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© Priscilla du Preez / unsplash.com

01.04.2026 / Kommentar / Lesezeit: ~ 12 min

Autor/-in: Katrin Faludi

Wir sind zu leise!

Sexismus in christlichen Kreisen: Lasst uns über Machtmissbrauch und Gewalt reden, statt Dinge unter den frommen Teppich zu kehren.

Als ich 17 war, fuhr ich mit meinem Jugendkreis an einem heißen Sommertag zu einem Event in einer Gemeinde in der Umgebung. Dort predigten junge Menschen über sexuelle Reinheit. Ein Mädchen auf der Bühne flehte uns „von Frau zu Frau“ an: „Mädchen, ich bitte euch: Bedeckt eure Schultern!“  

Eine andere Frau erklärte uns, es sei nicht in Ordnung, den künftigen Ehemann vor der Hochzeit zu küssen. Den Vogel aber schoss ein junger Mann ab. Er schleuderte uns Mädchen im Publikum entgegen: „Ich habe schon Prostituierte gesehen, die waren besser angezogen als ihr! Und ich sage euch das, weil ich euch liebe!“ 

Meine Freundinnen und ich begannen nervös, an unseren Tanktops herumzuzupfen. Beschämt sahen wir einander an. Wir waren gerade mit Huren verglichen worden. In den Augen dieses Mannes, der kaum älter war als wir, standen wir schlimmer da als diese „Sünderinnen“. Oder sagen wir lieber: als Frauen, die sehr häufig aus wirtschaftlicher Not oder Zwang heraus in der Prostitution landen und dabei in vielen Fällen Gewalt erfahren. Der Vergleich war jedenfalls nicht freundlich gemeint. 

Unterordnung, Machtgefälle und die Gefahr von Gewalt 

Damals fehlten mir die Worte dafür, doch heute erkenne ich: Solche Botschaften beschämen und prägen ein Klima, das Übergriffe ermöglicht. Was in dieser Gemeinde gepredigt wurde, war geistliche Gewalt – unter dem Deckmäntelchen der Sorge um unsere körperliche und seelische Unversehrtheit, angewärmt mit dem Begriff „Liebe“. 

Mit geistlicher Gewalt meine ich: Wenn Glaube, Bibel oder „Liebe“ benutzt werden, um Menschen kleinzumachen, zu beschämen, zu kontrollieren oder sie vom Widerspruch abzuhalten. 

Das Ziel der Ansprache damals war, uns Mädchen in unsere Schranken zu weisen, denn freie Entfaltung birgt die Gefahr von “Fehltritten”. Wir sollten lernen, wie sich eine anständige Frau verhält. Wir sollten lernen, dass unser Körper unserem späteren Ehemann „gehört“ und es in unserer Verantwortung liegt, unseren „Wert“ für ihn zu erhalten.  

Uns wurde erzählt, es würde uns innerlich befreien, wenn wir gemäß unserer Stellung leben: dem Mann untergeordnet, seiner Weisung folgend. Ist es nicht erleichternd, wichtige Entscheidungen nicht mehr selbst treffen zu müssen? Der Mann übernimmt als „Haupt“ die Verantwortung und wir Ehefrauen sind dadurch „befreit“, unseren uns zugewiesenen Dienst zu erfüllen: Kinder, Küche, Kirche.  

Schöpfungsordnung oder Schutz im Patriarchat? 

Man kann so leben, wenn man das aus freien Stücken entscheidet, aber es ist kein Muss. Viele Frauen – mich eingeschlossen – finden keine Erfüllung darin, auf Heim und Herd reduziert zu leben und bei wichtigen Entscheidungen in der Partnerschaft aufgrund unseres Geschlechts nie das letzte Wort haben zu dürfen.  

Das Beziehungsmodell „Mann führt, Frau ordnet sich unter“ mag biblisch begründbar sein, doch es hat einen Haken: Wo der eine entscheidet und die andere gehorcht, entsteht ein Machtgefälle. Wenn dann zusätzlich „Gott will das so“ als Schutzschild dient, wird Widerspruch geistlich entwertet. Das senkt die Hemmschwelle für Übergriffe und bereitet einen Nährboden, auf dem Gewalt gedeihen kann. 

Es gibt mehrere sehr bekannte Bibelstellen, in denen erläutert wird, wie sich Frauen und Männer in ihren Partnerschaften zueinander zu verhalten haben. Die folgende Liste ist nur beispielhaft, nicht vollständig. 

