/ Wort zum Tag
Gottes Einfluss wird erbeten
Die Bibelstelle Jesaja 63,15 – ausgelegt von Siegfried Meier.
So schau nun vom Himmel und sieh herab von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Wo ist nun dein Eifer und deine Macht?
Wer oben wohnt, hat den Überblick. In einer Erdgeschosswohnung sind Sie schnell draußen, haben kurze Wege, aber wer weiter oben wohnt, die Annehmlichkeit eines Aufzugs genießt, der kann vom Balkon oder vom Fenster aus sehen, was andere nicht sehen: große Gebäude in der Nachbarschaft begegnen Ihnen auf Augenhöhe, Sie haben den Überblick über den Straßenverkehr, sehen die grünen Inseln und wenn Sie Glück haben, kriegen Sie vom Verkehrslärm auch nichts mit. Könnte also ein netter Ort sein, Sie genießen die Vorteile des Panorama-Überblicks, sind aber sonst für sich und allem enthoben, was da unten Sorgen und Probleme macht.
Und ich bin mir sicher, das treibt auch den Beter aus dem Buch Jesaja 63 (Vers 15) an, wenn er nach einer langen Klage Gott wütend anschreit: „So schau nun vom Himmel und sieh herab von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Wo ist nun dein Eifer und deine Macht?“
Du da oben – was siehst Du von uns da unten? Bist Du so wie die Millionäre unserer Erde, die dann in ihrer Dachhauswohnung einen teuren Cocktail schlürfen und über den Zustand der Welt den Kopf schütteln – oder interessierst Du Dich für uns?
Das ist eine harte Anklage – aber ich merke auch: der Beter ist ehrlich. So wünsche ich mir mein Beten auch, so völlig ungeschützt, eben ehrlich Gott meine Meinung sagen.
Er sagt sie ja auch. Und ich werde neugierig, diesen Bibelvers nachzulesen und finde einen großen Abschnitt aus einer Zeit, in der das ganze Volk am Boden lag, in der Hauptstadt Jerusalem die Trümmer sah, dort auch wohnte, der Tempel war auch zerstört, alle hatten ihre Wohnung verloren, Gott auch. Aber der hatte ja noch seine himmlische Wohnung, während seine Leute Sonne, Wind, Wetter und Tieren schutzlos ausgeliefert waren. Und ich habe Bilder aus den Nachrichten vor Augen, wo es Männern, Frauen und Kindern auch in Europa so geht.
Schau nun vom Himmel und sieh herab von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Da schwingt Neid mit, klar, aber auch das Vertrauen, dass Gott seine Leute kennt und weiß, wie es ihnen geht. Hatte nicht ein Psalmbeter von Gott gesungen (Psalm 113, 6), dass er oben in der Höhe thront und herniederschaut in die Tiefe?
Ja und dann? Wo ist nun Dein Eifer und Deine Macht? Du kannst da nicht unbeteiligt zusehen, Du bist doch unser Gott, unser Vater, wie es (Jesaja 63,16; 64,7) kurz danach heißt. Und ein Vater kümmert sich um seine Kinder, oder etwa nicht? Wo ist nun dein Eifer und deine Macht? Das, was Dich auszeichnet, was wir immer bewundert haben – dass Du Deine Leute nicht im Stich lässt. Dass Du Dich uns zuwendest.
Die ganze Glaubensgeschichte Israels ist voll davon, dass das Volk sich von Gott abwendet, ein Unglück bricht herein, sie schreien zu ihrem Herrn und der antwortet wieder, der zieht sich nicht zurück, ja, er kämpft leidenschaftlich gegen die Feinde und für sein Volk. Wo ist nun Dein Eifer, beweg Dich, schau herab, tu etwas! Verlass Deine Wohnung, komm zu uns auf die Erde, teile unser Leben, die Gewalt, die Widerstände, die Unterdrückung, unsere geringe Zahl. Und Gott kommt.
Vielleicht anders, als der Beter damals dachte. Aber Gott verlässt die Wohnung, kommt in einem Stall zur Welt, teilt Flucht, Wohnungslosigkeit, Krankheit. Wird Mensch in Jesus Christus und hat einen festen Platz mitten unter uns.
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