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© Yasmin Peyman / unsplash.com

10.04.2026 / Aktuelles / Lesezeit: ~ 9 min

Autor/-in: Ester Heinzmann

Vom Freund zum Feind: Israel und der Iran

Persiens lange Geschichte mit den Juden und wie sie mit dem aktuellen Konflikt zusammenhängt.

Ende Februar starteten Israel und die USA einen Militärschlag gegen das iranische Regime. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer jahrzehntelangen Feindschaft. Seit der Islamischen Revolution 1979 verfolgt das iranische Mullah-Regime ein erklärtes Ziel: die Vernichtung des Staates Israel. Es finanziert Terrororganisationen, baut sein Raketenprogramm aus und arbeitet an der Atombombe – stets mit Israel im Visier. 

Nun zogen Israel und die USA Konsequenzen: Es ist zum Krieg gekommen. Doch hinter diesem modernen Konflikt verbirgt sich eine Geschichte, die weit älter ist – eine Geschichte, in der Perser und Juden nicht immer Feinde waren. Ausgerechnet jetzt – inmitten des Krieges – wird diese jahrtausendealte Beziehung wieder lebendig. 

Khamenei: Tod eines Tyrannen

Die ersten Angriffe erfolgen am Morgen des 28. Februar 2026. Zuvor waren die Verhandlungen über das Atomprogramm des Irans erneut gescheitert. Die ersten Luftangriffe gelten dem Regime, allen voran dem „obersten Führer“ Ayatollah Ali Khamenei. Am Abend folgt die Bestätigung: Khamenei ist tot.

Seit dem Tod des Regime-Gründers Ayatollah Ruhollah Khomeini 1989 hatte Khamenei mit eiserner Hand geherrscht. Im eigenen Volk galt er vielen als das menschgewordene Gesicht des Bösen. Er ließ Frauen unterdrücken und Andersdenkende foltern und hinrichten. Bei den landesweiten Anti-Regierungs-Protesten sollen im Januar 2026 zehntausende Demonstranten brutal ermordet worden sein. Und wie kein anderer verkörperte Khamenei den fanatischen, religiös motivierten Hass auf Israel.

Der Iran antwortete auf den Angriff der USA und Israels mit hunderten ballistischen Raketen, gerichtet auf die israelische Zivilbevölkerung. Dabei setzt er vermehrt Streumunition ein. Dank modernster Luftabwehr und eines ausgeklügelten Frühwarnsystems ist der Schaden auf israelischer Seite bislang gering, dennoch kommen Menschen ums Leben, tausende wurden bereits verletzt.

Verbündete im Schatten des Regimes: Israelis und Iraner

Doch die Resilienz der Israelis ist ungebrochen. Sie hoffen, dass dieser Militärschlag endlich zum Niedergang eines Regimes führt, das sie seit Jahrzehnten terrorisiert. Zudem empfinden sie tiefe Sympathie mit den Menschen im Iran. Aus ihren Schutzbunkern posten viele auf Social Media Botschaften an die Iraner: „Haltet durch, Hilfe ist unterwegs.“

Auch viele Iraner sehen in den Israelis Verbündete. In den Wochen, die dem Krieg vorangingen, forderten Demonstranten und Aktivisten im Iran und im Ausland, einen Militärschlag gegen das Mullah-Regime. Dabei wurde ein Appell in Israel besonders wahrgenommen: Einst schenkte der Perserkönig Kyros den Juden die Freiheit – nun möge Israel dem iranischen Volk zur Freiheit verhelfen. 

Mit dem Tod Khameneis scheint dieser Moment nähergekommen: Auf den Straßen westlicher Großstädte versammeln sich im Anschluss hunderte Exil-Iraner, jubeln und schwenken die Löwen-und-Sonnen-Flagge neben der Fahne Israels. In London tanzen Iraner und Juden gemeinsam zu israelischer Musik. In Paris, Athen und Baku werden vor den israelischen Botschaftsgebäuden Blumen niedergelegt.

Dass Iraner und Israelis sich in diesem Moment so nah sind, wirkt auf den ersten Blick paradox. Doch ihre Beziehung ist weitaus älter als das Mullah-Regime und reicht bis in biblische Zeiten zurück.

