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© Jeshoots com / unsplash.com

25.11.2022 / Wochenrückblick / Lesezeit: ~ 4 min

Autor/-in: Katja Völkl

Russische Truppen verhaften katholische Priester in der Ukraine

…der Freitagstalk der ERF Aktuell-Redaktion.

 

 

Die Tafeln in Hessen kommen wegen zahlreicher neuer Klienten an ihre Leistungsgrenze, russische Einheiten verhaften Priester in der Ukraine, das Schwarze Kreuz beschenkt Gefängnisinsassen, ein Landkärtchen kommt groß raus - das und mehr sind unsere Themen im Freitagstalk der ERF Aktuell-Redaktion. Zusammengestellt hat ihn Katja Völkl. Mein Name ist Oliver Jeske.

ERF: 339 Millionen Menschen weltweit brauchen im kommenden Jahr  humanitäre Hilfe. Das schätzen die Vereinten Nationen.

Katja Völkl: Betroffen sind Menschen nicht nur in der Ukraine, sondern auch am Horn von Afrika und Pakistan. Das Ausmaß der Not bezeichnet UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths als „schockierend“.
 

Hunger und Elend nehmen zu

ERF: Die Ursachen dafür sind allerdings vielfältig.

Katja Völkl: Dürren, Überschwemmungen, Covid-19 und andere Krankheiten sowie die vielen bewaffneten Konflikte bringen Martin Griffiths zufolge immer mehr Menschen Hunger und Elend. Anfang dieses Jahres waren 274 Millionen Kinder, Frauen und Männer auf Unterstützung mit Lebensmitteln, Medizin, Unterkünften und anderen Hilfsgütern angewiesen.

ERF: Um ihnen zu helfen, benötigen die UN und ihre Hilfsorganisationen wie das Welternährungsprogramm eine Rekordsumme von 49,6 Milliarden Euro für das Jahr 2023. Das sind 25 Prozent mehr als in diesem Jahr.

Katja Völkl: Bislang haben sie aber nur 23,1 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Finanzierungslücke liegt derzeit bei 53 Prozent und sei noch nie so groß gewesen. Jetzt müssen die humanitären Organisationen entscheiden, wem sie die verfügbaren Mittel zukommen lassen. Hoffen wir, dass es noch mehr Geld dafür geben wird.
 

Tafeln kommen an ihre Leistungsgrenze

ERF: Aber auch in Deutschland gibt es an einigen Stellen Versorgungsengpässe.

Katja Völkl: Die Tafeln in Hessen sind wegen zahlreicher neuer Klienten an ihrer Leistungsgrenze angekommen. Es gibt nämlich einen täglichen Zuwachs von Geringverdienern als Neukunden. Ihr Lohn reicht nicht mehr aus und so suchen sie Hilfe bei den Tafeln. Das sagte Katja Bernhard, Vorstand und Öffentlichkeitsarbeiterin des Tafel-Landesverbandes, dem Evangelischen Pressedienst.

ERF: Und das Problem haben derzeit alle Tafeln: Steigende Kundenzahlen, steigende Betriebskosten und sinkende Lebensmittelspenden.

Katja Völkl: Ja und zwischenzeitlich waren sogar Aufnahmestopps nötig. Die Neukunden mussten auf Wartelisten gesetzt werden. Allerdings gilt diese Vorgehensweise oft nur für einzelne Ausgabetage oder Ausgabestellen, so dass es immer Unterstützung für Notleidende gibt – so Katja Bernhard. Gleichzeitig betonte sie, dass die Tafeln lediglich ein Ergänzungsprogramm sind: „Tafeln helfen, weil sie wollen und nicht, weil sie müssen.“

ERF: Immerhin gibt es vom Land Hessen eine 2,2 Millionen Euro starke Soforthilfe. Damit wird verhindert, dass Tafeln schließen müssen.

Katja Völkl: Und so ist Katja Bernhard auch zuversichtlich, dass die Tafeln die Herausforderungen meistern.
 

Katholische Priester von russischen Einheiten festgenommen

ERF: Wir schauen ins Ausland: Russische Einheiten haben zwei katholische Priester in der Südostukraine festgenommen.