Eine sehr häufig zitierte Stelle stammt vom Apostel Paulus:  

„Ordnet euch aus Achtung vor Christus bereitwillig einander unter. Ihr Ehefrauen sollt euch euren Männern unterordnen, so wie ihr euch dem Herrn unterordnet“ (Epheser 5,21-22).  

Auch der Apostel Petrus spricht als Mann seiner Zeit aus der patriarchal geprägten Perspektive:  

„Ebenso gilt für euch Männer: Euer Verhalten gegenüber euren Frauen soll von Achtung geprägt sein. Begegnet ihnen verständnisvoll, denn sie sind die Schwächeren“ (1. Petrus 3,7). 

Ansonsten wird zur Erklärung der Geschlechterverhältnisse noch gerne der Schöpfungsbericht zu Rate gezogen:  

Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht“ (1. Mose 2,18).  

Das Wort im Urtext, das hier mit „Hilfe“ übersetzt wird, lässt sich mehrdimensional deuten: Es könnte sowohl der hebräischen Wortwurzel für „Stärke“ als auch der für „helfen/retten“ entstammen. Eins ist aber bedeutsam: Das gleiche Wort wird immer wieder im Kontext mit Gott verwendet. 

Auch der Sündenfall bietet einen Erklärungsansatz:  

„… und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, aber er soll dein Herr sein“ (1. Mose 3,16). 

All diese Verse stehen hier ohne ihren Kontext, der jeweils einen eigenen Artikel wert wäre.  

Ist die Unterordnung der Frau gottgewollt oder nicht? 

Es gibt zwei Interpretationswege, um diese Frage biblisch zu deuten:  

1. Die Unterordnung der Frau ist gottgewollt und Teil seiner guten Ordnung: Gott hat Mann und Frau gleichwertig geschaffen, aber mit unterschiedlichen, sich ergänzenden Rollen, in denen der Mann eine dienende Leitungsverantwortung übernimmt. Die Anweisungen der Apostel zu Unterordnung und Leitung werden als zeitlose Rückbindung an diese Schöpfungsordnung verstanden, nicht nur als Anpassung an die damalige Kultur.  

2. Die Unterordnung dient der Frau als Schutz in einem patriarchalischen System: Gottes ursprüngliche Idee ist partnerschaftliche Gleichwertigkeit ohne Hierarchie. Die Unterordnung der Frau nach dem Sündenfall beschreibt die gefallene Realität, nicht Gottes Ideal. Die neutestamentlichen Anweisungen zur Unterordnung werden als seelsorgerliche Weisungen in eine patriarchale Kultur hinein verstanden, die im Licht von Jesus und Versen wie z.B. Epheser 5,21-22 hin zu gegenseitiger Unterordnung und voller Gleichberechtigung weitergeführt werden.  

(Quelle: Nikodemus/Bibleserver.com

Für beide Interpretationswege gibt es hinreichende Argumente. Persönlich favorisiere ich Variante 2: Ich erkenne keine Logik darin, wie wir einerseits als Mann und Frau als Gottes Ebenbilder geschaffen sind, die Frau dann aber hierarchisch unter dem Mann stehen soll – als wäre dieser Teil der Ebenbildlichkeit Gottes eben nicht ganz so „gelungen“ wie der andere.  

Ich glaube, dass diese Form der Hierarchie ein Erbe jahrtausendealter patriarchaler Strukturen ist und keine göttliche Absicht. 

Hätte Gott Frauen per se als untergeordnet angesehen, warum hat er dann nicht an unserem Intellekt und an der Leitungs- und Lehrbegabung gespart, die viele Frauen mitbringen? 

Wir hätten all das und noch einiges mehr sonst ja gar nicht nötig gehabt.  

Nein, ich glaube, dass Gott Frauen nicht in Hierarchien und Rollenbilder zwingt. Jesus hat es jedenfalls nicht getan, sondern Frauen zu Begleiterinnen, Gesprächspartnerinnen, Multiplikatorinnen und sogar Zeuginnen seiner Auferstehung gemacht. Er hat mit den etablierten Regeln des Patriarchats an mehreren Stellen gebrochen. Offenbar waren sie nicht in seinem Sinne.  

Aber nach dieser Sprungschanze nun zum eigentlichen Anliegen: 

Wenn Sexismen unter den frommen Teppich gekehrt werden 

In dem Prinzip der „dienenden Leitungsverantwortung“ (Variante 1) sehe ich einen Widerspruch in sich: Denn auch, wenn in der Argumentation von sich ergänzender Gleichwertigkeit gesprochen wird, ist der Mann faktisch der „Chef“ und wir haben eine geschlechterbasierte Hierarchie, keine Ebenbürtigkeit.  