Persien in der Bibel

Das antike Persien wird in der Bibel als eines der wenigen Reiche beschrieben, das den Juden gegenüber wohlwollend handelte. Es waren die Perser, die die Juden aus der Gefangenschaft der Babylonier befreiten. Der Perserkönig Kyros der Große entließ sie in die Freiheit und ordnete den Wiederaufbau des jüdischen Tempels in Jerusalem an. Kyros ist auch der einzige Nichtjude, den Gott in der Bibel als „mein Gesalbter“ bezeichnet. 

Außerdem bekleideten Juden im Perserreich hohe Ämter. Daniel wurde vom Mederkönig Darius hochgeschätzt. Nehemia genoss als Mundschenk das besondere Vertrauen des Königs Artaxerxes. Mit königlicher Eskorte kehrte er als Statthalter nach Jerusalem zurück, um den Wiederaufbau der zerstörten Stadtmauern zu leiten. Und als der Amalekiter Haman die Juden Persiens vernichten wollte und letztlich scheiterte, wurde der Jude Mordechai ins zweithöchste Amt des Reiches befördert.

Die Perserkönige ermöglichten den Juden die Rückkehr ins Land Israel. Doch die meisten zogen das Leben in den wirtschaftlichen Zentren des Reiches vor – und über Jahrhunderte wuchs dort eine bedeutende jüdische Gemeinde heran. 

Juden in Persien: Wie die Islamisierung alles veränderte

Mit der arabisch-muslimischen Eroberung Persiens im 7. Jahrhundert und besonders nach der Einführung des schiitischen Islams als Staatsreligion im 16. Jahrhundert verschlechterte sich die Situation der Juden in der Region drastisch. Immer wieder kam es zu Massakern und auch zu Zwangskonvertierungen ganzer Gemeinden. 

Erst die Modernisierung und Säkularisierung durch die Pahlavi-Dynastie, die von 1925 bis 1979 herrschte, setzte dem ein Ende. Diskriminierende Gesetze wurden aufgehoben und Zwangskonversionen verboten. Jüdische Schulen durften Hebräisch unterrichten und Juden konnten in den Staatsdienst eintreten. Dennoch blieb Antisemitismus in Teilen der Gesellschaft lebendig. Dies war einer der Gründe, warum bereits vor der Islamischen Revolution rund 70 000 iranische Juden nach Israel auswanderten.

Unter den Pahlavi-Schahs blühten die iranisch-israelischen Beziehungen auf. Der Iran war eines der ersten muslimischen Länder, die den modernen Staat Israel anerkannten. 

Die beiden Länder kooperierten in der Landwirtschaft, bei Bewässerungstechnologien sowie auf Militär- und Geheimdienstebene. Iranisches Öl deckte 90 Prozent des israelischen Bedarfs ab, Israel diente dem Iran als Durchgangsland für seine Ölexporte nach Europa. Kurz vor der Islamischen Revolution arbeiteten israelische und iranische Forscher gemeinsam an der Entwicklung von Raketentechnologie.

Vom Verbündeten zum Erzfeind

Dies änderte sich mit der Islamischen Revolution 1979. Die Mullahs übernahmen als strenggläubige schiitische Geistliche die Macht und setzen sich an die Spitze des neuen Regimes. Die Folge: Israelhass wurde zur Staatsdoktrin. Geleitet von einer gefährlichen Endzeit-Ideologie sind die Mullahs überzeugt, dass der Mahdi, der Zwölfte Imam, am Ende der Tage erscheinen wird. Doch dem muss die Vernichtung des jüdischen Staats und die Befreiung Jerusalems aus der Hand der Juden vorausgehen. Die Auslöschung Israels ist für das Regime also eine religiöse Pflicht.

Bis heute sind die Auswirkungen davon spürbar: Die jüdische Gemeinde schrumpfte von rund 80 000 im Jahr 1979 auf heute knapp 8 000 Mitglieder. In der Führungsriege des Landes sind antisemitische Verschwörungsmythen sowie Holocaustleugnung Programm. Der Judenstaat gilt als illegitimes Symbol des westlichen „Imperialismus“ im muslimischen Nahen Osten, das es zu vernichten gilt.

