30.09.2020 / Andacht
Gebet ist keine Kassenleistung
Warum Gott uns nicht wie einen Antragsteller behandelt.
Das Telefon klingelt. Meine „persönliche Beraterin“ von der Krankenkasse schnauzt in den Hörer, ich hätte einen Antrag auf eine Leistung gestellt, die sie mir nicht gewähren könne. „Haben Sie sich denn vorher nicht informiert?“, fragt sie vorwurfsvoll. Doch, das habe ich. Mein Antrag war korrekt. Das Gespräch nimmt noch mehrere unerfreuliche Wendungen und gipfelt in einem unsinnigen Angebot. „Das ist doch Quatsch“, wehre ich empört ab. „Eben!“, triumphiert meine persönliche Beraterin. „Ich wollte Ihnen schon von Anfang an sagen, dass das Unsinn ist!“
Nach dem Telefonat bin ich stinksauer, weil ich so abgekanzelt wurde. Natürlich haben Kassen ein Budget und das ist begrenzt. Aber das rechtfertigt für mich nicht, Kunden nach einer Bitte verbal einen Kaktus ins Gesicht zu schleudern. Ich habe wenig Lust, mich mit dieser Kasse überhaupt noch einmal in Verbindung zu setzen.
Wäre Gott nur Sachbearbeiter
Wie wäre es, wenn Gott meine Bitten auf solche Weise beantworten würde? „Nein, tut mir Leid, das kann meine Abteilung Heilung & Gesundheit Ihnen leider nicht gewähren. Das sprengt mein Budget.“ Oder: „Haben Sie sich vorher überhaupt informiert? Um so einen Quatsch kümmere ich mich gar nicht erst! Denken Sie doch mal nach!“
Puh. Käme solch eine Reaktion, dann hätte ich ebenfalls wenig Lust, mich in Zukunft mit meinen Anliegen an Gott zu wenden. Schließlich möchte ich von ihm ernst genommen werden.
Gott gewährt Gutes
Zum Glück ist Gott kein Verwaltungsangestellter mit Budgetvorgaben. Er schöpft aus dem Vollen. Seine Mittel sind unbegrenzt. Und im Gegensatz zu der Person, die da über die Vergabe von Mitteln entscheidet, bin ich für ihn kein „Fall“, keine gesichtslose „Versichertennummer“, die ihm ansonsten völlig egal ist. Er kennt mich und er ist ehrlich an meinem Wohlergehen interessiert. Weil es nicht nur sein „Job“ ist, sich mit mir zu befassen, sondern weil er es gerne tut. Er hört sich meine Bitte an und entscheidet so, wie es wirklich gut für mich ist.
Zum Glück ist Gott kein Verwaltungsangestellter mit Budgetvorgaben. Er schöpft aus dem Vollen. Seine Mittel sind unbegrenzt.
„Ich danke Gott! Er hat mein Gebet nicht abgewiesen und mir seine Güte nicht verweigert“ (Psalm 66,20), Gute Nachricht), heißt es in einem Lied in der Bibel. In dem Text schildert der Dichter, wie Gott ihn durch Prüfungen schickt und ihn Schweres aushalten lässt, aber gleichzeitig in der Not für ihn da ist. Gott hat ein offenes Ohr für die Bitten aller, die sich auf ihn verlassen. Ich darf mich jederzeit an ihn wenden und kann mir sicher sein, dass mein Anliegen bei ihm gut aufgehoben ist. Vielleicht entscheidet er darüber nicht so, wie ich es will. Aber er wird mir auch nicht um die Ohren schlagen, dass das alles großer Quatsch sei. Gott weiß, was für mich gut und ist und wird mir alles gewähren, was das Gute fördert.
Gott weiß, was für mich gut und ist und wird mir alles gewähren, was das Gute fördert.
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