03.04.2026 / Theologie
Am Kreuz zeigt sich Gottes Liebe
Was ist der größte Liebesbeweis? Nicht Romantik, sondern das Kreuz: Jesus stirbt für dich. Gedanken zu Karfreitag.
Was ist der größte Liebesbeweis, den es gibt? Vielleicht ein Soldat, der für seine Kameraden sein Leben lässt? Oder eine Mutter, die alles aufgibt, um ihr Kind zu retten? Oder auch Jack und Rose auf der Titanic? Das alles sind beeindruckende Beweise von tiefer Liebe.
Solche Liebesbeweise können sehr tragisch sein wie auf der Titanic – ich bin mir sicher auf der Tür wäre Platz für zwei gewesen! Aber auch recht unspektakulär, wenn man einen wichtigen Termin absagt, um für den kranken Ehepartner da zu sein.
Doch all diese Geschichten kommen niemals an das heran, was an Karfreitag passiert ist. Da kommt jemand auf die Welt, der behauptet Gott zu sein, und dann stirbt er. Aber er stirbt nicht einfach so. Er stirbt auf eine der brutalsten Art und Weisen, wie Menschen umgebracht werden können – durch eine Kreuzigung. Wieso ist das so ein großer Liebesbeweis und warum ist sein Tod überhaupt notwendig?
Was ist die Kreuzigung?
Zuerst schauen wir uns aber den Tod von diesem Menschen genauer an. Jesus wurde gekreuzigt. Diese Hinrichtungsart war vor allem bei den Römern sehr beliebt, da sie öffentlichkeitswirksam war. Das bedeutet: Sie fand immer an Orten statt, an denen jeder gut sehen konnte, wie schmerzhaft es ist, am Kreuz zu sterben.
Meist wird der Gekreuzigte dabei nackt an das Kreuz gebunden oder durch das Fersenbein und Unterarm ans Kreuz genagelt. Die Folge war eine lange Leidenszeit, bei der am Ende die Lunge kollabiert, was zum Ersticken führt. Hin und wieder wurde die Leidenszeit verkürzt, indem die Beine gebrochen wurden. So zerreißt die Lunge schneller.1
Warum Jesus am Kreuz stirbt
Laut der Bibel hat Jesus diesen Tod freiwillig gewählt. Die Bedeutung seiner Kreuzigung für uns Menschen wird in der Theologie bis heute diskutiert. Das ist verständlich, denn wieso sollte Gott das sich selbst, beziehungsweise seiner menschlichen Gestalt antun? Warum sollte Gott sich auf den Weg zur Erde machen, nur um dort so zu sterben?
Johannes und Matthäus berichten an mehreren Stellen in ihren Evangelien davon, warum Jesus stirbt:
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ (Johannes 12,24)
„Am folgenden Tag sieht er Jesus zu sich kommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!“ (Johannes 1,29)
„Und er nahm einen Kelch und dankte und gab ihnen den und sprach: Trinkt alle daraus! Denn dies ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ (Matthäus 26,27)
All diese Verse arbeiten mit Allegorien und Bildern und wir sollten sie heute unter Bezugnahme auf die damalige jüdische Kultur deuten. Tun wir das, ist die dahinterstehende Kernaussage klar: Jesus ist gestorben, damit Schuld vergeben wird – meine und deine.
Jetzt kenne ich dich und deine Situation nicht, aber vielleicht fragst du dich: Was habe ich denn so Schlimmes getan, dass dieser Jesus glaubt, für mich sterben zu müssen? Dies ist eine berechtigte Frage! Immerhin gibt es deutlich schlimmere Menschen als mich oder dich.
Auch generell sind wir als Menschheit über das Denken hinausgekommen, dass Blut vergossen werden muss, um eine böse Tat zu sühnen. Für tausende von Jahren war es üblich, nach dem Motto „Auge um Auge – Zahn um Zahn“ zu leben. Also dem Täter das zuzufügen, was er dem Opfer angetan hat. Doch für uns heute ist klar: Das ist eine veraltete Vorstellung! So wurde die letzte Todesstrafe in der Bundesrepublik 1949 durchgeführt.
Insgesamt werden rechtliche Strafmaßnahmen in der heutigen Zeit eher als Abschreckung, Anreiz zur Besserung oder Schutz der Bevölkerung gesehen. Dass dadurch wirklich Schuld abgegolten wird wie etwa nach Denkweise der Bibel, steht heute nicht mehr so im Fokus – und wird zum Teil auch kritisiert, wenn nach schweren Straftaten härtere Strafen von der Öffentlichkeit gefordert werden?
