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© Manuel Navarro / unsplash.com

18.07.2026 / Aktuelles / Lesezeit: ~ 5 min

Autor/-in: Rebecca Schneebeli

Zusammen gelingt es besser

Warum Teamgeist, Durchhaltevermögen und Fairplay nicht nur beim Fußball wichtig sind.

Alle Nicht-Fußballfans können aufatmen: Nach über 5 Wochen endet an diesem Wochenende die Fußball-WM der Herren. Doch auch viele Fußballfans sind diesmal im Laufe des Turniers ausgestiegen. Denn bei dieser Weltmeisterschaft sorgte nicht nur das Spielgeschehen für Diskussionen. Es begann bei Einreiseproblemen etlicher Spieler, zog sich über einige heiß diskutierte Schiedsrichterentscheidungen und fand seinen Höhepunkt in einer roten Karte auf Bewährung.

Um es kurz zu machen: Vieles an dieser WM 2026 war nicht unbedingt großartig – und doch gab es Momente, die begeistern konnten. Das waren einige sehr schöne und zum Teil sehr knappe Tore, die manches Spiel in der letzten Minute oder sogar erst in der Nachspielzeit entschieden.

Aber noch mehr stachen für mich andere Momente heraus – und zwar solche, die die drei Tugenden Fairness, Durchhaltevermögen und Zusammenhalt zeigten.

Mannschaften, die diese Eigenschaften bewiesen, wurden bejubelt. Wer sie nicht zeigte, wurde vielleicht für die sportliche Leistung gelobt, aber oft nicht besonders begeistert angefeuert oder sogar ausgebuht.

Zusammenhalt ist mehr als ein nettes „Add-on“

Doch woher kommt dieser moralische Anspruch an ein Fußballturnier? Letztlich ist das Ziel beim Fußball ja, möglichst viele oder zumindest mehr Tore als der Gegner zu erzielen. Wer also am Ende den Pokal in den Händen hält, kann doch stolz von sich behaupten, das Ziel vollends erfüllt zu haben. Oder nicht?

Im Fußball offenbart sich eine unbewusste Sehnsucht vieler Menschen: gemeinsam mit anderen ein höheres Ziel anzustreben und zu erreichen.

Doch wenn dann sichtbar wird, dass ein Spieler mehr darauf aus ist, sich selbst zu profilieren, statt die Mannschaft zum Sieg zu führen, setzt Frust ein. Das Ideal der 11 Freunde, die am Ende zusammen den Pokal in den Händen halten, hält sich hartnäckig. Und es zeigt sich nicht immer, aber oft, dass bei einem Mannschaftssport wie dem Fußball Teamgeist eben kein nettes „Add-on“ ist, sondern über Weiterkommen oder Scheitern einer Mannschaft entscheiden kann.

Als Beispiel sei hier das Elfmeterschießen der Deutschen gegen Paraguay genannt, wo sich kaum genug motivierte Schützen fanden. Die Spieler, die dennoch Verantwortung übernahmen und zum Elfmeter antraten, wurden später in der Presse und von vielen Fans gelobt, weil sie im entscheidenden Moment Mut und Teamgeist bewiesen. Gleichzeitig gab es aber auch Kritik an den Schützen, die das Tor nicht trafen. Kein Wunder also, dass manche Spieler sich gar nicht erst trauten. Für einen Einzug ins Achtelfinale reichte es so letztlich nicht, da nicht alle an einem Strang zogen.

Oder denken wir an Cristiano Ronaldo. Seit vielen Turnieren setzt Portugal auf seine Fähigkeit, Torchancen zu verwandeln. Doch auch ein herausragender Einzelspieler kann fehlenden Zusammenhalt oder eine zu starke Abhängigkeit der Mannschaft von seiner Fähigkeit nicht ausgleichen. Bei dieser WM konnte er nur drei Tore erzielen. Die bittere Konsequenz: Portugal schied aus und für den bereits 41-Jährigen bedeutet das wohl das Ende seiner internationalen Turnierkarriere.

Wenn Entschlossenheit, Teamgeist und Fairplay zusammenkommen

Dagegen schafften es Mannschaften, die Teamgeist bewiesen, weiterzukommen. Obgleich sie auf der Liste der WM-Torschützen in direkter Konkurrenz standen, bereiteten sich Jude Bellingham und Harry Kane immer wieder gegenseitig Tore vor. So brachten sie England gemeinsam bis ins Halbfinale. Gleichzeitig betonte Stürmer und Kapitän Kane ganz klar, wie wichtig für das Weiterkommen die gesamte Mannschaft war.

Dies zeigte sich im Achtelfinale gegen Mexiko. In den letzten Minuten verteidigten die englischen Spieler trotz Unterzahl geschlossen den eigenen Strafraum. Das Ergebnis: Ein knappes 3:2 und der Einzug ins Viertelfinale.

