22.06.2026 / Andacht
Gott – Autor meines Lebens?
Worin Gott für mich einem Autor ähnelt und warum der Vergleich letztlich zu kurz greift. Eine Andacht.
Vielleicht ist dir das auch schon mal passiert: Du wolltest etwas selbst herstellen und dann ist etwas ganz anderes daraus geworden als gedacht. Mir ging es einmal mit einem Kuchen so. Weil ich die Kirschen aus dem Glas nicht abtropfen oder den Teig zumindest vorbacken ließ, sind die Kirschen im Teig auf den Boden gesunken, statt oben aufzuliegen. Das Endergebnis war lecker, aber sehr matschig.
Auch als Autorin wundere ich mich manchmal über die Figuren, die ich erschaffe. Nicht immer sind sie besonders sympathisch oder tun, was ich möchte. Doch sie funktionieren nun mal nach den Eigenschaften, die ich in ihnen angelegt habe. Das mag komisch klingen, aber selbst, wenn ich als Erzählerin die Oberhand über die Geschichte behalte, würde es sich komisch anfühlen, meine Figuren zu einem Verhalten zu zwingen, das nicht zu ihnen passt. Hier und da rolle ich die Augen über sie und denke: „Ach, Mensch!“
In diesem Kontext habe ich mich letztens gefragt, wie Gott wohl auf uns Menschen als seine Geschöpfe schaut.
Sehr gut geschaffen
In der Bibel steht, dass Gott uns Menschen geschaffen hat – jeden einzigartig. Psalm 139 fasst gut zusammen, wie viel Gott schon über mich wusste, noch ehe ich geboren wurde: „Du sahst mich schon fertig, als ich noch ungeformt war. Im Voraus hast du alles aufgeschrieben; jeder meiner Tage war schon vorgezeichnet, noch ehe der erste begann“ (Psalm 139,16).
Auch Gottes Urteil über uns – seine Geschöpfe – ist ganz klar. Es lautet „sehr gut“ (vgl. 1. Mose 1,36). Glatte Eins, hier gibt es nichts zu bemängeln. Anders als ich bei dem Kirschkuchen schaut Gott nicht skeptisch auf seine Schöpfung und denkt: „Irgendetwas habe ich hier vergessen.“
Du und ich – wir sind keine Zufallsprodukte oder Fingerübungen Gottes, sondern genau durchdachte Kunstwerke seiner Hand.
Allwissend und doch im Hier und Jetzt gegenwärtig
Dennoch frage ich mich, wie Gott manche Entscheidung meines Lebens, manchen Umgang mit meinen Begabungen oder auch mit meinem Körper bewertet. Sitzt er manchmal im Himmel, runzelt die Stirn und denkt sich „Mensch Rebecca, das könntest du besser hinkriegen“? Oder ist es eher ein wohlwollendes „Es tut mir leid, dass du gerade so viel Mist durchmachst, aber warte ab, das Blatt wendet sich auf den nächsten 10 Seiten“?
Die Vorstellung von Gott als großem Autor spricht mich an. Denn genau wie ich bei meinen Figuren überblickt Gott zwar das große Ganze meines Lebens, ist aber emotional trotzdem mitten eingebunden in die aktuelle Szene – in den Moment, in dem ich gerade stecke.
Gott weiß, was noch kommen wird, und ist doch ganz gegenwärtig im Hier und Jetzt.
Er schaut mich als sein Geschöpf mit Wohlwollen an, selbst dann, wenn ich mich mal nicht nett verhalte. Genauso blicke auch ich als Autorin auf meine Figuren. Gleichzeitig versetzt er mir manchmal einen kleinen Schubs in die richtige Richtung. Eine weitere Ähnlichkeit zu dem Verhalten eines menschlichen Autors.
Berufen, selbst zu gestalten
Aber eine Sache ist ganz sicher anders: In einer Geschichte entscheide am Ende ich, was meine Figuren machen. Als Autorin sage ich vielleicht mal „Meine Figuren tanzen mir auf der Nase herum“, aber letztlich bleiben sie unfreie Geschöpfe meiner Fantasie.
Das ist bei uns und Gott anders. Obwohl Gott allwissend ist, hat er uns Menschen einen freien Willen gegeben. Wir sind dazu berufen, selbst unser Leben zu gestalten und etwas aus dem zu machen, was er uns geschenkt hat. All die sehr guten Eigenschaften, die er uns mitgegeben hat, können und sollen wir nutzen. Dabei müssen wir nicht angstvoll nach oben schauen, ob wir auch ja immer alles richtig machen.
Was braucht es, damit unser Tun gelingt?
Gleichzeitig ermahnt uns die Bibel an vielen Stellen dazu, weise zu handeln und unsere Talente gut einzusetzen. Dabei gibt sie Tipps, wie das gelingen kann. In Psalm 1,2-3 steht dazu Folgendes: „Wie glücklich ist ein Mensch, der Freude findet an den Weisungen des HERRN, der Tag und Nacht in seinem Gesetz liest und darüber nachdenkt. Er gleicht einem Baum, der am Wasser steht; Jahr für Jahr trägt er Frucht, sein Laub bleibt grün und frisch. Was immer ein solcher Mensch unternimmt, es gelingt ihm gut.“
Wenn ich mich also frage, wie mein eigenes Schaffen gelingen kann, gibt es darauf eine klare Antwort: Damit mein Leben fruchtbar ist, braucht es die Beziehung zu Gott.
Wo hoffst du auf Gelingen für deine Vorhaben? Vielleicht wäre es mal dran, im Gebet nachzufragen, wie Gott zu deinen Zielen steht. Eventuell spürst du dann unerwarteten Rückenwind oder einen kleinen Schubs in eine andere Richtung.
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