Warum also braucht Gott unbedingt das menschliche Opfer? Wieso kann er nicht einfach so Schuld vergeben? Es ist doch allmächtig.
Vielleicht haben wir aber auch eine falsche Vorstellung davon, in welche Kategorie unsere eigene Schuld fällt.
Mehr als ein Strafzettel
Um das zu erklären, möchte ich dir ein Beispiel erzählen. Stell dir vor, ich fahre mit meinem Auto nachts nach Hause, das letzte andere Auto habe ich vor 5 Minuten gesehen, da ich auf der Landstraße in der letzten Ecke Deutschlands lebe. Nun kommt eine Kreuzung auf der Landstraße und die Ampel ist rot. Weit und breit ist kein Auto in Sicht. Da ich müde bin, fahre ich trotzdem über die Ampel.
Doch den Polizisten am Straßenrand habe ich übersehen. Jetzt müsste ich eine Strafe zahlen. Das wäre gerecht, doch der Polizist macht sein privates Portemonnaie auf und bezahlt für mich mein Knöllchen.
Viele Menschen haben die Vorstellung, dass Jesus am Kreuz so gehandelt hat, wie dieser Polizist. Doch wie dramatisch wäre es, wenn das wahr wäre!
Dann hätten wir einen bestialischen Gott, wenn man sich die Schmerzen von Jesus am Kreuz anschaut. Denn was für ein schwacher Gott wäre das? Ein Gott, der sich Regeln unterwerfen muss und wegen einer kleinen Gesetzesübertretung einen Menschen ans Kreuz nageln lässt, selbst wenn es sein eigener Sohn ist? Ein Gott, der nicht ohne Sühne vergeben kann?
Jesu Tod war kein Versehen
Doch schauen wir uns noch einmal genauer an, was Jesus in den obengenannten Versen gesagt hat. Sie alle verdeutlichen: Der Tod Jesu war kein Versehen, keine unerwartete Wendung und auch kein Versagen politischer Anführer.
Der Tod Jesu war von Anfang an der Plan! Er ist auf die Erde gekommen, um zu sterben.
Bei seinem Tod macht Jesus das auch klar: „Danach, da Jesus wusste, dass alles schon vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet! Es stand da ein Gefäß voll Essig. Sie legten nun einen Schwamm voller Essig um einen Ysop und brachten ihn an seinen Mund. Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: ‚Es ist vollbracht!‘ Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.“ (Johannes 19,28-30)
Jesus wusste, dass sein Auftrag vollbracht ist. Der Begriff, der hier im Griechischen verwendet wird, kann mit verschiedenen Bedeutungen gefüllt werden:
- Einmal kann er bedeuten, dass ein Plan ausgeführt und zu Ende gebracht wurde. Damit unterstreicht er, dass es kein Versehen, sondern geplant war, dass Jesus stirbt.
- Dann bedeutet der Begriff auch, dass eine „Verpflichtung erfüllt ist“, sprich dass die Schulden abbezahlt sind. Oft wurde er auch dafür verwendet, dass ein Sklave die Schuld für sein Leben an seinen Herren gezahlt hat und sich damit freigekauft hat.
- Zudem wurde der Begriff von Priestern verwendet, wenn sie ein Opfer dargebracht haben, oder wenn neue Priester eigesetzt wurden.2
Jesus nimmt ganz bewusst die Opferrolle an, jedoch nicht in passiver Weise, sondern ganz aktiv. Er antwortet nicht mit mehr Gewalt auf die Gewalt anderer, sondern hält auch die andere Wange hin. Das typische Verständnis damals war es, mit Gewalt auf Gewalt zu antworten. Doch Jesus lässt sich nicht nur schlagen, sondern auch töten für den Schmerz, den wir Menschen ihm und einander angetan haben.
Damit durchbricht er den Kreislauf der Gewalt, in dem sich die Menschen damals befunden haben und in den auch wir heute noch oft geraten.
Die wahre Tragik unserer Schuld
Jetzt fragst du dich vielleicht: Aber was hat das jetzt mit mir zu tun? Ist schön und gut, dass Jesus seinen Plan durchgezogen und den Kreislauf der Gewalt durchbrochen hat, aber welche Bedeutung hat das für mein Leben?
Hier kommen wir noch einmal auf die Ampel zurück. Stell dir vor: Es ist wieder Nacht und ich fahre in meinem Auto über die Landstraße. Ich komme an die Ampel ran, schaue mich um. Dieses Mal ist dort kein Polizist und ich fahre über die rote Ampel. Doch ich habe nicht gesehen, dass von links ein 40 Tonnen schwerer LKW mit 80 Sachen auf mich zurast. Die Chance, dass ich überlebe, wenn er mich trifft, ist null. Das ist der Preis meines Fehlverhaltens. Das ist das, was mir zusteht.
