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© Mahdi Bafande / unsplash.com

28.10.2021 / Bericht / Lesezeit: ~ 6 min

Autor/-in: Vera Nölke

Alle Menschen sind frei zu glauben

Religionsfreiheit ist ein wichtiges Thema. Nicht nur Christen erleben in vielen Staaten Verfolgung.


Kennen Sie diesen Satz: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“? So beginnt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. In 30 Artikeln beschreibt der Bund der Vereinten Nationen grundlegende Rechte. Diese stehen jedem Menschen zu, unabhängig von einer bestimmten Philosophie, Religion oder Nationalität.

Der Zusammenschluss der Vereinten Nationen hat diese Resolution im Jahr 1948 verabschiedet. Das erste Mal auf internationaler Ebene und nicht nur innerstaatlich regelt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unter anderem die Frage: Welche Grundrechte müssen eingehalten werden, damit Frieden herrscht? In Artikel 18 steht, dass alle Menschen ihre Religion frei wählen dürfen:

Jeder hat das Recht auf Gedanken‑, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.

 

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist jedoch eine Resolution, das heißt, sie ist rechtlich nicht bindend. Die Erklärung drückt allein die Absicht aus, die darin verankerten Menschenrechte zu achten. In einigen Teilen der Welt, zum Beispiel in China, ist zudem kaum bekannt, dass es diese Erklärung gibt und der eigene Staat diese Erklärung sogar unterzeichnet hat.

Die Situation in China, aber auch in anderen Staaten, in denen Christen verfolgt werden, zeigt: Verfolgung aufgrund von Religion findet oftmals dort statt, wo auch andere Grundrechte eingeschränkt sind, zum Beispiel die Meinungs- und Pressefreiheit.
 

Woran lässt sich Christenverfolgung erkennen?

Verfolgung zu benennen ist dabei gar nicht so einfach. Viele Organisationen, unter anderem Open Doors, beschäftigen sich ausführlich mit der Frage, ab wann Gläubige Verfolgung ausgesetzt sind. Ist es schon Verfolgung, wenn die Hürden für den Bau einer Kirche in einem muslimisch geprägten Land höher sind als für den einer Moschee? Oder wenn ich als Christ damit rechnen muss, bei Beförderungen benachteiligt zu werden? Was ist noch „nur“ Diskriminierung und wo beginnt schon Verfolgung? Mit dieser Einordnung tun sich viele schwer, selbst Christen aus den betroffenen Ländern stufen ihre persönliche Situation eventuell ganz unterschiedlich ein.

Dementsprechend variieren auch die Zahlen der verfolgten Christen. Verschiedene Statistiken sind sich aber darin einig, dass aktuell mindestens 300 Millionen Christen in über 100 Ländern weltweit Verfolgung und Unterdrückung erleben.

Wenn die Religionsfreiheit in einem Land eingeschränkt wird, stehen am Anfang oft indirekte Methoden der Verfolgung. Hier schränkt der Staat über Gesetze das Recht auf Religionsfreiheit ein. Sie verwehren religiösen Gemeinschaften eine offizielle Anerkennung oder verhindern aufgrund bürokratischer Hürden den Bau einer Kirche. Folglich haben Gemeinden keine andere Chance mehr, als sich im privaten Bereich zu treffen. In einigen Staaten jedoch sind solche Privatgottesdienste nicht gestattet. Möglich wären offizielle Gottesdienste, für die die Gemeinden allerdings keine Anerkennung oder Gebäude erhalten. Ein nie endender Kreislauf für betroffene Gemeinden.

Daneben gibt es noch die direkte Verfolgung. Hier greifen der Staat, die Nachbarn oder sogar die eigene Familie direkt in das Leben der Gläubigen ein und schränken die freie Religionsausübung ein. Das geschieht vielfach durch Ausschluss. So werden etwa Kinder von Eltern, die sich in christlichen Gemeinschaften engagieren, von schulischen Aktivitäten ausgeschlossen und eventuell in ihrer Ausbildung behindert. In vielen Ländern müssen Christen auch damit rechnen, von der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen zu werden. Nicht selten kommt es sogar so weit, dass Christen Haft und körperliche Gewalt fürchten müssen, wenn sie sich zu Jesus bekennen.
 

Zusammenhalt im Gebet

Die oben genannten direkten und indirekten Bedrohungen sind Alltag von mindestens 300 Millionen Christen. Das soll nicht so bleiben. Deshalb haben Organisationen und Entscheidungsträger verschiedene Aktionen ins Leben gerufen. Diesen gemeinsam ist das Reden über die Lage von Christen in anderen Ländern. Das Gespräch mit Betroffenen hilft, um mehr über ihre Situation zu erfahren. Betroffene selbst zu Wort kommen zu lassen heißt, dem Unrecht eine Stimme zu geben. Eine weitere Möglichkeit ist für Christen das Gebet, das Reden mit Gott.

