„Es tut mir leid. Kannst du mir bitte verzeihen?“ Fallen dir diese Worte auch so schwer? Um Entschuldigung zu bitten, ist nicht leicht. Unser Stolz, die Angst vor Zurückweisung oder das Gefühl, Schwäche zu zeigen, halten uns zurück.
Mal angenommen: Du hast etwas kaputtgemacht, was jemand anderes liebt: Die Lieblingstasse der Kollegin oder das gute Porzellanservice deiner Frau – oder das Lieblingskuscheltier deines Kindes hat nach einer Runde in der Waschmaschine nur noch ein Ohr.
Ganz sicher macht das den anderen traurig und vielleicht sogar sauer. Dir tut leid, was du getan hast, aber du weißt nicht, wie du dich richtig entschuldigen sollst. Vielleicht überlegst du hin und her, was du machen kannst, damit der andere dir verzeiht – gerade wenn es um mehr geht als zerbrochenes Geschirr oder ein kaputtes Stofftier. Wenn du verletzende Worte gesagt oder den anderen versetzt hast.
Eigentlich wissen wir alle, dass eine aufrichtige Entschuldigung kein Zeichen von Schwäche, sondern von Reife und Mut ist.
Und wir wissen auch, dass eine aufrichtige Entschuldigung Beziehungen heilen und stärken kann. Doch oft schrecke ich trotzdem davor zurück. Ich frage mich: Wie entschuldige ich mich richtig? Und dann mache ich es lieber gar nicht als falsch. Vielleicht geht es dir genauso.
In diesem Artikel gebe ich dir 5 Tipps an die Hand, wie du dich leichter entschuldigst – und zwar so, dass deine Reue beim anderen auch wirklich ankommt.
1. Übernimm Verantwortung für dein Tun!
Erinnere dich daran: Jeder macht mal Fehler – du genauso wie der andere. Wichtig ist nur, Verantwortung für seine Fehler zu übernehmen. Das bedeutet, den ersten Schritt zu machen und deinen Fehler offen einzugestehen. Du kannst zum Beispiel zu deiner Kollegin sagen: „Es tut mir leid, dass mir deine Lieblingstasse runtergefallen ist.“
Vermeide bei deiner Entschuldigung Ausreden und stehe zu deinem Handeln. Denn sobald du lange Erklärungen machst, gibst du dem anderen das Gefühl, dich nicht entschuldigen, sondern nur dein Verhalten rechtfertigen zu wollen.
Das gilt vor allem dann, wenn du nicht nur aus Versehen einen Fehler gemacht, sondern dich dem anderen gegenüber wirklich falsch verhalten und ihn eventuell sogar bewusst verletzt hast.
Die Bibel ermutigt uns: „Bekennt einander eure Sünden“ (Jakobus 5,16). Damit meint sie übrigens nicht nur, dass ich mein Fehlverhalten demjenigen beichte, der direkt dadurch benachteiligt ist, sondern dass ich auch vor anderen Menschen dazu stehe. Wenn etwa mehrere Personen von meinem Handeln betroffen sind, sollte ich bei allen ehrlich zu meinem Fehler stehen und mich bei jedem, den ich verletzt haben könnte, entschuldigen.
Wenn dir das schwerfällt, denk daran: Eine ehrliche Entschuldigung ist ein Zeichen von Stärke und Demut. Sie fördert deine persönliche Charakterentwicklung und stärkt das Miteinander.
2. Zeige Empathie!
Wenn du Empathie zeigst, versetzt du dich in die Lage des anderen. Du fragst dich dann, wie du dich fühlen würdest, wenn jemandem deine Lieblingstasse runterfällt. Und du erkennst an, dass die Sache für den anderen vielleicht eine größere Bedeutung hat als für dich. Du siehst eventuell nur eine Tasse, aber für den anderen ist dies ein Erinnerungsstück, das nicht ersetzt werden kann.
