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14.03.2011 / Kommentar / Lesezeit: ~ 1 min

Autor/-in: Michael Gerster

Fukushima und die Folgen

Der Traum von der sicheren Atomenergie ist ausgeträumt. Je komplexer die Technik, desto größer das Restrisiko. Ein Kommentar

Es sind erschütternde Bilder und Videos, die man aus Japan zu sehen bekommt. Noch erschütternder ist aber das drohende Szenario einer nuklearen Katastrophe. Erinnerungen an den Super-GAU von Tschernobyl werden wach. Welche Folgen würde solch eine Katastrophe für Japan, für den asiatischen Raum und letztlich auch für die Welt bedeuten? Konnte man sich im Westen im Hinblick auf das Unglück in Tschernobyl noch damit trösten, dass man ja die bessere und sicherere Technik habe, so lässt sich dieses Argument jetzt nicht mehr anführen.

Und so scheint auch die Pro-AKW-Front an allen Enden zu bröckeln oder zumindest sehr viel stärker hinterfragt zu werden. Kanzlerin Merkel hat denn auch krisenbewusst einen Sicherheits-Check für deutsche Reaktoren eingefordert. Selbst Länder wie Indien kündigen Sicherheitsüberprüfungen an.

Doch so sinnvoll diese Überprüfungen auch sein mögen, für eins können sie nicht sorgen: Eine hundertprozentige Garantie, dass Atomtechnik sicher ist. Wie bei allen komplexen Technologien bleibt ein Restrisiko. Und dieses Restrisiko kann im Hinblick auf Atomkraft nun mal verheerende Folgen haben.

Mich wundert der – wahrscheinlich gut gemeinte – Sicherheitsaktionismus mancher Politiker. Vor allem stimmt er mich nachdenklich: Waren die bisherigen Sicherheitsrichtlinien nicht ausreichend?

Wenn sie ausreichend waren, dann geht es bei diesen Sicherheitschecks doch in erster Linie darum, die Wähler in Sicherheit zu wiegen, die jetzt vielleicht die Atompolitik der Bundesregierung kritisch hinterfragen. Und falls sie nicht ausreichend waren, dann frage ich mich, wie man mit gutem Gewissen die Betriebsdauer deutscher AKWs verlängern konnte.

So oder so: Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, den auch noch so ausgefeilte Sicherheitschecks nicht zu beseitigen vermögen. Und der sich im Superwahljahr 2011 sicher auch in etlichen Wahlentscheidungen niederschlagen wird.

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Kommentare (13)

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Karl /

Liebe Freunde
Ich glaube,ich spreche im Namen aller, wenn ich sage, dass keiner die Kernenergie wirklich möchte. Aber seien wir doch bitte nicht scheinheilig! Unserer Glitzer und Glamour Welt mit mehr

Norbert Denzel /

Ich glaube wir sollten uns endlich im Klaren sein, dass wir nur scheinbar in einer Demokratie leben. Dass die Atomkraftwerke hier im Lande munter weiterbetrieben werden, ist nur auf die Lobbyarbeit mehr

Bollmann Friedlinde /

Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen. Wer ist es der uns Hilfe bringt, dass wir Gnad erlangen? Das bist du, Herr, alleine. Uns reuet unsere Missetat, die dich, Herr, erzürnet hat. Heiliger mehr

Carolina /

Was mich bei der ganzen aktuellen Diskussion wahnsinnig aufregt, ist das Menschenbild, welches wir / unsere Politik offensichtlich pflegen. Wir reden von Restrisiko im Bereich von 10 hoch minus 7? mehr

Thomas /

Es geht den Verantwortlichen (Beteiligten) nicht um Sicherheit, sondern um Gewinne. Besonders nach dem Beginn der Rezession ist der Profit-Druck (Verpflichtungen gegenüber den Weltbanken) so hoch das mehr

Michael Gerster /

@Manfred
Österreich besitzt keine AKWs, das ist tatsächlich falsch formuliert. Ich habe das noch mal genauer recherchiert: Österreich bezieht allerdings Atomstrom aus anderen Ländern und sieht vor allem die Gefahr durch veraltete AKWs der Nachbarländer. Deshalb fordert es auch EU-weite Stresstest.

Gerhard Fuhrmann /

Absolute Sicherheit gibt es in diesem Leben nie. Da helfen auch keine Checks,obwohl die wohl auch ihren Sinn haben mögen. zZt jedoch haben wir es in Japan mit einem Erdbeben zu tun,dass in 1000 Jahre mehr

Wolfgang /

Vielleicht sollte sich der ERF mal wieder um das "Kerngeschäft" kümmern !
Die Welt muß von Gottes Liebe, aber auch von seinem nahenden
Gericht erfahren und jetzt ist die beste Möglichkeit dazu mehr

Manfred /

Im Beitrag von M. Gerster ist u.a. zu lesen: "Auch Österreich und selbst Länder wie Indien kündigen Sicherheitsüberprüfungen an." M. W. verfügt Österreich über keine Kernkraftwerke. Worauf bezieht sich dann die "angekündigte Sicherheitüberprüfung"?
Gruß Manfred

Michael Gerster /

@Müller
Vielen Dank für Ihren Beitrag. Bei einem Kommentar geht es um eine Stellungnahme, also muss man Position beziehen. Ich bin in dem Beitrag nicht auf die Frage nach den politischen Motiven mehr

Unternehmer /

Wenn die größte Zeitung tagelang Katastrophen-Schlagzeilen druckt,
die Börse um X% einkracht, dann ist Totengräber-Stimmung im Land,
dann wird Volksdepri verordnet. Überall Schweigen und die mehr

Müller /

Der ERF sollte sich nicht politisch auf eine Seite schlagen. Dieser Aufsatz ist sehr einseitig. Auch die Bundesregierung ist für den Ausstieg aus dieser gefählichen Technologie, aber in einem realistischen Zeitraum. Es braucht Zeit, um alternative Energie und die Infrastruktur aufzubauen.

Roesger /

Man spricht jetzt schon von der Abschaltung bestimmter Kraftwerke! Für mich bedeutet dieses eine Vollbremsung. Und ich nehme mir die Freiheit, die Politiker daraufhin anzusprechen wie es sein kann, mehr

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