Diese religiösen Vernichtungsfantasien erklären, warum weder diplomatische Verhandlungen noch wirtschaftliche Sanktionen Teheran von seinem Kurs abbringen. Sie sind auch der Grund, warum der Iran Milliardensummen in die Auslöschung Israels investiert, während seine Bevölkerung verarmt. Dabei verfügt der Iran über eine der größten Erdöl- und Erdgasreserven der Welt.

Wichtigste Stütze des Regimes und wichtigstes Instrument seiner Ideologie sind die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC). Ihre Loyalität gilt nicht dem iranischen Volk, sondern dem Regime. Ihr Auftrag ist, die „Islamische Revolution“ ins Ausland zu exportieren. Seit Jahrzehnten rüsten sie dafür im gesamten Nahen Osten Terrororganisationen auf: die Hisbollah im Libanon, Hamas und den Palästinensischen Islamischen Dschihad im Gazastreifen, pro-iranische Milizen in Syrien und im Irak sowie die Huthi im Jemen.

Dieses Terrornetzwerk, das Israel von allen Seiten umzingelt, hat ein Ziel: Den jüdischen Staat durch koordinierte Angriffe an mehreren Fronten zu zermürben und letztlich zu vernichten.

Die Bedrohung durch das iranische Atomprogramm

In den 2000er Jahren spitzte sich der Konflikt zwischen Israel und dem Regime in Teheran zu, als geheime iranische Atomanlagen aufgedeckt wurden. Äußerungen wie die des damaligen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad, Israel müsse „von der Landkarte getilgt“ werden, ließen keinen Zweifel daran, welchem Zweck diese Anlagen dienen.

Der Westen, angeführt vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama, versuchte mit dem Regime zu verhandeln. Die Israelis zogen einen Vergleich zur Appeasement-Politik der 1930er Jahre. Das 2015 unterzeichnete Atom-Abkommen bestätigte ihre Bedenken: es legte nicht die Beendigung des Atomprogramms fest, sondern lediglich seine vorübergehende, zeitlich begrenzte Einschränkung.

Durch Cyberangriffe und Sabotageakte konnten Israel und seine Verbündeten das Atomprogramm immer wieder zurückzuwerfen. Dann wurde 2021 bekannt, dass der Iran bereits Uran auf einen Reinheitsgrad von 60 Prozent anreicherte. Von 60-prozentigem Uran ist es nur ein kleiner technischer Schritt zu atomwaffenfähigem 90-prozentigem Uran.

Der 7. Oktober 2023: Zäsur für Nahost

Der Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 markierte eine Zäsur. Einen Tag lang schien es, als läge Israel am Boden. Heute, zweieinhalb Jahren später, ist der jüdische Staat die regionale Supermacht im Nahen Osten.

Nach zwei Jahren Krieg sind die Hamas im Gazastreifen und Hisbollah im Libanon schwer dezimiert, ihre gesamte Führung wurde ausgeschaltet. Der syrische Diktator Baschar al Assad, ein Verbündeter der iranischen Mullahs, ist nach Moskau geflohen.

Und nachdem der Iran im April 2024 seinen Stellvertreterkrieg eskalierte und Israel erstmals direkt angriff, folgte im Juni 2025 der israelische Gegenschlag. Zwölf Tage lang flogen israelische Kampfjets ungehindert am Himmel über Teheran und mit Unterstützung der USA wurden die lange gefürchteten Atomanlagen umfassend beschädigt.

Der aktuelle Militärschlag Israels und der USA könnte einen Systemwechsel in Teheran bewirken, womit der Kopf des Terrornetzwerks im Nahen Osten endgültig ausgeschaltet würde.

Neben der Führung des Regimes und der IRGC-Infrastruktur steht das ballistische Raketenarsenal im Visier, das auf mehr als 3 000 Geschosse geschätzt wird. Hinzu kommen die in Entwicklung befindlichen ballistischen Interkontinentalraketen, die auch Europa und die USA bedrohen könnten. 

Ein neuer Naher Osten?

