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© Evang.-Luth. Kirche in Bayern, via Wikimedia Commons [Copyrighted free use]

09.11.2015 / Kommentar / Lesezeit: ~ 2 min

Autor/-in: Andreas Odrich

Ethik der Einfühlsamkeit

EKD-Synode sieht Hilfe für Flüchtlinge als Aufgabe für Christen.

„Wir schaffen das“: Auch die EKD-Synode, das Parlament der Evangelischen Kirche ist sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel einig: Die Not der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, lässt sich bewältigen. Das ist ein klares Zeichen der EKD-Synode, die seit Sonntag in Bremen tagt.

So erinnerte der Friedensbeauftragte der EKD – der Schriftführer der evangelischen Kirche im Stadtstaat Bremen Renke Brahms – beim Eröffnungsgottesdienst daran, dass in Deutschland schon einmal etwas gelungen sei, was eigentlich unglaublich schien. „Wo wären wir heute, wenn die Menschen in Leipzig und Dresden nicht in mit dem Beten begonnen hätten?“, so Renke Brahms in Anspielung auf die Friedliche Revolution und den Mauerfall am 9. November 1989.

Christen sind gefordert

Auch der Ratsvorsitzende der EKD, der Bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, ist davon überzeugt, dass die Christen beim derzeitigen Andrang der Flüchtlinge in Deutschland besonders gefordert sind. Er bezieht diesen Auftrag aus dem Evangelium. „Christen und Juden glauben an einen Gott der Barmherzigkeit“, aus diesem Glauben leite sich für Christen und die Kirche eine Ethik der Einfühlsamkeit ab.

Dabei dürfe es durchaus Diskussionen zur Flüchtlingsfrage aus unterschiedlichen Perspektiven geben. Eine klare Absage aber erteilt Bedford-Strohm Parolen aus dem rechtsradikalen Lager, „wie sie bei Pegida oder auf einigen AfD-Veranstaltungen zu hören“ seien. „Das Erschreckendste am Rechtsradikalismus und seinen rechtspopulistischen Vorstufen ist die menschliche Kälte, die unberührt bleibt vom Leid der Menschen, um die es geht,“ sagt Bedford-Strohm.

Politisch klares Profil – bei der Glaubens-Verkündigung noch auf der Suche

Die EKD-Synode tagt noch bis Mittwoch. Dabei wählt sie einen neuen Rat, das höchste Gremium der Evangelischen Kirche. Sie tut dies auch auf dem Hintergrund ständig schrumpfender Mitgliedszahlen und weiteren Kirchenaustritten.

Heinrich Bedford-Strohm sieht eine Aufgabe für alle Christen darin, den Glauben einladend zu leben. Die Synodal-Präses und ehemalige Bundesbauministerin Irmgard Schwaetzer rät hingegen dazu „sehr genau hinzuschauen, wie Verkündigung funktionieren“ könne und steht „allen Konzepten kritisch gegenüber, die flächendeckend für ganz Deutschland eine Lösung anbieten.“

Doch genau diese Konzepte braucht die Kirche – und zwar genauso sicher und klar, wie sie sich sonst in politischen Fragen positioniert.

Autor/-in

Andreas Odrich

  |  Redakteur

Andreas Odrich war als geborener West-Berliner, Jahrgang 1959, unter anderem Hauptstadtreporter, Radiochefredakteur im ERF und Leiter der Arbeitsgemeinschaft evangelischer Rundfunk. Sein Leitsatz als Journalist: „Jetzt bin ich aber mal neugierig“. Derzeit ist er unter anderem als Moderator in „Das Gespräch“ zu hören und als freier Autor und Sprecher tätig.

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Kommentare (11)

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Ulrich H. /

Guten Morgen Jaques, ich glaube, wir sollten mal die Adressen austauschen :o)!
Ich kann hier nur zustimmen! Vieles, was ich liebe an der evangelischen Kirche, finde ich nicht in der FEG. Die FEG, in mehr

Jaques L. /

Hallo Ulrich,
Du sprichst mir aus der Seele. Auch ich verfolge schmerzlich den Abstieg der evangelischen Kirche in Deutschland. Mir fällt es auch schwer sie zu verlassen. Eigenes Engagement, sie mehr

Ulrich H. /

Hallo Jaques,
ich komme aus einer Stadt mit ca. 20.000 Einwohnern. Wir hatten damals 3 Pfarrer (!). Heute sind es 2 halbe Pfarrstellen - das teilt sich ein Pärchen, das nicht miteinander mehr

Jaques L. /

Hallo Ulrich,
danke für Deinen aufbauenden Kommentar. Ich weiß, da schwingt schon der Sarkasmus eines Desillusionierten mit in meinen Worten. Aber es ist schon erstaunlich wie Gott Dich gerufen hat mehr

Ulrich H. /

Hallo Jaques,
über manche Formulierungen von Dir muss ich wirklich lachen! Sehr gut!
Ich habe mich wirklich jahrelang geärgert über "meine" evangelische Kirche, der ich seit Geburt angehöre. Ich mehr

Jaques L. /

Hallo Ulrich,
so ist es - das Bild von den grauen Bremer Herrschaften, die der Welt ihre Buntheit verkünden, bleibt im Gedächtnis. Ich vermute, wer da nicht mit von der Partie war, der musste ein mehr

Ulrich H. /

Hallo Jaques,
ich habe ich über Deine Antwort gefreut. Seit einiger bete ich wieder für die Kirche in Deutschland, nicht nur für die verfolgten Kirchen im Ausland. Ich denke da an C.H. Spurgeon, mehr

Jaques L. /

Hallo Ulrich,
danke für deine Antwort. Deinen Aussagen über die Kirchenfunktionäre ist zu 100 Prozent zuzustimmen! Es ist tatsächlich nicht einfach für eine lebendige, an Gottes Wort orientierte mehr

Ulrich H. /

Hallo Jaques,
wer nur oberflächlich mit der Kirchenleitung zu tun hat und sich dafür nicht weiter interessiert, für den ist es sicherlich OK, in der evangelischen Kirche zu bleiben, gerade, wenn mehr

Jaques L. /

Ich kann meinem Vorredner Ulrich nur zustimmen. Wenn ich nicht in einer landeskirchlichen lebendigen Gemeinde wäre, wäre ich auch schon ausgetreten und hätte mir eine (neue) geistliche Heimat mehr

Ulrich H. /

Ich bin noch Mitglied der EKD und denke seit Jahren über einen Austritt nach, der mir ganz sicher mit meinen fast 50 Jahren nicht leicht fällt. Aber irgendwie habe ich mit dieser Kirche abgeschlossen mehr

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