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© Andreas Dress / unsplash.com

11.06.2022 / Theologie / Lesezeit: ~ 11 min

Autor/-in: Steffen Brack

Auf der Suche nach dem Ich (2)

Warum Sie für Gott unfassbar wertvoll sind.

 

Wer ich bin eigentlich? Der ERF-Redakteur und Theologe Steffen Brack hat diese Frage auch gestellt. Und stellt sie sich immer wieder einmal. Und er erfährt: Gott hilft mir dabei. Und er gibt mir Antworten. Antworten auf die Frage nach meiner eigenen Identität. Und was Gott uns zuspricht – über uns selbst  – das ist absolut wertschätzend. Und macht Mut. Hier der 2. Teil des Artikels.

Jesus und der Schöpfungsbericht

Jesus hat immer wieder einmal auf den Schöpfungsbericht Bezug genommen. Auf den Bericht in den ersten beiden Kapiteln aus dem ersten Buch Mose. Und dabei wird klar: Jesus versteht den biblischen Schöpfungsbericht als eine Historische Tatsache. Als eine Reihe von geschichtlichen Ereignissen, die auch tatsächlich geschehen sind.

Vor knapp 2.000 Jahren ist Jesus als Wanderprediger in Israel unterwegs. Auf seinen Reisen spricht er viel mit den Menschen über Gott. Einmal kommen ein paar absolute Bibelexperten zu Jesus. Und sie haben ein paar verzwickte Fragen zur Ehe im Gepäck. In diesem Zusammenhang zitiert Jesus wörtlich aus dem Biblischen Schöpfungsbericht:

Habt ihr nicht gelesen, was in den Heiligen Schriften steht? Dort heißt es, dass Gott am Anfang den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat. Und er hat gesagt: ›Deshalb verlässt ein Mann Vater und Mutter, um mit seiner Frau zu leben. Die zwei sind dann eins, mit Leib und Seele.‹ Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins (Matthäus 19,4-6; vgl. 1. Mose 1,27; 2,24).

Am Anfang hat Gott den Menschen geschaffen.“  – so argumentiert Jesus. Und diese offensichtlich geschichtliche Tatsache wirkt sich auf unsere Ehen heute immer noch aus. Auf unser heutiges Leben in Raum und Zeit. Und das ist eben deshalb so, weil die Erschaffung des Menschen auch ein geschichtliches Ereignis ist, das eben auch tatsächlich in Raum und Zeit stattgefunden hat. Das jedenfalls ist das Argument von Jesus. Und weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass Jesus zu 100% vertrauenswürdig ist, deshalb folge ich seinem Argument.

In dem ERF-Artikel In der Bibel gelesen … und Gott getroffen“ habe ich über die historische Zuverlässigkeit der Bibel noch etwas ausführlicher geschrieben. Wer sich dafür interessiert, kann sich dort gerne weiter informieren. Dabei sollte allerdings auch klar sein: der Biblische Bericht zur Erschaffung von Himmel und Erde ist kein naturwissenschaftlicher Bericht im heutigen Sinn. Damit will Gott uns also nicht im Sinn heutiger Naturwissenschaften erklären, wie er die einzelnen Details der unbelebten Materie und lebender Organismen erschaffen hat. Aber er will unbedingt, dass wir alle wissen: Er – Gott – hat das Universum und die Erde erschaffen. Und alles, was lebt. Und eben auch den Menschen. Also auch Sie und mich.

Deshalb meine ich: der Schöpfungsbericht der Bibel ist grundlegend für uns, wenn wir unserer Identität auf die Spur kommen wollen. Wenn wir mehr und mehr begreifen wollen, wer wir sind.

Wer ich bin als Mensch. Und wer ich bin mit meiner ganz eigenen, einzigartigen Persönlichkeit. Also hier nun einige Aussagen von den ersten Seiten der Bibel.

Ich lese aus dem 1. Buch Mose, Kapitel 1, aus den Versen 26 und 27: „Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich! So schuf Gott den Menschen nach seinem Bild, nach dem Ebenbild Gottes schuf er ihn. Und er schuf sie als Mann und als Frau.“

Hier geht es darum, dass der Mensch als ein Ebenbild Gottes geschaffen wurde. Im Hebräischen steht hier vor dem Wort „Bild“ od. „Abbild“ die Vorsilbe „be“. Das heißt so viel wie „in, auf, inmitten einer Menge, in einem Zustand“. Oder aber „in der Art und Weise von, nach der Weise von“. In den Versen hier bedeutet es also „in unserem Bild“ oder „nach unserem Bild, nach unserer Ähnlichkeit bzw. nach unserem Gesichtsausdruck“. Und zwar im Sinn von „Gott ähnlich“.

