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© Francke Verlag

23.04.2026 / Buchauszug / Lesezeit: ~ 3 min

Autor/-in: Monika Schutte

Wie ein Roman zum Seelentröster wurde

Bücher können ein Trost in Trauer sein. Dies zeigt ein Buchauszug aus „Man liest nur mit dem Herzen gut“. Beitrag zum Welttag des Buches.

Heute ist Welttag des Buches. An diesem Aktionstag finden in vielen Schulen und an anderen Orten Leseaktionen statt. Auch ein Buch des Francke Verlages feiert das Lesen – und zwar „Man liest nur mit dem Herzen gut – Eine kleine Liebeserklärung an die Welt der Bücher“. In diesem Buch schreiben 11 Autorinnen über ihre eigenen Leseerfahrungen und zeigen damit, warum Bücher einfach guttun.

Unter ihnen ist auch Monika Schutte. Sie ist Buchhändlerin und liebt es, Menschen Bücher mit auf den Weg zu geben, die Herz und Seele berühren. Sie selbst wurde durch einen Roman in einer schweren Lebenssituation getröstet.

Wir veröffentlichen mit freundlicher Genehmigung des Francke Verlages ihren Text aus dem Buch.
 

Es war ein gewöhnlicher Mittwoch, als in der kleinen Buchhandlung, in der ich damals arbeitete, das Telefon klingelte. Am anderen Ende war mein Bruder. Die Worte, die er mit tränenerstickter Stimme sprach, ließen mich erstarren:

„Die Mama ist tot.“

Wie konnte das sein? Wir hatten uns doch erst vor wenigen Tagen gesehen!

An jenem Morgen war unsere Mutter mit meinem Bruder zu einem Ausflug nach Rüdesheim am Rhein aufgebrochen. Gemeinsam verbrachten die beiden dort schöne Stunden. In einem Schaufenster entdeckt sie eine hübsche Handtasche, die sie sich nach dem Mittagessen genauer anschauen wollte. Erst einmal genoss sie ihren Salat und das Schnitzel. Dann ging sie zur Toilette. Doch sie kehrte nicht mehr an den Tisch zurück. Ihr Herz hatte einfach aufgehört zu schlagen.

Als wir später Mamas Wohnung betraten, wirkte alle, als würde sie gleich zur Tür hereinkommen. Auf dem Tisch lagen noch ihre To-Do-Listen – Pläne, die sie nicht mehr umsetzen würde.

Als mich die Nachricht von ihrem Tod erreichte, las ich gerade den Roman „Ein Haus in Brooklyn“ von Lynn Austin. Darin geht es um zwei Kinder, Esther und Peter, die ihre Mutter verloren haben. Für Peter ist der Verlust so traumatisch, dass er aufhört zu sprechen. Ein jüdischer Nachbar, Jacob Mendel, lädt die beiden Kinder und ihre Bretreuerin Penny ein, mit ihm das Purimfest zu feiern – inklusive einer nachgespielten Geschichte von Königin Esther. Die ältere Schwester glaubt zunächst, ihr stummer Bruder könne daran nicht teilnehmen. Doch Peter bekommt die Rolle Gottes – der in der Geschichte zwar nie spricht, aber dennoch stets gegenwärtig ist.

Was für ein kraftvolles Bild!

In dem Buch setzen mutige Menschen alles auf eine Karte und erleben in bedrohlichen Zeiten, wie treu Gott ist – auch wenn sie vieles nicht verstehen. Sie erkennen, wie wertvoll echte Freundschaften sind. Penny etwa, die sich unglücklich in den verwitweten Vater der zwei ihr anvertrauten Kinder verliebt hat, lernt sich anderen zu öffnen – trotz der Gefahr, verletzt zu werden. Dabei erlebt sie Gottes liebevolle Führung, wächst über sich hinaus und erkennt, was wahre Liebe bedeutet.

Diese Geschichte gab mir Trost und Hoffnung.

Das Buch wird für mich in dieser schweren Zeit zu einem echten Seelentröster. Es half mir, loszulassen und neue Herausforderungen anzunehmen.

Während der Trauerfeier hatte ich ein inneres Bild: Ich sah meine Mutter im Brautkleid, tanzend mit Jesus. Und die Worte meines Bruders am Grab klingen bis heute in mir nach: „Mama, wir sehen uns im Himmel wieder.“

Allen, die gerade durch eine dunkle Zeit gehen und sich fragen: Wo ist Gott in all dem?, möchte ich sagen: Er ist da!

Manchmal zeigt er seine Liebe auf unerwartete Weise – oft anders, als wir es uns je vorgestellt hätten.
 

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