Ob dieser Krieg den Beginn eines neuen Iran markiert, bleibt offen. Auch ob dieser neue Iran wieder wie zu Zeiten des Schahs ein Partner Israels und des Westens werden würde. Und obwohl ein Regime-Wechsel noch nie so greifbar war wie jetzt, bezweifeln viele Experten, dass dieser allein durch Luftschläge herbeigeführt werden kann. Zu tief reicht die Loyalität der IRGC, zu weitreichend sind ihre Machtstrukturen in Politik und Gesellschaft.

Andere Experten warnen vor einem Machtvakuum, das ein geschwächter Iran hinterlassen könnte. Die Türkei, die offen den Anspruch verfolgt, zur führenden Macht der islamischen Welt aufzusteigen, würde diese Lücke nur zu gerne füllen.

Zumindest scheint die unmittelbare Bedrohung zurückgedrängt. Mit der Zerstörung des ballistischen Raketenarsenals sowie der Atom- und Militäranlagen ist eine Gefahr beseitigt, die nicht nur Israel, sondern die gesamte Region in Atem gehalten hat. Den sunnitischen Golfstaaten, allen voran den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien, könnte dies den Weg freimachen für einen Nahen Osten, den sie seit Jahren anstreben: politisch stabil, wirtschaftlich vernetzt und im Frieden mit Israel.

Israelis und Iraner: gemeinsame Hoffnung

Im Londoner Stadtteil Golders Green haben Anwohner entlang einer Mauer tausende Poster aufgehängt. Sie zeigen lächelnde, vor allem junge Menschen. Es sind die Gesichter von Demonstranten, die im Januar bei der Niederschlagung der landesweiten Proteste im Iran ermordet wurden. Exil-Iraner besuchen die Mauer, legen Blumen und Teddybären nieder, zünden Kerzen an. Der Ort der Gedenkmauer ist bezeichnend: sie markiert das Grundstück einer Synagoge. Etwa die Hälfte der Einwohner von Golders Green sind Juden.

Nach dem 7. Oktober 2023 hingen an dieser Mauer Poster der 251 in den Gazastreifen verschleppten Israelis. Seitdem im Januar 2026 der Leichnam der letzten Geisel nach Israel zurückgebracht wurde, ist die einzige Erinnerung an jenen furchtbaren Tag eine Collage der Israelis, die auf dem Nova-Festival ermordet wurden. Sie hängt nun Seite an Seite mit den Bildern iranischer Todesopfer.

Dass Iraner inmitten einer jüdischen Nachbarschaft ihrer Toten gedenken, spiegelt wider, was der aktuelle Krieg auf menschlicher Ebene bewegt. Israelis und Iraner, Juden und Perser, kommen einander näher. 

Sie verbindet die Sehnsucht danach, endlich in Frieden zu leben, frei von einem Regime, das den jüdischen Staat, aber auch die eigene Bevölkerung seit Jahrzehnten terrorisiert.

 

Dieser Artikel wurde bereitgestellt von TBN Israel. TBN Israel ist Teil der Sar-El Group, eine familiengeführte Unternehmensgruppe mit Sitz in Jerusalem, die Christen weltweit mit Israel verbindet – durch Medien, Reisen, Begegnungen und mehr. Weitere Informationen finden Sie auf: www.sareltours.com/de
 

Autor/-in

Ester Heinzmann

  |  Freie Mitarbeiterin

Ester Heinzmann arbeitet als Content Creator bei TBN Israel. Die gebürtige Deutsche lebt in Jerusalem und möchte Menschen in Deutschland ein differenziertes Bild des modernen Israels vermitteln. TBN Israel ist Teil der Sar-El Group, eine familiengeführte Unternehmensgruppe mit Sitz in Jerusalem, die Christen weltweit mit Israel verbindet – durch Medien, Reisen, Begegnungen und mehr.
Weitere Informationen finden Sie auf: www.sareltours.com/de

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Kommentare (2)

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Jo B. /

Liebe Ester Heinzmann,
vielen Dank für diesen guten Artikel. Hoffentlich wird er noch von vielen Menschen gelesen. GOTT segne Sie!

Philipp W. /

Vielen Dank für den Artikel, er gibt eine gute Übersicht über Regionen in denen man leicht den Überblick verlieren kann. Ich las vor Kurzem an anderer Stelle, dass seit dem 7. Oktober 2023 mehrere mehr

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