Um gemeinsam für die unter Verfolgung leidenden Christen zu beten, dafür gibt es den Weltgebetstag für verfolgte Christen. Diesen Tag hat die Deutsche Evangelische Allianz vor vielen Jahren ins Leben gerufen. Er findet immer am 2. Sonntag im November statt. In jedem Jahr beten Christinnen und Christen aus über 100 Ländern auf allen Kontinenten für Glaubensgeschwister, die Verfolgung ausgesetzt sind. Dabei beteiligen sich auch Gläubige aus den betroffenen Ländern. Für Gemeinden und Hauskreise bietet die Deutsche Evangelische Allianz inhaltliches Material und Gebetsanliegen an.

Gebet ist wichtig und das erbitten die bedrängten Christen auch: „Betet und denkt an uns in unserer schwierigen Situation, betet für Kraft und Durchhaltevermögen.“ Rückmeldungen zeigen, dass Christen dieses Gebet sogar spüren. Im Reden und Einstehen vor Gott halten Christen weltweit zusammen und denken aneinander, ganz gleich, ob sie ihren Glauben frei oder unter Druck leben.
 

Für Religionsfreiheit müssen wir einstehen

Die Freiheit, zu glauben – das ist auch dem Politiker Volker Kauder wichtig. Viele Jahre hat er sich in seiner Rolle als Politiker für Religionsfreiheit und verfolgte Christen engagiert und will dies auch im Ehrenamt fortführen. Europa und Deutschland sieht er als wichtiges Vorbild für andere Länder. Wenn Deutschland sich aktiv für Religionsfreiheit einsetzt, dann ist es auch anderswo leichter möglich, dieses Menschenrecht einzufordern. Vor allem wirbt Kauder für Gespräche zwischen den unterschiedlichen Religionen. Er zieht eine Verbindung von seinem Verhalten als Christ in Deutschland zur Religionsfreiheit weltweit:

Wir müssen schon für unsere Überzeugung werben. Es reicht eben nicht, zu glauben: „Ich gehe am Sonntag in die Kirche, setze mich da in die Kirchenbank und bin dankbar, dass ich mit der Politik nichts zu tun habe“. Und der Rest, wer soll das machen? Den Glauben nur für sich zu behalten und zu glauben „Hauptsache, ich selbst bin mit Gott im Reinen“, reicht nicht! – Volker Kauder

 

Kauder nutzte seine politischen Beziehungen und gründete ein weltweites Netzwerk für Religionsfreiheit. Zudem hat er sich eingesetzt für einen internationalen Beauftragten für Religionsfreiheit, der mit im Bundestag sitzt und jährlich Bericht erstattet. So wird auch im Bundestag thematisiert, wie es um die Menschenrechte in den einzelnen Staaten steht. An den amtierenden Beauftragten für Religionsfreiheit Markus Grübel übergibt Volker Kauder nun auch die Schirmherrschaft des Kongresses „Christenverfolgung heute“.
 

Über Verfolgung sollten wir reden

Am diesjährigen Weltgebetstag startet wieder der viertägige Kongress „Christenverfolgung heute“ auf dem christlichen Gästezentrum Schönblick in Schwäbisch Gmünd. Er findet dort vom 14. bis 17. November statt. Beim Kongress können Besucherinnen und Besucher an Seminaren und Vorträgen zu verschiedenen Themen teilnehmen.

Spannend wird sicherlich die Podiumsdiskussion über die Rolle der orthodoxen Kirchen in Armenien mit Vertretern aus dem Land und der Perspektive: Wie kann Kirche durch ihre historische Bedeutung neuen Aufschwung in der aktuellen Situation bekommen?

Der ERF unterstützt christliche Medienprojekte in Ländern, wo Christen unter Druck und Beobachtung stehen. Dabei hilft uns Ihre Spende. Erfahren Sie hier mehr über unser Engagement für verfolgte Christen.

In einer weiteren Podiumsdiskussion wird Volker Kauder neben Vertretern von Open Doors und Vertretern anderer Hilfsorganisationen die von ihm gegründete weltweite Parlamentariergruppe vorstellen. Vor allem aber bietet der Kongress Möglichkeiten, sich als Hilfsorganisationen untereinander zu vernetzen, auf die Berichte betroffener Christen zu hören und mit- und füreinander zu beten. Als ERF sind wir als Medienpartner vor Ort mit dabei.

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ – dazu gehört auch das Recht für Menschen, ihre persönliche Religion ausüben und wechseln zu dürfen. Religionsfreiheit steht grundsätzlich jedem Menschen zu. Doch damit dieses Recht auch Realität für alle Menschen weltweit wird, braucht es den Einsatz jedes einzelnen Menschen.

 

 Vera Nölke

Vera Nölke

  |  Redaktions-Volontärin

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