Das bedeutet nicht, dass jede Ehe, die nach diesem Prinzip gelebt wird, automatisch „toxisch“ sein muss, so wie auch nicht jede egalitäre Ehe einen sicheren Raum garantiert. Der Frömmigkeitsstil ist nicht das Problem. Problematisch wird es, wenn es durch Ungleichbehandlung zu einem Machtgefälle kommt. Dieses kann für Frauen in solchen Beziehungen in Kombination mit Tabus, fehlender Transparenz und eingefordertem Gehorsam zu Benachteiligung und schlimmstenfalls zu Unterdrückung und Gewalt führen.  

Tabus scheinen der Knackpunkt zu sein. 

Mein Eindruck ist, dass die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern in konservativ-christlichen Kreisen zu Schwierigkeiten führt, die allzu oft unter den frommen Teppich gekehrt werden. 

Nach dem Prinzip: Was nicht sein darf, existiert bei uns auch nicht! 

Die „dienende Leitungsverantwortung“ erfordert eine große persönliche und geistliche Reife des Übergeordneten, damit er sie nicht für Machtgelüste oder seine Bequemlichkeit ausnutzt. Jesus hätte das hinbekommen. Als Teil der göttlichen Dreieinigkeit kann man so etwas. Ein normalsterblicher Mann aber muss Jesus schon sehr ähnlich geworden sein, um das konsequent und fehlerfrei durchzuziehen.  

Machtgefälle machen anfällig für Sexismen, Machtmissbrauch und Gewalt, doch in Teilen der frommen Szene wird offenbar so getan, als sei man immun dagegen. Dieses Selbstbild verhindert, dass Betroffene gehört werden. Oder sind diese Dinge so verinnerlicht, dass sie gar nicht erst auffallen?  

Was Frauen in konservativ-christlichen Kreisen erleben 

Ich habe mich kürzlich unter Frauen in dieser Community zum Thema Alltagssexismus und männliche Gewalt umgehört: So gut wie alle hatten „Geschichten“ zu erzählen, sowohl „aus der Welt“ als auch aus ihren Gemeinde- und Familienkontexten.  

Die folgenden Beispiele aus dem frommen Milieu habe ich entweder selbst beobachtet oder sie wurden mir im Bekanntenkreis berichtet. Zum Schutz der Betroffenen teile ich sie anonymisiert: 

Verbale Abwertung: 

  • Auf einer Hochzeit heißt es in einer Rede: „Der Mann ist die 1 und die Frau die 0. Aber gemeinsam ergeben sie eine 10!“  
  • Während eines Filmabends in der Gemeinde sagt der Pastor über die eigenwillige Leinwandheldin: „Der gehört einfach mal ordentlich der Hintern versohlt!“
     

Solche Sätze entwürdigen Frauen, insbesondere wenn sie nicht dem persönlichen oder gar gemeindlichen Rollenverständnis entsprechen. 

Kontrolle und geistlicher Druck: 

  • Ein Vater rät dem frisch angetrauten Ehemann seiner Tochter, sie klein zu halten, so wie er selbst es bei der eigenen Frau täte, weil es „besser so“ wäre.  
  • Jugendkreisleiter verfolgen eine junge Frau nach dem wöchentlichen Treffen heimlich bis nach Hause, um sicherzugehen, dass sie nicht bei ihrem Freund übernachtet.  
  • Ein Elternpaar nötigt seine transsexuelle Tochter per Vertrag, feminine Kleidung in Pastelltönen zu tragen, damit sie zu ihrer Weiblichkeit zurückfindet.  
  • Eine junge Mutter muss ihren Ehemann um Erlaubnis bitten, bevor sie das Baby wickelt, weil sie keine Entscheidungen treffen darf.  
     

All diese Beispiele demonstrieren, dass den Frauen und Mädchen keine Autonomie über ihre Lebensgestaltung und ihren Körper zugestanden wird. 

Machtmissbrauch im Leitungskontext:  

  • Ein Vorgesetzter in einem christlichen Unternehmen tätschelt einer jungen Kollegin „väterlich“ den Kopf, während sie ihm von einer Veranstaltung berichtet.  
     

Was freundlich gemeint scheint, ist tatsächlich ein körperlicher Übergriff aus einer Machtposition heraus. 

