Wenn im Dezember die Tage kürzer und dunkler werden, entzünden Juden weltweit acht Abende lang die Kerzen der Chanukkia, der neunarmigen Chanukka-Menora. Das Chanukka-Fest, dessen Name auf Deutsch „Einweihung“ heißt, erzählt eine Geschichte von Glaubensmut und göttlichem Eingreifen – und enthält auch für Christen eine besondere Botschaft.
Wie es zu Chanukka kam
Chanukka, auch als Lichterfest oder Fest der Tempelweihe bekannt, hat keinen biblischen Ursprung. Dennoch wurden die historischen Ereignisse, die zu diesem Fest führten, vom Propheten Daniel rund 400 Jahre zuvor detailliert vorhergesagt (vgl. Daniel 8 und 11). Festgehalten wurden sie in den apokryphen Büchern 1. und 2. Makkabäer.
Im Jahr 167 v. Chr. stand das jüdische Volk vor einer existenziellen Krise. Der hellenistische König Antiochus IV. Epiphanes („Antiochus, der erscheinende Gott“) hatte Jerusalem erobert und versuchte, den Glauben an den lebendigen Gott auszulöschen.
Er verbot das Lesen der Thora (Fünf Bücher Mose), das Halten des Schabbats und die Beschneidung jüdischer Jungen am achten Tag. Jüdische Schriften wurden beschlagnahmt und verbrannt, Juden gezwungen, nicht-koschere Speisen zu essen.
Antiochus gelang es, viele aus dem Volk Israel zu einer neuen Religion zu verführen, die jüdische und griechische Riten vermischte. Wer weiterhin an den biblischen Geboten festhielt, riskierte grausamste Folterungen und die Todesstrafe. Antiochus’ Frevel gipfelten in der Entweihung des Tempels, als er auf dem Altar ein Schwein opfern ließ, eines nach der Bibel unreinen Tieres.
Der Makkabäer-Aufstand
Einer der sich weigerte, Gott die Treue zu brechen, war der in Modi’in lebende Priester Mattathias. Mit dem Ruf „Wer das Gesetz seines Gottes fürchtet und seinen Bund hält – mir nach!“ floh er mit seinen fünf Söhnen in die Berge. Mehr und mehr Dissidenten schlossen sich ihnen an, bis eine Armee entstand, die gegen die hellenistischen Besatzer kämpfte. So begann der Makkabäer-Aufstand, angeführt von Mattathias’ Sohn Juda mit dem Beinamen Makkabäus („der Hammer“).
Das hebräische Wort Makkabi ist auch ein Akronym für „Mi kamocha ba'elim JHWH?“ (Wer ist wie Du unter den Göttern, Herr?). Diese Worte hatten Mose und die Israeliten nach der Befreiung aus Ägypten gesungen. Nun wurden sie zum Schlachtruf gegen die neuen Unterdrücker.
Das Wunder von Chanukka
Nach einem mehrjährigen Krieg eroberten die Makkabäer im Jahr 164 v. Chr. Jerusalem. Sie reinigten den Tempel, rissen den geschändeten Altar ab und ersetzten alle Tempelgeräte. Anschließend wurde der Tempel – das Haus, in dem Gott angebetet werden wollte –, ihm wieder neu geweiht.
Späteren jüdischen Schriften zufolge ereignete sich hier das „Wunder von Chanukka“. Gott hatte Mose befohlen, dass der im Tempel stehende siebenarmige Leuchter – die Menora – ewig brennen sollte. Doch mit der Entweihung des Tempels war auch das für die Menora speziell zubereitete, geweihte Öl unrein geworden.
Es fand sich nur ein einziger kleiner Krug, der noch mit dem Siegel des Hohepriesters verschlossen war. Das war gerade genug, um einen Tag lang zu brennen. Acht Tage würde es dagegen dauern, bis neues geweihtes Öl hergestellt werden konnte.
