Wenn ich auf meinen Lebensweg bis heute zurückschaue, dann hatte ich so einige Neuanfänge. Ich bin etwas mehr als zehnmal umgezogen, habe dadurch vier verschiedene Schulen besucht und mindestens vier verschiedene Arbeitgeber gehabt.
Bei all diesen Neuanfängen hatte ich das Gefühl, dass sie mir nicht so leicht von der Hand gingen. Ebenso war ich kaum in „Juhu, endlich was Neues“-Stimmung, obwohl ich mich auf so manchen Wechsel gefreut habe. Gerade in jungen Jahren war vielmehr jeder neue Anfang mit einer gewissen Furcht verbunden. Die Sorge, ob es diesmal funktioniert. Wie die Menschen sind, die ich neu kennenlerne? Ob die neue Lebensstation den Wechsel wert war?
Neuanfänge können Freude machen
Im Laufe der Zeit wurde es dennoch einfacher. Ich habe Mechanismen erlernt, die mir helfen, mich auf das Neue einzustellen.
Aus der Last, immer wieder neue Leute zu treffen, ist die Freude gewachsen, neue Kontakte zu schließen und neue Menschen kennenzulernen.
Manchmal sage ich salopp und ungefiltert: „Ich mag keine neuen Menschen, bis ich sie kennenlerne“. Denn ich bin nicht gegenüber jedem neuen Menschen automatisch positiv eingestellt. Das gebe ich offen zu. Nicht jeder erste Eindruck verläuft gut und manchmal gehe ich auch Vorurteilen auf den Leim. Vielleicht habe ich etwas über einen Menschen gehört, wodurch ich ihm oder ihr gegenüber schon voreingenommen bin.
Gleichzeitig stelle ich fest, dass – wenn ich offen bin, neuen Menschen zu begegnen – es häufig ein Mensch ist, den ich gerne kennenlernen will. Mittlerweile machen mir Neuanfänge sogar Freude und der Satz „Aller Anfang ist schwer“ behält zwar seine Berechtigung, kommt aber seltener zum Tragen.
Die eigene Haltung ist entscheidend
So oder so: Neuanfänge bleiben schwer. Etwas neu lernen zu müssen oder zu wollen, ist selten einfach. Dennoch liegt darin eine große Chance. Ich habe für mich festgestellt, dass sich erste Schritte nicht immer schwer anfühlen müssen, sondern dass sie auch leicht sein können. Das hat viel mit meiner eigenen Einstellung oder inneren Haltung zu tun.
Halte ich das, was auf mich zukommt, für etwas Gutes? Auch das muss ich lernen. Es fängt damit an, dass ich innerlich offen für das werde, was da auf mich zukommt. Ich ändere eventuell sogar meine äußerliche Haltung, habe offene statt verschränkter Arme.
So kann auch mein Körper lernen, Neuem offener entgegenzutreten, statt sich schon äußerlich dagegen zu wehren.
Willkommenskultur leben
Gleichzeitig gibt es auch Umstände, die den Neuanfang einfacher oder schwerer machen. Wenn ich an meinen Start im ERF denke, bin ich immer noch fasziniert. Ich habe immer noch die Fotos von einem Willkommenstisch, der überreich mit vielen kleinen Giveaway, Süßigkeiten und Willkommensnachrichten gedeckt ist.
Das ist für mich „Willkommenskultur“. Und ich erlebe, dass viele meiner neuen Kolleginnen und Kollegen genauso wie ich vor einigen Jahren begrüßt werden: Überschwänglich, fröhlich, freudig.
Auch ihre Anfänge sind manchmal schwer: neue Umgebung, neuer Kollegenkreis neue Arbeitsstelle vielleicht sogar eine neue Wohnung an einem neuen Wohnort. Auch für sie ist aller Anfang schwer, aber nicht immer bleibt er schwer. Oder wird nicht als schwer empfunden, weil da Menschen sind, die schon da sind und sie willkommen heißen.
Neuanfänge lieben lernen
Persönlich freue ich mich schon auf meinen nächsten Neuanfang. Vielleicht lerne ich neue Menschen an meinem Wohnort, in der Gemeindearbeit oder in meinem politischen Engagement kennen. Ob in meiner Region, irgendwann bei einem neuen Arbeitgeber oder ganz woanders, ich bleibe gespannt.
Denn ich mag Neuanfänge, auch wenn sie mir am Anfang schwer erscheinen.
Ich habe den Gewinn erkannt, der in jeder neuen Erfahrung, jedem neuen Menschen, jeder neuen Umgebung liegt.
Wie geht es dir mit Neuanfängen? Läufst du fröhlich darauf zu oder bist du eher der gesunde Skeptiker? Ich wünsche dir, dass du allem Neuem mit einer gewissen Neugier begegnen lernst.
Ihr Kommentar
Kommentare (1)
Ich persönlich finde Neuanfänge immer sehr spannend und freue mich dementsprechend äußerst stark über die Chancen, die sich hierdurch ergeben. Mich haben Neuanfänge in der Regel immer positiv gepusht und waren rückblickend mehr als gewinnbringend.