Du könntest deinen Entschuldigungssatz dann wie folgt erweitern: „Es tut mir leid, dass mir deine Lieblingstasse runtergefallen ist. Ich wusste nicht, dass sie für dich so eine große Bedeutung hat.“ Damit zeigst du deinem Gegenüber, dass es dir nicht nur leidtut, sondern dass du auch verstanden hast, wie sehr dein Verhalten ihn oder sie verletzt hat.
Wenn es um mehr als nur eine kaputte Tasse geht, lohnt es sich, hier noch einmal genauer nachzufragen. Vielleicht wunderst du dich, warum deine Ehefrau so verletzt reagiert, weil du den Abend nicht mit ihr verbringen willst. Oder warum dein Kollege so patzig reagiert, weil du eine Bitte um Hilfe brüsk abgelehnt hast.
Sobald du nachfragst, wirst du merken, dass meist mehr hinter einem Konflikt steht, als du dachtest.
Vielleicht hat deine Ehefrau Angst, du hättest generell kein Interesse daran, Zeit mit ihr zu verbringen. Oder dein Kollege fühlt sich allgemein überfordert und nun auch noch von dir im Stich gelassen.
Wenn du hörst, was den anderen im Inneren bewegt und wie dein Verhalten auf ihn gewirkt hat, tut es dir wahrscheinlich umso mehr leid und es fällt dir leichter, ihn um Entschuldigung zu bitten.
3. Biete Wiedergutmachung an!
Der nächste Schritt ist, eine Wiedergutmachung anzubieten. Im Fall einer kaputten Tasse ist das leicht. Du könntest einfach sagen: „Es tut mir leid, dass mir deine Tasse runtergefallen ist. Ich weiß, dass ich sie nicht vollständig ersetzen kann, aber wie wäre es, wenn ich dir eine neue kaufe?“
So zeigst du dem anderen, dass du deinen Fehler wiedergutmachen willst und dass dir eure Beziehung am Herzen liegt. Denn letztlich geht es nicht um die Tasse, sondern um eure Beziehung.
Jesus lehrt uns: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!“ (Matthäus 7,12). Daher: Wenn du dem anderen unkompliziert eine Wiedergutmachung anbieten kannst, tue es. Das zeigt ihm oder ihr, dass du es ehrlich mit deiner Entschuldigung meinst.
Oft ist es aber nicht so einfach. Ein böses Wort kannst du nicht zurücknehmen, ganz gleich, wie oft du dich entschuldigst.
Genauso wenig kannst du rückgängig machen, wenn du einen Menschen verletzt oder enttäuscht hast. Diese Erfahrungen bleiben und sie graben sich oft tief in die Seele eines Menschen ein.
Hier solltest du daher mit Angeboten zur Wiedergutmachung vorsichtig sein. Sonst geht das nach hinten los. Besser als von dir aus eine Wiedergutmachung anzubieten ist, ist es, in solchen Fällen zu sagen: „Ich weiß, dass ich dich tief verletzt habe. Was kann ich tun, um dir zu zeigen, dass ich mein Verhalten ehrlich bereue?“
Vielleicht wird dein Gegenüber erstmal über deine Worte nachdenken müssen. Doch dann fällt ihm oder ihr im besten Fall etwas ein, was das gegenseitige Vertrauen zwischen euch wieder in Ordnung bringt. Es kann jedoch auch sein, dass der andere verletzt „Nichts“ sagt, dann gib ihm Zeit und halte die Tür zur Versöhnung auf deiner Seite offen.
4. Versprich, dein Verhalten zu ändern!
Wiedergutmachung anzubieten, reicht oft nicht. Wenn du dem anderen zeigen willst, dass du wirklich Verantwortung für dein Handeln übernimmst, braucht es mehr. Denn nur wer aus seinen Fehlern lernt und negative Verhaltensmuster ändert, ist sich seiner Verantwortung anderen gegenüber bewusst.