Das hebräische Wort für „Bild bzw. „Abbild“ heißt „zelem“. Es bezeichnet im Grunde genommen das „Standbild“ eines altorientalischen Königs, das er in seinem Herrschaftsgebiet aufstellen lässt. Damit wurde jedem Bewohner des Landstrichs angezeigt, wer hier herrscht. Ganz ähnlich klingt es nun auch bei der Erschaffung des Menschen an. Als Geschöpf „nach der Art und Weise“ Gottes setzt Gott den Menschen als seinen Repräsentanten in seine Schöpfung.

Und so heißt es entsprechnd in Vers 26: „Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen!“ Der Mensch wird uns hier als Herrscher über Gottes Schöpfung vorgestellt. Und zwar Mann und Frau gleichermaßen.

Denn es wird in den Versen 27 und 28 ausdrücklich betont:

Gott schuf sie als Mann und als Frau. Und Gott segnete die Menschen und sagte zu ihnen: »Seid fruchtbar und vermehrt euch! Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz! Ich setze euch über die Fische im Meer, die Vögel in der Luft und alle Tiere, die auf der Erde leben, und vertraue sie eurer Fürsorge an.

Aber eines ist dabei auch klar: Gott beauftragt die Menschen, Mann und Frau. Und er setzt sie als seine Bevollmächtigten ein über seine Schöpfung. Der eigentliche „König“ oder „Herrscher“ aber ist und bleibt Gott selbst. Wobei im Verlauf des Alten Testaments deutlich wird: „Herrschen als König“ bedeutet – wie im Alten Orient üblich – es bedeutet vor allem, dass der König für sein Volk sorgt. Für die ihm anvertrauten Geschöpfe. Oft wird dabei die Aufgabe des Königs mit der eines Hirten verglichen (Jes 44,28; Hes 37,24; Ps 78,71; 1 Mo 48,15).

Dabei wird in der Bibel auch betont, dass jeder Mensch nach Gottes Bild geschaffen ist – und nicht nur die ersten beiden. Also Gott ähnlich. Das gilt für jeden Menschen, auch für Sie und mich. Ein Beispiel aus dem Buch der Sprüche: „Wer die Schwachen unterdrückt, beleidigt ihren Schöpfer. Wer Hilflosen beisteht, ehrt Gott“ (Sprüche 14,31).

Wer sich also an einem Menschen vergeht, der vergeht sich damit auch direkt an Gott. Der jeden Menschen erschaffen hat. Und zwar nach seinem Bild. Gott ähnlich. Jeder Mensch trägt als Geschöpf Gottes also eine ungeheure Würde in sich. Im Grunde genommen eine königliche Würde. Was auch in den Internationalen Menschenrechten ziemlich gut zur Geltung kommt. Etwa in dem Satz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“.

Ich war einmal in einer Gemeinde eingeladen. Für die Predigt im Gottesdienst. Psalm 8 habe ich damals ausgelegt. Das ist der Psalm von David, aus dem ich am Anfang schon zitiert habe:

Ich bestaune den Himmel, er ist das Werk deiner Hände, den Mond und alle die Sterne, die du geschaffen hast: Wie klein ist da der Mensch, wie gering und unbedeutend! Und doch denkst du an ihn – an den Menschen – und kümmerst dich um ihn!

Dann fährt David fort in Vers 6: „Gott, du hast den Menschen wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.“ Das ist eine steile Aussage. Ich bin von Gott geschaffen. Und von ihm mit einer solchen großen Ehre und Herrlichkeit gekrönt, dass er mich nur ein wenig niedriger erschaffen hat als sich selbst. David betont, dass der Mensch, jeder Mensch, von Gott „gekrönt“ wurde. Und zwar „mit Ehre und Herrlichkeit“. Und wer wird normalerweise gekrönt? Bekommt eine Krone aufs Haupt gesetzt? Könige und Königinnen.

David bringt hier aber nichts neues. Denn die königliche Würde jedes Menschen, davon ist schon im Schöpfungsbericht die Rede, wie ich gerade gezeigt habe. Gott hat uns eine königliche Würde verliehen. Und das gilt für jeden Menschen. Also auch für Sie, Ihre Nachbarn. Ja sogar für die Menschen, mit denen wir gar nicht so gut können.

