieden

ERF: Katja, welche Positionen vertritt die Evangelische Kirche denn?

Katja Völkl: Die eine Position gibt es nicht. Ich versuche es mal anhand einzelner Personen ein wenig aufzudröseln: Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann hat das „Manifest für Frieden“ von Alice Schwarzer und Sahra Wagenknecht unterzeichnet.

Damit spricht sie sich gegen weitere Waffenlieferungen an die Ukraine aus. Zugleich beinhaltet die Petition eine Aufforderung an Bundeskanzler Scholz, sich intensiv für Friedensverhandlungen einzusetzen.

ERF: Wie können diese Friedensverhandlungen ihrer Meinung nach denn aussehen?

Katja Völkl: Da wird Margot Käßmann leider nicht konkret. In einem Interview im Deutschlandfunk sprach sie von „massiven gesamteuropäischen Initiativen“, bei denen „kreative Möglichkeiten“ gefunden werden können, um zu einem Waffenstillstand zu kommen.

Zusätzlich brachte sie noch die russische Zivilbevölkerung ins Spiel. Bei ihnen hat Margot Käßmann offenbar die Hoffnung, dass von dort Impulse in Richtung russischer Regierung für Friedensverhandlungen ausgehen können.

Auch der Friedensbeauftragte der EKD, Bischof Friedrich Kramer, lehnt Waffenlieferungen strikt ab.

Friedrich Kramer sagt „nein“ zu Waffenlieferung

ERF: Wie begründet er seine Position?

Katja Völkl: Kramer sieht in den Panzerlieferungen an die Ukraine einen weiteren Schritt der Eskalation. Laut einem MDR-Bericht sieht er auch die Gefahr, sich „in einen Krieg hineinzureden“, wenn Annalena Baerbock z.B. sagt: „Wir sind im Krieg mit Russland.“

ERF: Was schlägt er denn als Lösung vor, den Krieg zu beenden?

Katja Völkl: Auch er setzt auf Gespräche über einen Waffenstillstand und langfristig auf einen Friedensvertrag. Dazu sagte er bei einem Treffen der Friedensbeauftragten der evangelischen Kirche im Erfurter Augustinerkloster: „Man muss mit denen reden, die da sind, und versuchen, etwas zu bewegen. Wenn du den Frieden willst, muss du mit dem Feind, den du töten wolltest, am Tisch reden und Lösungen finden.“

Außerdem hat er eine "Friedenswerkstatt" ins Leben gerufen, die bis Ende des kommenden Jahres eine Grundlage für die künftige friedensethische Ausrichtung seiner Kirche erarbeiten soll.

Annette Kurschus hält Waffenlieferung für „zu tolerierende Maßnahme“

ERF: Und wie sieht es bei der amtierenden Ratsvorsitzenden der EKD, Annette Kurschus aus?

Katja Völkl: Laut einem Beitrag auf BR24 bezeichnete Annette Kurschus die Waffenlieferungen als eine „zu tolerierende Maßnahme“, um den Ukrainern beizustehen. Allerdings empfindet sie in sich selbst auch eine Zerrissenheit, wie sie in einem Artikel der FAZ schreibt.

Ich formuliere es mal mit meinen Worten – so wie ich Frau Kurschus verstehe: Auch, wenn die Waffen zur Verteidigung im Moment nötig sind, kann der Frieden langfristig nur durch Gespräche und Verständigung eintreten.

Das schwer zu Fassende an ihrer Position ist für mich, dass sie in ihrer Wortwahl sehr unterschiedlich ist.

Mal spricht sie in einem Interview im Deutschlandfunk davon, dass der „Einsatz von Waffen an dieser Stelle zur Selbstverteidigung ein Mittel, das auch wir gutheißen können.“

An anderer Stelle sagte sie in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Auch in mir ist diese Zerrissenheit. Ich kann einen Krieg grundsätzlich nicht gutheißen, auch keinen Verteidigungskrieg, auch keine Waffenlieferungen“.

Also da merkt man bei ihr selbst auch eine Uneinigkeit und ein ständiges Ringen um eine Position.

Und sie weist völlig zu Recht darauf hin, dass bei der Diskussion um Waffenlieferungen die leidende Bevölkerung wieder mehr in den Fokus kommen sollte. Das ist mit ein Grund, warum am Freitag die EKD-Initiative #hoffnungsäen startet.
 

ERF: Worum geht es da?

Katja Völkl: Bei dieser Mitmachaktion können Samen von Sonnenblumen und Kornblumen bei der EKD kostenfrei bestellt werden. Diese sollen die Menschen als Zeichen der Hoffnung einsäen. Die Blumen blühen dann in blau und gelb. Also in den Farben der Ukraine. Es soll ein Zeichen der Hoffnung sein, dass die Ukraine eine Zukunft hat. Gleichzeitig soll die humanitäre Hilfe in der Ukraine unterstützt werden.

ERF: Kannst du das noch etwas genauer ausführen, was da passiert?

Katja Völkl: Zum einen soll es am 1. Sonntag der Passionszeit - am 26.2.2023 – ein Gebet geben, das z.B. in den Gottesdiensten gebetet werden kann. Dafür gibt es einen vorformulierten Gebetstext. Außerdem ruft die Aktion zu Spenden für die deutsch-schweizerische Hilfsorganisation Libereco auf. Die leistet seit 2014 mit lokalen Partnern humanitäre Hilfe in der Ukraine. Dabei werden Menschen aus umkämpften Gebieten evakuiert, humanitäre Hilfe verteilt, sowie Not- und Pflegeunterkünfte geschaffen.
 

 Katja Völkl

Katja Völkl

  |  Redakteurin und Moderatorin

Die gebürtige Münsteranerin ist für aktuelle Berichterstattung zuständig. Von Hause aus ist sie Lehrerin für Deutsch und Philosophie und Sprecherzieherin. Sie liebt Hunde, geht gerne ins Kino und gestaltet Landschaftsdioramen.

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Kommentare (1)

Kerstin /

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