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© Andrea Piacquadio / pexels.com

15.01.2024 / Andacht / Lesezeit: ~ 3 min

Autor/-in: Joachim Bär

Nähe macht glücklich

Wo ist das Glück nach einer schlechten Nacht und vor 100 Aufgaben? Eine Antwort liefert ein Frühstück.


Samstagmorgen, Familienfrühstück. Duftend habe ich die Brötchen vor einer Weile aus dem Ofen gezogen, die Kaffeemaschine zischt leise. Eine Kerze verströmt ihr warmes Licht, die Akkorde ruhiger Musik finden ihren Weg aus dem Wohnzimmer zu uns. Die Kinder gesellen sich noch etwas schlaftrunken und in Schlafanzügen an den Esszimmertisch. Der ist gedeckt mit Obst und, wie bei uns üblich, mit unzähligen Aufstrichen. In letzter Zeit der Hit: ein heller Nussaufstrich, eine Art Nutella ohne Kakao, dafür mit mehr Haselnuss. 

Ich atme tief ein und nehme den Moment in mich auf. Er macht mich glücklich. Was komisch ist. Denn oft brauche ich kein Frühstück. Immer wieder esse ich erst zu Mittag, ich höre schon seit Jahren auf meinen Bauch. 

Außerdem brauche ich oft nicht viele Menschen, um glücklich zu sein. Ich komme gut mit mir zurecht und schätze Ruhe und die Zeit allein. 

Und doch: Dieser Moment macht mich glücklich. Ich weiß auch weshalb. Ich bin zusammen mit meinen Lieblingsmenschen. Ich bin denen nahe, die mir am wichtigsten sind – und denen ich am wichtigsten bin. 
 

Das Glück im Üblichen 

Das mag sich perfekt anhören, ist es aber nicht. Teilweise haben wir schlecht geschlafen, sind entsprechend müde. Wir unterhalten uns über die heutigen ToDos. Protest der Kinder. Vor uns stehen Einkaufen, Putzen, Montag ist Altpapier. Das Übliche eben. 

Ich halte den Moment für mich fest. Ist das Übliche vielleicht wertvoller, als es mir oft bewusst ist? Ist das Glück nicht gerade mitten im Alltäglichen zu finden?  

Ich atme noch einmal tief ein und sage mir: Du hast es gut, du bist ein glücklicher Mann. Zumindest jetzt, in diesem Moment bin ich glücklich, nahe bei meinen Lieblingsmenschen. 
 

Deine Nähe macht mich glücklich 

Diese Nähe erinnert mich auch an eine Aussage aus der Bibel. Da heißt es am Ende von Psalm 73: „Ich aber setze mein Vertrauen auf dich, meinen Herrn; dir nahe zu sein ist mein ganzes Glück“ (Psalm 73,28, Gute Nachricht Bibel).  

Da ist es wieder, dieses Nahe-Sein bei einem Lieblings-Gegenüber. Da ist jemand, der mich als seinen Lieblingsmenschen ansieht. Neben vielen anderen – zugegeben – und doch sieht Gott auf besondere Weise und wohlwollend auch auf mich. Er hat mich gewollt, ausgedacht und gemacht, so bezeugt es die Bibel. Es tut mir gut, seine Nähe zu suchen. 

Das hört sich wieder perfekt an, ist es aber nicht. In Psalm 73 zählt der Autor eine Reihe von Dingen auf, die ihm das Leben mehr als schwer machen. Erst danach schließt er mit der beglückenden Erfahrung, Gott nahe zu sein. 
 

Die Nähe will gesucht werden 

Auch für mich gilt: Diese Nähe zu Gott will gesucht und entdeckt werden. Im Üblichen, nach einer schlechten Nacht, zwischen den dringenden Aufgaben und mit all den Fragen, die ich habe. 

Aber sie ist da, diese Nähe. Und das Glück, das darin steckt. Deshalb atme ich tief ein und lasse auch diese Aussage auf mich wirken – und spreche unwillkürlich ein kurzes Gebet: „Dir nahe zu sein, Gott, ist mein ganzes Glück. Weil du jemand bist, der mich annimmt. Mir durch diesen Tag hilft, für mich kämpft, sich meine Beschwerden anhört. Es passiert so viel Gutes, wenn ich dir nahe bin. 

Danke, Gott! Deine Nähe macht mich glücklich.“ 

Wie ist das bei Ihnen? In welchen Momenten erleben Sie die Nähe Gottes? Oder fühlt er sich weit weg an? Vielleicht atmen sie einmal tief ein – und sprechen ein Gebet, das zu Ihnen passt. Es darf auch meines sein. Ich wünsche Ihnen Gottes Nähe. Und das Glück, das darin liegt. 

 Joachim Bär

Joachim Bär

  |  Unit Leader erf.de / Antenne

Koordiniert die übergreifenden Themen der redaktionellen Angebote des ERF. Er ist Theologe und Redakteur, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Ihr Kommentar

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Kommentare (3)

Walther /

Also,
ich behaupte ja, das kennen wir alle:
echter Kampf um Redlichkeit, Zugewandtheit, liebevolle, gerechte Anteile am täglichen Leben; der Familie, Schule, Gemeinde, kommunal wie christlich, mehr

Karsten /

Die Frage drängt sich auf: Wie empfinden Menschen in tiefem Leid, in Verfolgung, in Todesangst und Todesnot? Kann da noch das Wort Glück gedacht, gebraucht oder gesprochen werden? Der Psalm könnte mehr

Rüdiger H. /

Danke! Eigentlich kann ich nicht ausdrücken, wie sehr mir das heute nahe gegangen ist, es trifft mich, es gibt mir Kraft. Danke!

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