Diese Aussage von David über die unfassbar hohe Würde von uns Menschen ist so unglaublich, dass manche Bibelübersetzungen sich auch redlich mühen, sie wieder etwas kleiner zu machen, annehmbarer. Und obwohl im Hebräischen Text von David eindeutig steht „wenig niedriger … als Gott“, versuchen sie das hebräische Wort für „Gott“ umzudeuten. Und übersetzen teilweise dann mit „Engel“ oder „Gottwesen“. Aber David schreibt hier eindeutig „wenig niedriger … als elohim“. Und „elohim“ heißt sonst in der Bibel immer Gott.

Nach dem Gottesdienst sprach mich dann auch jemand an und meinte: „Das kann doch nicht sein. Wir Menschen sind doch keine Königinnen und Könige.“ Ich meine, dass in der Bibel genau das deutlich wird. Der Mensch – jeder Mensch – egal wie alt, egal wo er wohnt, völlig egal wieviel Geld er oder sie hat, egal ob Mann oder Frau: jedem Menschen verleiht Gott diese königliche Würde. Denn jeden Menschen erschafft Gott höchstpersönlich selbst.

Das wird übrigens auch im Psalm 139 deutlich. Da schreibt David:

Gott, du hast mich mit meinem Innersten geschaffen, im Leib meiner Mutter hast du mich gebildet. Herr, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Großartig ist alles, was du geschaffen hast – das erkenne ich! Schon als ich im Verborgenen Gestalt annahm, unsichtbar noch, kunstvoll gebildet im Leib meiner Mutter, da war ich dir dennoch nicht verborgen (Psalm 139,13-15).

Jeder von uns ist, wie es David umschreibt, von Gott selbst „kunstvoll gebildet im Leib meiner Mutter“. Und das will ich für mich festhalten. Auch wenn ich jetzt mittlerweile schon älter bin, bald 60, und meine jugendliche Kraft und Schönheit schon größtenteils verblüht ist: Gott selbst hat auch mich im Leib meiner Mutter geformt. Mit einer großen Liebe zum Detail. Und zu mir. Und das gilt genau so auch für Sie. Gott kennt Sie, weil er Sie erschaffen hat. Und das hat er mit ganz viel Liebe getan.

Unerschütterlich geliebt

Das bringt mich zum Nächsten Punkt, der mir wichtig ist bei der Frage: Wer bin ich? Was bin ich? Und die vielen Aussagen in der Bibel lassen keinen Zweifel daran: Der Mensch, das ist jemand, der geliebt wird. Und zwar zuallererst von Gott geliebt wird. Und das gilt jedem Menschen. Da sind die Aussagen in der Bibel eindeutig.

Im Buch des Propheten Jeremia sagt Gott zu seinem Volk Israel: „Ich habe dich schon immer geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.“ (Jeremia 31,3) Aber Gottes Liebe gilt nicht nur dem Volk, das er erwählt hat. Sondern seine Liebe gilt tatsächlich allen Menschen auf der ganzen Welt. Eine Aussage aus dem Neuen Testament ist da absolut eindeutig:

Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab. Nun werden alle, die sich auf den Sohn Gottes verlassen, nicht zugrunde gehen, sondern ewig leben.

So in dem Bericht über Jesus, den der Augenzeuge Johannes verfasst hat (Johannes 3,16). Außerdem war Johannes einer der engsten Freunde von Jesus.

Leidenschaftlich gesucht

Nun sagen vielleicht manche: „Es ist ja ganz schön und gut, dass das in der Bibel steht. Dass ich von Gott geliebt bin. Aber ich merke gar nichts davon.“ Das kann ich total gut nachvollziehen. Ich habe auch lange nicht gewusst, dass ich für Gott so wichtig bin. So wichtig, dass er mir eine königliche Würde verliehen hat. So wertvoll für Gott, dass er mich wirklich gewollt hat. Und so ganz persönlich von Gott selbst erschaffen und gesehen. Dass das alles wirklich so ist, wurde mir erst klar, als Menschen um mich herum Christen geworden sind. Und mir dann erzählt haben, dass sie das jetzt alles selbst erfahren.