Häusliche/psychische Gewalt: 

  • Ein narzisstischer Ehemann zermürbt seine Frau mit jahrelangem Psychoterror und wirft ihr nach der folgerichtigen Trennung vor, sie habe die Ehe gebrochen.  
     

Nach dem Rollenverständnis des Ex-Mannes ist die Frau schuld an der Trennung, nicht sein falsches Handeln. 

Sexualisierte Gewalt:  

  • Eine Gynäkologin wird von einer Frau aus einer konservativen Gemeinde um Rat gebeten, weil die Tochter vom eigenen Vater schwanger sei.  
     

Dies ist ein Extrembeispiel, das mir zugetragen wurde. Obwohl unbelegt, möchte ich es an dieser Stelle dennoch erwähnen, weil auch solche Fälle leider nicht im Bereich des Unmöglichen liegen. Hier geht es um knallharte strafrechtlich relevante Gewalt, die professionelle Hilfe und rechtliche Schritte erfordert. 

Die Illusion der heilen christlichen Welt 

Anekdotische Beweisführung? Absolut. Denn statistische Erhebungen zu solchen Geschehnissen sind mir nicht bekannt, zumal das Spektrum der christlichen Gemeinschaften sehr groß ist. In der säkularen Öffentlichkeit lassen sich Berichte über Sexismus und Gewalt an Frauen auf kein Milieu festlegen, sie sind ein gesamtgesellschaftliches Problem. Ich gehe daher davon aus, dass es in der „frommen Szene“ nicht grundsätzlich anders ist.  

Ich bin mir sicher, nicht wenigen von euch Leserinnen und Lesern werden ähnliche „Geschichten“ wie in den Beispielen einfallen. Fast wie jede Frau, mit der ich zu dem Thema in Kontakt war, hat im Wesentlichen so reagiert: „Ja, kenn ich!“ Berichtet uns in den Kommentaren gerne von eigenen Erfahrungen.  

Auch in der scheinbar heilen christlichen Welt passieren Dinge, die nicht sein dürfen. Gesprochen wird darüber jedoch höchstens hinter vorgehaltener Hand, wenn überhaupt, und oft werden sie selbst dann sofort relativiert.  

Es ist bequem, den Frauen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Außerdem kratzt mögliches männliches Fehlverhalten am rechtschaffenen Image. Leider wird es zuweilen schlicht und einfach auch nicht als das erkannt, was es ist: ein Übergriff auf die Selbstbestimmung und die Körper von Frauen und Mädchen.  

Das Schweigen über Sexismus im Gemeindekontext ist falsch. Weil es die Scham hochhält, die die betroffenen Frauen in die Isolation treibt.  

Hören wir endlich auf, Probleme wegzulächeln! 

Vielleicht liegt es an der Erziehung, die viele Frauen und Mädchen – häufig im freikirchlichen Kontext, aber nicht nur dort – „genossen“ haben. Sie sollen bescheiden sein und sanftmütig, nicht laut und fordernd. Sie sollen sich zurücknehmen und dafür sorgen, dass es allen anderen gut geht – auch auf Kosten des eigenen Wohlbefindens. 

Sie sollen „Jesus ähnlicher werden“, was in Bezug auf Frauen in der Regel so verdreht wird, dass sie keine eigenen Wünsche haben sollen. Zudem ziemt es sich für eine Frau nicht, andere zu kritisieren. Man könnte ja die gute Stimmung ruinieren und dann ist man kein attraktives Werbeschild mehr für den Glauben. 

Eine Frau, die für den christlichen Glauben steht, lächelt stets und hat keine Probleme – schon gar nicht mit ihrem Mann. 

Im Gegenteil: Ihre Ehe ist selbstverständlich erfüllt, denn alles andere könnte den Anschein erwecken, dass das Glaubensleben in Schieflage geraten ist. Immer schön den Schein wahren! 

Hören wir doch bitte auf mit dem Theater und seien wir ehrlich miteinander. Dann kommt es vielleicht doch nicht so überraschend, wenn sich eine Frau nach vielen Jahren scheinbar glücklicher Ehe plötzlich trennt. Wenn die erwachsene Tochter nichts mehr vom Glauben wissen will, weil sie die Bigotterie in der Gemeinde nicht mehr ertragen hat. Wenn Menschen außerhalb der christlichen Bubble argwöhnen, dass wir uns für etwas Besseres halten, weil bei uns scheinbar alles perfekt läuft. 

