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© Gerth Medien

03.08.2022 / Buchrezension / Lesezeit: ~ 4 min

Autor/-in: Hanna Willhelm

Picknick in der Badewanne

Elisabeth Vollmers Vorlesebuch macht Spaß und sorgt für ein gutes Familienklima.


Elisabeth Vollmer ist ein Familienmensch. Das macht ein Blick in die Widmung ihres neu aufgelegten Buches „Picknick in der Badewanne“ klar: Neben ihrem Mann und ihren drei Kindern erwähnt sie dort auch ihre sechs Geschwister und bedankt sich bei ihren Eltern mit einem „Vergelt‘s Gott!“.

Kein Wunder, dass die Religionspädagogin aus dem Vollen schöpfen kann, wenn sie Geschichten für Kinder und Familien schreibt. 2022 hat Gerth Medien nun ihr bereits 2014 erschienenes Buch „Picknick in der Badewanne. 24 Vorlesegeschichten für die ganze Familie“ neu aufgelegt. Im Mittelpunkt der Erzählungen stehen Anke und Christian Schreiber mit ihren drei Kindern Lena, Silas und Julia.
 

Für Vor- und Grundschulkinder geeignet

In jeder Geschichte rückt ein anderes Schreiber-Kind mit dem, was es erlebt, in den Mittelpunkt. Weil Lena, Silas und Julia unterschiedlich alt sind, decken die Geschichten die Fragen und Bedürfnisse unterschiedliche Altersklassen ab. Das geschieht allerdings so, dass es für die jeweils andere Gruppe nicht langweilig oder überfordernd wird. Hier ist der Autorin auf natürliche Art und Weise ein guter Spagat gelungen.

Die Altersempfehlung vom Verlag liegt bei 4 – 10 Jahren, persönlich würde ich es ab fünf Jahren empfehlen. Trotzdem macht die Bandbreite der Geschichten das Buch gerade für die Eltern interessant, die Kinder vom Vorschul- bis zum späten Grundschulalter gleichermaßen mit ins Vorleseboot nehmen möchten. Unser Großer mit seinen neun Jahren meinte, dass selbst die Geschichten für die Kleineren auch für ihn spannend und lustig waren und selbst wir Eltern haben öfters ein Tränchen vor Lachen oder vor Rührung weggedrückt.

Aber nicht nur die Altersspanne ist vielseitig, die angesprochenen Themen sind es auch. Da geht es beispielsweise darum, wie man mit Angst umgehen kann („Silas und der Wolf“), wie gegenseitiger Respekt zwischen Eltern und Kindern aussieht („Völlig normal, peinlich genial“) oder warum es wichtig ist, dass man Fehler zugibt und sich gegenseitig verzeihen kann („Das Huhn“).

Auch einige schwierige Lebensbereiche wie der Tod („Die Holzkiste ist das Ei“) oder Kinder mit Behinderungen („Ein ganz besonderer Engel“) werden angesprochen. Etwa jede zweite Geschichten ist mit einer liebevollen, lustigen schwarz-weißen Zeichnung illustriert. Das macht das Buch auch optisch ansprechend.
 

Ein wohltuendes Buch für eine turbulente (Familien-) Welt 

Außerdem gehört zu jedem Kapitel eine Verständnisfrage zum Inhalt (bei der unsere Jungs jeweils darum gewetteifert haben, wer sie beantworten darf), eine Frage, die zum gemeinsamen Nachdenken über das jeweilige Thema anregen soll, und ein praktischer Tipp, der in die Tat umgesetzt werden kann. Letzteren haben wir als Familie kaum umgesetzt, weil wir die Geschichten jeweils einfach nur zum Abendbrot vorgelesen haben.

Wer es aber gerne kreativ mag, findet hier vom Bratapfelrezept bis hin zu Bastel- und Spielideen schöne Anregungen. Auch die Impulsfragen haben wir als Familie nicht sehr intensiv miteinander besprochen. Bei mir als Mutter ist trotzdem der eine oder andre Gedanke daraus hängen geblieben.

Was ich an „Picknick an der Badewanne“ insgesamt besonders geschätzt habe, ist die Atmosphäre, die das Buch in einer Familie schaffen kann. Denn es geht in den 24 Geschichten nicht in allererster Linie um die Vermittlung von Moral oder von Wissen über den christlichen Glauben. Stattdessen steht bei allen Texten stark die Frage im Raum: Wie möchten wir als Familie zusammenleben? Was hilft uns dabei? Was macht uns eigentlich als Familie aus und warum ist es toll, dass gerade wir eine Familie sind?

Das alles passiert, ohne dass dabei ein unerreichbares Familienideal vorgezeichnet wird. Lena, Silas und Julia und ihre Eltern Anke und Christian sind Personen mit Ecken und Kanten. Mal sind die Kinder die Lernenden, mal sind es die Eltern. Immer aber geschieht das unaufdringlich und ohne dass man als Leser das Gefühl bekommt: „Achtung, aufgepasst! Hier sollst Du etwas lernen!“ 

Diese Ausrichtung in Kombination mit der Fähigkeit, eine positive Familienatmosphäre zu verbreiten, ist in meinen Augen die große Stärke des Buches. Inmitten eines trubeligen und manchmal überfordernden Familienalltags ist das Buch einfach wohltuend.

Der christliche Glaube der Familie Schreiber spielt in „Picknick in der Badewanne“ übrigens bloß indirekt eine Rolle. Nur in wenigen Geschichten kommt er ausdrücklich zum Tragen. Das macht das Buch auch für Familien interessant, die sich selbst nicht als sonderlich fromm bezeichnen würden.

Andererseits finden gläubige Eltern durch die Erzählweise und die Impulse der Geschichte Anregungen, wie sie ihren Glauben ganz praktisch und auf natürliche Art und Weise im Familienleben umsetzen können.
 

Fazit

Es macht Spaß und erwärmt das Herz, „Picknick in der Badewanne“ gemeinsam zu lesen. Gerade in Zeiten von Corona und weiteren weltweiten Krisen scheint in den Vorlesegeschichten etwas davon durch, was einer Familie Kraft geben kann und was sie bei allem Geschwisterstreit und Elternfrust doch so einmalig macht!

Und zum Schluss: So ganz erfunden sind die Erlebnisse der Familie Schreiber nicht. Elisabeth Vollmer hat ungefähr die Hälfte davon mit ihrer Familie tatsächlich so erlebt. Welche Geschichten das waren, das verrät die Autorin allerdings nicht.

 Hanna Willhelm

Hanna Willhelm

  |  Redakteurin

Hanna Willhelm ist Theologin und Redakteurin im Bereich Radio und Online. Sie ist fasziniert von der Tiefe biblischer Texte und ihrer Relevanz für den Alltag. Zusammen mit ihrer Familie lebt die gebürtige Badenerin heute in Wetzlar und hat dabei entdeckt, dass auch Mittelhessen ein schönes Fleckchen Erde ist.

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