Lebensbericht

Süchtig nach Pornographie

Frauen waren für Sebastian Hartmann nur noch Sexobjekte. Um seine Beziehung zu retten, will er raus aus der Sucht.

Ich war gerade sechs Jahre alt, als ich das erste Mal mit pornographischem Material in Berührung kam. Es war eine Zeitschrift in einem Mülleimer auf unserem Spielplatz hinter dem Haus. Ich konnte damals noch nicht sagen warum, aber die Bilder faszinierten mich und öffneten in mir einen Raum für Gedanken, die ich eigentlich noch gar nicht hätte haben sollen. Mein erster Kontakt zur Sexualität geschah also über Pornos, bevor meine Eltern überhaupt die Chance hatten, mir ein gutes Bild von Sexualität zu vermitteln.

Viele Jahre lang war ich süchtig nach Pornographie. Es begann scheinbar harmlos mit der Suche nach Zeitschriften im Mülleimer oder dem Durchstöbern des Unterwäschekatalogs, wurde aber durch das Internet zu einem massiven Problem. Es gab Zeiten, in denen ich zwei bis dreimal täglich Pornographie konsumierte und mich dabei nicht einmal schlecht fühlte. Es war schließlich normal in unserer Gesellschaft und die meisten Christen sprachen nicht darüber. Ich hatte sehr viele Rechtfertigungen parat, um mir als gläubigem Menschen einzureden, dass es in Ordnung sei. Ich erkannte aber nicht, dass ich immer tiefer in einen Abgrund rutschte.

Ein verheimlichtes Problem

Mit meinem Problem bin ich nicht allein: Laut einer Statistik des Weißen Kreuzes konsumieren fast zwei von drei Christen sehr regelmäßig Pornos – also mindestens einmal monatlich. Nur 3% der Männer konsumiert nie Pornographie.

Pornographie hat eine unglaubliche Macht, die viele Menschen unterschätzen. Immer mehr Studien, vor allem aus Amerika, belegen die zerstörerische Auswirkung von regelmäßigem Pornographiekonsum auf das menschliche Gehirn. Forscher sprechen von ähnlichen Auswirkungen wie beim Konsum von Heroin. Darüber hinaus löst Pornographie in manchen Fällen sogar Potenz- und Erektionsstörungen aus.

Der Kampf mit der Sucht

Mein Pornokonsum belastete meine damalige Beziehung sehr stark. Wir gerieten deshalb immer wieder in heftigen Streit. Auch meine Sicht auf Frauen hatte sich in den zehn Jahren meiner Abhängigkeit unbewusst verändert. Eine hübsche Frau in der Stadt zu sehen, bedeutete automatisch, zu denken, dass ich sie auch „besitzen“ könnte. Frauen waren in meinen Gedanken reine Sexobjekte — so brutal das klingt. Ich hatte ständig pornografische Fantasien mit wildfremden Frauen, die ich unterwegs traf. Das alles löste in mir aber noch nicht den Wunsch aus, mit Pornokonsum aufhören zu wollen. Heute glaube ich, dass es Gott war, der mir immer mehr deutlich machte, wie gefangen ich war. Plötzlich wollte ich das nicht mehr. Allerdings wusste ich nicht, wie ich es alleine schaffen sollte. Leider fehlten mir damals starke Vorbilder.

In all den Jahren meiner Abhängigkeit von Pornographie traf ich nicht einen Mann, der mir versichern konnte, dass er davon vollständig losgekommen wäre. Alle, die ich dazu befragte, sagten, sie hätten damit zu kämpfen und dass es auch bis an mein Lebensende so bleiben würde. Niemand machte mir Hoffnung.

Eines Abends lag ich im Bett und schrie zu Gott und sagte ihm, dass ich nicht aus dem Bett aufstehen würde, bevor ich nicht frei von meiner Sucht wäre. Am nächsten Morgen spürte ich, dass etwas anders war. Das Verlangen war nicht einfach weg, aber ich bemerkte eine Veränderung in mir. Der zwanghafte Drang nach Pornokonsum verschwand, allerdings musste ich noch lernen, meine Gewohnheiten zu verändern.

Gott deckte nach und nach die Auslöser für mein Verlangen auf. Ich begriff, dass mein Pornokonsum Ausdruck eines tiefen Mangels und einer Unzufriedenheit mit mir selbst war. Ich konsumierte immer dann Pornos, wenn ich mich einsam, wütend, traurig oder gelangweilt fühlte. Ich musste nun damit kämpfen in diesen Situationen nicht mehr in meine alten Gewohnheiten zurückzufallen, sondern meine Aufmerksamkeit stattdessen auf Gott zu richten.

Der Kampf gegen die Abhängigkeit dauerte etwa drei Jahre und war sehr schwer für mich, da Pornokonsum vorher ganz selbstverständlich in meinen Alltag gehört hatte. Ich musste lernen, die Zeiten, in denen ich vorher Pornos geschaut hatte, anders zu füllen. Ich las viel in der Bibel und erkannte, dass ich für Gott wertvoll bin und er mich bedingungslos liebt. Statt im Internet zu surfen, betete ich sehr lange und erlebte jedes Mal, wie Gott mir neue Kraft gab. Seit mehr als 2 Jahren bin ich völlig frei von meiner Pornosucht – und auch mein Blick auf Frauen hat sich radikal verändert. Heute muss ich nicht mehr gegen zwanghafte sexuelle Fantasien mit ihnen ankämpfen.

Wirklich frei

INFO: Den Onlinekurs und alle nötigen Informationen finden Sie unter www.free-indeed.de
Hier geht es zu unserem Artikel „Wege aus der Pornofalle“. 
Weitere Informationen und Hilfe bekommen Sie in unserem Workshop „Ausweg aus der Sexsucht.

Im Dezember 2016 gründete ich mit drei anderen Männer, die einen ähnlichen Weg hinter sich hatten, den Verein free!ndeed e.V. Dieser hilft Männern (und Frauen) auf biblischen Grundlagen, sich aus den Fängen der Abhängigkeit von Pornographie zu befreien. Angeboten werden Onlinekurse mit Tipps zum Umgang mit der Versuchung nach Pornokonsum, Erfahrungsberichte von Betroffenen und Seminartage.

Oft begegnen mir Männer, die aufgeben wollen, weil der Kampf gegen die Sucht so schwierig ist. Ich kann sie gut verstehen, aber ich habe selbst erlebt, dass es möglich ist, davon loszukommen - mit Gottes Hilfe.  Heute kann ich aus voller Überzeugung sagen: „Wenn der Sohn euch frei macht, seid ihr wirklich frei!“ (Joh. 8,34-36).
 

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