Daher überlege dir gezielt, was du beim nächsten Mal besser machen kannst, und benenne das auch vor dem anderen. In unserem Beispiel etwa könntest du sagen: „Ich werde daran arbeiten, vorsichtiger mit deinen Sachen umzugehen, wenn ich sie benutze.“ Das unterstreicht deine Aufrichtigkeit und zeigt deinem Mitmenschen, dass er dir etwas bedeutet.
Immens wichtig ist hierbei: Mach nicht nur große Sprüche, sondern halte deine Versprechen auch ein! Wenn du unsicher bist, ob du ein Verhalten wirklich ändern oder abstellen kannst, kommuniziere auch das.
Etwa durch den Zusatz: „Sollte mir das nicht gelingen, tut mir das leid. Dann weise mich gerne darauf hin.“
Bist du unsicher, wie du dich beim nächsten Mal besser verhalten könntest, kannst du hier wieder wie im letzten Schritt den anderen um ein Feedback bitten. Sehr wahrscheinlich wird er dir sagen können, wo er sich eine Veränderung von dir wünscht.
5. Bitte um Vergebung!
Last but not least: Bitte den anderen um Verzeihung. Das könntest du so formulieren: „Kannst du mir vergeben, dass mir deine Tasse runtergefallen ist?“ Mehr ist gar nicht nötig, aber oft fällt uns genau dieser Satz am schwersten.
Wenn das bei dir auch so ist, übe bei Kleinigkeiten bewusst ein, um Verzeihung zu bitten. Das stärkt zum einen deine Beziehungen, selbst wenn du es in Situationen tust, wo der andere gar keine Entschuldigung von dir erwartet. Zum anderen hilft es dir, in Situationen, wo du nur durch das Aussprechen dieser Worte eine Beziehung kitten kannst, dann auch wirklich den Mut dafür zu finden.
Der Apostel Paulus erinnert uns: „Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus“ (Epheser 4,32). Dazu gehört aber auch, dass dir die Worte „Kannst du mir bitte verzeihen?“ über die Lippen kommen.
Am Ende heißt es: Mutig sein
Gründe für eine Entschuldigung kann es viele geben. Dir kann ein Versehen oder Missgeschick passiert sein oder du hattest eine handfeste Auseinandersetzung, in der verletzende Worte gefallen sind. In jedem Fall ist es wichtig, dass du deine Fehler einsiehst und dich dafür zeitnah entschuldigst.
Eine ehrliche Entschuldigung muss nicht kompliziert sein. Wie in dem Beispiel reicht ein einfaches „Es tut mir leid, dass ich deine Tasse kaputt gemacht habe. Ich weiß, wie viel sie dir bedeutet hat“ oft schon aus, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen.
Indem du dich entschuldigst, übernimmst du Verantwortung und zeigst dem anderen deine Wertschätzung.
Du zeigst ihm, dass für dich nicht nur der materielle Wert zählt, sondern dir vor allem seine Gefühle und eure Beziehung wichtig sind. Dies einem anderen Menschen zu vermitteln, ist unbezahlbar.
So stärkst du das Band zwischen euch und ermöglichst, dass eure Beziehung über Konflikte hinaus Bestand hat. Das ist mehr wert als jede Tasse.
Ihr Kommentar
Kommentare (1)
Sehr beherzigendswert. Ich stoße mich allerdings am Wort "Entschuldigung". "Ent-schuldigen" kann schließlich nur Gott alleine. immerhin kommen Sie am Ende des Artikels noch zum Thema … mehr"um-Verzeihung-bitten". Ansosnten fällt mir dazu noch eine unrühmliche Erfahrung ein: Pfarrer scheinen sich bei diesem Thema noch schwerer zu tun als andere. Jedenfalls hat mir noch keiner von ihnen verziehen, wenn ich darum gebeten habe.