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06.05.2026 / Persönlich / Lesezeit: ~ 3 min

Autor/-in: Simona Brandebußemeier

Mit den Händen im Teig

Was hat Handwerk mit dem Lauf des Lebens zu tun? Beim Backen lernt Simona Geduld und Vertrauen in den Prozess.

Glück fühlt sich für mich so an: Ich stehe in meiner warm beleuchteten Küche, die Hände im Teig, mein Backofen brummt leise und sonor, während er vorheizt. Beim Kneten des Teiges verbinden sich die Zutaten, die sich vor wenigen Minuten noch getrennt in ihren Schüsseln befanden. 

500g Mehl würde niemand gern pur essen, aber in Kombination mit weicher Butter, lauwarmer Milch, etwas Zucker, einem halben Würfel Hefe, einer Prise Salz und einem Ei entsteht ein wunderbar weicher homogener Teig. Nur wenig später wird daraus ein heißes Blech, gefüllt mit duftenden Zimtschnecken. 

Warum Backen so gut tut

Ich liebe es, mit meinen Händen zu arbeiten. Zu fühlen, wie sich die Zutaten zu einem Teig verbinden, der weich und geschmeidig in meinen Händen liegt. Zu riechen, wie Kuchenduft meine Küche erfüllt. Ein Stück Kuchen zu schmecken.

Alle Sinne sind beteiligt, wenn wir erschaffen, kochen, backen, kreieren. 

Wenn ich aber mich und viele meiner Freunde beobachte, kommt es in unserem Alltag immer seltener vor, dass wir unsere Hände benutzen, um etwas herzustellen. 

Unsere Welt zwischen Perfektion und Entfremdung

Wir genießen Mittagessen in der Cafeteria, kaufen Kuchen beim Bäcker, holen den Pizzateig aus dem Kühlregal und den Rotkohl aus dem Glas. So ist es bequemer – keine Frage – und der Kuchen vom Bäcker sieht so viel appetitlicher aus als mein eigener. Doch zugleich geht uns in dieser Welt der Bequemlichkeit und Perfektion auch etwas verloren. 

Denn während Maschinen uns die Arbeit abnehmen, nehmen sie uns auch die Erfahrung.

Navigationsapps bringen uns ans Ziel, Autokorrekturen glätten unsere Texte, Waschmaschinen entscheiden selbst über Temperatur und Schleudern.

So kommen wir zuverlässig an, senden grammatikalisch korrekte Nachrichten, tragen saubere Kleidung – und verlieren zugleich die Orientierung, das Gefühl für Sprache und wundern uns, warum bestimmte Stoffe eingehen. 

Teig als Lehrer

Backen ist eine Wissenschaft: Rezepte sind ausgeklügelt und erprobt. Jede Zutat hat ihre Berechtigung. Zucker macht das Gebäck nicht nur süß, sondern auch saftig. Die Konsistenz der Butter entscheidet darüber, ob die Cookies zerlaufen oder ihre Form behalten. Die Temperatur der Milch bewirkt, ob die Hefe ihre Triebkraft entfalten kann oder sich am Ende gar nichts tut.

Aber nicht nur die Zutaten bestimmen das Ergebnis. Die Abfolge von Kneten, Warten und Backen ist ebenfalls entscheidend. 

Gerade das Warten fällt mir manchmal schwer. Der Teig liegt da, scheinbar reglos. Nichts passiert – und doch geschieht genau jetzt das Entscheidende: Das Gluten entspannt sich, die Hefe arbeitet im Verborgenen. Wenn ich zu früh weitermache, wird der Teig zäh. Wenn ich ihm die nötige Zeit lasse, wird er luftig und leicht. 

Vielleicht ist es genau das, was mich am Backen so berührt: dass es mich lehrt, Prozesse auszuhalten, die ich nicht beschleunigen kann. 

Mit den Händen arbeiten heißt Geduld lernen

Manchmal kommt mir das Backen vor wie das Leben selbst. Auch dort gibt es Zeiten, in denen wir gefordert werden, in denen es an uns knetet und zieht. Dann gibt es wieder andere Zeiten, in denen scheinbr nichts passiert – Monotonie, Warten, Ungewissheit.

Die Bibel verschweigt diese Phasen nicht, im Gegenteil. Sie spricht davon, dass Prüfungen Geduld hervorbringt und dass Geduld uns reifen lässt (Jakobus 1,2). Nicht, weil das Leiden an sich gut wäre, sondern weil Gott weiß, was daraus entstehen kann, und das viele gute Dinge ihre Zeit brauchen, um sich zu entfalten.

Gott als Schöpfer weiß besser als wir, dass beides nötig ist: sowohl Druck als auch Ruhe. Bewegung und Stillstand. Kneten und Warten. So wie ein Teig beides braucht, um zu werden, was er sein kann. 

Vielleicht brauchen wir in einer Welt voller Möglichkeiten und Maschinen nicht noch mehr Effizienz, sondern wieder mehr Teig an den Händen. Mehr Momente, in denen wir spüren, wie unter unseren Fingern etwas entsteht. Momente, die uns lehren, zu warten, loszulassen und zu vertrauen. Vielleicht liegt genau darin ein Stück von dem Glück, nach dem wir so oft suchen.  

 

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