11.04.2012 / Themenwoche Weltuntergang
Warum Gott die Welt vernichten wird
Was, bitte schön, soll Gottes Liebe mit dem Ende der Welt zu tun haben? Ein genauerer Blick in die Bibel offenbart Erstaunliches.
Ich erinnere mich, wie ich in Gottesdiensten der Evangelischen Kirche beim Singen des Liedes „Gott gab uns Atem“ (Evangelisches Gesangbuch Nr.432) regelmäßig folgende Zeilen nicht mitsingen konnte:
„Gott will nicht diese Erde zerstören.
Er schuf sie gut, er schuf sie schön. (…)
Gott will mit uns die Erde verwandeln.
Wir können neu ins Leben gehn.“
Ich schien jedoch die einzige zu sein, die mit diesen Versen Probleme hatte. Die anderen sangen scheinbar völlig einverstanden mit. War doch ihr ganzes Denken auf die Bewahrung der Schöpfung und Beseitigung von Not und Elend in dieser Welt ausgerichtet. Nie hörte ich eine Predigt über den Weltuntergang, die Endzeit oder das Jüngste Gericht.
Weltuntergang unvorstellbar
Dass Gott seine Schöpfung wieder zerstören könnte, war wohl für die meisten in meiner ehemaligen Kirchengemeinde unvorstellbar. Ich fragte mich indes: Was ist mit den apokalyptischen Texten in der Bibel? Die Haltung im Hauskreis war dazu eher vage. Wahrscheinlich handelte es sich bei diesen Texten nur um symbolische Beschreibungen oder historisch bedingte, mittlerweile überholte Vorstellungen.
Und sollte die Welt oder die Menschheit dennoch untergehen, dann aufgrund von menschlichem Verschulden, als Folge einer globalen Naturkatastrophe oder einer kosmischen Katastrophe.
Gesamtgesellschaftlich ist man bei diesem Thema weniger zimperlich. Der Weltuntergang in allen nur möglichen Varianten wird in Literatur, Film, Fernsehen, Kunst und Musik ausführlich zelebriert. Man könnte diese Auseinandersetzung mit dem Weltuntergang als Versuch deuten, den schlimmen Zustand auf unserer Erde mit Leid, Not und Tod psychisch zu verarbeiten oder zu diskutieren.
Wer ist schuld am Leid in der Welt?
Nicht selten wird Gott die Schuld am Leid der Welt gegeben. Er hat diese Welt erschaffen, er lässt das Leid zu und tut scheinbar nichts. So mancher will deswegen vom christlichen Glauben überhaupt nichts mehr wissen.
Im Laufe der Jahre wurde mir zunehmend klar: Der Weltuntergang ist eine von Gottes Antworten auf das Leid und das Böse in der Welt. Er hat damit sogar etwas sehr Gutes vor. Wer die gesamte Weltgeschichte in Augenschein nimmt, kann diesem erstaunlichem Gedanken auf die Spur kommen.
Schöpfung und Sündenfall
Beginnen wir beim Anfang der Welt. Zunächst sieht alles bestens aus. Gott ist nach Vollendung seiner Schöpfung hochzufrieden: „Und Gott sah alles, was er gemacht hatte; und siehe, es war sehr gut.“ (1Mo 1,31)
Leider hielt dieser Zustand nicht lange an. Der freie Wille des Menschen hatte weitreichende Folgen: Sündenfall, Verlust der vertrauten Beziehung mit Gott, Rauswurf des Menschen aus dem Garten Eden. Als Folge der Rebellion gegen Gottes Gebote kamen Leid, Not und Tod in die Welt. Kain erschlug Abel, der Mensch wurde zunehmend gewalttätig (1Mo 4,23-24), die Bosheit in der Welt nahm überhand (1Mo 6,5).
Die Sintflut
Zu Lebzeiten Noahs hatte Gott genug davon: „Und der Herr sprach: Ich will den Menschen, den ich erschaffen habe, vom Erdboden vertilgen, vom Menschen an bis zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln des Himmels; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe!“ (1Mo 6,7)
Danach folgte ein Vorbote des endzeitlichen Weltuntergangs: die Sintflut. Nur Noah, seine Familie und viele Tiere dürfen in der Arche überleben. Alle Landlebewesen wurden in der weltweiten Flut vernichtet (1Mo 7,21-23).
Durch die Sintflut wird klar: Gott ist notfalls dazu bereit, seine Schöpfung untergehen zu lassen. Er hat es bereits getan und er ist fähig, es wieder zu tun.
Gesamte Schöpfung ist betroffen
Außerdem wird aus der Bibel deutlich, dass nicht nur die Menschen unter dem Zorn Gottes stehen, sondern auch die Schöpfung. Denn der Mensch ist von Gott als Herrscher über alle lebendigen Wesen eingesetzt worden (1Mo 1,28). Der Fluch Gottes trifft den Erdboden mit den Pflanzen und die Tiere. Besonders die Schlange wurde verflucht, mehr als alle anderen Tiere (1Mo 3,14; 17-18). Die gesamte Schöpfung steht seither unter der Knechtschaft der Vergänglichkeit und sehnt sich danach, von der Sterblichkeit befreit zu werden (Röm 8,20-23).