Ähnliches Durchhaltevermögen bewiesen die Schweizer im Viertelfinale gegen Argentinien. Ebenfalls in Unterzahl schafften sie es fast, sich mit einem 1:1 ins Elfmeterschießen zu retten, bis Argentinien in der 111. Minute doch noch das Siegtor gelang.

Auch das Team der Norweger begeisterte nicht nur Fußballfans aller Länder mit Spielfreude und Ruder-Siegritual, sondern erwies sich auch als fairer Verlierer. Nach dem WM-Aus gratulierten sie ihrem englischen Gegner zum Einzug ins Halbfinale. Man sah Spieler beider Mannschaften nach Englands Sieg in friedlicher Eintracht. Declan Rice tröstete den norwegischen Spieler Martin Ødegaard, während der norwegische Stürmer Erling Braut Haaland seinen guten Freund Jude Bellingham sogar vor der Presse ausdrücklich lobte.

Solche Szenen erhoffen sich Fußballfans rund um den Globus auch von dem Spiel um den dritten Platz und dem WM-Finale. Lasst uns hoffen, dass wir nicht nur spannende Spiele sehen, sondern auch Fairplay, Entschlossenheit und Teamgeist.

Zusammenhalt als Fan-Emblem der Jesusnachfolger

All diese Tugenden sind übrigens nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch abseits davon gefragt. Egal, um welches Vorhaben es geht, es gelingt besser, wenn Fairness, Durchhaltevermögen und Teamgeist eine Gruppe prägen.

Das wusste schon der Apostel Paulus. Im ersten Brief an die Gemeinde in Thessaloniki rät er: „Macht also einander Mut und helft euch gegenseitig weiter, wie ihr es ja schon tut“ (1. Thessalonicher 5,11).

Paulus war klar: In einer Gesellschaft, die dem neuen christlichen Glauben feindlich gegenübersteht, ist Zusammenhalt unter Christen unerlässlich. Und Jesus macht seinen Jüngern klar, dass dies das Erkennungsmerkmal seiner Nachfolger sein soll: „An eurer Liebe zueinander werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid“ (Johannes 13,35).

Nicht fromme Überzeugungen sind das Emblem der Fans von Jesus, sondern gegenseitige Wertschätzung und Liebe.

Entschlossenheit und Fairness als christliche Tugenden

Auch über Entschlossenheit und einen fairen Umgang miteinander weiß Paulus manches zu berichten. In 1.Korinther 9,25-26 vergleicht er die Nachfolge und das Leben mit Jesus mit einem Wettlauf: „Alle, die an einem Wettkampf teilnehmen wollen, nehmen harte Einschränkungen auf sich. Sie tun es für einen Siegeskranz, der vergeht. Aber auf uns wartet ein Siegeskranz, der unvergänglich ist. Darum laufe ich wie einer, der das Ziel erreichen will.“

Ebenso warnt Paulus davor, andere zu übervorteilen – sprich, sich mit unlauteren Mitteln einen Vorteil zu verschaffen: „Es soll sich auch keiner Übergriffe erlauben und seinen Bruder bei Geschäften übervorteilen“ (1.Thessalonicher 4,6). Stattdessen soll die Sorge um das Wohl des anderen das Leben eines Jesusnachfolgers bestimmen. Ich soll mein Gegenüber also weder höher noch niedriger achten als mich selbst.

Teamgeist, Fairplay und Durchhaltevermögen sind möglich

Fairness, Zusammenhalt und Durchhaltevermögen sind drei ganz tolle Eigenschaften. Doch in einem so kommerzialisierten Sport wie dem Fußball suchen wir eventuell oft vergeblich danach – und sind dann tief enttäuscht. Denn am Ende gewinnt nicht unbedingt die fairste Mannschaft das Spiel, sondern die, welche die meisten Tore erzielt. Das wird auch an diesem Wochenende so sein.

Gleichzeitig müssen wir unseren Traum vom Zusammenspiel dieser drei Eigenschaften nicht begraben. Wir können ihn leben und erleben. Wie? Indem wir selbst anfangen, diese Eigenschaften in unseren Umgang mit anderen zu integrieren, und indem wir andere dazu einladen, dabei mitzumachen. In unserem Hauskreis, in unserer Gemeinde, aber auch in unserem Arbeitsteam oder unserem Sportverein.

Dann halten vielleicht nicht am Ende 11 Freunde den Pokal in die Höhe, aber wir leben ein Leben, wie Gott es sich für uns gedacht hat.
 

Autor/-in

Rebecca Schneebeli

  |  Redakteurin

Rebecca Schneebeli ist Literaturwissenschaftlerin und arbeitet nebenberuflich als freie Lektorin und Autorin. Die Arbeit mit Büchern ist auch im ERF ihr Steckenpferd. Ihr Interesse gilt hier vor allem dem Bereich Lebenshilfe, Persönlichkeitsentwicklung und Beziehungspflege. Mit Artikeln zu relevanten Lebensthemen möchte sie Menschen ermutigen.

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