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© Alexandra Fuller / unsplash.com

08.01.2022 / Theologie / Lesezeit: ~ 8 min

Autor: Steffen Brack

In der Bibel gelesen ... und Gott getroffen (1)

Gott kennenlernen durch das Buch der Bücher.

 

 

„Ich hatte keine Ahnung, was in der Bibel überhaupt drinsteht“ – So der Theologe und ERF Redakteur Steffen Brack über die Zeit, als er gerade zum Glauben an Jesus gekommen war. Aus diesem Grund fängt er an, in dem Buch zu lesen. Und als er sich mit der Bibel beschäftigt, begegnet er Gott – immer wieder. Und das ist der Grund, warum er Lust auf mehr hat: mehr von der Bibel – und mehr von Gott.
 

Skifahren

Ich bin zum Skifahren in der Schweiz. Zusammen mit einer größeren Gruppe junger Leute. Es ist das Jahr nach dem Mauerfall in Berlin. Und Deutschland ist gerade wieder zu einem Land geworden. Deshalb sind auch ein paar Jungs aus der ehemaligen DDR dabei. Und sie genießen ihr erstes Mal Skifahren in der Schweiz ganz besonders.
 

Gott zum Anfassen?!

An einem Abend schauen wir uns zusammen einen Film an. Ganz neu gedreht. Und es geht um das Leben von Abraham, Isaak und Jakob. Die Urväter des Volkes Israel. Und eine Szene fesselt mich. Es ist der Kampf zwischen Gott und Jakob. Diese nächtliche Begegnung ist für mich dermaßen faszinierend, dass ich nachts noch ganz allein im Gemeinschaftsraum sitze. Und ich schaue mir diesen Abschnitt an. Immer und immer wieder.

Den Gott will ich auch kennenlernen. Immer mehr. Den Gott, den Jakob in jener Nacht anfassen konnte. Die nüchterne Verfilmung des biblischen Berichts über diese Begegnung hat mir geholfen, Gott auch unter diesem Aspekt zu sehen: er ist ein Gott zum Anfassen. Und die Berichte in der Bibel sind dazu da, dass wir dadurch selbst Gott begegnen. Und das habe ich damals so erlebt.

Die meisten Menschen lesen nur selten in der Bibel. Oder vielleicht sogar nie. Deshalb will ich von dem erzählen, was ich mit dem Buch der Bücher erlebt habe. Und vielleicht bekommen Sie dann auch Lust, sich mit dem Inhalt dieses Buches zu beschäftigen.

Als ich gerade zum Glauben an Jesus gekommen war, hatte ich keine Ahnung, was in der Bibel überhaupt drinsteht. Deshalb fange ich damals an, darin zu lesen. Und dabei geschieht etwas, worüber ich immer wieder staune: ich begegne Gott. Ich erlebe: die Worte der Bibel, das sind Worte, die Gott selbst an mich richtet. Und das ist auch der Grund, warum ich Lust habe auf mehr. Mehr von der Bibel - und mehr von Gott.
 

Unglaubwürdig oder unglaublich zuverlässig?

Aber berichtet die Bibel überhaupt von Ereignissen, die tatsächlich geschehen sind? Machen nicht gerade die vielen Wunder, von denen die Rede ist, das Buch unglaubwürdig? Seit über 30 Jahren beschäftige ich mich mit der Bibel. Die meiste Zeit davon auch beruflich – als wissenschaftlich ausgebildeter Theologe. Mein Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Bibel ist dabei immer größer geworden.
 

Jesus bestätigt die biblischen Berichte

Eine Aussage von Jesus über das Alte Testament, den ersten Teil der Bibel, ist für mich sehr aufschlussreich. „Habt ihr nicht gelesen, was in den Heiligen Schriften steht? Dort heißt es, dass Gott am Anfang den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat. Und er hat gesagt: ›Deshalb verlässt ein Mann Vater und Mutter, um mit seiner Frau zu leben. Die zwei sind dann eins, mit Leib und Seele.‹“ (Matthäus19,4-5).

Das schreibt Matthäus in seinem Bericht über Jesus, im Kapitel 19, die Verse 4 und 5. Jesus zitiert hier aus dem Schöpfungsbericht im allerersten Buch der Bibel. Im ersten Buch Mose (1. Mose 2,24). Das bedeutet einmal: Jesus versteht diesen biblischen Bericht als historische Tatsache. Gott hat die ersten Menschen tatsächlich erschaffen.

Und zweitens fällt auf: Die Worte, die Jesus hier zitiert, die sind im Schöpfungsbericht aus dem 1. Buch Mose eindeutig die Worte des menschlichen Autors. Und Jesus sagt damit: was der menschliche Autor des Schöpfungsberichts geschrieben hat, das sagt im Grunde genommen Gott selbst.

