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/ Wort zum Tag

Gebet in Krankheit

Die Bibelstelle Psalm 6,2 – ausgelegt von Karsten Hellwig.

Ach, HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm!

Psalm 6,2

Das fasziniert mich, wenn Menschen Gott an dessen eigene Wesensart erinnern. König David hat das drauf und auch Mose, der das Volk Israel aus Ägypten geführt hat. Die Psalmen leben von diesen konfrontativen Gesprächen mit Gott. David betet in Psalm 6 Vers 2: „HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn! Züchtige mich nicht in deinem Grimm.“ Zugespitzt könnte es heißen: „Weise mich nicht zurecht, solange du aufgebracht bist.“ (NGÜ)

Mach keinen Fehler, Gott. Überlege dir, was du tust. Treff keine falschen Entscheidungen, solange du zornig bist. Beruhige dich erstmal wieder. – In den allermeisten Fällen traue ich mich nicht so zu beten. Und es ist ja auch nicht so, dass David sich hier zum Berater Gottes aufspielt. Psalm 6 ist zuerst ein Krankenpsalm. Die kirchliche Tradition hat diesen Psalm – schon ab dem 6. Jahrhundert – zwar als Bußpsalm ausgelegt – der erste von insgesamt sieben in den Psalmen. Zuerst beklagt David jedoch seine KRANKHEIT. Diese Krankheit höhlt ihn aus wie einen morschen Baum. Er ist völlig am Ende. Er ist ganz zerschlagen und starr vor Angst, was noch werden wird. Die Krankheit ist so schwer, dass er zwar noch lebendig, aber doch schon so gut wie tot ist. In dieser Situation empfindet er die Erziehung Gottes wie Vernichtung.

Es wird David zu viel. Er kann nicht mehr. Hoffnungen sind verschwunden. Er ist in der tiefsten Tiefe angekommen. Da, genau da sucht er Gott. Er gibt nicht dem Schicksal die Schuld. Sein Gebet ist keine Selbstberuhigung. Er konfrontiert Gott mit der Situation. Er weicht nicht aus in Erklärungsmuster. Er nimmt Gott in die Verantwortung.

David schreit auf aus der Tiefe. Er lässt Gott nicht sterben. Er schreit Gott an. Mit Trauer und Angst und Erschrecken wendet er sich doch an Gott.

David zollt Gott Anerkennung. Er hält IHM, Gott, dessen Handlungsvollmacht vor. Sein Potential. Er gibt nicht auf. Er ist kein JA-Sager, kein Untertan. Wer sich so an Gott wendet und nicht abwendet, der erringt sich damit auch das Recht eben so mit Gott zu reden.

Dieses Gebet geht von Herz zu Herz. Vielleicht wird David deshalb als ein „Mann nach dem Herzen Gottes“ charakterisiert (Apostelgeschichte 13,22). Nicht „perfekt“ – aber zugewandt. Voller Vertrauen sein Herz bei Gott ausschütten. (Psalm 62,9)

Hier spricht ein erwachsener Glaube. Das ist echt. Das ist keine Selbstberuhigung. Ein gereifter Mensch wendet sich an Gott – in seiner großen Krankheitsnot. Es wird ihm zu viel. Gott ist und bleibt meine Anlaufstelle. Ein lebendiger Gott. Nicht fern. Manchmal fremd. Schwer verständlich. Und nicht alles klärt sich auf – nicht gleich und auch nicht unbedingt irgendwann später.

Dieses Gebet Davids macht mir Mut, mich in den allerschwierigsten Situationen, aber auch im Alltag, voller Zutrauen an Gott zu wenden.

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