Doch was der LKW-Fahrer macht, ist dies: Er lenkt mit voller Absicht nach rechts, so dass er knapp mein Auto verfehlt, in dem Wissen, dass er so gegen einen gigantischen Baum fährt und dabei selbst sicher stirbt.
Ja, auch dieses Bild hat seine Schwierigkeiten, doch es zeigt eines: Gott ist nicht ein unbeteiligter Richter, der irgendein Gesetz erfüllen muss. Und es zeigt, dass mein Handeln zur Folge hat, dass jemand sterben muss.
Deswegen ein weiteres Beispiel: Stell dir vor, ich lüge einen guten Freund an. Im ersten Moment wirkt es nicht bedeutsam. Doch diese Lüge zerstört Vertrauen und damit unsere Beziehung. Selbst wenn mein Freund mir vergibt, bleibt es im Hinterkopf. Ich merke daran, dass selbst ein kleines Vergehen wie eine Lüge oder das Fahren über eine rote Ampel Folgen hat, die ich nicht direkt sehe.
Mein Fehlverhalten hat immer Folgen – oft solche, die ich nicht kontrollieren oder vorhersehen kann. Und im Extremfall kostet es Leben.
Wie Beziehung wieder möglich wird
Gott wünscht sich für uns ein Leben in guten Beziehungen voller Liebe, Freude und Hoffnung. Doch dem steht unsere Schuld im Weg. Der Tod von Jesus am Kreuz zeigt deswegen: Schuld ist nicht harmlos. Schuld zerstört Beziehungen. Schuld richtet sich gegen das, was Gott sich für uns gedacht hat.
Jesu Ausspruch „Es ist vollbracht“ heißt in diesem Kontext: Die Last der Schuld ist getragen. Nicht durch mich, sondern Jesus hat sie getragen.
Da Schuld reale Beziehungen und Leben zerstört, kann sie nicht einfach ignoriert werden. Ein nett gemeintes „Passt schon“ reicht eben nicht. Es braucht jemanden, der den Schaden auf sich nimmt. Das tut Jesus mit seinem Tod am Kreuz – und zwar aus Liebe zu dir und mir (vgl. Galater 2,20).
Jesu Ausruf „Es ist vollbracht“ wurde so zum größten Liebesbeweis der Menschheitsgeschichte. Und er kann auch für dich zur Realität werden. Nicht als Druck, sondern als Angebot. Du kannst frei zu Gott kommen und ihm deine Schuld hinlegen. Er hat sie am Kreuz getragen. Eine geheilte Beziehung zu Gott ist möglich.
1 vgl. Bd.4, S.1745; Sundermeier, T. u. a. (2001) „Kreuz/Kreuz Christi“, Religion in Geschichte und Gegenwart. 4., vollständig neubearbeitete Auflage. Herausgegeben von H.D. Betz u. a. Tübingen: Mohr Siebeck.
2 vgl. Bd.8, S.58ff: Delling, G. (1969) „τελέω“, Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament. Herausgegeben von G. Kittel und G. Friedrich. Stuttgart; Berlin; Köln; Mainz: Verlag W. Kohlhammer.
Das könnte Sie auch interessieren
17.06.2015 / Glaubens-FAQ
Warum musste Jesus sterben?
Braucht Schuld Sühne? Gedanken über das zentrale Symbol des christlichen Glaubens: das Kreuz.
mehr02.04.2026 / WortGut
Sühnetod und Stellvertretung (1/2)
Viele lehnen das Konzept des Sühnetodes Jesu ab. Oft sogar mit antijüdischen Tendenzen.
mehr19.04.2014 / Artikel
Kein schwacher Tag Gottes!
Warum Karfreitag viel über Gottes Leidenschaft verrät.
mehr30.03.2018 / Artikel
Das Ende einer steilen Karriere?
Warum der Tod Jesu am Kreuz der erste Schritt ins ewige Leben ist.
mehrOstern
Tage der Trauer, Tage der Freude
Tage der Trauer, Tage der Freude: Hier finden Sie Impulse zur Passions- und Osterzeit.
mehr25.03.2016 / Artikel
Wieso Karfreitag?
Karfreitag gilt als wichtigster Feiertag der Christenheit. Aber was bedeutet er?
mehr26.09.2019 / ERF Plus spezial
Kreuz ist Trumpf
Pfarrer Ulrich Parzany zeigt, warum das Kreuz das wichtigste Symbol für Christen ist.
mehr29.03.2026 / In Touch
Dem Kreuz begegnen
Charles Stanley spricht über das Wesen und die Bedeutung des Kreuzes.
mehr