Also, Jesus sagt hier: „Habt ihr nicht gelesen, was in den Heiligen Schriften steht? Dort heißt es, dass Gott am Anfang den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat.“ Und danach fährt Jesus fort: „Und er – also Gott – Und er hat gesagt:“ 

Und dann zitiert Jesus den menschlichen Verfasser des Schöpfungsberichts im 1. Buch Mose, Kapitel 2: „Deshalb verlässt ein Mann Vater und Mutter“. Was also der Autor des biblischen Berichts geschrieben hat, das ist für Jesus das, was Gott selbst sagt.
 

Der Autor hinter den biblischen Verfassern

Dieses Verständnis zeigt sich bei Jesus immer wieder. Ein weiteres Beispiel: wieder zitiert Jesus aus dem Alten Testament. Aus dem ersten Teil der Bibel also. Und zwar aus dem Psalm 110„David selbst hat durch den Heiligen Geist gesagt: »Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füße lege.«“ , nachzulesen im Bericht des Markus über Jesus, Kapitel 12, Vers 36.

Es geht hier um die Worte des Menschen David. Der David, der aus unserer Sicht vor rund 3.000 Jahren König in Jerusalem gewesen ist. Und der hat den 110. Psalm geschrieben. Und jetzt sagt Jesus: die Worte von David in diesem Psalm 110, die hat David durch den Geist Gottes gesprochen. Beziehungsweise aufgeschrieben. Jesus versteht also die Worte des Psalms 110 als die Worte des Geistes Gottes. Als Gottes Worte also. Gott selbst ist es, der  in diesem Psalm durch Davids Worte spricht.

Jesus weist also ganz deutlich darauf hin: Der Geist Gottes, der Heilige Geist, ist im Grunde genommen der eigentliche Autor der biblischen Schriften. Denn er steht hinter den menschlichen Autoren. Der Geist Gottes selbst hat durch die Worte der menschlichen Verfasser gesprochen, als sie die Schriften der Bibel niedergeschrieben haben.

Dabei hat Gott aber die Persönlichkeit der menschlichen Autoren nicht ausgeschaltet. Nein. Ihre innere Freiheit bleibt. Sie hätten sich auch dazu entscheiden können, sich nicht von Gott senden zu lassen. Deutlich zeigt sich das zum Beispiel bei dem Propheten Jesaja.

Er schreibt: „Dann hörte ich, wie der Gott Israels sagte: »Wen soll ich senden? Wer ist bereit, unser Bote zu sein?« Ich antwortete: »Ich bin bereit, sende mich!«“ Die Verfasser der Bibel waren also keine willenlosen Schreibwerkzeuge.

Petrus, einer der ersten Begleiter von Jesus, fasst das so zusammen: „Denn niemals wurde eine Weissagung (der Bibel) [w.: Schrift in V 20] durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern von Gott her haben Menschen geredet, geleitet vom Heiligen Geist.“ (2. Petrus 1,21).
 

 „eingehaucht“ – vom Geist Gottes

So äußert sich auch Paulus über die Schriften der Bibel. Der jüdische Gelehrte, der die ersten Jesusleute anfangs fanatisch bekämpft hat, bevor er schließlich selbst zum Glauben an Jesus gekommen ist. Paulus schreibt an den jüngeren Gemeindeleiter Timotheus: „Die ganze Heilige Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich …“ Nachzulesen im Zweiten Timotheusbrief, Kapitel 3, Vers 16.

Manche übersetzen diesen Satz von Paulus so. „Jede Schrift, die von Gottes Geist eingegeben wurde, ist nützlich …“. Und daraus schließen dann einige, Paulus wolle hier eigentlich sagen: Jede Stelle in der Bibel, die von Gott eingegeben wurde, die ist auch nützlich. Aber eben nur die Stellen, die von Gott eingegeben wurden. Und – so argumentieren sie – nicht alles, was in der Bibel steht, wäre von Gott eingegeben.

Ich meine, das ist das genaue Gegenteil von dem, was Paulus hier an Timotheus geschrieben hat. Paulus hat diesen Brief im Griechisch des ersten Jahrhunderts an seinen Kollegen Timotheus, den er lange gecoacht hat, geschrieben. Damals die Weltsprache im Römischen Reich. Vergleichbar vielleicht mit Englisch, mit dem wir uns heute fast überall auf der Welt verständigen können.