Wo werden wir laut? 

Dieser Text entsteht nicht im luftleeren Raum. Er ist inspiriert von dem Fall Harvey Weinstein, der #metoo-Bewegung, den Epstein-Files und Gisèle Pelicot. Er erscheint kurz nach den Medienberichten über den Schauspieler Christian Ulmen, dem nach Recherchen des SPIEGELS vorgeworfen wird, 10 Jahre lang pornografisches Bildmaterial über seine Frau Collien Fernandes verbreitet zu haben.  

Er erscheint deshalb, weil in unserem Land endlich laut über das erschreckende Ausmaß an Gewalt an Frauen gesprochen wird. Aber er erscheint vor allem, weil sich aus der „frommen Ecke“ nur sehr wenige Stimmen dazu erheben. Als wären all diese Vorkommnisse nichts, was in unserer kleinen, liebenswürdigen Welt eine Rolle spielen würde.  

Das tut es aber. Und es wird Zeit, dass wir aufhören, verschämt zu lächeln und endlich beginnen, über das zu sprechen, was wir erlebt haben und noch immer erleben. Wir müssen endlich zugeben, dass nicht alles rund läuft. Dass es auch Fehlverhalten durch Männer in unseren Kreisen gibt, das zum Teil von entsprechend geprägten Frauen mitgetragen oder sogar aktiv unterstützt wird.  

Wir Frauen sollten uns gegenseitig wahr- und ernstnehmen, uns unterstützen, zuhören und einander trösten. Einander beistehen, wo Ungerechtigkeiten leise und laut werden. Dasselbe gilt für Männer. 

Es geht um Würde 

Es wird Zeit, Hilfsangebote wie kirchliche Frauenberatungsstellen oder Psychotherapien in Anspruch zu nehmen, die es bereits gibt – und neue zu schaffen, wo es nötig ist.  

So hat beispielsweise der Bund der FeGs in Deutschland 2024 einen Leitfaden für Schutzkonzepte gegen Gewalt und Missbrauch vorgestellt. Auch andere Gemeindebünde haben ähnliche Konzepte entwickelt und bieten Schulungen dazu an. Jede christliche Gemeinschaft sollte sich mit dem Thema auseinandersetzen und Anlaufstellen für Betroffene schaffen. 

Vor allem aber wird es Zeit, die Scham abzulegen und der Würde neuen Raum zu geben: indem wir Betroffenen glauben, Hilfe anbieten und vor allem Täter-Opfer-Umkehr konsequent widersprechen. 

Auch bei uns ist es nötig, dass die Scham die Seiten wechselt. 

Gisèle Pelicot hat mit diesem Satz eine der Wahrheiten dieses Jahrhunderts geprägt. Ihr Mut und ihre Weisheit verdienen höchsten Respekt.

Ich schreibe diesen Text nicht, um Männer pauschal zu verurteilen oder Gemeinden zu beschämen. Ich schreibe ihn, weil ich glaube: Wo wir als Christen von Würde reden, müssen wir bei uns selbst damit anfangen. 

Wir wurden geschaffen in Gottes Ebenbild als Männer und Frauen. Auf Augenhöhe. 

 

Autor/-in

Katrin Faludi

  |  Redakteurin

Katrin Faludi hat Medienwissenschaft und Amerikanistik studiert. Hauptberuflich arbeitet sie seit vielen Jahren als Radioredakteurin, nebenberuflich ist sie Buchautorin. Zu ihren Themen gehören Lebenshilfe und seelische Gesundheit, denen sie mit einer Prise Humor sehr gerne die Schwere nimmt. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und mag alles, was mit Sprache(n) zu tun hat.

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Kommentare (3)

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Andreas S. /

Dieser Artikel atmet den Geist der Rebellion. Letztendlich sind wir dazu aufgerufen, mehr zu dienen als bestimmen zu wollen, uns unterzuordnen als uns auszuleben. Neben tatsächlichen mehr

Marion E. /

Das ist aus meiner Sicht ein wichtiger und notwendiger Text und Kommentar, und endlich auch aus "frommen" Kreisen und hoffentlich für jegliche "Kreise" impulsgebend!
Danke Ihnen Katrin Faludi, sie mehr

Unbekannt /

Das ist ein beschämender Artikel für die christliche Gemeindelandschaft. Die aufgeführten Beispiele sind teilweise wirklich heftig, und einige davon müssten eigentlich angezeigt werden (z.B. die mehr

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