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© Raychan / Unsplash.com

05.01.2022 / ERF Global Hope / Lesezeit: ~ 4 min

Autor/-in: Vera Nölke

Es geht weiter – trotz Widerstand

Die Überwachung in China verschärft sich. Was dem ERF Partner TWR dennoch möglich ist.


Stellen Sie sich vor, Sie werden für das, was Sie heute im Internet anklicken, morgen ins Polizeirevier eingeladen und verhört. Klingt für Sie wie der Anfang eines spannenden Films? In China überwacht die Kommunistische Partei tatsächlich die Internettätigkeiten ihrer Bewohner – und dabei vor allem, welche Inhalte sie anklicken. Das passt nicht zur Religionsfreiheit, wie sie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgehalten ist. Diese Erklärung ist in China allerdings kaum bekannt, wie Sie im Artikel „Alle Menschen sind frei zu glauben“ nachlesen können.

Schon seit vielen Jahren engagiert sich der ERF gemeinsam mit seinem Partner TWR dafür, dass Christen in China Zugang zur Bibel und zu christlichen Inhalten haben. Ein wichtiges Angebot ist dabei das digitale Theologie-Studium SOTA. Darüber können sich Christen zu Pastorinnen und Pastoren ausbilden lassen. Einige neue Kursangebote bieten auch Weiterbildungen für Gemeindeleiter.
 

Apps mit religiösen Inhalten sind nicht mehr erlaubt

Seit 2018 verschärft die Kommunistische Partei in China ihre Religionsgesetze, besonders und gerade, was die Nutzung des Internets angeht. Im Oktober erst gab es einige Meldungen in deutschsprachigen Medien darüber, dass China Apple und andere Konzerne aufgefordert hat, Apps mit religiösen Inhalten aus ihren App-Stores zu entfernen. Dazu zählen unter anderem Apps, die Bibeln oder den Koran zum Lesen anbieten. Eine Bibel online zu kaufen, ist bereits seit 2018 nicht mehr möglich.

In den vergangenen zwei Jahren wurden die Gesetze bezüglich des Internets, aber auch religiöse Versammlungen betreffend verschärft und Restriktionen erlassen. Das geschah zum Teil in Bezugnahme auf die Pandemie. An einigen Kirchen hängen nun Hinweisschilder, dass Parteimitglieder diese nicht betreten dürfen, sonst drohen ihnen Strafen und der Ausschluss aus ihrer Partei. Neue Gesetze verbieten es den Gemeindeleitern zudem, öffentlich religiöse Inhalte zu verkündigen. Außerdem werden staatliche Kirchen werden videoüberwacht. In diesen Predigten vermeiden Pastorinnen und Pastoren politische Themen, da ihnen sonst Strafen drohen.
 

Überwachung der Kirchen gestiegen

Im Weltverfolgungsindex von Open Doors landet China im Jahr 2021 auf Platz 17, fünf Plätze höher als noch im Vorjahr. Doch dieser Platz spiegelt die Situation vor Ort nur bedingt wider. Denn die Handlungen und Gesetzeserlassungen der Kommunistischen Partei beginnen mit Überwachungen von chinesischen Christen. Auf Dauerüberwachung folgen Repressalien und schließlich handfeste Verfolgung. Der Staat hat die Voraussetzungen für religiöse Treffen noch einmal so stark angehoben, dass bereits etliche Kirchen schließen mussten oder sich nicht mehr ohne weiteres in ihren Gemeinderäumen treffen können. Die Lösung der Gemeinden ist daher, sich wieder in kleinen Gruppen in Häusern zu treffen. Aber diese Untergrundgemeinden gelten vor dem Gesetz als illegal.

Auch ein lockeres Gespräch über den Glauben im Freundeskreis oder mit Bekannten ist nicht mehr so einfach möglich. Denn die Regierung testet mittlerweile in Pilotprojekten das Modell des Social Scoring. Alle Chinesen haben dabei ein Punktekonto. Weiß jemand von einem illegalen religiösen Treffen und meldet es nicht, werden ihm oder ihr Punkte von diesem Konto abgezogen. So geraten auch chinesische Staatsbürger in Bredouille, die selbst keine Christen sind, aber Christen kennen und von ihren Treffen wissen. So zieht sich der chinesische Staat Denunzianten heran, die ihm über illegale religiöse Aktivitäten seiner Bewohnerinnen und Bewohner Bericht erstatten.
 

Mitarbeiter sind bereit für Veränderungen

Das setzt die Christinnen und Christen sowie die Pastorinnen und Pastoren unter Druck. Viele Gemeindeaktivitäten sind nicht mehr möglich und die Pastoren müssen lernen, umzudenken und anders zu planen. Auch für TWR wird die Arbeit schwieriger. Seit Anfang 2020 merken sie, dass die Restriktionen sie in ihrem Handeln immer mehr einschränken. Denn durch die Versammlungsverbote können sie die Programme von SOTA nicht mehr öffentlich in Kirchen und Gemeinden bewerben. William T., der Leiter von SOTA, lässt sich davon nicht entmutigen:

Wenn die äußeren Umstände sich verschlechtern, zählt innere Stärke. Es gibt ein altes Sprichwort: „Wenn die Lage Mut erfordert, dann schreiten die Mutigen zur Tat“. In der nächsten Zukunft wird die Lage für uns nicht leichter werden, deshalb müssen wir stark bleiben. Und SOTA ist eine Möglichkeit, Christen Mut und Kraft zu geben. – SOTA-Leiter aus China

 

Die SOTA-Ausbildung wird dadurch wichtiger und die Mitarbeiter des Programms reagieren auf die Einschränkungen. Sie bieten weiterhin eine dreijährige Ausbildung an. Die Treffen und Graduierungsfeiern finden dabei online statt. Das soll auch vorerst so bleiben.

Gleichzeitig hat das Team sein Kursangebot für die Studierenden und Absolventen erweitert. Da viele Gemeinden sich in kleine Gruppen aufgeteilt haben und sich nur noch privat treffen, ist die Nachfrage an einigen Themen gestiegen. Vor allem methodische Seminare über das Predigen sind nun noch wichtiger, damit die Gemeindeleitung ihr Wissen an Mitglieder und Leitende der Kleingruppen weitergeben können.

Ein besonderer Grund zum Dank ist, dass es jetzt auch ein Seminarangebot über Kinderstunden gibt. Denn gerade daran ist das Interesse in China sehr hoch. Auch wenn die Situation schwieriger wird, bleibt das SOTA-Team weiter dran, um Leitende einer Gemeinde in China auszubilden.
 

Gebetsanliegen:

  • Wir bitten um Gesundheit für die Leitenden des SOTA-Programms und ihre Familien.

  • Einige unserer SOTA-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten von anderen Ländern aus mit den Studierenden aus China. Bitten beten Sie für Weisheit und Kraft für das Team und für eine gute Zusammenarbeit trotz der großen Entfernung und der durch die Pandemie erschwerten Reisemöglichkeiten.

  • Wir danken Gott für dreißig neue Studierende, die im September mit der Ausbildung angefangen haben. Beten Sie für neue Möglichkeiten, auf SOTA aufmerksam zu machen.

 Vera Nölke

Vera Nölke

  |  Redaktions-Volontärin

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Kommentare (1)

Hartmut G. /

Ich finde es großartig, dass man so intensive für die Christen in China arbeitet. Wir beobachten leider auch solche Entwicklung in unserem Land, auch wenn das viele nicht wahr haben wollen. Wir wollen verstärkt im Gebet vor Gott treten.

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