Doch dann geschah das Wunder: Der Inhalt des kleinen Kruges brannte acht Tage und acht Nächte und damit exakt so lang, bis neuer Vorrat produziert war.
Wie Chanukka heute gefeiert wird
Heute nimmt beim Feiern von Chanukka die Chanukkia, der neunarmige Leuchter, eine zentrale Rolle ein. Am Vorabend des Festes entzündet man eine Kerze (oder ein Öl-Lämpchen), am zweiten Abend zwei Kerzen, bis am achten Abend alle acht Kerzen brennen. Die neunte Kerze, der Schamasch („Diener“), steht erhöht oder abgesetzt von den übrigen Kerzen, denn er ist etwas Besonderes. Seine Aufgabe ist es, die anderen Kerzen anzuzünden. Er gibt sein Licht, damit die anderen leuchten können.
Die Chanukkia steht in einem Fenster, das zur Straße hin liegt, und muss dabei für Vorbeigehende sichtbar sein. Sie ist ein öffentliches Zeugnis des Wunders, von dem alle erfahren sollen.
Nach dem Anzünden der Kerzen singen jüdische Familien das Lied Ma’os Tzur Yeshuati („Fels meiner Rettung“), das von der Sehnsucht nach dem messianischen Zeitalter spricht und an die historischen Feinde der Juden wie der Pharao und Haman erinnert. Kinder erhalten Geschenke und man spielt mit dem Dreidel, einem Kreisel mit der Aufschrift „Ein großes Wunder ist geschehen“. Traditionell isst man in Öl gebackene Speisen wie Latkes (Kartoffelpuffer) und Sufganiyot (Krapfen) – eine Erinnerung an das Ölwunder.
Die prophetische Bedeutung von Chanukka
Jesus, der erwartete Befreier
Hinter dem freudigen Chanukka-Fest verbirgt sich eine tiefe symbolische und prophetische Bedeutung. Einige Traditionen wie der Dreidel oder das Verspeisen von Latkes entstanden zwar erst Jahrhunderte nach den historischen Ereignissen. Doch auch Jesus hat Chanukka bereits gefeiert. In Johannes 10,22-23 heißt es: „Es war damals das Fest der Tempelweihe in Jerusalem, und es war Winter. Und Jesus ging umher im Tempel in der Halle Salomos.“
Zur Zeit Jesu war die Erinnerung an den Makkabäer-Aufstand noch sehr präsent. Nach dem Sieg über die Hellenisten lebten die Juden rund 100 Jahre lang fast autonom in Judäa, Samaria und Galiläa. Die Römer setzten dieser Zeit relativer Freiheit erst wenige Jahrzehnte vor Jesu Geburt ein Ende. Die römischen Besatzer tolerierten zwar anders als die Hellenisten den jüdischen Gottesdienst im Tempel, doch sie kontrollierten die Priesterschaft, erhoben hohe Steuern und herrschten mit eiserner Faust.
Das jüdische Volk sehnte sich nach einem neuen Juda Makkabäus, einem Messias, der die neuen Unterdrücker vertrieb. Darum wurde Jesus während des Chanukka-Festes gefragt: „Wie lange hältst du uns im Ungewissen? Bist du der Christus, so sage es frei heraus.“ (Johannes 10,24).
Jesu Antwort überrascht. Er sprach nicht von einem militärischen Sieg oder von politischer Macht, sondern erklärte: „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10,30).
Jesus offenbarte sich nicht als ein Befreier wie Juda Makkabäus, sondern als der Sohn Gottes, der eine noch viel größere Befreiung bringt und seinen Nachfolgern ewiges Leben schenkt.
Der Chanukka-Leuchter
Die Chanukkia veranschaulicht die Rolle, die denen zukommt, die Jesus nachfolgen. Jesus hat uns gereinigt von unserer Sünde und uns wie die Chanukkia erfüllt mit dem Heiligen Geist, der durch das reine Öl symbolisiert wird.
