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04.04.2012 / Kommentar / Lesezeit: ~ 1 min

Autor/-in: Andreas Odrich

Ruhe tut Not

Der Widerstand gegen das Unterhaltungsverbot am Karfreitag wächst. Schade, wo wir gerade heute diesen TÜV für die Seele brauchen.

Einmal im Jahr alles auf „Null“ stellen. Einmal im Jahr einen Ruhetag einlegen und im wahrsten Sinne des Wortes zur Besinnung kommen. Und zwar ganz bewusst und gemeinsam als ganze Nation.

Denn irgendwann einmal muss aufgearbeitet werden, was uns allen auf der Seele brennt. Der Tod des Mädchens in Emden zum Beispiel. Oder die sogenannten Dönermorde, wo allein schon die Wortwahl für diese Taten eine gesellschaftliche Entgleisung ersten Ranges darstellt. Oder die Frage, warum wir hier in der westlichen Welt auf Kosten der meisten anderen Menschen auf diesem Globus leben.
 

Schnell zurück zur Tagesordnung
Gerade der Karfreitag bietet dazu einen hervorragenden Anlass. Denn er handelt davon, wie der Mensch sich von sich selbst entfremdet hat, und wohin seine Gottesferne führt. Und dass er lieber bereit ist, Gott selbst am Kreuz zu opfern statt für seine eigenen Taten einzustehen.

Niemand will ich die Bereitschaft absprechen, darüber nachzudenken. Aber in unserer Mediengesellschaft reagieren wir nur noch reflexartig. Wenn ein Fußballtorwart sich das Leben nimmt, dann sitzen alle betroffen vor dem Fernseher. Wenn die Loveparade in einer Katastrophe endet, steht die Nation Kopf. Aber nur um danach wieder zur Tagesordnung überzugehen.

Ein TÜV für die Seele
Wir brauchen einen Tag wie Karfreitag. Mindestens. Ein Bußtag zusätzlich würde uns auch nicht schaden. Jeder vernünftige Deutsche bringt sein Auto zum TÜV, damit der Wagen auch in Zukunft rollt. Die halbe Nation ist ständig auf dem Fitnesstrip, damit der Körper lange genug frisch bleibt.

Ich empfehle, das gleiche für den Kopf zu tun und für die Seele. Ja, der Karfreitag ist ein sperriger Feiertag. Ja, der Karfreitag handelt von Schuld und Sühne. Aber billiger geht es eben nicht.

Und gerade deshalb frage ich, ob wir uns diesen Tag mit seiner gesetzlich verordneten Ruhe für alle wirklich nehmen lassen wollen?
 

 Andreas Odrich

Andreas Odrich

  |  Leiter Redaktion Aktuell

Er leitet die Redaktion Aktuelles und Gesellschaft. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und ist begeisterter Opa von drei Enkeln. Der Glaube ist für ihn festes Fundament und weiter Horizont zugleich.

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Kommentare (17)

Katrin /

Gottseidank müssen wir Christen ja nicht alles mitmachen. Viele tun es aber trotzdem.
Die Sache mit dem öffnen der Einkaufzentren am Sonntag war sicherlich ein Anfang......

Peter /

Die Welt, in der wir leben ist nun einmal heidnisch. heidnisch in dem Sinne, daß die Kirchen zwar Weihnachten voll sind, weil, "das gehört sich nun einmal so", im Großen und Ganzen aber selbst mehr

Ullrich P /

Karfreitag als Austag ist bestimmt für viele Seelen wichtig. Ich meine aber, dass eigentlich jeder Sonntag mit Ruhe und einem gesegneten Gottesdienst richtig ausgefüllt, anstatt zu vieler anderer mehr

Wolfgang T. /

Ich ging in meinen alten Leben auch in Discos und hatte mich auch geärgert das an Karfreitag keine Musik gespielt werden durfte.
Für viele Menschen ist Stille unerträglich und trotzdem ist sie so mehr

Jutta /

Mir geht es ein bisschen wie Herrn Johann H. Als ich Teenie war, war alles noch gemäßigter und ruhiger. Das vermisse ich sehr. Schlimm finde ich, dass für alles Toleranz gefordert wird, aber dass mehr

Martin A /

Gesegnetes Osterfest Ihnen allen!
Die heutige Welt hat ein Problem damit, wenn ein Ruhetag "verordnet" ist. Das gilt für den Karfreitag genauso wie für den Sonntag und andere Feiertage.
Nur ... ist mehr

Friedlinde B /

Einfach mal still vor sich hinsinnen. Gibt es das noch? Wenn ich an die Bilder von Ludwig Richter aus vergangener Zeit denke und das Paar mit ihren Kindern auf der Bank vorm Haus sehe, die in den mehr

Reiner /

Karfreitag habe ich bisher auch eher als einen Tag angesehen, an dem man über seine Verfehlungen und die der Welt nachdenkt. Als ich gestern in Wuppertal an einer Prozession der italienischen mehr

venezia12 /

Vielen Dank für den Beitrag.
Ich kann dem nur aus tiefstem Herzen zustimmen! Für mich ist Karfreitag seit meiner Kindheit ein Tag der Ruhe und Besinnung.
Wussten Sie, dass der Karfreitag in mehr

Thomas A. /

@Ruth. Auf die Frage was Karfreitag bedeutet, bekam ich gestern von einem ehemaligen Ministranten erst nach längerem Überlegen die Antwort. Es hat etwas mit einer Kreuzigung zu tun. Das heißt für mehr

Johann H /

Moin zusammen,
als ich Teeny war habe ich es nicht verstanden, da gab es diesen Trubel, wie er heute ist noch nicht, dass ist etwa 35 Jahre her. Jetzt frage ich mich wirklich, ob die Entwicklungen mehr

Ruth B /

Karfreitag=Gedenktag an das Sterben unseres HERRN.
Wer Jesus nicht hat, braucht auch keinen Gedenktag. Wenn ich jemanden nicht kenne wie soll ich an ihn denken, weil fromme Kreise es so wollen? mehr

maite /

ich finde den beitrag und die nachdenklichkeit gut, auch wenn ich nicht der meinung bin, dass karfreitag etwas zu tun hat mit dem nachdenken über das, was in der welt schief, krumm und ungerecht mehr

Thomas A. /

Karfreitag, ein stiller Feiertag. Eigentlich müßte jeder Dankbar sein, egal ob gläubig oder nicht, über einen Tag ohne Unterhaltung. Aber stimmt das überhaupt? In meinem TV kommt weiterhin das mehr

S., Gerhard /

Unabhängig davon, wie man zum Geschehen des Karfreitag steht, ist es doch sehr verwunderlich, wenn Menschen nicht einmal an einem Tag im Jahr von Lärm und Trubel Abstand nehmen können oder wollen. mehr

ERF - Fan /

Danke für den guten Beitrag. Der Karfreitag war düster eigentlich nur für Jesus selbst. Für uns ist es ein Tag der Befreiung von der Last der Schuld.

Eva F /

Vielen Dank für die Worte zu Karfreitag. Sie helfen, auch mit nicht-gläubigen Menschen ins Gespräch zu kommen. Aber auch mir persönlich nochmal zu zeigen, wie es "um mich bestellt" ist, bzw. wäre, wenn es Karfreitag nicht gäbe.

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