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03.09.2023 / Buchauszug / Lesezeit: ~ 4 min

Autor/-in: Jörg Berger

Ein Tiger kennt keinen Burnout

Jörg Berger erläutert in seinem neuen Buch, wie wir aus Erschöpfung herausfinden. 

Nach dem Feierabend endlich auf’s Sofa und am Wochenende mal wieder richtig ausschlafen. Sich auszuruhen kann kurzfristig erholsam sein. Aber was ist, wenn das nichts mehr bringt? Es leiden so viele Menschen unter chronischen Erschöpfungszuständen, dass man schon von einer neuen Volkskrankheit spricht. Kein Wunder, denn nach kräftezehrenden Pandemiejahren befinden wir uns schon mitten in der nächsten Krise.

Auch der erfahrene Psychotherapeut Jörg Berger befasst sich in seinem neusten Buch Die Anti-Erschöpfungsstrategie – 7 Wege zu innerer Kraft mit dem Thema Erschöpfung. Darin zeigt er, dass jeder eine Antwort auf die persönlichen Belastungen des Lebens finden und seinen Alltag wieder mit mehr Energie und Kraft genießen kann.

In den Kapiteln zeichnet Jörg Berger den Weg nach, den die meisten seiner Patientinnen und Patienten in ihrer Therapie gehen. Dieser Weg ist ganz individuell, aber in einer Hinsicht ähnelt sich das Happy End: Menschen leben am Ende im Einklang mit sich selbst und ihrer Umwelt. Vorbild für eine solche Lebensweise ist der Tiger. Er ist auch das Titelsymbol auf dem Buchcover.

Lesen Sie hier einen Buchauszug aus Die Anti-Erschöpfungsstrategie – 7 Wege zu innerer Kraft.

 

Ein gelassenes Tiger-Leben

Der Tiger ist die Ruhe selbst, ob er döst oder in seinem geschmeidig-wiegenden Gang umherstreift. Wir ahnen dennoch seine Kraft. Auch wenn er gähnt und sich seine Lippen leckt, ist er präsent. Seine beweglichen Ohren folgen jedem Geräusch. Keinen Augenblick würden wir zweifeln, ob uns sein waches Auge entdeckt, wenn wir in seiner Nähe wären.

Ein Tiger ist zu Höchstleistungen fähig. Bis zu 100 Kilometer legt er am Tag zurück. Bis zu 52-mal am Tag paart er sich und kann fast 30 Kilometer weit schwimmen.

Doch all das tut er nur, wenn es nötig wird, in beutearmen Revieren, bei knappen Paarungsgelegenheiten oder nach einer Überflutung. Sonst setzt er seine Kräfte maßvoll ein. Seine Beute verfolgt er höchstens 200 Meter weit. Dann gibt er einfach auf. Der Tiger macht sich keinen Druck: „Was man anfängt, bringt man auch zu Ende.“ Er beschämt sich nicht selbst: „So ein Muskelpaket und nach 200 Metern schlapp machen. Wie peinlich.“

Er folgt stattdessen seinen Instinkten, die ihn in ein Gleichgewicht von Entspannung und beeindruckender Aktivität bringen. So lebt er in Einklang mit sich selbst und seiner Umwelt. Wann immer Ihr Blick auf das Cover fällt, könnte Sie dieser Gedanke entspannen.
 

Tiere kennen weder Stress noch Selbstdisziplin

Ein Tiger kennt keinen Burnout. Er kennt auch keinen Stress, solange kein Mensch in sein Revier eindringt. Doch der Mensch greift nicht nur verhängnisvoll in das Gleichgewicht anderer Lebewesen ein. Er ist selbst nicht besonders gut darin, im Einklang mit sich und seiner Umwelt zu leben.

Darin liegt der tiefste Grund von Erschöpfung. Wer gegen die eigenen Bedürfnisse lebt, überanstrengt sich und muss die Frustration bewältigen, die ungestillte Grundbedürfnisse hervorrufen. Menschen können das eine Weile aushalten, doch irgendwann gehen ihnen die Kräfte aus.

Wenn wir uns in einem passenden Umfeld bewegen, sind wir voller Lebensfreude, Kreativität und Kraft. Auch das begegnet uns in der Tierwelt. Wenn wir Pinguine auf dem Land beobachten, schmunzeln wir über ihre Unbeholfenheit. Doch unter Wasser schießen sie pfeilschnell davon und beeindrucken mit akrobatischer Beweglichkeit. Es kommt ganz auf die Umwelt an, welche Figur wir machen und wie viel Kraft wir freisetzen können.

Mir fällt kein Tier ein, das ich mit Selbstdisziplin in Verbindung bringen würde. Tiere mögen bienenfleißig sein, ausdauernd wie Zugvögel oder mutig wie Bärenmütter. Aber diszipliniert? Sie folgen doch nur ihrer Natur und müssen gar nicht gegen sich selbst arbeiten. Das sollte doch auch für uns Menschen möglich sein.
 

Leben im Einklang

Eine Anti-Erschöpfungsstrategie führt in einen Einklang mit sich selbst und seiner Umwelt. Dabei machen sich Menschen mehr bewusst, welches Umfeld sie für sich wählen. In allen Aufgaben, Beziehungen und Aktivitäten gibt es einen Spielraum, wo, wie und mit wem wir unser Leben verbringen.

Mehr als wir denken, können wir unser Umfeld beeinflussen und es für uns passender machen. Schließlich bestimmt auch unsere innere Haltung, was geschieht, wenn unsere Bedürfnisse und unsere Umwelt einmal nicht zueinander passen. Unsere innere Haltung können wir beeinflussen.

Diese Schritte gehen Menschen, die aus ihrer Erschöpfung herausfinden und wieder Kraft spüren. Dann passt ihr Leben immer besser zu ihrer Persönlichkeit und sie fühlen sich mehr in Übereinstimmung mit ihrer Umwelt, manche zum ersten Mal in ihrem Leben. [...]
 

Abschied von der Disziplin

Wäre der Tiger ein Mensch, wir würden ihn für wahrhaft diszipliniert halten. Er lässt sich nicht durch Geld und Ruhm verlocken. Er beschränkt sich auf das Wesentliche und genießt seine Freiheit. Wir könnten ihm Süßigkeiten, Fast Food, Alkohol und Zigaretten vorsetzen, er bliebe bei dem, was ihm die Natur bietet. Nur für das, was er wirklich braucht, setzt er sich mit voller Kraft ein.

Er muss sich nichts beweisen. Er braucht auch keine gesteigerten Erlebnisse. Ein warmer Platz in der Sonne reicht zu völligem Wohlbehagen. Ein Mensch gewordener Tiger würde vielleicht als Guru verehrt. Seine Lebensart kann inspirieren, obwohl wir wissen: diszipliniert ist er nicht. Er lebt nur nach seiner Natur.

Die Anti-Erschöpfungsstrategie

Was genau es ist, das uns erschöpft, und an welchen Stellschrauben können wir drehen, um etwas dagegen zu tun? In den folgenden Wochen finden Sie auf unserer Themenseite „Raus aus der Erschöpfung“ weitere Inhalte zur Anti-Erschöpfungsstrategie von Jörg Berger.

 

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