Wie der Schamasch ein Diener ist, der erhöht von den anderen Kerzen steht, erniedrigte Jesus sich selbst und wurde anschließend von Gott erhöht (vgl. Philipper 2,8-9). Und wie der Schamasch den anderen Kerzen sein Licht gibt, will Jesus, der selbst das Licht der Welt ist (vgl. Johannes 8,12), uns entzünden, damit wir leuchten.
„Ihr seid das Licht der Welt. … So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ So spricht Jesus in Matthäus 5,14-16 zu seinen Nachfolgern.
Als Christen sollen wir wie die Chanukkia sein, die ins Fenster gestellt wird, damit alle sie sehen und von Gottes Wunder erfahren.
Antiochus Epiphanes: Ein Bild des Antichristen
Viele Bibelausleger sehen in Antiochus Epiphanes ein prophetisches Vorbild des kommenden Antichristen. Antiochus erhob sich selbst zum Gott, entweihte den Tempel, verbot den jüdischen Glauben und verfolgte diejenigen, die standhaft im Glauben blieben.
Seine Taten spiegeln wider, was in der Endzeit geschehen wird: Der Antichrist wird sich in den Tempel setzen, sich als Gott ausgeben und viele verführen. Doch wie Antiochus letztlich scheiterte, so wird auch der kommende Verführer fallen. Chanukka dient als eine Erinnerung: Gottes Volk mag bedrängt werden und vieles erleiden, aber es wird nicht vollends besiegt.
Entschlossene Nachfolge
„Mi kamocha ba'elim JHWH – Wer ist wie Du unter den Göttern, Herr?“ Das ist die Frage, die jede Generation neu beantworten muss. Auch heute steht der Glaube an Gott unter Beschuss und weltweit leiden viele Christen Verfolgung.
Im Gegensatz zu den Makkabäern sind wir nicht dazu berufen, mit dem Schwert zu kämpfen. Unsere Waffen sind andere: Wir halten an der Wahrheit fest und machen Jesus, den wahren Befreier, bekannt.
Die Worte Daniels, mit denen er die Zeit der Makkabäer beschrieb, sind der Schlüssel: „Das Volk, das seinen Gott kennt, wird sich stark erweisen und entsprechend handeln“ (Daniel 11,32).
Wenn wir unseren Gott wirklich kennen, sein Herz, seine Gedanken und seinen Willen, können wir in herausfordernden Zeiten standhaft bleiben. Dazu müssen wir die Gemeinschaft mit ihm pflegen und uns Zeit nehmen für sein Wort, die Bibel – sie lesen, studieren und darüber nachdenken.
Licht sein in dunklen Zeiten
In einer Welt, die dunkler zu werden scheint und in der Orientierungslosigkeit und Hoffnungslosigkeit um sich greifen, lautet die Botschaft von Chanukka an uns: Stellt euer Licht ins Fenster!
Wie? Indem wir an der Wahrheit der Bibel festhalten und nicht von ihr abweichen, auch wenn wir dafür verspottet oder angefeindet werden. Indem wir uns Zeit nehmen, Gottes Wort zu lesen, und unsere persönliche Beziehung zu Gott vertiefen. Indem wir Jesus erlauben, unsere Herzen zu reinigen, und uns Gott neu weihen. Und indem wir uns vom Heiligen Geist erfüllen lassen und entzündet von der Liebe Jesu sein Licht in die Welt tragen.
In diesem Sinne: Frohes Chanukka – Chanukka sameach!
Dieser Artikel wurde bereitgestellt von TBN Israel. TBN Israel ist Teil der Sar-El Group, eine familiengeführte Unternehmensgruppe mit Sitz in Jerusalem, die Christen weltweit mit Israel verbindet – durch Medien, Reisen, Begegnungen und mehr. Weitere Informationen finden Sie auf: www.sareltours.com/de
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