Katja Völkl: Das berichtet das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“. Die Geistlichen sollen Waffen und Sprengstoff besessen haben und einen „terroristischen Akt“ vorbereitet haben. Das teilte „Kirche in Not“ mit, unter Berufung auf den Bischof des ukrainischen griechisch-katholischen Exarchats Donezk, Stepan Meniok.

ERF: Meniok hat die Vorwürfe gegen die Priester als falsch zurückgewiesen und fordert ihre Freilassung. Die Festnahme sei „grundlos und rechtswidrig“ erfolgt, so Meniok wörtlich.

Katja Völkl: Noch etwas zum Hintergrund: Die Priester arbeiten seit mehr als drei Jahren in der Stadt Berdjansk. Durch die russische Invasion in der Ukraine steht die Stadt jetzt unter russischer Besatzung.


Weihnachtsgeschenke für Häftlinge

ERF: Manche Pakete können Licht hinter Gitter bringen.

Katja Völkl: So beschreibt es Ute Passarge gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Die Ehrenamtskoordinatorin des Schwarzen Kreuzes meint damit die Wirkung von Weihnachtsgeschenken für Häftlinge. Aus Dankesschreiben weiß sie, dass eine solche Aufmerksamkeit Menschen hinter Gittern mehr bedeutet als ein bisschen Nascherei.

ERF: Mit der Weihnachtsgeschenkaktion soll den Gefängnisinsassen signalisiert werden: „Du bist uns nicht egal“. Dabei kann so ein Päckchen auch mit Blick auf eine Resozialisierung einen positiven Schub geben, sagt Ute Passarge.

Katja Völkl: Im Allgemeinen dürfen Inhaftierte keine Weihnachtspakete bekommen, weil der Kontrollaufwand zu hoch wäre. Deshalb bitten einige Justizvollzuganstalten das Schwarze Kreuz um Unterstützung.

ERF: Jedes Jahr besuchen freiwillige Helfer an Heiligabend die Menschen im Gefängnis und überreichen die Geschenke. Was da rein darf, ist klar definiert. Und eine Feile oder Spitzhacke gehört nicht dazu …

Katja Völkl: Richtig, auch nicht in einem selbstgebackenen Kuchen versteckt. Was jedoch rein darf, sind Dinge wie Kaffee, Gebäck und Süßigkeiten. Und nach Möglichkeit ein paar persönliche Worte. Das ist für die Insassen nämlich oft wichtiger als das eigentliche Paket, betont Ute Passarge. Daran sieht man, dass es wirklich ein wichtiger und wertvoller Dienst ist.


Schmetterlingsart Landkärtchen ist Insekt des Jahres 2023

ERF: Und zum Schluss noch eine (bunte) Meldung über Landkärtchen.

Katja Völkl: In Zeiten von Navigationsgeräten und Smartphones mit entsprechenden Apps fragt sich vielleicht so mancher, wozu man die noch braucht.

ERF: Allerdings geht es hier nicht um Straßenkarten.

Katja Völkl: Sondern um die Schmetterlingsart Landkärtchen. Die ist nämlich das „Insekt des Jahres 2023“. Der Tagfalter (mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Araschnia levana) hat seinen deutschen Namen von der Zeichnung seiner Flügelunterseite: Die feinen Linien erinnern an eine Landkarte. Die Landkärtchen fühlen sich in lichten Wäldern, Waldrändern, Übergangsmooren und strukturreichen Kulturlandschaften wohl. Intensiv bewirtschaftete Landwirtschaftsflächen meiden sie. Im Frühling sind sie orange-braun und im Sommer schwarz-braun gemustert.

ERF: Schon interessant, dass sich manche Tierarten den Jahreszeiten entsprechend kleiden.

Katja Völkl: Ja, das sollten wir auch tun. Zumindest in einigen Regionen Deutschlands muss man sich in den nächsten Tagen wohl etwas wärmer anziehen.

ERF: In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein gesegnetes und kuschelig warmes zweites Advents-Wochenende. 

 Katja Völkl

Katja Völkl

  |  Redakteurin und Moderatorin

Die gebürtige Münsteranerin ist für aktuelle Berichterstattung zuständig. Von Hause aus ist sie Lehrerin für Deutsch und Philosophie und Sprecherzieherin. Sie liebt Hunde, geht gerne ins Kino und gestaltet Landschaftsdioramen.

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