Damit Gottes Liebe bei uns ankommt und wir erfahren, dass wir so viel mehr sind als ein Staubkorn, verloren im Universum – damit Sie und ich das erfahren – hat Gott sich selbst auf die Suche gemacht. Auf die Suche nach uns. Nach Ihnen und nach mir. Jesus hat das einmal so erklärt: „Ich bin gekommen, um die Verlorenen zu suchen und zu retten.“

Jesus ist gerade nach Jericho gekommen. Vor zweitausend Jahren eine Stadt in Israel. Dort will ein reicher Mann unbedingt den berühmten Reiseprediger Jesus sehen. Aber der Mann ist klein. Und die vielen neugierigen Leute vor ihm sind viel größer. Und deshalb sieht er nichts. Der Mann heißt Zachäus. Und bei seinen Landsleuten ist er nicht sehr beliebt. Denn er verdient sein vieles Geld damit, dass er mit der Besatzungsmacht zusammenarbeitet. Mit den Römern. Er ist leitender Zollbeamter. Im Dienst des Römischen Imperiums.

Jetzt steht der kleine Mann da und sieht nichts. Doch Zachäus ist clever. Er läuft ein Stück weiter die Straße entlang bis zu einer Stelle, an der Jesus noch vorbeikommen soll. Und kurzerhand steigt er dort auf einen Baum. Und Jesus kommt auch tatsächlich dort vorbei. Und er sieht den reichen, kleinen, cleveren Mann auf dem Baum. Und Jesus spricht ihn an: „Zachäus, komm schnell runter, ich muss heute dein Gast sein!“ (Lukas 19,5).

Und Zachäus kann es kaum fassen. Jesus sieht ihn. Er sieht ihn sogar an. Ihn, den kleinen Mann. Ihn, den Volksverräter. Und Jesus spricht ihn auch noch an. Und Jesus weiß sogar, wie er heißt. Und voller Freude nimmt Zachäus Jesus mit zu sich nach Hause.

Jesus sieht den Zachäus. Und er sagt denen, die sich aufregen, weil Jesus sich mit einem Verräter wie Zachäus überhaupt abgibt, den Satz, den ich vorhin schon zitiert habe: „Ich bin gekommen, um die Verlorenen zu suchen und zu retten.“ Mit anderen Worten heißt das: „Deshalb bin ich doch da,“ sagt Jesus, „dass ich Menschen, die Gott verloren haben, dass ich Menschen wie Zachäus suche, sie anspreche und ihnen damit zeige, wie sehr sie von Gott gewollt sind. Wie sehr sie von Gott geliebt sind. Und wie dringlich sie von Gott gesucht werden. Damit sie zurückfinden in die Beziehung zu Gott, den sie schon lange verloren haben.“

Jesus verwendet hier den Ausdruck „verlorene Menschen“. Eine eher ungewöhnliche Wortkombination. Zumindest auf Menschen bezogen. Aber: „Verloren“ ist etwas doch, wenn es nicht auf seinem Platzt ist. Z.B. mein Haustürschlüssel. Und so ist das mit uns Menschen auch: wenn wir nicht an dem Platz sind, an den wir gehören – an dem wir gut aufgehoben sind – dann sind wir „verloren“. Und wenn ich mein Leben nicht mit Gott lebe, dann bin ich nicht am richtigen Platz. Denn bei Gott, bei ihm bin ich zu Hause, da bin ich sicher, dort werde ich geliebt, da bin ich gewollt und anerkannt. Bei Gott werde ich würdig behandelt.

Deshalb ist Gott der richtige Ort für uns Menschen. Für Sie genauso wie für mich. Und der Bericht über den reichen, kleinen und cleveren Zachäus ist eine eindeutige Einladung – damals genauso wie heute für uns. Eine Einladung von Gott. Der zu uns sagt: Ich sehe Dich. Ich kenne Deinen Namen. Ich suche Dich schon lange. Weil ich Dich unendlich lieb habe. Und weil Du mir total wichtig bist. Vertraue Dein Leben mir an. Mir, dem lebendigen Gott, der Dich gewollt hat, der dich liebt. Und der Dich sucht.

Hier finden Sie Teil 1 des Artikels.

 Steffen Brack

Steffen Brack

  |  Coach Evangelisation & Follow-Up

Theologe und Redakteur, verheiratet, drei Kinder. Begeistert von Gottes unerschütterlicher Liebe.

Ihr Kommentar

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Kommentare (2)

Steffen Brack, Redaktion ERF Theologie /

Ab 15:33 beginnt bei dem Audio der Teil 2 des Artikels.

F. S. /

Teil II zum Nachhören entspricht leider dem ersten Teil…

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