Und in der griechischen Sprache, in der Paulus hier schreibt, ist der Satz von Paulus hier absolut parallel aufgebaut. Das ist total eindeutig. Das heißt, Paulus schreibt: „Die ganze Heilige Schrift ist …“ – 1. „von Gott eingegeben …“ „und“ …“ Die ganze Heilige Schrift ist …“ - 2. „nützlich …“. Ich meine, das ist die einzige Möglichkeit, den griechischen Satz von Paulus angemessen zu übersetzen.

Das heißt: Paulus versichert hier seinem jüngeren Kollegen Timotheus: Lieber Timotheus, Du kannst dich nach wie vor auf die Heilige Schrift, also auf die Bibel verlassen. Wörtlich schreibt Paulus hier „jede Schrift“ bzw. „jede Schriftstelle“. Und damit meint er „alles, was in der Schrift steht“.

Das Wort für „Schrift“, das Paulus in diesem Satz verwendet, lautet auf Griechisch „graphä“. Daher kommt zum Beispiel unser Fremdwort „Grafik“„Schrift“ bzw. „graphä“ ist damals ein eindeutig festgelegter Ausdruck, ein Fachbegriff aus dem Judentum. Und er steht für die heiligen Schriften des Volkes Israel. Für die Schriften der Hebräischen Bibel. Also für die Schriften des Alten Testaments.

Kein Jude und auch kein Autor des Neuen Testaments hätte einen Text oder ein Buch als „Schrift“ bezeichnet, als „graphä“, der nicht zu den Heiligen Schriften gehört, die von Gott eingegeben worden sind. Jesus benutzt den Ausdruck immer wieder, wenn er aus der Bibel zitiert.

Ein Beispiel: „Jesus sagte zu ihnen: »Ihr habt ja wohl gelesen, was in den Schriften steht: ›Der Stein, den die Bauleute als wertlos weggeworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Der Herr hat dieses Wunder vollbracht, und wir haben es gesehen.‹«“ (Matthäus 21,42).

Aber nicht nur die Schriften des Alten Testaments werden mit dem Fachbegriff „Schrift“ bezeichnet. Sondern auch schon die Schriften des Neuen Testaments. Paulus zitiert zum Beispiel einmal aus dem Alten Testament und aus dem Lukasevangelium. Und er stellt beide Zitate gleichberechtig unter die Überschrift „die Schrift sagt“Die Schrift sagt: »Einem Rind, das zum Dreschen eingespannt wird, darfst du das Maul nicht zubinden.«“ – das ist Altes Testament. „und: »Wer arbeitet, hat ein Anrecht auf seinen Lohn.«“ – das ist Neues Testament (1. Timotheus 3,18; zit. 5. Mose 25,4; Lukas 10,7; vgl. auch 2. Petrus 3,16).

Paulus schreibt also dem Timotheus, seinem jüngeren Mitstreiter für die Gute Nachricht von Jesus: „Alles, was in der Bibel steht,“ – im Alten und im Neuen Testament – „ist von Gott eingegeben.“ Der griechische Ausdruck für „von Gott eingegeben“ kann wörtlich auch als „gottgehaucht“ wiedergegeben werden. Und damit betont Paulus, wie lebendig Gott durch die aufgeschriebenen Worte der Bibel redet. Oder reden will.

Auf ein häufiges Missverständnis will ich an dieser Stelle noch hinweisen. Dass die Worte der Bibel Gottes Worte sind, bedeutet nicht, dass wir darauf verzichten können, sie zu interpretieren. Ich meine, es ist absolut notwendig, dass ich die Aussagen der Bibel ganz sorgfältig wahrnehme. Und mich darum bemühe, was der Autor denn damit denn sagen will?

Und gerade weil es letztlich ja Gott ist, der durch die Bibel zu mir sprechen will – gerade deshalb will ich doch umso genauer prüfen, was da denn wirklich steht. Und wie das zu verstehen ist. Ich will ja nicht meine eigene Meinung verfestigen - hoffentlich. Sondern ich will hören, was der lebendige Gott mir sagen will.

Dieser Artikel wird in Teil 2 fortgesetzt.

 Steffen Brack

Steffen Brack

  |  Redakteur und Theologe
Theologe und Redakteur, verheiratet, drei Kinder. Begeistert von Gottes unerschütterlicher Liebe.

Ihr Kommentar

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Kommentare (2)

Steffen Brack ERF Redaktion /

Lieber Burkhard,
vielen Dank für den mutmachenden Kommentar. Und einen lieben Gruß.

Bukhard /

Herzlichen Dank für die Mitteilung der persönlichen Erfahrung in der Begegnung mit der Bibel. Wissenschaftlich ausgebildeter Theologe mit bibeltreuem Schriftverständnis. Das ist gut so. Danke.

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