Und eine weitere Lektion lehrt die Geschichte Noahs: Gott ist denjenigen gnädig, die sich zu ihm halten (1Mo 6,8-9). Sie dürfen seine Strafgerichte überleben.
Nach der Flut
Nach dem Wegtrocknen der Flut folgte der erste Neuanfang: der Beginn der Welt, in der wir bis heute leben. Diese Welt soll nicht mehr in einer Sintflut untergehen (1Mo 9,11) und der Erdboden soll nicht mehr verflucht werden, „solange die Erde besteht“ (1Mo 8,21).
Danach folgt in der Bibel Buch für Buch die Schilderung des dramatischen Zustands des Menschen, der in seiner Sünde gefangen ist. Gleichzeitig erfahren wir, wie Gott immer wieder um die Menschheit ringt und neue Wege öffnet, damit wir in Beziehung zu ihm treten können. Gott erwählt zum Beispiel Israel als das Volk, um für ihn in dieser gefallenen Welt ein Zeichen zu setzen.
Gott kündigt ein weiteres Gericht an
Not und Elend bleiben aber unverändert bestehen. Gegen Ende des Alten Testaments, im Buch Maleachi, findet sich schließlich ein sehr interessanten Text, der Gottes Antwort auf die Sünde der Welt zusammenfasst (Mal 3,13-19). Vers 19 lautet: „Denn siehe, der Tag kommt, brennend wie ein Ofen! Da werden alle Übermütigen und alle, die gesetzlos handeln, wie Stoppeln sein, und der kommende Tag wird sie verbrennen, spricht der Herr der Heerscharen, so dass ihnen weder Wurzel noch Zweig übrig bleibt.“ (Mal 3,19)
Diese und andere Passagen aus der Bibel deuten meines Erachtens daraufhin: Es wird eine Abrechnung geben. Die Bösen werden ein Ende haben. Das „Verbrennen“ der Bösen könnte auf zweierlei hindeuten: zum einen auf die ewige Verdammnis im Feuersee (Offb 20,15) und zum anderen auf den zweiten Weltuntergang durch Feuer (2Petr 3,10). Dies ist natürlich nur eine gedankliche Anregung, diese Verse auszulegen. Es gibt hier - wie so oft - unterschiedliche Sichtweisen.
Himmel und Erde vergehen
Dieser Weltuntergang wird schließlich noch weitaus totaler sein als das, was damals durch die Sintflut geschehen ist. Die Erde wird daher voraussichtlich nicht „verwandelt“, wie manche meinen, vielmehr werden die Himmel und die Erde tatsächlich aufhören zu existieren (Offb 20,11; 21,1). Dies bedeutet „moderner“ formuliert: Unser gegenwärtiges Universum wird vollständig verschwinden. Damit endet unsere Weltzeit.
Zorn und Gnade Gottes
Der Schein trügt also: Gott ist nicht unberührt vom Bösen in der Welt. Das Leid lässt ihn nicht kalt. Der „Zorn Gottes“ und der Zorn Jesu (der „Zorn des Lammes“) lasten wie ein Damoklesschwert unverändert über allen, die sich gegen Gott auflehnen (Jes 34,2; Offb 6,16). Es gibt nur einen einzigen Grund, warum das Endgericht zurückgehalten wird: noch ist Gnadenzeit.
Petrus schreibt hierzu: „Der Herr zögert nicht die Verheißung hinaus, wie etliche es für ein Hinauszögern halten, sondern er ist langmütig gegen uns, weil er nicht will, dass jemand verlorengehe, sondern dass jedermann Raum zur Buße habe.“ (2Petr 3,9). Wer von seinem Leben ohne Gott umkehrt und an Jesus Christus glaubt, wird vor dem zukünftigen Zorngericht errettet werden (Joh 3,36; 1Thess 1,10; 5,9).
Die neue Schöpfung
Was erwartet aber diejenigen, die dem Zorngericht Gottes entgehen? Worauf können diejenigen hoffen, die zu Gott und Jesus Christus gehören? Auf einen neuen Himmel und eine neue Erde. Wieder „moderner“ formuliert: Die Bibel spricht von einer Neuschöpfung des Universums!
Das darf man sich gerne sehr konkret und gleichzeitig phantastisch vorstellen (Offenbarung Kapitel 21 und 22). Es beginnt die „zukünftige Weltzeit“ (Lk 18,30; 20,35). Dort wird es keinen Fluch mehr geben, die Flüche, die unsere Schöpfung nach dem Sündenfall getroffen haben, werden aufgehoben sein (Offb 22,3). In der neuen Welt wird es keine Sünde mehr geben. Nach der Auferstehung (Apg 26,23; Röm 6,5) wird man in der zukünftigen Welt ein Leben ohne Tränen, Tod, Leid, Geschrei oder Schmerz führen (Offb 21,4). Darum muss unsere Welt untergehen: Damit Gott „alles neu machen“ kann (Offb 21,5).
So wie Noah und seine Familie Überlebende einer Erde waren, die in der Sintflut zerstört wurde, so werden diejenigen, die heute bei Gott Gnade finden, Überlebende der gegenwärtigen Welt sein und in der zukünftigen Schöpfung in Herrlichkeit ewig leben können. Darauf lohnt es sich zu hoffen.
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